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Aida Prima | Drei Wetter Raft

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Die „Aida Prima“ wurde für Allwetter-Kreuzfahrten konzipiert. Wir machten die Probe aufs Exempel und schipperten zu den „Metropolen am Ärmelkanal“ und lernten nicht nur das Schiff, sondern auch interessante Alternativen zu London, Paris und Amsterdam kennen

Der markante, senkrechte Vorsteven, das geschlossene Vordeck und der gläserne Skywalk hoch über dem Meer – damit heben sich die „Aida Prima“ und die Schwester „Aida Perla“ aus der Hyperion-Klasse schon äußerlich klar von der restlichen Kussmundflotte ab.

Aida Prima: besonders markant sind das Vorderdeck und der senkrechte Bug

Der coolste Spot?

Die „Aida Prima“ mit Platz für 4.200 Menschen auf 300 Meter Länge und 18 (!) Decks startete im Mai 2016 zur ersten Kreuzfahrt im klimatisch alles an­de­re als verlässlichen Ärmelkanal.

Der spannendste Ort an Deck ist ohne Frage der vom Fahrtwind umtoste Ausguck der „Spray Bar“ direkt über dem Bug. In der strahlend weißen, sich über zwei Decks erstreckenden Schampus-Kapelle dahinter sorgen organisch ggewölbte Wandflächen sowie schrille Lichteffekte für Raumschiff-Feeling – auch ohne überreichlichen Genuss von Produkten des Markenpaten Moët & Chandon.

Bei der Ausstattung der „Aida Prima“ wurden überall gestalterische Duftnoten gesetzt. Blattgold hier, pfiffige Beleuchtung dort, verspielte Sitzmöglichkeiten und extravagante Wandverkleidungen, während es in den Kabinen gedämpft und reduziert zugeht. Lustige Idee und auch bei Kälte und Regen sehr populär: die Whirlpools mit Meerblick direkt an der Reling des Lanai-Decks.

Wetter? Egal!

Wichtig für die Allwettertauglichkeit sind die Wasserspaß-Arena „Four Elements“ mit zwei Rutschen über drei Decks, Pools, Strömungskanal Lazy River und Klettergarten sowie der komplett überdachte Beach Club unter einem UV-durchlässigen Foliendom. Damit sind Bräunen und Badevergnügen auch bei Schmuddelwetter garantiert. Abends wird der Beach Club zum Dance Floor, die Dachfolie beleuchtet und zur „Leinwand“ für Video-Effekte.

Zu Ferienzeiten sind bis zu 1.500 Kinder an Bord. Das entspricht immerhin der Gesamtgästezahl der „Aida Cara“. Da trifft es sich gut, dass die Planschbereiche für Groß und Klein räumlich getrennt wurden und dass Kindern der Zugang zum Wellnessbereich verwehrt bleibt.

Auf der „Aida Prima“ gibt es zwei Bereiche, die nicht für alle zugänglich sind. Das Patio Deck (siehe 360-Grad-Panorama-Foto) und die AIDA-Lounge sind für Suitengäste reserviert.

Guten Appetit?

Neben Buffetrestaurants wie dem „Markt Restaurant“, „Bella Donna“, „East“ (asiatisch, aus meiner Sicht wird hier zu dezent gewürzt), „Fuego“ und „Weite Welt“ gibt es Restaurants mit Bedienung: „French Kiss“, „Casa Nova“ und „Brauhaus“ (legendäre Aida-Erfindung, die mit frisch Gebrautem aus entsalztem Meerwasser einen kleinen Teil der täglich an Bord konsumierten 1.100 bis 1.500 Liter Bier liefert). Dort zahlt man für die Getränke, aber das Essen ist inkludiert.

Das „Rossini“ ist kreativ designed, wer mit dem Rücken an der „beuligen“ roten Wand sitzt, bekommt schnell Haltungsprobleme

Kostenpflichtig sind die Aida-Dauerbrenner „Rossini“ (sehr gutes Fine Dining) und „Buffalo Steakhaus“ (perfekt und auf den Punkt gegarte Steaks) sowie die neue „Sushi Bar“, die mit exzellenten Kreationen zu sehr fairen Preisen begeisterte.

Null Convenience in der Küche

Dafür, dass oben immer alle Gäste alle Gerichte frisch auf den Teller bekommen, sorgen im Bauch des Schiffs in der „Galley“ 220 Mitarbeiter, die rund um die Uhr kochen, backen, 86 verschiedene Desserts anrichten, zentnerweise Zwiebeln schneiden, Soßen in 500-Liter-Behältern reduzieren, Fleisch und Fisch zubereiten und Obst würfeln – alles unter der Ägide von Küchenchef Alexander Massenkeil und Executive-Sous-Chef Ralf Fischer. Deren Reich ist „convenient-freie Zone“, wie mir Fischer versichert und beim Rundgang beweist.

Spontan? Eher nicht

Spontaneität – für viele Menschen ein wichtiger Aspekt im Urlaub – ist auf der „Aida Prima“ ein klein wenig schwierig. So ist der Spa-Aufenthalt nicht nur kostenpflichtig (Woche 99 Euro), sondern sollte auch vorab gebucht werden, da pro Tag nicht mehr als 120 bis 150 Personen Zugang bekommen. Kurzentschlossen nach einem windig-kühlen Tag an Land in die Sauna? Da braucht man Glück, um zu Stoßzeiten Einlass zu bekommen. Frühaufsteher können das Organic Spa mit schönen Sau­nen, Ruheräumen und Jacuzzis auf dem Außendeck für nur zehn Euro zwischen 7 und 10 Uhr nutzen.

Das Schiff ist das Ziel?

Bei so vielen Restaurants, Bars, Sport- und Freizeitangeboten, Kursen und fast ununterbrochenem Entertainment muss man nicht von Bord gehen, um eine Woche rumzubringen. Staycation ist angesagt, das Schiff als Reiseziel. Die Destinationen rücken in den Hintergrund. „Es gibt Gäste, die zwischen April 2016 und April 2017 die gleiche Reise schon acht Mal gemacht haben“, ver­rät General Manager Konstantin Burkämper.

Landgang 1: Southampton statt London

Man kann das 130 Kilometer und damit gut und gern zweieinhalb Busstunden entfernte London ansteuern, muss man aber nicht. Allzu viel bekommt man in den wenigen Stunden nicht zu sehen.

Vom Southampton Ocean Cruise Ter­minal ist es nicht weit zum Tudor House, dem SeaCity Museum, der städtischen Kunstgalerie, zu Resten der drittlängsten Stadtmauer des Königreichs sowie der ziem­lich abgerockten Einkaufsmeile High Street mit ihren trashigen Shops, Fast-Food-Läden, Tattoo-Studios und großen Shopping-Malls.

Landgang 2: Le Havre + Honfleur statt Paris

Statt das 200 Kilometer und drei Busstunden entfernte Paris für einen knapp einstündigen Sightseeing-Quickie anzusteuern, lieber einen Ausflug ins 30 Busminuten entfernte normannische Honfleur an der Mündung der Seine machen (siehe 360-Grad-Panorama weiter unten) oder durch das von moderner Betonarchi­tektur aus den 1950er-Jahren geprägte Le Havre bummeln.

Landgang 3: Rotterdam statt Amsterdam

Auch hier wieder ein „Man könnte“… ins nur 80 Kilometer Amsterdam fahren. Mein Tipp: Auf jeden Fall in Rotterdam bleiben und dessen verrückte moderne Architektur (Markthalle, De Rotterdam, „New York Hotel“ im früheren Hauptquartier der Holland America Line) sowie attraktive Museen wie die Kunsthalle, das Museum Boijmans Van Beuningen unter anderem mit Werken von Rembrandt, Van Gogh, Kandinsky, Magritte, Dalí, Kokoschka und Leonardo da Vinci oder das Witte de With, ein Museum für zeitgenössische Kunst, genießen. Am einfachsten geht das zu Fuß, per Hop-on-Hop-off- Bus oder mit der historischen Tramlinie 10 (leider nur im Juli und August).

Die Umwelt-Frage

Umwelttechnisch steht die „Aida Prima“ recht gut da. Ein Luftblasenteppich unterm Rumpf reduziert den Strömungswiderstand und senkt den Kraftstoffverbrauch um etwa sieben Prozent. Laut Angaben der Reederei kommt die „Aida Prima“ auf rund 2,7 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer und Person an Bord.

Während der Liegezeiten in Hamburg, Rot­terdam, Le Havre, Southampton und Zeebrug­ge wird Flüssigerdgas (LNG, hochkomprimiertes, auf minus 162 heruntergekühltes Erdgas) statt Ma­rine Gasoil verbrannt. Voraussetzung war ein komplexer und langwieriger Genehmigungsprozess für jeden einzelnen Hafen. So kommt die „Aida Prima“ auf einen Gasbetrieb während 40 Prozent der Gesamtreisezeit.

Die „AidaPrima“ wird mit LNG betankt

LNG (Liquefied Natural Gas) setzt bei der Verbrennung 80 Prozent weniger Stickoxide und 20 Prozent weniger Kohlendioxid frei als Marine Gasoil – und so gut wie keine Rußpartikel, Schwermetalle und Schwefeloxide.

Seit 2015 sind Ost- und Nordsee inklusive Ärmelkanal ohnehin sogenannte Emission Control Areas, in denen nur Marine Gasoil mit einem Schwe­felanteil von 0,1 Prozent verbrannt werden darf. Gegenüber Schweröl sinkt die Menge der freigesetzten Stickoxide um 86 Prozent, die der Rußpartikel um 96 Prozent und die der Schwefeloxide um 99,5 Prozent. Beim Einsatz von Schweröl außerhalb der ECAs halten auf der „Aida Prima“ Katalysatoren um die 90 Prozent der Stickoxide zurück und wäscht der Scrubber gut 90 Prozent der Schwefeloxide aus.

Leider sind bislang weder das Mittelmeer und noch weite Teile der Karibik eine Emission Control Area, im Gegensatz zu den Küsten der USA und Kanadas (hier gilt die 200-Seemeilen-Grenze), von Hawaii, den US-Jungferninseln und der Großen Seen. Ab dem 1. Januar 2020 an darf Schiffsdiesel auch außerhalb der ECAs nicht mehr als 0,5 Prozent Schwefel statt bislang 3,5 Prozent enthalten.

Weniger Abgase ab 2020

Bei aller berechtigten Besorgnis um die Umwelt sollte man die Relationen nicht aus den Augen verlieren: Der Anteil aller Kreuzfahrtschiffe an der weltweiten Flotte, die ohne Filtertechnik mit Schweröl und in Häfen mit Marine-Diesel unterwegs ist, liegt bei vier Prozent. Wer diese Ultrafeinstaub-Schleudern vermeiden will, darf keine Autos, Elektronik oder Kleidung aus China, Japan, Korea, Indien und Bangladesch kaufen, sollte nicht mehr fliegen, nicht mit dem Auto fahren, keine Mittelmeerfähren benutzen, auf jeden Fall umgehend seinen ge­lieb­ten Kaminofen sowie seine Pelletheizung ver­schrot­ten: Heizen mit Holz produziert mehr Feinstaub pro Kilojoule Wärme als alle ande­ren Energieträger.

Im Herbst 2018 läuft das neueste Aida-Schiff in der Meyer Werft vom Stapel – es wird das erste Kreuzfahrtschiff der Welt sein, das zu 100 Prozent mit LNG betrieben wird. Im Frühjahr 2021 folgt das zweite Aida-Schiff mit dieser innovativen Technik. Die Schwestergesellschaft Costa hat bei der Meyer Werft zwei Riesen-Cruiser in Auftrag gegeben, die ebenfalls nur mit LNG betrieben werden sollen und zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt zählen werden. Ab der Saison 2019/2020 bie­ten sie in 2.662 Kabi­nen Platz für 6.600 Passagiere und über 1.600 Mann Crew.

Info Aida Prima/Aida Perla

Eine Woche an Bord der „Aida Prima“ oder der „Aida Perla“, die ab März 2018 auf der beschriebenen Ärmelkanal-Route zum Einsatz kommt, kostet in der Innenkabine ab 749 Euro, in einer Balkonkabine ab 849 Euro

 


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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