
Autor:
Brigitte von Imhof
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Unsere Autorin Brigitte von Imhof lebt die Hälfte des Jahres in Alaska. Über Bären und Elche im eigenen Vorgarten kann sie sich nicht mehr wundern. Überraschend aber ist für sie, dass die „last frontier“ dem Reisenden immer wieder Neues zu bieten hat. Etwa bei einer Tour im Wohnmobil, wie unser Reisebericht zeigt.
Morgendliche Rushhour in Alaskas größter Stadt. In einem Vorgarten knabbert seelenruhig eine Elchkuh an jungen Weidenästen, völlig unbeeindruckt vom Treiben um sie herum. Auf Anchorages 280.000 Einwohner kommen über 1.000 Elche.
Ein kapitaler Bulle hat es vergangenen Winter sogar auf die Titelseite der „Anchorage Daily News“ geschafft. Er hatte im Stadtzentrum mit seinem mächtigen Schaufelgeweih eine Lichterkette von einem Tannenbaum abgeräumt und war anschließend weihnachtlich dekoriert durch die Fifth Avenue geschlendert.
Kaum auf dem Glenn Highway, begegnen wir erneut einem Elch, diesmal auf einem großen Schild, das uns „Be aware – already 23 killed this year!“ warnt. Auf den ersten 50 Kilometern wundern wir uns über den Verkehr. In Alaska leben nur 680.000 Menschen, wieso sind sie alle gerade jetzt auf dieser Autobahn unterwegs? Offenbar wird zwischen Anchorage und den nördlich gelegenen Städten Palmer und Wasilla, dem Wohnort der berühmt-berüchtigten Ex-Gouverneurin Sarah Palin, heftig gependelt.
Doch bald herrscht Ruhe auf dem Glenn Highway und kurze Zeit später gehört uns die Straße fast allein. Hin und wieder kommen uns Trucks, Harley Davidsons und Wohnmobile entgegen. Eigentlich hielten wir unser fast neun Meter langes Gefährt schon für einen stattlichen Brummer. Doch hier sind ganz andere Kaliber unterwegs, oft groß wie ein Reisebus, viele mit Geländewagen oder hochgerüsteten Hochseefischerbooten im Schlepptau.
Aus den Chugach Mountains wälzt sich der mächtige Matanuska-Gletscher auf uns zu. Bis vor wenigen Jahren noch reichte er bis zum Glenn Highway, mittlerweile ist er einige Kilometer zurückgewichen. In der „Mountain Sheep Lodge“, einem beliebten Truck Stop, kehren wir auf einen Snack ein.
Um die Lodge herum wuselt es von sportlichen jungen Leuten. Es sind Mitglieder von Alaskas Langlauf-Nachwuchskader beim sommerlichen Berglauftraining, wie wir von unserer Kellnerin später erfahren. „Uphill running?“, tippt sich der vollbärtige, kugelbäuchige Trucker am Nebentisch mit dem Zeigefinger an die Stirn. „These kids are crazy!“ Mit seinem 560-PS-Laster muss er noch bis hoch nach Fairbanks und tags darauf weiter zu den Ölfeldern ganz im Norden an der Prudhoe Bay.
Er hat die unterschiedlichsten Güter geladen – von Zementsäcken über Autoreifen bis zu Fernsehgeräten –, die dann auf viele kleine Flugzeuge aufgeteilt und in die Eskimodörfer geliefert werden.
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