
Autor:
Stephan Seiler
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Erst Güterbahn-Trasse, dann Schandfleck, nun der schönste Park New Yorks: Auf der High Line zwischen Gansevoort Street im Meatpacking District und 34th Street sind Besucher mitten in Manhattan – und doch ganz woanders, zeigt unser Reisebericht.
Die metallene Treppe an der Gansevoort Street macht nicht den Eindruck, als würde oben etwas Besonderes warten. Sie wirkt wie der Eingang einer S-Bahn-Station, nicht wie der Aufstieg zum Glück auf Stelzen.
Wer die 45 dunklen Stufen erklimmt, direkt neben dem schwarzen Schild mit der leicht zu übersehenden weißen Aufschrift „High Line“, der verlässt New York City und betritt eine entrückte Parallelwelt, aus der sich die Stadt so gut wie wohl nirgendwo sonst beobachten lässt.
Erst vor wenigen Monaten wurde der zweite Teil der High Line eröffnet. Die Größe des jüngsten Parks in New York hat sich dadurch verdoppelt. 1,6 Kilometer ist er nun lang, aber nur wenige Meter breit.
Der Name „Park“ ist eigentlich irreführend. Bei der High Line handelt es sich eher um eine grüne Promenade in zehn Meter Höhe. Sie folgt den alten Güterbahngleisen, über die zwischen 1934 und 1980 Kühe und Hühner zu den Schlachtbetrieben des Meatpacking District gefahren wurden.
Der Todestreck wurde zur Lebenslinie, als Landschaftsarchitekten begannen, die alten Gleisbetten zu bepflanzen. Mit exotischen Gräsern und Sträuchern, die irgendwelche fremden Namen tragen. So entstand der unkonventionellste Park der Stadt.
New York City ist an Grünanlagen nicht arm. Aber im Gegensatz zum Central Park besteht auf der High Line nicht die Gefahr, sich zu verlaufen. Der Weg führt immer die Schienen entlang, parallel zum Hudson River.
Durch das hippe Chelsea mit Galerien und Luxuslofts bis nach Hell’s Kitchen, das abends noch den Anschein erweckt, so verrucht, besoffen und schwul zu sein wie vor rund 30 Jahren, als die letzten Viehwaggons über die Eisenträger der High Line rollten.
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