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Australien offroad| Echtes Outback-Abenteuer

Roland Löwisch
Geschrieben von Roland Löwisch

In der Wildnis des Northern Territory sieht man mehr Tiere als Menschen und mehr Wracks als intakte Autos. Wir machten uns auf die aufregenden Suche nach den schärfsten Pisten.

Naegleria Fowleri kann man in die Nase bekommen, wenn man in einem Wasserloch planscht, dessen Salzgehalt weniger als zwei Prozent beträgt. Dann sorgt die fiese Amöbe für eine meist tödlich endende Gehirnhautentzündung. Man kann sich auch im Dschungel auf den Hintern setzen, dann könnte eine Milbe hineinkriechen und für das gefürchtete Tsutsugamushi-Fieber sorgen…

…Im wohlig-warmen Meer kann man einen fünf Zentimeter kleinen Blauring-Kraken sticheln – dessen Gift reicht allerdings aus, um eine zehnköpfige Familie ins Jenseits zu befördern.

Die mit Abstand häufigste Todesart im Outback aber ist: der Verkehrsunfall. Ihn vermeidet man, indem man auf den schnurgeraden Überlandstraßen entgegenkommenden, bis zu knapp 55 Meter langen und gut 100 Tonnen schweren Road Trains schnell genug Platz macht.

Australien offroad: 95 % Pisten- und Schottergehalt

Die Klischees über Australien sind so mannigfaltig wie die dortige Flora und Fauna. Wer sich etwas vorsieht und gute Tipps berücksichtigt, wird das Outback auf wilden Pisten genießen. Wichtig? „Festes Schuhwerk; immer hingucken, wo man hintritt und nicht müde Auto fahren,“ weiß Dag Rogge von Land Rover Experience.

Dag weiß, wovon er spricht: Für die Tour Australien offroad erkundete er mögliche Strecken und Campsites. Soviel sei schon verraten: Die Pisten führen zu 95 Prozent nicht über schnurgerade Straßen, sondern durchs Gelände. Und das hat es in sich.

Krokodile in der Innenstadt

Start ist Nhulunbuy im Norden des Northern Territory. Im Arnhem Land, das zum großen Teil Eigentum der Aborigines ist, geht es über Numbulwar, Nhukurr und Mataranka nach Katherine, mit 10.500 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Bundesstaats. Schon auf dieser Fahrt sieht man Wasserbüffel und Wildschweine im Eukalyptus-Urwald sowie Krokodile im Katherine River – mitten in der Innenstadt.

Plattfußalarm: Termiten als Reifenkiller

Die größte Gefahr für die drei mit Gepäck, Proviant, Ersatzrädern, Werkzeug, Zelten, Ersatzkanistern und Technik voll gestopften Land Rover Discovery, mit denen wir fast vergessene Tracks suche, geht von Termitenbauten und Steinen aus. Erstere bestehen aus gepresstem Sand und können den Unterböden der Autos zu schaffen machen. Australien offroad ist eine Härteprüfung für Mensch und Material.

Die Steine auf der „Fahrbahn“ sind spitz, fies und unnachgiebig und schlitzen die zu weichen Pneus auf. Nach acht Plattfüßen wird Rogge unruhig, da nur noch drei einsatzfähige Reifen für die nächsten 300 Kilometer zur Verfügung stehen.

Stundenschnitt von 15 km/h? Normal

Katherine entlässt uns in die Einsamkeit, wo bis zu unserem kleinen Konvoi seit wohl mehr als zehn Jahren niemand mehr gefahren ist. Kurze Erholung gibt es auf einem Stück des Victoria Highway Richtung Timber Creek. Dort biegen wir in den Gregory-Nationalpark ein. Wenn keine Termitenbauten die volle Aufmerksamkeit fordern, sind es felsige Flussdurchfahrten, Dünen oder die vielen Erdspalten, geformt von Wassermassen in der Regenzeit.

Keine Seltenheit, dass unser Durchschnittstempo über Stunden hinweg bei 15 Stundenkilometern liegt. Shortcuts sind nicht immer als solche zu erkennen, und Abkürzungen über vermeintlich trockenen Seeboden enden manches mal in Wasserlöchern oder zumindest in einer tiefen Schicht Salz.

Offroad Thrill in der Sir Frederick Range

Nächster Ort: Kalkarindji. Von dort führt die Test-Route in die Tanami-Wüste bis zur Community Balgo in der Sandy Desert. Weiter geht die Fahrt durch die verlassene Community Yagga Yagga, vorbei am Salzsee Lake Mackay bis nach Kiwirrkura – eine Piste, die nicht mal in sonst recht genauen Militärkarten verzeichnet ist.

Über Kintore fahren wir durch die Gibson Desert bis Docker River. Wege, die hauptsächlich aus faustgroßen Steinen bestehen und steil in die Höhe auf Hügel in der Sir Frederick Range führen, schaffen selbst die leistungsstarken, aber schweren Discovery nur im kleinsten Gang – und mit allen elektronischen Hilfen.

Ausgebrannte Wracks

In Gebieten, in denen man den Boden durch kontrollierte Feuer fruchtbar halten, müssen wir noch qualmende Bäume von der Piste wuchten. Ausgebrannte Autowracks – ungefähr zehn Mal so viele wie entgegenkommende Fahrzeuge – mahnen zu Vorsicht. Unsere Geländewagen können sich zum Glück gegenseitig helfen und wieder flott machen. Funk sichert den Kontakt, Satellitentelefone die Notfallversorgung, eine erkleckliche Anzahl an technischen Geräten die Navigation.

Winch, Sandbleche, 120 Liter Wasser und 120 Liter Ersatzdiesel pro Wagen machen uns im Outback autark. Wenn auch zeitweise nur mit Katzenwäsche, denn die wenigen Billabongs (=Wasserlöcher) meiden wir. Die Krokodile sollen auch hier nicht so freundlich sein.

Gott schütze uns – vor Buschfliegen!

Da passieren wir lieber noch ein paar tolpatschige Kängurus, chaotische Kamele, überraschte Dingos und hektische Wildpferde. Nachts schauen uns tausende winzige Lichter an – im Sand eingegrabene Spinnen, deren Augen das Licht unserer Kopflampen reflektieren. Große und kleine Reptilien flüchten stets, bevor sie uns wirklich erschrecken können, fiese Schlangen lassen sich nicht blicken.

Nur vor einer Tierart kapitulieren wir: Die gemeine Buschfliege macht uns fertig. Die Weibchen werden nur geschlechtsreif, wenn sie sich Körperflüssigkeiten anderer Lebewesen bedienen – beim Menschen lieben sie das Augenwasser.

Geschafft: 3.000 km Australien offroad

Nach insgesamt 3.300 Kilometern, Camp­sites zwischen zuckenden Blitzen und lodernden Feuern, unzähligen Wasserdurchfahrten, Schwärmen von Flughunden und insgesamt acht Tagen Outback erreichen wir das Ziel der Tour: Uluru, besser und politisch unkorrekt bekannt als Ayers Rock. Eine Rangerin sorgt dafür, dass wir nicht dessen linke und rechte Seite auf zu veröffentlichende Fotos bannen – diese Teile sind den Aborigines heilig. Diesem Land gehen die Überraschungen tatsächlich nie aus …

 

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INFOS

  • Wer sich nicht traut, so eine Route auf eigene Faust unter die Räder zu nehmen, kann das Abenteuer im Paket buchen. Etwa bei Land Rover Experience.
  • 4×4 Exploring bietet eine 30-tägige Expedition auf der Canning Stock Route an – mit 2.000 Kilometern durch die Grand Sandy Desert, ab 11.000 Euro mit Flügen.
  • Softer und ideal zum Reinschnuppern sind die dreitägigen Allrad-Campingsafaris von Explorer ab 430 Euro.

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Über diesen Autor

Roland Löwisch

Roland Löwisch

Nein, mein Vater war kein Rennfahrer. Ich lernte nicht das Schrauben in einer benachbarten Tankstelle. Und ich habe auch nicht Ingenieur studiert. Ich habe nur schon immer Autos als die spannendsten Fortbewegungsmittel unserer Zeit gehalten... Geboren in Stuttgart, studiert in Hamburg (Dipl. Kfm.), volontiert in Pinneberg, motorjournalistisch aufgewachsen beim STERN (vier Jahre), bei Auto Bild (insgesamt 14 Jahre, davon zehn als Chefreporter) und bei Auto Bild Sportscars (Redaktionsleiter). Zur Zeit stellvertretender Chefredakteur für das Klassik-Magazin TRÄUME WAGEN und das Fahrspaß-Magazin GRIP.

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