Länderberichte

Arizona | Einfach monumental!

USA Amerika Arizona Colorado Plateau Monument Valley Tafelberge
Lutz Jäkel
Geschrieben von Lutz Jäkel

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Arizona mit einem Navajo. Begleiten Sie uns auf einer Tour von Phoenix über Flagstaff, Grand Canyon und Horseshoe Bend ins Monument Valley. Eine Reise durch XXL-Landschaften und durch die Geschichte der First Nations. Back to the roots!

Vergebens sehe ich mich um, um resigniert festzustellen: Nein, Kaffeetassen gibt es hier tatsächlich nicht. „Sorry, Sir!“, sagt die sehr freundliche Servicedame und zeigt auf einen Stapel Plastikbecher. Dabei bin ich nicht in einem billigen Imbiss oder in einer Tank­stelle.

Ich stehe in der Executive Lounge eines Fünf-Sterne-Hotels in Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona. Aber die Becher für den Früh­stückskaffee sind aus Plastik. Was die Ressourcenverschwendung angeht, ist die Region ohnehin ein Alptraum: Hohe Temperaturen im Sommer, eisige im Winter sorgen dafür, dass Klimaanlagen rund um die Uhr laufen und der durchschnittliche Stromverbrauch doppelt so hoch liegt wie im Rest der USA. Das ist die eine Seite.

Die andere: spektakuläre Landschaften, viele National­parks, artenreiche Pflanzen- und Tierwelt, ein trockenes, fast immer sonniges Klima. Der Südwesten der USA mit den Staaten Arizona, Utah, New Mexiko und Colo­rado ist viermal so groß wie Deutschland und ein nahezu perfektes Reiseziel für Naturfreunde.

Arizona: Langer Weg für die Native Americans

Dazu kommt eine besondere Geschichte: Erst etablierten sich hier die Hochkulturen der Anasazi- und Hohokam-Indianer, dann die der Pueblo am Rio Grande und der Hopi in Arizona. Spuren alter Indianersiedlungen sind noch immer zu finden, zum Beispiel in den White House Ruins in Arizonas Chimney Valley, die rund 1.000 Jahre alt sein sollen.

Es hat lang gedauert, bis die Traditionen und die Sprache der „Native Americans“ anerkannt wurden. Die Siedlungsgebiete der Native Americans sind heute weitgehend autonom verwaltet, viele betreiben vielfach eigene touristische Projekte, vor allem Hotels oder Agenturen. Wie Donovan Hanley, Reiseleiter und Geschäftsführer von „Detours American West“.

Auf dem Apache Trail durch Arizona

Donovan holt uns am Hotel in Mesa ab. Es geht zunächst über den Apache Trail, eine alte Postkutschen­route durch das Gebiet der Apachen. Der Trail führt durch die Superstition Mountains, eine Bergkette nordöstlich von Phoenix. Nach kurzer Fahrtzeit erreichen wir das Superstition Mountain Museum. Dort führt uns Jeff Danfort durch die Ausstellung, die sich mit der bewegten Geschichte des Apache Trail befasst.

Jeff zeigt auf die Fotos der Buffalo Soldiers, jener afroamerikanischen Soldaten, die während des ame­ri­kani­schen Bürgerkriegs auf Seiten der Nordstaaten für die Befreiung von der Sklaverei gekämpft haben. Die Indianer nannten die Soldaten so, weil die oft lockige Haarpracht der Soldaten sie an die Mähne von Büffeln erinnerte.

Andere Bilder zeigen Geronimo, den berühmten Apachenhäuptling, der 20 Jahre lang mit einer Guerillataktik einen ausweglosen, aber um­so erbitterteren Kampf gegen die Siedler und die US-Kavallerie führte. 1886 ergab er sich und starb 1909 in einem Reservat. Jeff betont die Intention der Ausstellung: „Wir wollen das historische Erbe von allen in Erinnerung halten, also von Indianern, Cowboys und Goldsuchern.“

USA Amerika Arizona Apache Trail Goldfield Ghost Town rekonstruierte Stadt

Goldfield Ghost Town, Arizona: Recht touristische Hommage an den Wilden Westen. Authentischer sind Oatman und das verfallende Ruby

Highnoon in Goldfield Ghost Town

Nur eine gute Meile entfernt liegt Goldfield Ghost Town, 1893 mit rund 1.200 Einwohnern die größte Siedlung in Arizona und ein wichtiger Außenposten während der Blütezeit der Goldsuche. Besucher können entlang der Hauptstraße noch ein bisschen Flair der Goldsucherzeit schnuppern, sich durch die (nach­gebaute) Goldmine führen lassen und anschließend im „Mammoth Saloon“ einkehren, wo natürlich deftige Küche auf den Tisch kommt und wo Plakate von John Wayne die Wände zieren. Der Ort ist eine sehr touristische Hommage an den Wilden Westen. Authentischer sind Oatman und das verfallende Ruby.

Navajos, die größte „Nation“ in Arizona

Donovan gehört zum Volk der Navajo. Sie sind mit mehr als 320.000 Angehörigen einer der größten Stämme der Native Americans. Do­no­van spricht von „Nation“, wenn er Stamm meint.

Das Wort Reservation, wie die Regionen genannt werden, in denen die verschiedenen Stämme leben, werde nicht gern gehört, so Donovan weiter. Es klinge noch immer nach dem, wofür es einst auch gedacht war: nach Ausgrenzung. Besser sei Na­tion Land. Navajo nennen sich selbst auch Diné, übersetzt: das Volk. Viele von ihnen leben noch immer in ihren traditionellen Häuser, den Hogans, meistens sechseckigen Bauten aus Holz, Lehm und Steinen.

USA Amerika Arizona Grand Canyon Welterbe Canyon

Arizona: Sonnenuntergang über dem Grand Canyon. Bester Spot? Hopi Point

„Amerikaner sind groß darin, auf andere Länder und Kulturen herabzusehen und ihnen zu sagen, was sie falsch machen. Und sie glauben, dass sie selbst alles richtig machen“, sagt Donovan. „Deswegen haben sie sich auch nie richtig eingestanden, was sie mit der Behandlung der Native Americans falsch gemacht haben.“ Viel habe sich in den letzten Jahren verändert, die Kultur der Native Americans werde stärker gepflegt, gefördert – und vor allem respektiert.

Im Sattel zu den Saguaro-Kakteen

Die „Saguaro Lake Guest Ranch“, unsere Unterkunft für die nächsten Nächte, liegt unweit des Saguaro Lake direkt am Salt River. 1928 gebaut, es gibt 24 kleine Bungalows, weit verteilt über das Gelände, spartanisch eingerichtet, ohne Fernseher, ohne WiFi. Man soll sich auf die Natur konzentrieren.

USA Amerika Arizona Saguaro Lake Guest Ranch Reitausflug

Cowboy-Gefühl für einige Stunden beim Ausritt auf der „Saguaro Lake Guest Ranch“ am Salt River. Arizona at it’s best

Unser Ausritt am frühen Morgen lässt Cowboy- Feeling aufkommen, auch wenn wir als Reiter nicht so elegant wie John Wayne aussehen dürften. Und hier stehen sie überall, zu Hunderten, Tausenden: die Kakteen, das Symbol des Wilden Westens. Ungefähr 300 Arten gibt es, der Name Saguaro – was man ungefähr so ausspricht: Sawaroh – stammt aus der Sprache der Native Americans, es ist die größte Kakteenart der USA.

Bis zu 200 Jahre alt können sie werden, bis zu zehn Tonnen schwer und 15 Meter hoch. Erst nach rund 80 Jahren wachsen die so typischen Arme. Gewitter im Sommer und viel Regen im Winter versorgen die große Kakteenwälder mit ausreichend Feuch­tigkeit.

Arizona-Ikonen: Route 66 und Grand Canyon

Winslow liegt an der Route 66. Seit die Eagles in ihrem Song „Take it easy“ dem Ort mit „Well, I’m a standin’ on a corner in Winslow, Arizona. Such a fine sight to see. It’s a girl, my Lord, in a flat-bed Ford. Slowin’ down to take a look at me …“ ein Denkmal setzten, möchte sich jeder Tourist an dieser Ecke fotografieren lassen. Die Bewohner von Winslow vermarkten ihre Heimat mit Humor: „Winslow: 30 miles from water, 2 feet from hell“ heißt es in Prospekten.

USA Amerika Arizona Winslow Stadt, Navajo County

Route 66 in Arizona: Ein verblassender Mythos! Winslow zwischen Flagstaff und Holbrook

Schließlich erreichen wir die Landschaft, die für Arizona steht wie keine andere und die auch auf allen Autoschildern verewigt ist: den Grand Canyon. Die gewaltigste Schlucht der Welt ist fast 450 Kilometer lang, rund 30 Kilometer breit. Bis zu 1.700 Meter tief stürzen die roten und ockergelben Steilwände zum Flussbett des Colorado River.

Das Highlight eines Grand-Canyon-Besuchs beginnt frostig: Sehr früh am Morgen sitzen alle in dicke Decken gehüllt da. Klirrend kalt ist dieser Novembermorgen. Der Wind pfeift und lässt die Temperaturen noch eisiger erscheinen. Alle warten geduldig, bis endlich die Sonne aufgeht. Sie schickt ihre hellen und wärmenden Strah­len über die grandiose Schlucht, überzieht zunächst die Spitzen, dann die ganzen Felswände mit golde­nem Licht.

USA Amerika Arizona Horseshoe Bend Colorado River

Am Horseshoe Bend präsentiert sich der Colorado River besonders spektakulär

Über den Highway 89 geht es weiter flussaufwärts. Unweit vom Glen Canyon Dam, dem zweitgrößten Stausee der USA, liegt Horseshoe Bend, ein gigantischer Felsbrocken, um den sich hufeisenförmig der Colorado River schlängelt. Das Plateau davor bietet einen spektakulären Ausblick auf das Naturschauspiel.

Last exit: Monument Valley

Nach gut zwei Stunden Fahrt folgt ein weiteres Highlight Arizonas: das Monument Valley. Aus der Filmwelt ist das 120 Quadratkilometer große Gebiet nicht mehr wegzudenken, seit John Ford 1938 dort den Western „Stagecoach“ mit John Wayne drehte.

USA Amerika Arizona Colorado Plateau Monument Valley Tafelberge

Monument Valley, Arizona: Bekannt aus vielen Western, „Easy Rider“, „Thelma and Louise“ und „Mission Impossible II“

Seither sind die ikonischen roten Sandsteinmonolithe, Tafelberge und Wüsten als Westernkulissen weltweit berühmt. Es könnte kitschiger kaum sein, und doch ist es traumhaft schön. Wenn die Sonne langsam über den Horizont steigt und die Felsen des Monument Valley zu glühen beginnen, hüpft das Fotografenherz.

Auch Donovan liebt diesen Blick auf diese Landschaften. „Das ist Homeland“, sagt er, während er sich über seinen Zopf streift. Ich frage, warum viele Native Americans lange Haare tragen. „Lange Haare symbolisieren Regen“, erklärt Donovan. Navajo tragen die Haare in der Regel geschlossen als Zopf. Die Länge der Haare stehe außerdem für die Größe der Weisheit – und für ihr Zuhause.

Als die weißen Amerikaner indianische Kinder in den Schulen zuließen, musste diese ihre Haare abschneiden, so Donovan. Kurze Haare – das war das, was weiße Amerikaner unter Zivilisation verstanden. Für die Native Americans war es genau das Gegenteil. Donovan schüttelt den Kopf: „Tourismus ist für uns erst in zweiter Linie ein Geschäft. Es ist vor allem eine Möglichkeit, unsere Geschichte zu erzählen.“

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Info Arizona

Anreise Arizona

Nonstop mit Condor in zwölf Stun­den von Frankfurt nach Phoenix. Mit einem Stopp und etwas länger mit United/Lufthansa. Ticket circa 600 Euro. condor.com | lh.com

Unterkünfte in Arizona

Saguaro Lake Guest Ranch Am Salt River und im Tonto Natio­nal Forest gelegen, 1928 gebaut mit 24 kleinen spartanischen Bun­galows. Drum herum Hun­derte von Kakteen – so wie man sich Arizona vorstellt. Mit eigenen Pferden, Cowboys und Cowgirl. Täglich Ausritte, auch Kajaktouren auf dem Saguaro Lake möglich. Sehr gutes Frühstück. DZ/F ab 155 Euro. saguarolakeranch.com

La Posada Hotel Route 66, Winslow.  1929 eröffnet als Hotel an der Santa-Fe-Railway-Strecke, direkt an der Route 66. Verströmt nostalgischen Charme. Gute Basis für die Erkun­dung des Nordosten Arizo­nas. Chefkoch John bietet im „The Turquoise Room“ eine Art Native American Nouvelle Cuisine aus Spezialitäten der Region. Hauptgericht ab 25 Euro. Groß­zügige Zimmer. DZ/F ab 130 Euro. laposada.org

Guten Appetit!

Big John’s Texas Barbeque 153 South Lake Powell Boulevard, Page. Beste, über Holzkohle gegrillte Pul­led-Pork-, Beef- oder Chicken-Sand­wiches auf dem Weg vom Grand Can­yon zum Monument Valley. In ehemaliger Tankstelle (Fotomotiv!). Sandwich ab sieben Euro. bigjohnstexasbbq.com

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Bildquellen

  • Donovan Hanley: © Lutz Jaekel/laif
  • Ausblick: © Lutz Jaekel/laif
  • Mammoth Saloon: © Lutz Jaekel/laif
  • Superstition Mountain Museum: © Lutz Jaekel/laif
  • Goldfield Ghost Town: © Lutz Jaekel/laif
  • Grand Canyon Nationalpark: © Lutz Jaekel/laif
  • Reitausflug: © Lutz Jaekel/laif
  • Kajak am Saguaro Lake: © Lutz Jaekel/laif
  • Mountain Regional Park: © Lutz Jaekel/laif
  • Winslow: © Lutz Jaekel/laif
  • Colorado River: © Lutz Jaekel/laif
  • Monument Valley: © Lutz Jaekel/laif

Über diesen Autor

Lutz Jäkel

Lutz Jäkel

Jahrgang 1970, Fotojournalist und Autor, Islamwissenschaftler und Historiker, hat in Hamburg, Sanaa (Jemen) und Damaskus (Syrien) studiert. Einige Jahre leitete er Studienreisen in Syrien, Jordanien und Libanon. Lutz Jäkel lebte als Kind mit seinen Eltern in Istanbul/Türkei und ging dort auf die Deutsche Botschaftsschule. Reisen in viele Länder u.a. nach Syrien, Libanon, Jordanien, Israel/Palästina, Iran, Vereinigte Arabische Emirae, Oman, Jemen, Ägypten, Libyen, Tunesien, Marokko, Pakistan, Indien, Indonesien, Australien, Neuseeland, Französisch Polynesien, Chile, Argentinien, Brasilien, grönländische und kanadische Arktis, Antarktis.