
Autor:
Knud Kohr
InsiderTipps
Colorados Berge sind voll von zähen Kerlen mit scharfen Waffen, sensiblen Dichterinnen und Wirten, die fürs erste Rendezvous Knoblauch empfehlen. Unser Reisebericht begibt sich auf die Suche nach den Cowboys des 21. Jahrhunderts.
Na, dann schieß doch!", rufe ich Fotograf Linkel zu. Der zeigt mir ein schiefes Grinsen. Hebt seine Pistole. Drückt ab. Die Kugel knallt aus dem Lauf. War es ein Fehler, ihm in der Höhenluft der Rocky Mountains eine Schusswaffe zu geben? Die Ereignisse der zurückliegenden Reisetage rasen noch einmal durch mein Gehirn.
"Welcome to Crested Butte!" So begrüßt uns Jayne, eine aschblonde Mittfünfzigerin in brauner Lederweste, vor zehn Tagen. Wir sind in Denver ins Auto gestiegen, die Rocky Mountains entlanggefahren und hinein ins Gebirge. Über Pässe, die 3.000 Meter und höher waren. Dabei haben wir uns fürchterlich verspätet. Die arme Jayne musste stundenlang am vereinbarten Treffpunkt warten.
Kurzer Spaziergang durch Crested Butte. Wir hatten eine Art Westernstadt erwartet. Zugegeben, links und rechts der Hauptstraße stehen Holzhäuser. Doch viele von ihnen sind knallbunt bemalt und vor ihnen hängen Mountainbiker und Skateboarder mit Kaffeebechern herum. Die Cafés bieten "Chai Latte to go". In den Schaufenstern Kunsthandwerk oder Schilder, die Massagen und ganzheitliche Medizin anbieten. Weshalb habe ich mir eigentlich für unseren Trip einen Cowboy-Hut gekauft, um mich unbemerkt unter die einheimische Bevölkerung zu mischen?
Jayne bemerkt unser Erstaunen. Sie führt uns in ein großes, dunkles Restaurant am Ende der Straße. Es heißt "Cowboy's Bar-B-Que and Saloon". Die Dielen sind dick und dunkel, ein Geruch von Sägemehl hängt in der Luft. Die Kellnerin bringt Teller mit dicken Steaks. Schon besser!
"Crested Butte war eine Bergarbeiterstadt", erklärt Jayne. "Anfang der 1960er waren die Minen leer geschürft und die Leute zogen in Scharen fort. Dafür entdeckten dann Skifahrer die Gegend und in den 70ern kamen dann auch die Aussteiger. Hippies, spirituelle Leute und solche mit ökologischen Lebenskonzepten. Tja", zuckt sie die Achseln, "und so wurden wir Organic-Pilates-Yoga-Exercise-Snowboard-City. Aber die Farmer und Cowboys gibt es natürlich auch noch", beeilt sie sich hinzuzufügen. "Ich zeige sie euch morgen."
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