
Autor:
Stefan Nink
Der Süden der USA, so scheint es, hat die Musik neu erfunden. Unser Reisebericht begibt sich in Georgia, Alabama, Louisiana, Mississippi und Tennessee back to the roots of rock'n'roll.
Macon, Georgia
Soundtrack des Tages: "The Devil went down to Georgia" (Charlie Daniels Band)
In Macon sind es an diesem Morgen mindestens 42 Grad. Grauenvoll heiß ist es und ich sehe überall Engel. Ja doch, Engel. Engel mit Moos auf dem Kopf, Engel mit Leichenbittermiene, Engel mit Spinnweben zwischen ihren Fittichen. Die Sonne knallt, der Schweiß rinnt und der Engel sind so viele, dass wir zwischen den himmlischen Heerscharen längst die Orientierung verloren haben - wenn der Gehörnte zum Seelenfang wirklich mal in Georgia war, hat er sich besser schleunigst wieder davongemacht. Bewachen übrigens Gräber, die Engel. Gräber, beispielsweise mit dem Rest von George Cullen, "1842-1927, Gefreiter der Konföderierten Armee, schwer verwundet bei Manassas". Das ist nun auch schon ein paar Jahre her.
Dass diese Reise auf einem Friedhof beginnt, passt irgendwie, das kann ich Ihnen jetzt schon verraten. Und zwar nicht nur, weil die allermeisten der unmittelbar Beteiligten längst tot sind. Sondern auch, weil unsere Suche nach dem Grab von Duane Allman auf dem Rose Hill Cemetery bezeichnend ist für das, was da noch kommen soll. Hier unten, in jenen Staaten, die Romantiker gern verklärend The Ole' South nennen, hier mag die populäre Musik zwar erfunden worden sein. Die Suche nach ihren Spuren aber ist eine mühsame Angelegenheit. Dieser Allman etwa. Gestorben ist er 1971, also lange nach George Cullen - aber offensichtlich schon genauso vergessen. Dabei war er mit seinen Allman Brothers nun wirklich stilbildend, wenn es darum ging, quecksilbrige Gitarrenriffs so lange übereinander zu türmen, bis man auf ihnen hinauf zu Wolke Sieben kraxeln konnte. Southern Rock nannte man das damals. Und jetzt? Zugewachsen von Zeit und Efeu, zumindest seine Ruhestätte. Keine Plastikrose, kein Gitarrenplektron, noch nicht einmal ein Teddybär. Gar nichts. Das ist schon traurig, finde ich.
Das Grab hätten wir übrigens schneller finden können: Es ist das einzige mit kleinem Zaun. Und mit "Betreten verboten!"-Schild.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde ...
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos


Kommentar hinzufügen