
Autor:
Michael Saur
InsiderTipps
Miamis Bevölkerung ist eine bunte Mixtur. Die Metropole selbst trägt bevorzugt die Farbe Weiß. Nur zur Party-Time wird sie richtig grell, berichtet Schriftsteller Michael Saur („Der Schatten von nebenan“) in seinem Reisebericht.
Am Abend spielt das Cleveland Orchester im großen Konzertsaal des Carnival Center for the Performing Arts, Pierre Boulez dirigiert. In der Woche darauf wird Tosca gezeigt, und dann reist das israelische Kammerorchester an. „Die Stadt verlangte nach mehr“, sagte Miamis Bürgermeister Manny Diaz bei der Einweihung dieses modernen Komplexes, „nach mehr Klasse“. Eine Fußgängerbrücke führt über den sechsspurigen Biscaine Boulevard vom kleinen Konzertsaal zum großen. Trotz der Wölbung bricht der Weg nach links aus. „Deswegen läuft es sich auf der Brücke, als bewege sie sich auf Wasser. Die kleine Konstruktion war der schwierigste Teil des 100 Millionen Dollar teuren Kulturzentrums“, sagt Marketing-Mitarbeiterin Suzette Espino nicht ohne Stolz.
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Das alte Miami waren die Ferrari fahrenden Cops Crockett und Tubbs aus der Fernsehserie „Miami Vice“, Scarface, das schrille South Beach von Versace, Maria Carey und Gloria Estefan, mehr Salsa als Tango. Das neue Miami sind neben dem Carnival Center for the Performing Arts, immerhin nach dem New Yorker Lincoln Center das zweitgrößte Kulturzentrum der USA, ein hochkarätiger Design-Distrikt gleich neben Little Haiti, die Art Basel Miami auf ihrem scheinbar unaufhaltsamen Weg zur wichtigsten Kunstmesse überhaupt und am Horizont in den Himmel wachsende, elegante Hochhäuser, das Glas noch mit Schutzfolien versehen, von Kränen gestützt. Die Einheimischen nennen sie Flamingo-Skelette, hinter denen kleine Flugzeuge fast den Horizont berühren.
Das Licht gleißt, die Sonne entzieht gegen Mittag allem die Farbe. Sie taucht die Stadt in ein flimmerndes Weiß. „Miami ist eine Partystadt“, sagt Danny. Vor zwei Jahren zog der 40-Jährige von New York nach Miami um, „weil das Leben hier geruhsamer ist“. Der ehemalige Blumenzüchter fährt nun Geschäftsleute, Prominente und Journalisten für einen Limousinenservice durch Miami.
Er weiß, wo Beyoncé einkauft und in welchem Hotel Lenny Kravitz absteigt. Gern fährt er seine Kundschaft an der eigenen Wohnung vorbei, zwar nicht die erste Adresse, aber keine schlechte Straße. „Nah genug, um den Hund zu Fuß zum Strand nach South Beach zu bringen. Ich wünsche mir mein altes Leben nicht zurück. Miami lässt einen tun, was man will. Die Tage sind entspannt“, sagt er. „Und die Nächte länger.“
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Tom Golan sagte vor 3 Jahre 46 Wochen:
Tolle Reportage, aber das ist kein Wunder. das Buch Schatten von nebenan hab ich auch gelesen - und klasse gefunden!
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