
Autor:
Knud Kohr
Nebraska? Tiefstes Amerika und durchaus berühmt. Für Steaks, die Sandhills und fünf Monate Dauerfrost im Jahr. Touristen aus Europa erwartet dort niemand. Unser Reporter war, wo sonst fast keiner war.
"Ich dachte, ich sei tot. Aber ich war nur in Nebraska." (Gene Hackman als Sheriff Little Bill Daggett in "Erbarmungslos")
Nebraska ist halb so groß wie Deutschland und hat 1,7 Millionen Einwohner, 94 Prozent davon sind Weiße. Auf je einen Menschen kommen vier Rinder. Am östlichen Ende befindet sich Omaha, die einzige Stadt im Bundesstaat, von der wir jemals gehört haben. Am entgegengesetzten Ende beginnt jener Teil der USA, den man aus Western kennt. Nebraska schien Niemandsland zu sein. Keiner unserer Freunde oder Kollegen war jemals dort. Deswegen sind wir hier.
Tracy ist 28 Jahre alt und wiegt gut zwei Zentner. Sie arbeitet als Managerin der "Lakeway Lodge" am Ortsrand von Ogallala in Nebraska. Montags bis sonntags, von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. "Was passiert, wenn dich jemand zum Essen einlädt?", will ich wissen. Tracy grinst schief. "Wenn es wichtig ist, kommt meine Mutter und springt ein." Wären die Handtücher, die sie uns reicht, politische Gefangene, müsste man angesichts ihres Zustands Amnesty International informieren. Aber das Zimmer in der "Lakeway Lodge" kostet lächerliche 25 US-Dollar pro Nacht, da will man nicht meckern. Tracy stellt als Erste die Frage, die wir in den nächsten Tagen oft hören werden: "Was macht ihr denn hier?!"
Früh am nächsten Morgen steigen wir ins Auto. Nach wenigen Meilen beginnt die Landschaft, für die Nebraska bekannt ist: die Sandhills. Von Horizont zu Horizont grasbedeckte Dünen. Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die Sandhills unbesiedelt. Während eines Blizzards im Jahr 1888 kam es in einer Rinderherde, die von Texas nach Norden getrieben wurde, zur Stampede.
Die Tiere verschwanden in der Graswüste und galten als verloren. Erst Jahre später trauten sich ein paar verwegene Cowboys, nach den Tieren zu suchen. Und stellten fest: Die Rinder lebten nicht nur, sondern hatten sich zu mächtigen, verwilderten Herden gesammelt, die frei durch die Sandhills streunten. Da nahmen Siedler die herrenlosen Tiere in Besitz, indem sie ihre Weidegründe einzäunten.
Das tägliche Leben in den Sandhills ist hart. Im Sommer können die Temperaturen an die 40 Grad und mehr erreichen, um im Herbst plötzlich zu sinken. Fünf Monate lang dauert der harte Winter, dann liegt der Schnee so hoch auf den Straßen, dass man diese nur noch per Raupe befahren kann.
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jessica harazim sagte vor 2 Jahre 18 Wochen:
Liebe Simone,
wir arbeiten dran… Danke für den Hinweis!
Beste Grüße aus der Redaktion!
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Simone Bauer sagte vor 2 Jahre 18 Wochen:
Liebe Redaktion, daraus solltet Ihr eine Serie machen. Unbekannte US-Staaten wie Idaho, Arakansas oder eben Nebraska und Nevada - schickt diesen Herrn Kohr hin und zeigt den Usern mal eine andere USA
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