Länderberichte

Albanien | Auf Entdeckertour

Natur in Albanien
Joachim Chwaszcza
Geschrieben von Joachim Chwaszcza

Albanien ist mehr als Karl Mays „In den Schluchten des Balkan“, Blutrache, Bunker und sozialistisches Balkangrau. Wir zeigen euch traumhafte Strände im Süden, spannende Wander-Trails in den Bergen und die neue albanische Küche

Knapp zwei Stunden Flugzeit ab München ist man im touristischen Off. Albanien, kaum bekannt und in vielen Regionen weitgehend touristisch unberührt, bietet eine lohnende Kombination aus klassischer Rundreise, faszinierenden Naturerlebnissen und herzlicher Gastfreundschaft. Ganz entgegen den Klischees zeigt sich das Land bunt, locker, vielseitig und entspannt spannend. Noch steckt vieles in den touristischen Kinderschuhen, aber genau das ist der besondere Reiz für alle, die Reisen und Abenteuer miteinander verbinden.

Mysterious South – Outdoor-Trails zwischen Küste und Bergen

Tage am Strand können bekanntermaßen lang werden. Was liegt also näher, als die Region auch wirklich zu entdecken. Die kulturellen Höhepunkte wie etwa Butrint – der Nationalpark und die gleichnamige Ausgrabungsstätte mit griechischen und römischen Relikten sind Unesco-Welterbe – sowie die osmanische Festung des Ali Pascha in Porto Palermo sind an einem Tag erledigt. Die weitgehend unberührte Natur hingegen ist ein großes Thema in Albanien! „Mysterious South“ – mit diesem Slogan präsentiert sich die wenig bekannte südliche Küstenregion und das bergige Hinterland.

In Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit „GIZ“ wurde ein beachtliches Netz von Wanderwegen, Mountainbike-Trails und kleinen Pensionen geschaffen und somit eine nachhaltige Tourismusentwicklung gefördert. Markierte Wanderwege, GPS-Daten, Off-Road-Touren – es funktioniert.

Ein echter Traumweg ist der neu erschaffene Hiking-Trail entlang der Küste von Dhërmi bis Himara. Ein Tagesrucksack ist schnell gepackt, Sonnenschutz, genügend Wasser und eine Brotzeit sollte man einstecken. Dann kann es auch schon auf den rund 20 Kilometer langen Trail gehen. Absolutes Highlight dieser Wanderung ist die Bucht von Gjipe. Kann eine Bucht schöner sein?

Peaks of the Balkans – Trekking im Norden

 Die bis zu 2.700 Meter hohen Berge im Norden Albaniens sind ein wahres Dorado für Wanderer und Bergsteiger. Absolutes Highlight sind die Täler von Thethi und Valbona – beide Orte liegen in traumhaften Nationalparks. Inzwischen legendär ist der Trail „Peaks of the Balkans“. Der Weitwanderweg führt durch die „Verwunschenen Berge“ im Drei-Länder-Eck von Albanien, Montenegro und Kosovo. Die markierten Trails, einfache Gaststätten und Pensionen bieten inzwischen eine sehr passable Infrastruktur für alle, die Berge, Bären und Einsamkeit im Urlaub lieben.

Wer es wild und einsam liebt, ist hier richtig

Die einst verlassene Region rund um Thethi ist Natur pur. Vor gut zehn Jahren lebten hier nur noch fünf Familien. Heute hat sich die Einwohnerzahl dank des Wandertourismus verzehnfacht. Neben Tageswanderungen, botanischen Erkundungstouren und teils anspruchsvollen Klettereien bietet der „Peaks of the Balkans Trail“ die größte Herausforderung in den Albanischen Alpen.

Man benötigt etwa zehn Tage, Gepäcktransport ist möglich, organisatorische Hilfe vor Ort kein Thema. Und wer es noch wilder will, steigt am Koman-Stausee von der Fähre und wandert durch die Berge im Regionalpark Nikaj-Mërtur bei Tropojë. Wilder und einsamer geht´s dann kaum.

Zitronen und Olivenöl

Fleischspieße, Lammrippchen, Joghurt und Schafskäse – in Albanien muss keiner schlecht essen. Nicht im Norden und schon gar nicht im Süden. Immer ist alles frisch, aus dem eigenen Garten, viel Gemüse, viel frisches Obst, reichlich Joghurt und Schafskäse. In den Bergen Lamm, an der Küste Fisch – Albanien ist eine echte kulinarische Entdeckung. Basic und fein, es lohnt sich, den Tipps nachzuschmecken. Etwa wie beim kurzen Stopp im „Veranda“ in Qeparo.

Ökologisch, regional und handverlesen

Mit einem kräftigen Schnitt teilt Wirt Pano eine Zitrone in zwei Hälften. Der goldgelbe Saft tropft schon bei der ersten Berührung der Klinge mit der Schale auf den Boden. Dann klappt Pano die beiden Hälften auf und meint bescheiden, dass Zitronen eben nicht immer nur Zitronen seien. Manche, so wie seine, seien etwas ganz Besonderes. Nicht umsonst hat man bereits früher von hier Zitrusfrüchte in die ganze Welt exportiert – Götterfrüchte. Kombiniert mit dem eigenen, schweren Olivenöl, Brot und dunkelroten Tomaten aus dem Garten ist das Geschmack pur. Eine Köstlichkeit, die einem Albanien ins Herz brennt. Alles auf dem Tisch ist selbst gezogen und geerntet, handverlesen, ökologisch und regional. Qualität ist Tradition. Einfach und gut, um nicht zu sagen, hervorragend. Also bitte!

Albaniens Küche trumpft auf

Panos und Mariellas Restaurant „Veranda“ in Qeparo ist ein typisches Beispiel für das neue kulinarische Albanien. Was kein Mensch vermuten würde, wird zum Erlebnis. Albaniens Küche trumpft auf. Ob lokal oder mit internationalem Touch, ob ländlich oder kulinarisch fein kreiert – es ist eine Lust und ein wahrer Genuss, sich durch Albaniens Süden zu schlemmen.

Edel und maritim in der Hafenstadt Durrës, wo man besser Meeresfrüchte speisen kann als in vielen italienischen Orten. Oder aber in der Hauptstadt Tirana im „Mullixhiu“ bei Bledar Kola. Egal ob ländlich rustikal mit Ziege und Schafskäse im Hinterland oder in einem der neu entstandenen Agriturismo-Projekten – Fisch, Fleisch, Gemüse kommt aus erster Hand. Das bei uns so hoch gelobte „Null-Kilometer-Menü“ ist hier die Regel, nicht die Ausnahme.

Kombination aus internationaler Küche und lokalem Ambiente

Die Finesse und die Kreativität haben die jungen Küchenmeister in den Jahren der Abwesenheit gelernt. In Italien, in Frankreich oder wo auch immer sie auf ihrer Flucht vor Enver Hoxhas kranker sozialistischer Diktatur gestrandet waren, sind Albaner als Hilfskräfte und Köche in den Küchen der Welt untergekommen. Heute setzen sie ihr Wissen um und kombinieren internationale Küche mit lokalem Ambiente. Und das mit großem Erfolg!


Info

Die Top Five im Süden

Berat
Die „Stadt der 1.000 Fenster“ wurde bereits unter dem sozialistischen Despoten Enver Hoxha zur Museumsstadt erklärt. Heute gilt die Altstadt als seltenes Zeugnis komplexer osmanischer Städtearchitektur.

Gjirokaster
Der ehemalige Despot Enver Hoxha und der Schriftsteller Ismail Kadare wurden in Gjirokaster geboren – allein das wäre schon einen Besuch wert. Aber Gjirokaster, eine der ältesten Städte Albaniens, ist ein vielschichtiger Schmelztiegel. Osmanische und orthodoxe Elemente verschmelzen in der malerisch am Hang gebauten Altstadt mit der schweren albanischen Seele.

Butrint
Bedeutendste antike Ausgrabung auf albanischem Boden mit Akropolis und Baudenkmälern aus mehr als 1.000 Jahren. Die ältesten Funde gehen bis ins 10. Jahrhundert v. Chr. zurück.

Das „Blaue Auge“
Eine fleißig sprudelnde Karstquelle mit schimmernden Blau- und Grüntönen. Im „Syri I Kalter“ kann man auch baden, aber bei 12 Grad Wassertemperatur empfehlen sich nur die heißen Sommertage für einen Sprung ins Nass.

Strände zwischen Llogarapass und Saranda
Wer hier nicht hält, ist selber schuld. Dhërmi Beach, die Gjipe-Bucht, Ksamil-Strände und Inseln…

 

Genuss plus

„Mare Nostrum Cuisine“, Saranda Jonianet 20, Saranda, Tel. +355/ 85 22 43 42
Mediterranes Seafood und Pasta sind hier die richtigen Empfehlungen

„Restorant Picante“, Lagja 1, Shetitorja Taulantia, Durrës,
Italienische und albanische Küche im Crossover und vom Feinsten!

 „Veranda Bar Restaurant“, Qeparo qender, Qeparo 9416, Tel. +355/ 6 96 71 84 88
Bei Pano sollte man sich etwas Zeit nehmen. Das lohnt sich, auch wenn das Lokal selbst noch im Aufbau ist

„Çobo Winery“, Ura Vajgurore, Berat, Albanien
Weingut der Spitzenklasse nach italienischem Vorbild

„Mullixhiua“, c/o Bledar Kola, Diga e Liqenit
Bledar Kola ging zunächst bei Sterneköchen in die „Lehre“ – jetzt sorgt er in Albanien für kulinarische Furore

„Mrizi i Zanave“, Rruga Lezhë – Vau i Dejës, Fishtë 4505
Ein paar Stunden sollte man sich schon Zeit nehmen für dieses ländlich-kulinarische Top-Vergnügen in einem echten Agriturismo erster Klasse

 

Albanien – Der verträumte Süden

Autorenreise mit Joachim Chwaszcza zu den „Top Locations“ in Süden!

Albaniens Süden ist ein Kaleidoskop der Vielfalt. Berat, Gjirokaster und Kruja sind die malerischsten Städte, Ksamil und Dhërmi die Top-Strände. Tradition, Kunst und Kunstfertigkeit zwischen orthodoxen Kirchen und islamischem Städtebau. Natur und Genuss – kulinarische Höhepunkte mit Käse und Raki hoch über dem Meer und lässig-feinem Ambiente im Strandrestaurant. Auf Panorama-Trails geht es entlang der Küste und ins Hinterland. Joachim Chwaszcza war die letzten Jahre mehrmals für nachhaltige Tourismusprojekte in Albanien tätig. Es ist eine mit viel Herzblut geführte Entdeckerreise in den unbekannten Süden Albaniens.

Termin: 18.–28. Mai 2017 Preis: pro Person im Doppelzimmer 1995 Euro.
Weitere Informationen finden Sie hier!

Über diesen Autor

Joachim Chwaszcza

Joachim Chwaszcza

„Man muss manchmal nicht nur über den Tellerrand, sondern auch in den Abgrund blicken.“ Ungewöhnliche Perspektiven sind für Reisende Alltag, sie in gute Geschichten zu packen eine spannende Herausforderung. Seit über 20 Jahren fährt, schreibt und fotografiert Joachim rund um die Welt. Sein Schwerpunkt: Berge, Menschen und immer wieder neue Wege.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus