Reisen

Abenteuer leben | Mit einem Holz-Kanu unterwegs auf dem Amazonas

Amazonas Kanu Tour
© Torben Landskrone

Im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Brasilien begann eine abenteuerliche Tour, um aus eigener Kraft mit einem Holz-Kanu auf dem mächtigsten Fluss der Welt die über 1.600 Kilometer flussabwärts entfernte brasilianische Stadt Manaus zu erreichen. Doch ein Kanu inmitten des Amazonas bietet nur wenig Schutz…

Startprobleme am Amazonas

Die Überraschungen begannen schon vor dem Start. Ich kam Ende April in Brasilien an und stand vor zwei Herausforderungen. Es stellte sich heraus, dass Ausländer für das Befahren des Amazonas eine Genehmigung brauchen, welche ich keinesfalls zeitnah bekommen würde.

Auch war es schwierig ein passendes Kanu zu finden, denn ich brauchte eine Dachkonstruktion, an welcher ich meine Hängematte befestigen konnte. Es dauerte eine Woche, bis ich das richtige Kanu fand und das Problem der Legalität wurde dadurch gelöst, dass ich mich ohne Genehmigung aufmachte.

Eine positive Überraschung war jedoch, dass ich kurz vor Abfahrt Rob, einen Engländer, traf, der ebenfalls mit einem Kanu den Amazonas befahren wollte. Von dem Zufall überrascht beschlossen wir die Reise gemeinsam anzutreten und ich hatte nun einem Begleiter.

Alltag auf dem Wasser

Morgenstimmung auf dem Fluss | © Torben Landskrone

Der oft 3 bis 4 Kilometer breite Fluss wird zwar im Laufe der Zeit nicht weniger imposant, doch gewöhnt man sich daran über Stunden hinweg zu Paddeln und den enormen Fluss zu kreuzen.

Wir aßen Proviant, welchen wir circa alle 5 Tage in kleineren Siedlungen aufstockten. Gekocht wurde auf einem Benzinkocher – denn Benzin gibt es auch am entlegensten Ort der Welt.

Ich schlief in einer Hängematte, oft gespannt auf meinem Boot aber auch an Bäumen im Wald. Rob hatte ein Zelt, was meiner Meinung nach eine falsche Wahl war. Denn der Wald rings um den Fluss ist besonders zu dieser Jahreszeit stets überflutet und so musste Rob oft einfach in seinem Kanu schlafen.

Mein Zuhause auf dem Amazonas

Mein Zuhause auf dem Amazonas | © Torben Landskrone

Oft schafften wir es jedoch auf den einsamen Grundstücken einzelner Familien zu schlafen, welche uns gastfreundlich aufnahmen.

Amazonas: Gefahren durch Wetter, Menschen und Tiere

Auf dem Fluss gibt es viele Gefahren. Die Gefahren, welche von Tieren ausgehen sind zu vernachlässigen – lässt man einmal die Moskitos außen vor. Denn in einem Kanu ist man relativ sicher. Nur ins Wasser fallen sollte man nicht, wenn man an Kaimanen vorbei rudert.

Schwarzer Kaiman Amazonas

Schwarze Kaimane leben vor allem im Bereich von großen Flüssen und Seen im Amazonasbecken. | © walhalla/Pixabay

Doch die vorherrschenden Gefahren sind jene verursacht durch das Wetter und den Menschen. Oft sind wir in schwere Tropenstürme geraten.

Eines Nachts wurden wir so heftig von einem Sturm überrascht, dass wir drohten zu kentern und letztendlich gezwungen waren in einem Schilffeld, umgeben von Kaimanen, flachliegend in unseren Kanus zu schlafen – eine der schwierigsten Nächte.

Auch wenn fast alle Menschen denen wir begegneten hilfsbereit und freundlich waren, so reicht eben schon eine böswillige Person, um unsagbares Unheil zu bringen.

Eines Tages hielt ein kleines motorisiertes Boot neben uns, es wurden Waffen auf uns gerichtet und Piraten raubten uns aus und erbeuteten unseren gesamten Besitz – inklusiver unserer Paddel, sodass wir manövrierunfähig und ohne Ausrüstung auf dem Amazonas trieben und nun von der Hilfe der Flussbewohner abhängig waren…

Nochmal Amazonas?

Meine Antwort darauf lautet wenig überraschend Ja. Der Amazonas das beeindruckendste Biom des Planeten und eine eigene, nahezu verzauberte Welt. Doch ist dieser traumhafte Regenwald stark gefährdet. Ob illegale (oder auch legale) Holzfäller, rodende Weidebauern und Goldgräber, die mit Quecksilber die Flüsse vergiften; sie alle zerstören den Regenwald.

Und jeder, der Aufmerksamkeit schaffen kann rettet den Urwald ein kleines bisschen mehr.

Sonnenuntergang am Amazonas

Sonnenuntergang am Amazonas | © Torben Landskrone

Doch darf man die Strapazen nicht unterschätzen. Dies ist kein einfacher Backpacking-Trip, es gibt kaum medizinische Versorgung, die Natur ist überwältigend und man muss sich – das weiß ich nun leider aus eigener Erfahrung – unbedingt auf den absolut schlimmsten Fall vorbereiten.

Auch sollte man mehrere Monate für eine solche Reise einplanen. Denn der Amazonas ist groß und wenig verläuft nach Plan.

Der Amazonas ist das beeindruckendste Gebiet des Planeten, doch ist dieser traumhafte Regenwald stark gefährdet. Und jeder, der Aufmerksamkeit schaffen kann rettet ein kleines Stück des Urwaldes. Allerdings sollte man sich unbedingt auf den absolut schlimmsten Fall vorbereiten.

Auch sollte man mehrere Monate für eine solche Reise einplanen, denn der Amazonas ist groß und wenig verläuft nach Plan…

Zum Nachlesen
Torben  Landskrone hat seine Reise in dem Buch: Aufbruch Amazonas: In einem Holz-Kanu auf dem mächtigsten Fluss der Welt“ beschrieben.

Weitere Abenteuer lesen oder selbst losziehen:

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Torben Landskrone

1990 in einer kleinen Stadt in der Pfalz geboren zog es Torben schon oft in die Welt. Als Jugendlicher lebte er für einige Zeit in Texas, arbeitete für mehrere Monate in London und studierte in der philippinischen Hauptstadt Manila. Zudem unternahm er eine Vielzahl von Kulturreisen, unter anderem nach Usbekistan, Georgien, in den Iran, durchfuhr in Myanmar Rebellenregionen mit dem Motorrad und verbachte viele Monate in Süd- und Mittelamerika.

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