
Autor:
Stefan Nink
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Unser Reisebericht zeigt Ihnen Alternativen in Sachen Natur und Landschaft, die fast genauso attraktiv sind wie die berühmten Naturmonumente, nur weniger überlaufen.
Der Schatten kam von hinten rechts und zischte an der Felswand entlang, als befände er sich auf Kollisionskurs mit der einzigen verkrüppelten Kiefer im Canyon. Das Ding war schwarz und schnell und dann saß es vor mir auf einem Felsbrocken, hielt den Kopf schief und krächzte zweimal. Wie groß können Raben eigentlich werden? Jesus Christ! Um so ein Teil macht man besser einen Bogen, das weiß man aus den Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen. Der Rabe blieb dreisterweise hocken und beobachtete das Umrundungsmanöver aus kohlschwarzen Augen. Zehn Meter später gab's ein kurzes Flügelwuschen, dann war der Schatten wieder da, dann sein Besitzer. Fünf Meter weiter vorn, auf dem nächsten Felsbrocken.
So ging das weiter an diesem Januartag im Havasupai Canyon, einem Seitenarm des Grand Canyon, und es ging stundenlang so weiter. Daraus kann man jetzt natürlich so einiges folgern. Zum Beispiel, dass Edgar Allan Poe möglicherweise doch Recht hatte. Oder dass der Aasfresser heimtückisch wissend auch jene Hiker beäugt, die sich selbst eigentlich noch ganz fit fühlen. Oder einfach nur, dass man hier draußen im Südwesten so allein sein kann, dass einem nur ein Rabe Gesellschaft leistet. Was übrigens eine der prägendsten Erfahrungen in den Canyons von Southwest ist: Manchmal hat man das Gefühl, man sei der einzige Mensch auf diesem Planeten. Irgendwann merkt man dann, wie sich nach und nach die Sinne öffnen. Man hört anders. Man sieht anders. Man riecht anders. Und irgendwie ist man ein ganz anderer Mensch. Weil man das Gefühl hat, näher dran zu sein.
Das sind natürlich glückliche Momente, die man meist viel zu selten erlebt. Meistens sind nämlich die anderen da, und zwar in Massen. Deshalb kommt hier eine dringende Mahnung: Wer nicht im Stau vor dem Grand Canyon stehen möchte, nicht zwei Stunden lang auf eine Parklücke im Arches National Park warten will und vor allem nicht wie bei einem Volkswandertag im Bryce Canyon unterwegs sein will, sollte, ach was: muss ein paar Punkte beachten.
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