Länderberichte

Interlaken | Seen oder Berge? Beides!

BrienzerSee
Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Idyllisch gelegen zwischen Brienzer- und Thunersee ist das Städtchen Interlaken Ausgangspunkt für den Besuch des weltberühmten Gipfel-Trios Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Hausberg Harder Kulm und Tandemflüge mit dem Gleitschirm garantieren auch tolle Aussichten

Wer nach Interlaken kommt, will vor allem Eiger, Mönch und Jungfrau sehen. Und nirgends präsentiert das berühmteste Berg-Dreigestirn der Welt sich so formvollendet wie vom Harder Kulm aus. Schon die Fahrt hinauf ist ein Erlebnis: Verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk kraxelt die Drahtseilbahn seit 1908 in acht Minuten fast 800 Meter schwindelerregend steil nach oben. Das fühlt sich schon ein bisschen an wie Fliegen.

Interlaken_von_oben

Interlaken aus der Gleitschirmperspektive

Über Interlaken fliegt es sich himmlisch!

Völlig schwerelos geht es am benachbarten Beatenberg zu, beim Start mit dem Gleitschirm. Das Fluggebiet zählt zu den schönsten der gesamten Schweiz. Runter kommen sie bekanntlich alle, doch wenn am späten Vormittag die Thermik im Tal einsetzt, geht es sogar nach oben, hoch über den Thunersee.

Eiger_am_Tag

Oben am Berg: Bei guter Sicht eröffnet das Rothorn den Blick auf 693 Berggipfel, darunter auch den Eiger (links mittig)

Fast auf Augenhöhe, so scheint es, liegen dann die Eispanzer der benachbarten Bergriesen. In steilen Kurven geht es schließlich hinunter. Gelandet wird an einer der besten Adressen der Schweiz, direkt vor dem noblen „Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa“.

Holzhäuser, Wasserfälle, Bergspitzen

Das gemütliche Brienz am Nordostufer des gleichnamigen Sees wirkt wie ein perfektes Freilichtmuseum: ein Dorfzentrum mit sonnengegerbten Holzhäusern, Schindeldächern und Geranienbalkonen. Auch zu sehen: Kopfsteinpflaster und hübschen Bauerngärtchen, durch die sogar jetzt im Herbst noch bunte Schmetterlinge flattern.

Der Brienzersee ist nicht so groß wie sein Nachbar, der Thunersee ein paar Kilometer weiter westlich. Aber immerhin ist er 14 Kilometer lang und fast drei breit – ein richtiger Bergsee, frisch versorgt von Gletscherbächen und spektakulären Wasserfällen. Dass er so jadegrün leuchtet, verdankt er den Mineralien, die die Eismassen der Viertausender hoch oben aus den Gipfelgesteinen schmirgeln und dem Schmelzwasser mit auf den Weg geben.

Brienzer Rothorn: Mit Volldampf hinauf

Am schönsten erlebt man den See mit rüstigen Seniorinnen. Die erste an diesem sonnigen Morgen ist 90 Jahre alt, faucht und lässt ordentlich Dampf ab: Die Lokomotiven der Brienz-Rothorn-Bahn treiben Eisenbahnfans aus der ganzen Welt Tränen in die Augen.

Brienz-Rothorn-Bahn

Die Brienz-Rothorn-Bahn ist neben der Furka-Bahn die einzige planmäßig unter Dampf fahrende Eisenbahn der Schweiz

Schuld ist nicht der Rauch, die Bahn ist vielmehr ein Meisterwerk Schweizer Ingenieurskunst: Seit 1892 schnauben und rattern die Loks, die an die berühmte Emma aus „Jim Knopf“ erinnern, mehrmals täglich die 1.678 Höhenmeter hinauf zur Bergstation. Diese liegt knapp unterhalb des 2.351 Meter hohen Brienzer Rothorn.

Oben bläst der Föhnwind ordentlich über den Gipfelgrat, der tief blicken lässt in gleich drei Kantone: Luzern, Obwalden und Bern. Und noch ein Trio präsentiert sich von hier oben aus einer ungewohnten, aber nicht weniger spektakulären Perspektive: Eiger, Mönch und Jungfrau.

Eiger bei Nacht Interlaken

Eiger, Mönch und Jungfrau bei sternklarem Himmel und vom Bergrestaurant „Harder Kulm“ aus gesehen

Brienzersee: Zeitreise in die Kaiserzeit

Unsere zweite fidele Oma an diesem Tag ist sogar schon 106 Jahre alt! Seit über einem Jahrhundert stemmen sich die Schaufelräder der „Lötschberg“ eisern den Wellen des Sees entgegen. Mit dem traumhaft schönen Dampfer setzen wir unsere Zeitreise fort und machen Station am Giessbach. Von dort rumpelt die alte Standseilbahn hoch zu einem Traumhotel im Wald: zum „Grandhotel Giessbach“.

Der Jugendstilpalast aus dem Jahr 1875 war einst Sommertreffpunkt für Adel und Schickeria. Ein Schweizer Umweltschützer und eine eigens gegründete Stiftung retteten das Gebäude in den 1980ern vor dem Abriss. Zum Glück! Heute kann man das Hotel und den weiten Park so erleben, als wäre die erlauchte Gesellschaft der Kaiserzeit nur mal kurz raus, um sich im Wald zu verlustieren. Fotogen rauscht dazu der gewaltige Giessbachfall im herbstlich bunten Wald, ganz zeitlos!

Infos

Giessbachfälle: Über 14 Stufen rauschen die Fälle beim gleichnamigen Dorf 500 Meter in den Brienzersee. An einer Stelle führt der Schaupfad unter dem Wasserfall hindurch. In der Lobbybar oder auf der Terrasse des Grandhotels nebenan kann man sich eine Kaffeepause lang fühlen wie Europas Blaublüter vor 100 Jahren, giessbach.ch

Schifffahrt Brienzersee: Seereise mit dem historischen Dampfer „Lötschberg“. Rückfahrkarte Interlaken–Ost-Brienz 50 Euro. Besonders schön ist das Kombiticket „Zeitreise Brienzersee“ samt Schifffahrt zu den Giessbachfällen, Auffahrt mit der historischen Standseilbahn zum „Grandhotel Giessbach“ und Lunch. 90 Euro, bls.ch/schiff

Harder Kulm: Steil ist die Strecke hoch auf Interlakens Hausberg, spektakulär der Blick auf Thuner- und Brienzersee sowie auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Rückfahrticket 40 Euro inklusive Essen im Bergrestaurant, jungfrau.ch

Brienz-Rothornbahn: Die spektakuläre Dampf-Zahnradbahn überwindet bei bis zu 25 Prozent Steigung 1.678 Höhenmeter. Rückfahrticket 90 Euro, halber Preis mit dem Swiss Travel Pass, brienz-rothorn-bahn.ch

Paragliding: Den Thunersee unter sich und auf Augenhöhe mit den Bergriesen der Berner Alpen – das ist Paragliding über Interlaken. Tandemflug 140 Euro, interlaken.ch/paragliding

Die Website von Made in Bern bietet viele Informationen zu Adelboden-Lenk-Kandersteg, Gstaad, Interlaken, zur Region Bern und Jungfrau-Region sowie zum Jura & Drei-Seen-Land

Unterwegs im Berner Oberland: Der Swiss Travel Pass bietet freie Fahrt mit Zug, Bus und Schiffen und Eintritt in 500 Museen, dazu bis zu 50 Prozent Ermäßigung bei Bergbahnen. Ab 185 Euro (3 Tage), myswitzerland.com

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Der Artikel wurde durchschnittlich mit 4,00 von maximal 5 möglichen Sternen aus 2 Bewertungen bewertet.
Loading...

Weitere Beiträge über das Berner Oberland

Bildquellen

  • BernerOberland_Interlaken_116: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_150: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_155: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_158: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_156: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_137: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_168: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_167: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_132: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_124: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_115: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_118: Dietmar Denger
  • BernerOberland_Interlaken_153: Dietmar Denger

Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „abenteuer und reisen“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.