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Berlin | Hotel Oderberger

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Das wohl ungewöhnlichste Hotel Berlins war in seinem ersten Leben 84 Jahre lang ein öffentliches Volksbad mit Schwimmbecken sowie 200 Dusch- und Wannenbädern. Nun ist es unser Lieblingshotel für Berlinbesuche

Es ist schon sehr kühn, ein altes Stadtbad im Berliner Prenzlberg nach Jahren des Leerstand zu kaufen und für 18 Millionen Euro in ein Hotel umzuwandeln. Bei Vorlage eines so lautenden Businessplan verzieht wohl jeder Banker nur schmerzhaft das Gesicht oder verweigert hysterisch kichernd den Kredit. Zumal dann, wenn der Hotelbesitzer in spe bis dato kaum Erfahrung in der Hotellerie hat, sondern vor allem damit, Schülern aus aller Welt in seinem Sprachinstitut Deutsch als Fremdsprache zu vermitteln. Aber: Das ans Sprachinstitut angeschlossene Restaurant „Die Schule“ und 50 Apartments für Studierende sorgten für gewisse Expertise im Gastronomie- und Berherbergungs-Business.

Barbara Jaeschke, seit 2010 Eigentümerin des „Oderberger“, blieb der Bittstellergang zum störrischen Bankfilialleiter erspart. Die Unternehmerin ist mit ihrem GLS Sprachenzentrum Berlin – gleich ums Eck vom Hotel „Oderberger“ – so erfolgreich, dass die schon 2005 gekauften Gebäude der früheren Gustave-Eiffel-Oberschule nun um das frühere Stadtbad ergänzt werden konnten.

Eingeseift und umgestyled

Das 1899 bis 1902 im Stil der Neo-Renaissance erreichtete Gebäude überlebte den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder unversehrt und diente bis 1986 als Schwimmbad und Badehaus. Es entschädigte mit 200 kleinen Dusch- und Wannenräumen die Bewohner der umliegenden Altbauwohnungen des Prenzlauer Berg, die so gut wie nie über ein eigenes Bad verfügten.

Als Risse im Boden des Schwimmbeckens auftraten und da die Reparatur der DDR-Regierung zu teuer erschein, wurde das Bad geschlossen. Für 25 Jahre traten wechselnde Besitzer und Pächter auf den Plan, ohne Erfolg. Das Oderberger wurde zur Spontan-Event-Location und drohte, allmählich an der Bausubstanz Schaden zu nehmen.

Dann kamen Frau Jaeschke, deren Mann und ihre Tochter und das lädierte Bad mutierte in einem fünfjährigen Herkules-Akt zum formvollendeten, originellen Design-Hotel mit ganz eigener Stilsprache und Klasse.

Wannen raus, Betten rein

In den Flügeln des einstigen Männer- und Frauentraktes befanden sich 200 kleine Wannenräume: Daraus durch Zusammenlegungen schmucke Hotelzimmer zu machen und den Vorgaben des Denkmalschutzes gerecht zu werden, ist eine Meisterleistung.

So entstanden 70 neue Hotelzimmer und Suiten von 20 bis knapp 40 Quadratmeter Größe mit Eichenböden und bequemen Boxspring-Betten. Das Comfort Zimmer mit wertigen Bio-Kosmetika von Ada Cosmetics natural, großem Flatscreen TV, Kaffemaschine mit Pads und großer Rainfall-Dusche kostet ab 135 Euro.

Immer wieder wurden dort, neben den Originalfliesenwänden, authentische, oft upgecycelte Interieurs der „Volksbadeanstalt“ an Ort und Stelle belassen oder andernorts wieder eingebaut. Besondere Reminiszenz an das Vorleben des Hotels: Die kräftig patinierten Holztüren der Badekammern wurden in Glas gefasst zu Schiebetüren vor den modernen Bädern.

Schwimmend den Tag beginnen

Für einen vitalisierenden Start in den Tag sorgt nicht nur das weitgehend regional bestückte Frühstücksbüffet, sondern auch die morgendliche Schwimmrunde in der Schwimmhalle, die nach 30 Jahren „Trockenzeit“ nun wieder jeden Tag ab 7 Uhr öffnet und auch externen Gästen zur Verfügung steht.

Der Clou – aus dem 20 Meter langen und knapp über 10 Meter breiten Pool wird im Nu eine tolle Event-Location. Dafür sorgt eine Hydraulik unter (!) dem Beckenboden. Steht eine Party an, fährt der Boden nach oben, durch gloße Klappen fließt das Wasser ab und bleibt im Becken darunter. Das spart ständigen Wasserwechsel.

Die KaminBar – Meditationsraum mit guten Cocktails und knisterndem offenen Feuer

Zu guter Letzt noch ein Lob der nicht nur schön ausgestatteten „Kamin Bar“, sondern auch den dort kredenzten Cocktails. Die Bar ist so cozy und die Cocktails sind so gut, dass man gar nicht mehr aus dem Sessel will – auch wenn draußen der Kiez mit seinem räudigen Charme und ein paar verkommene Hinterhöfe locken, die „sooooo Berlin“ sind. Oder der nächste Geschäftstermin…


Hotel Stadtbad Oderberger
Oderberger Str. 57, Berlin
Tel. 030 / 780 089 760
DZ/F Kategorie Comfort ab 135 Euro

 

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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