
Autor:
Rainer Würth
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Das „Kabeljau-Kap“ ist mit rund 1.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Rügen. Auf der Halbinsel landeten 1620 die Pilgerväter. Cape Cod bietet lange Strände und Dünen, die Kennedys, eine hohe VIP-Dichte sowie einen ganz speziellen Glamour.
Das „Kabeljau-Kap“ ist mit rund 1.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Rügen. Auf der Halbinsel landeten 1620 die Pilgerväter. Cape Cod bietet lange Strände und Dünen, die Kennedys, eine hohe VIP-Dichte sowie einen ganz speziellen Glamour.
Beine bis zum Himmel und pinkfarbene Hotpants. Knapper und enger geht es nicht. Ich staune nicht schlecht, als sie sich nach mir umdreht. Diese Frau ist ein Mann. Willkommen in P-Town! Provincetown, das „P“ steht für Party. Seit den 1970er Jahren ist der Ort Treffpunkt der schwulen und lesbischen Community der amerikanischen Ostküste.
Auf der Commercial Street von Provincetown dreht sich alles ums Sehen und Gesehenwerden. Aus dem „Boatslip Beach Club“ wummern mächtige Beats – es ist kurz nach vier Uhr und die Schlange junger Männer vor dem Eingang steht für den nachmittäglichen „Tanztee“ an. Das schrille und bunte Treiben auf der Commercial Street ist nur eine Seite von Provincetown.
Die andere Seite sind: schier endlose Strände, Dünen, Marschland und Wälder. Provincetown ist der ideale Ausgangspunkt, um mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß den Cape-Cod-National-Seashore-Nationalpark zu erkunden, der sich über 60 Kilometer Küste erstreckt.
„Ich weiß eine Menge über Wale und wir werden viel Spaß miteinander haben“, sagt John in sein Mikrofon, als sich das Whale-Watching-Boot in Bewegung setzt. Kurs: Stellwagen Bank. Der Vortrag des smarten, braun gebrannten Mittvierzigers mit der insektenhaften Sonnenbrille geht im Getöse des Schiffs unter.
Nach einer Stunde gibt es nur noch Wasser um uns herum. Dann endlich: zwei Buckelwale, eine Mutter und ihr Kalb. Wie einstudiert springt das Jungtier aus dem Wasser. Nach einer Viertelstunde haben die beiden genug und tauchen ab. „Wow! Das war eine großartige Show“, sagt John in sein Mikrofon. Dann heult der Schiffsmotor auf und es geht zurück nach Provincetown.
Bald zeichnet sich am Horizont wieder die weit geschwungene, flache Küste von Cape Cod ab. Das Pilgrim Monument schält sich wie ein auf den Kopf gestelltes Ausrufezeichen aus dem Dunst. An dieser Stelle landete 1620 die „Mayflower“ mit den ersten Pilgervätern aus England.
Daran erinnert der 75 Meter hohe Turm aus Granit. Bei guter Sicht kann man von seiner Spitze aus bis nach Boston sehen.
In Hyannis ist die Welt noch in Ordnung. Nachmittags spielt die örtliche Blaskapelle im „Public Green“. Der Rasen ist ein Teppich: supergrün und akkurat geschnitten.
Die Fassaden der Häuser wirken wie heute Morgen erst frisch gestrichen. Die Sonne scheint. „Support Our Troops“-Aufkleber glitzern auf den blitzblank geputzten Geländewagen. Zum Hafen sind es nur ein paar Schritte. Dort liegen sahneweiße Motoryachten, Segelboote und Ausflugsdampfer vor Anker. Der rostige Fischerkahn, der plötzlich durch das Bild tuckert, wirkt dabei vollkommen deplatziert – wie eine zerdrückte Bierdose auf einer Hochzeitstorte.
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