
Thomas Schmidt
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Wer denkt beim Grillen schon an Grillen? Viele! Die sich davon ernähren sowieso. Denn weltweit werden über 1.400 Insektenarten serviert. Ein Streifzug durch die kuriosen Rezepte der Vietnamesen, Thais und Laoten...
Ungefähr im Jahre 20 vor Reinhard Meys apokalyptischem Song über den Tod der Maikäfer* fielen die Brummer wie schwere Tropfen von den Kastanienbäumen. Wir sammelten sie ein, bargen sie in geschlossenen Kartons, bohrten Luftlöcher hinein und versorgten sie mit frischen Blättern. Die besonders Wagemutigen von uns aßen sie. Es war Nachkriegszeit. Angeblich hatten die Käfer, die uns die Natur schenkte, einen nussigen Abgang, wie wir es inzwischen kenntnisreich formulieren.
700 Grillen in der Größe von 3 bis 6 Millimetern kosten im Versandhandel 16,31 Euro. Je größer desto teurer. Da muten einen 700 Grillen zwischen 10 und 15 Millimetern für 29,65 Euro schon fast wie eine Okkasion an. Für einen asiatischen Feinschmecker trotzdem viel zu teuer und bei uns zurzeit allenfalls für Halter von Leguanen in häuslichen Terrarien oder für Connaisseure exotischer Speisen von Interesse. Denn Neuerungen gegenüber als ziemlich reflexionsresistent eingestuft, nähren wir zwar alle möglichen Grillen europäischen Kulturguts in unserem Kopf, aber gegrillte Grillen oder auf andere Weise zubereitete Insekten dieser Art kommen seltener über unsere Lippen. Saumagen, Blutwurst oder Labskaus kriegen wir da schon eher runter als solche Viecher, mit ekligen sechs Beinen, Chitinpanzer und schauerlichsten Fresswerkzeugen ausgestattet – als ob wir die ganze Zeit mit einem Elektronenmikroskop vor dem Kopf herumlaufen würden und sie ständig überdimensional vor Augen hätten .
(Wobei es an dieser Stelle wahrscheinlich Sinn macht, das Idiom „Grillen im Kopf haben“ den Nachgeborenen als für die deutsche Sprache nicht mehr zeitgemäß zu erläutern: fixe Ideen haben.)
Was uns beim bloßen Gedanken daran den Magen umdreht, das sahen zum Beispiel unsere assyrischen Vorkoster im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung locker. Die Darstellung eines Festmahls zeigt die Delikatesse Heuschrecken, die verwandt mit den Grillen sind. Griechen und Römer schoben sich auch nicht gleich die gaumenkitzelnde Pfauenfeder in den Rachen, wenn sie etwa Zikaden aufgetischt bekamen. Alles eine Frage der Gewohnheit, der Dressur, denn die alttestamentarischen Israeliten hielten Insekten, außer vier genau bezeichneten Heuschreckenarten, für nicht koscher. Was umgekehrt bei Chinesen für Kuhmilch gilt.
*Der Song heißt „Es gibt keine Maikäfer mehr"
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alter sagte vor 2 Jahre 1 Woche:
Genau das, was Sie dem Autor unterstellen nicht getan zu haben, habe ich in dem Text sehr wohl entdeckt. Nämlich, dass wir Europäer die Nase über Gerichte rümpfen, die wir nicht kennen, aber unser eigenes Zeugs (Labskaus oder Kälberfüße von mir aus) kritiklos verkosten. Und dass man in Asien andere Gericht auf der Speisekarte findet, weiß man auch nicht erst seit den 80er Jahren. Deshalb empfinde ich Ihre Schulnotenbewertung 1. albern und 2. total daneben. Wir sehen uns beim Grillen!
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F. Zippor (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 2 Wochen:
Unglaublich schlechte Reportage! THEMA total verfehlt, setzen, sechs!
Dass in Asien Insekten oft (und meist sehr gut) auf die "Speisekarte" gehören weiss man seit den 80er Jahren.
Ich empfehle dem "Autor" einen Pauschal-Trip in Bangkok !!! und den Mut die angebotenen Insekten zu essen/probieren.
Besonders sicher ißt er sie dort wo viele Touristen sind, zB Khao San Road oder Path Pong (Nighlife area) - dort muss man die Insektenverkäufer nicht gross suchen, die freuen sich wenn der Touri gerne 2 Euro für eine Portion zahlt für die ein Landsmann gerade mal 10 ct ausgeben würde.
Aber seis drum, ich sehe das immer als Enwicklungshilfe an und freue mich jetzt schon auf die nächsten frittierten (NICHT gegrillten) Heuschrecken (NICHT Grillen).
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