Reisen

Südostasien | 10 Alleinreise-Tipps für Frauen

Martina Miethig
Geschrieben von Martina Miethig

Können junge Frauen ohne Probleme allein durch Thailand, Kambodscha oder Vietnam reisen? Ja, meint unsere Südostasien-Expertin Martina Miethig.

Wer unterwegs ist und reist, nicht „nur Urlaub“ im Strandhotel macht, muss in Südostasien (wie auch in Südamerika, in der Karibik, in Afrika und Arabien) den fremden Kulturen mit Respekt begegnen. Wichtig sind auch Rücksichtnahme, Achtsamkeit – und eine gehörige Portion Menschenverstand und Bauchgefühl. So weit zu den Selbstverständlichkeiten.

Hier 10 Dos and Don’ts für junge Frauen und Alleinreise-Tipps zu den Ländern Südostasiens.

#SITTEN UND GEBRÄUCHE

Die richtige Vorbereitung ist das A und O, also sich vorher über die Landessitten schlaumachen. Am besten geht das nicht mit Rumgoogeln, sondern mit gut gemachten Reiseführern von kompetenten Autoren etwa von Marco Polo, Bruckmann oder Lonely Planet Traveller.

Eine wichtige Frage etwa ist: Hand geben oder nicht? Wer die traditionellen Begrüßungsformen anwenden will, sollte auch die dafür geltenden „Hierarchien“ beachten. Grüßt man in Thailand Zimmermädchen oder Rezeptionist mit dem Wai (vor der Brust aneinander gelegte Handflächen), wie „Gleichrangige“, so wirkt dies bestenfalls unverständlich, wenn nicht sogar lächerlich.

Ein paar wichtige Worte in der Landessprache sind nie verkehrt und öffnen Türen und Herzen! Dafür gibt es praktische Taschensprachführer, oft stellen (gute) Reiseführer den Mindestwortschatz vor – in einfach auszusprechender Lautschrift. Auch gut gemachte Apps können hilfreich sein.

Mönch beim Meditieren

In Tempeln und gegenüber Mönchen vernünftig gekleidet und dezent auftreten

#KLEIDUNG/TEMPEL

Der zweite Alleinreise-Tipp betrifft das Reise-Outfit. Minirock oder besser lange Hose bzw. Rock? Südostasiens Gesellschaften sind zumeist buddhistisch und muslimisch geprägt und daher konservativ. Wenigstens ein paar „anständige“ schulter- und kniebedeckende Kleidungsstücke gehören – wie das Oropax – selbstverständlich ins Gepäck!

Auch ist ein BH für „drunter“ mitunter angemessen, nicht nur bei einer kambodschanischen Hochzeit, zu der man gerne spontan eingeladen wird … Soll das „Karma“ fürs nächste Leben kein schlechtes sein, posiert man im Tempel nicht auf und am besten auch nicht mit dem Rücken vor Buddha-Statuen.

#SICHER ABHEBEN

Wenn das Geld nicht so eine große Rolle spielt, am besten nur mit den großen Landesairlines fliegen, nicht mit den asiatischen Billigfliegern (da mangelt es nicht selten an Wartung und geschultem Personal).

Genereller Alleinreise-Tipp: Wenn möglich nicht gerade nachts irgendwo in der Fremde ankommen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann den Transport zum ersten Hotel vorbestellen.

Tourist auf Moped ohne Helm

Wer nicht auf den Kopf gefallen ist, schützt beim Scooter-Fahren die Birne mit einem Helm

#ROLLER NIE OHNE HELM

Wenn Fahrten mit den landesüblichen Mopedtaxis geplant sind (in Vietnam quasi unvermeidlich) oder gar die aktuell sehr trendigen „Easy Rider“-Überland-Touren, ist zu überlegen, ob man von zu Hause einen anständigen Integralhelm mitnimmt oder zumindest vor Ort in Thailand oder Vietnam versucht, sich einen eigenen zu kaufen. Die Zahl der Verkehrstoten etwa in Thailand spricht Bände – also bitte auf Nummer sicher gehen und Helm auf den Kopf, auch wenn das „uncool“ aussehen mag.

Allein auf Ko Samui sind 400 Verkehrstote pro Jahr zu beklagen! Auch auf den anderen Inseln wie Phuket oder Ko Phangan gibt es billigere und sicherere Transporte, etwa Sammeltaxis, Tuk Tuks oder abends am besten auch mal ein teureres Taxi.

Party am Strand von Ko Phangan

Immer wieder kommt es bei Full Moon Partys zu sexuellen Übergriffen unter Drogeneinfluss

#SICHER AUSGEHEN

Alleinreise-Tipp zum Thema „Party Time“: Statt sich allein in den Trubel zu stürzen, sollten junge Frauen besser mit anderen Gleichgesinnten losziehen. Es gibt beispielsweise angesagte „Streetfood Touren“ für Gruppen.

Reisen und Touren speziell für alleinreisende Frauen bietet in Saigon Xo Tours an, da ist man als behelmter Sozius und sogar mit „bodyguards“ mit Fahrerinnen unterwegs – und qua Buchung auch gleich unfallversichert. Natürlich nur so viel Geld wie nötig mitnehmen, Wertgegenstände im Hotelsafe lassen.

BeachParty

Spezialisierte Veranstalter bieten „women tours“ in der Gruppe an, etwa in Saigon

#VORSICHT, DROGEN!

Ob allgegenwärtiges „Ganja“, „Jaba“,  die „Happy Herb Special Pizza“ mit berauschenden Ingredienzen oder Designerpillen – immer gilt: besser die Finger weg. Wer es unbedingt haben muss: nicht von Fremden nehmen (dahinter stecken oft polizeilich inszenierte Deals mit Lockvögeln).

Joint

Wer sich damit in Thailand erwischen lässt, wird schnell bitter ernüchtert sein

Auf die Drinks in bestimmten Bars oder bei unüberschaubaren Fullmoon-Strandpartys aufpassen, damit keiner K.o.-Tropfen (date rape drugs) hineingeben kann. Vermeintliches  Kokain hat sich in Kambodscha schon als reinstes Heroin entpuppt. Mal ganz abgesehen von  drohenden drakonischen Haft- oder gar Todestrafen (Thailand) für den Besitz von schon kleineren Drogen-Mengen.

#NICHT GEIZEN

„You get what you pay!“ Vor zu billigen Anbietern etwa beim Trekking, Abseiling, in der (vietnamesischen) Halong-Bucht oder beim Kanufahren in die Lagunen-Höhlen kann man nur warnen  – auch hier gab’s bei Billigtouren mit jugendlichen Guides statt erfahrenen Kapitänen schon Unfälle wegen der Gezeiten. Lieber ein bisschen mehr zahlen, auch für kleinere Gruppen, und niemals auf eigene Faust mit dem Kanu in solche versteckten Lagunen fahren.

Unbedingt den in Asien gefürchteten „Gesichtsverlust“ vermeiden gilt beim Shopping auf Märkten und an Ständen. Handeln ja! Aber nicht um jeden Preis und mit deutscher Verbissenheit (etwa um ganze 10-20 Cents). Und das Lächeln auch dabei nicht vergessen.

#GRENZFALL KORRUPTION

Zum leidigen Thema Bakschisch und kleineren Betrügereien an den thailändisch-kambodschanischen Grenzübergängen („Bearbeitungsgebühren“, verdoppelte Visa-Kosten, Zwangsumtausch …) kann ich nur raten: Immer selbstbestimmt, aber höflich auftreten, freundlich lächelnd drauflosquatschen, am besten mit drei oder vier Schlüsselworten in der Landessprache (guten Tag, danke, bitte, auf Wiedersehen).

Wenn das nichts bewirkt, im Zweifelsfall eine offizielle Quittung verlangen (engl: receipt), bis die Grenzbeamten genervt sind, einen loswerden wollen und durchwinken – und im schlimmsten Fall die 5 US-Dollar Extra-„Gebühr“ zahlen… Oder man fliegt – stressfreier ist das allemal!

Chemoprophylaxe-Empfehlungen der DTG Stand April 2015

Chemoprophylaxe-Empfehlungen der DTG Stand April 2015

#GESUNDHEIT

Rechtzeitig (sechs Wochen vorher) bei einem Tropenmediziner beraten lassen und nötigenfalls die klassischen (Auffrisch-)Impfungen gegen Thyphus, Tetanus, Polio, Diphtherie Hepatitis A und B durchexerzieren. Malaria nur als Stand-by-Präparat hier besorgen, nicht dort kaufen! Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft sieht für weite Teile Thailands nur ein geringes Malaria-Risiko und aktualisiert die Empfehlungen laufend.

#GEWALT

Was wenige wissen: Das einstige „Einsteigerland“ Thailand ist das Land mit einer der höchsten Mordraten in Südostasien. Davon sind auch Ausländer nicht mehr verschont. Also niemals als Frau allein nachts am öffentlichen Strand flanieren und schon gar nicht im Bikini. Es gab jüngst erst wieder mehrere Morde an Urlauberinnen und Touristen-Pärchen.

Ein letzter Alleinreise-Tipp: Auch zu Mönchen hält frau bitte immer schön und stets angemessen bekleidet Abstand – auch hier sind sexuell motivierte Gewalttaten leider nichts Neues. Bei allzu aufdringlichen Avancen der Einheimischen hilft ein vermeintlicher Ehering oder ein Foto des zu Hause arbeitenden „Ehemanns“ oft Wunder … Und wenn es wirklich mal brenzlig wird, kann man die meist eher distanzierten Asiaten natürlich auch ansprechen!


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Lesenwert

Unsere Autorin Martina Miethig ist nicht nur viel in Südostasien unterwegs, sondern auch in Kuba. Von ihr  erschienen ist „Kuba – Zeit für das Beste“ (Bruckmann 2014, 288 S., ca. 450 Fotos, 14,99 Euro); im Februar 2016 erscheint außerdem der „DuMont Bildatlas Kuba“ (DuMont 2016, 120 S., 8,50 Euro) von Martina Miethig.

Über diesen Autor

Martina Miethig

Martina Miethig

Seit mehr als 20 Jahren bereist die Journalistin und Buchautorin die Welt. Sie knatterte auf Enduros durchs Goldene Dreieck, stand ehrfürchtig mit fünf (!) anderen Besuchern im Angkor Wat, traf Aung San Suu Kyi im Hausarrest in Rangun und lebte eine Weile in Peking – als es dort noch mehr Radler-Staus als Smog und Wolkenkratzer gab.

Ob stumm im Meditationskloster oder Kommandos brüllend beim Elefantentrek – die frühere ARD-Radio-Reporterin hat sich seit ihrer Weltreise 1994 einen Namen als ASIEN-Expertin gemacht. Aber auch als ausgewiesene KUBA-Kennerin mit Familie in Havanna-Provinz: Der von ihr belächelte Wahrsager in Phnom Penh sollte tatsächlich Recht behalten – ein fremder Mann auf einer fernen Insel! Kuba ist heute die zweite Heimat der gebürtigen Berlinerin - und claro que sí - natürlich tanzt sie Salsa und kennt sich bestens aus im »socialismo tropical«.

Rund 30 Bücher in bis zu vier Sprachen bei renommierten Verlagen hat sie verfasst – Reiseführer, Bildbände, Länderporträts zu Kuba, Thailand, Vietnam, Kambodscha, Sri Lanka, Mauritius.

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