
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Als Trittbrettfahrer durch die Stadt der Hippie-Mythen, Koch-Künstler und Monster-Muffins. In diesem Tempel des Konsums kommt Originelles und Individuelles trotzdem nicht unter die Räder. Wie unser Reisebericht zeigt.
San Francisco. Über die Golden Gate Bridge schlendern. Über sprungschanzenhafte Hügel Cable Car fahren. Und dann nach Haight-Ashbury, wo sich 1967 die ersten Hippies der Welt in den Park setzten und Joints für Liebe und Frieden rauchten. Das ist es, was San Francisco ausmacht. Habe ich jedenfalls gedacht, so erinnere ich mich im „Cityscape“, einem Restaurant im obersten Stockwerk des „Hilton“ bei Lobstersuppe, Lachs in Prosciutto gehüllt und Queso Manchego zum Dessert. Stammt übrigens alles aus Kalifornien; geschützte Herkunftsbezeichnungen, so meine erste amerikanische Lektion, hält man für europäischen Snobismus. Draußen klettert die blaue Abenddämmerung aus den Straßenschluchten herauf und über die Fassaden in den Himmel.
Auf dem Grund der Schluchten winden sich leuchtende Autoschlangen. Wie Stelen ragen die Wolkenkratzer des Financial District zwischen niedrigen Häusern empor, bunte Leuchtreklamen funkeln und hinter den Hochhäusern stirbt über der Bay und den Bergen das letzte Rot des Abendhimmels.
Wir sitzen 46 Stockwerke hoch über fluchenden Taxifahrern, über Vollzeitshopperinnen mit wehenden Mähnen und riesigen Sonnenbrillen, die unter der Last gewaltiger Gucci- und Armani-Bags ächzen, und über bettelnden Obdachlosen. Unglaublich diese, ja, göttliche Ruhe, diese Entrücktheit, sobald man der Stadt nach oben entkommen ist.
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