Länderberichte

Abu Dhabi | Im Kajak durch die Mangroven

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Abu Dhabi steht für spektakuläre Hotels, ambitionierte
Kulturvisionen und hochkarätiges Entertainment à la
Formel 1. Doch auch das geht: Paddeln durch natürliche
Mangroven – Skylineblick inklusive

„Gestern haben wir von unserem Kajak aus Delfine gesehen“, schwärmt Selar und deutet auf die nicht weit entfernte Landspitze der mangrovenbesetzten Insel. „Sogar Seekühe haben wir hier schon beobachtet.“ Heute jedoch scheinen sich die Meeressäuger an anderer Stelle aufzuhalten, die Wasseroberfläche ist glatt wie ein Babyhintern. Dafür sehen wir einige Reiher, Flamingos und andere Wasservögel – und später dann jede Menge kleine Fische und Krabben.

So viel Grün mitten in Abu Dhabi

„Die Mangroven sind die Kinderstube zahlreicher Fischarten“, erklärt der 38-jährige Inder und sticht sein Paddel ins Wasser. Selbst das slowakische Pärchen, das noch nie in einem Kajak saß, hat das synchronisierte Links-Rechts schnell raus. Dank kurzer Einführung von Selar und seinen Kollegen des Anbieters „Sea Hawk“ am Bootsablegeplatz, eines schwimmenden Pontons gleich hinter dem „Eastern Mangroves Hotel & Spa by Anantara“. Und dank des ruhigen Fahrwassers. Denn der mitten in der 600.000-Einwohner-Stadt gelegene und als Nationalpark deklarierte, 19 Quadratkilometer große Mangrovenpark ist durch mehrere vorgelagerte Inseln stark geschützt.

Unsere Gruppe ist klein – typisch für die Kajak-Touren hier. Zu ihr zählen der Slowaken-Zweier, Selar, ich und noch eine Einzelpaddlerin aus Kanada. Die kennt Kayaking aus Toronto, wo sie von klein auf regelmäßig zum Paddeln in den Algonquin-Nationalpark fuhr. „Es fühlt sich an wie zuhause, nur eben angenehm warm!“ Das ist leicht untertrieben, denn selbst im November wird vormittags rasch die 30-Grad-Grenze überschritten, da sind Sonnenschutz, Sonnencreme und genügend Trinkwasser Pflicht – Schatten gibt es bei der rund zweistündigen Tour so gut wie keinen. Wer hitzeempfindlich ist, sollte also unbedingt die Morgenrunde um 7 Uhr buchen, die Mittagsfahrten um 11 und 14 Uhr sind eher etwas für Hartgesottene – erst recht im Sommer, wenn das Thermometer hart an der 50-Grad-Grenze kratzt.

Mangroven, die Wunderpflanzen im Salzwasser

Zumindest eine kleine Erfrischung verspricht das Meer (auch wenn es mit rund 27 Grad nicht unbedingt kühl ist), in dem man bedenkenlos baden kann. Eine Möglichkeit dazu bietet sich nach etwa einer halben Paddelstunde, als wir bei einem einsamen Holzpavillon eine Pause einlegen. Da werden die Kajaks in den Sand geschoben, Getränke und Fruchtsalate aus Selars Kühltasche verteilt und relaxt. Hier befinden wir uns schon richtig in der „Wildnis“. Die Hotels und anderen Wassersportangebote von Sea Hwak – kleine Motorboote und Stand-Up-Paddle-Boards – sind längst nicht mehr zu sehen, alles um uns herum ist grün, eine Mischung aus Mangroven, Salzsümpfen, Wattgebieten und Algenkolonien. An den Ufern des Mangrovenparks ist es mitunter noch sandig, aber im Innern dominieren Wasserflächen, aus denen die typischen Mangrovenwurzeln und meterhohen, lichten Bäume herausragen. Ein Wunder, wie diese Pflanzen im Salzwasser bestehen können. Und ein Wunder, was sie alles können: gegen Gezeiten schützen, Kohlendioxid aus der Luft filtern, das Wasser reinigen.

Für jeden das Richtige dabei: Es gibt Einer- und Zweikajaks und für Standfeste auch SUP-Boards

Für jeden das Richtige dabei: Es gibt Einer- und Zweikajaks und für Standfeste auch SUP-Boards

Nun kommen die widerstandsfähigen Bäume in vielen tropischen und subtropischen Regionen der Welt vor, dieser Ort jedoch ist besonders. Wo kann man schon in einem quasi unberührten Mangrovenwald unterwegs sein und zugleich den Blick auf die Skyline der nahen Downtown genießen? Eben nur in der Boomstadt Abu Dhabi, wo innerhalb von gerade einmal fünf Jahrzehnten aus öder Wüste eine florierende Großstadt mit weltbekannten Hotels à la „Emirates Palace“ und „Jumeirah at Etihad Towers„, einer topmodernen Formel-1-Strecke und einem Kulturviertel mit Hochkarätern wie dem wohl 2017 eröffnenden „Louvre Abu Dhabi“ entstand. Da ragen über dem Blätterdach in nur wenigen Kilometern Entfernung eine Handvoll Wolkenkratzer empor, darunter ein aus drei Türmen und einem verbindenden Querriegel bestehender Gebäudekomplex, der stark an das markante „Marina Bay Sands“ in Singapur erinnert. Generell sind die Hochhäuser zwar bei Weitem nicht so zahlreich wie im gerade einmal eine Autostunde entfernten Dubai, aber dennoch imposant.

Abenteuerflair im Kanaldickicht

Das Beste kommt nach der Pause. Da verlassen wir den relativ breiten Kanal, der zwei große Inseln trennt und bahnen uns einen Weg durch das nasse Dickicht, wo die Fahrrinne zunehmend schmäler wird. Schließlich rückt das lockere Wurzel- und Pflanzengeflecht immer näher, bis das zweieinhalb Meter lange Paddel gerade noch so benutzt werden kann. „Das Durchkommen kann nicht immer gewährleistet werden“, meint Selar, „weil die Befahrbarkeit stark von Ebbe und Flut abhängt. Wir haben gerade Glück.“

An manchen Stellen steckt man regelrecht fest - umso glücklicher sind die Paddler, wenn es dennoch weitergeht

An manchen Stellen steckt man regelrecht fest – umso glücklicher sind die Paddler, wenn es dennoch weitergeht

Das spüren wir an so mancher Engstelle, als das Kajak deutlich Bodenkontakt hat. Dann hilft nur beherztes Stochern und Abstoßen, um sich über den Sand zu schieben, bis es wieder die entscheidenden Zentimeter tiefer wird. Diese Momente sind Gold wert: die Ruhe, der ganz leichte Wind, das komplette Fehlen von Zivilisationsanzeichen, auch die Skyline ist von hier aus nicht auszumachen. Kurz: Die Verbundenheit mit der Natur ist groß, die von unten durch kleine Löcher strömende Feuchtigkeit allerdings auch. Gut, wer eine Badehose anhat! Und gut, wer die Augen offen hält: In dem klaren Wasser, das ständig leicht in Bewegung ist, sind Tausende winziger Fische zu beobachten. Und schwarze Krabben, die sich rasch an die Seiten der „Fahrrinne“ bewegen, sobald sich das Boot nähert.

Für manche der perfekte Start in den Wüstentag: zwei Stunden Paddeln am Morgen

Für manche der perfekte Start in den Wüstentag: zwei Stunden Paddeln am Morgen

Als wir nach einer halben Stunde Indiana-Jones-Feeling, in der wir uns nur mit gehörigem Abstand hintereinander einen Weg bahnen können, wieder in breiteres Gewässer kommen, erzählt Selar, dass der Schutz der Mangroven generell in Abu Dhabi hohe Priorität genießt. So wie der Schutz der Schildkröten auf der nahen Saadiyat Island, wo gerade zahlreiche Strandhotels und eben der neue Kulturdistrict samt Louvre und Guggenheim-Museum entstehen (und ein großes Turtle-Schutzprogramm aufgelegt wurde). Es scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen: Was gut für die Natur ist – und das ist ja oft so – ist auch gut für den Menschen. Die Kanadierin jedenfalls findet: „Schöner kann man den Tag in der Wüstenstadt nicht beginnen als mit einer ausgiebigen Paddeltour!“

Infos

Kajaktouren mit Sea Hawk: Abfahrt am „Eastern Mangroves Hotel & Spa by Anantara“, Kosten: 160 Dirham (ca. 40 Euro), Kinder ca. 30 Euro; Start täglich um 7, 9, 11, 14 und 16 Uhr, Dauer: ca. 2 Stunden; man kann die Mangroven auch im kleinen Motorboot befahren (ca. 75 Euro für bis zu 7 Personen)

Generelle Abu-Dhabi-Informationen: Abu Dhabi Tourism

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.

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