Länderberichte

Kandersteg und Adelboden | Fels-Arena mit sanften Zügen

Kandersteg_Kirche
Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Mit Moos bewachsene Felswände, ein herrlicher Blick auf die Berner Alpen und kristallklares Wasser: Völlig zu Recht gilt der Oeschinensee bei Kandersteg als einer der schönsten Seen der Schweiz. Für Ahs und Ohs sorgen die Engstligenfälle bei Adelboden

Die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn man einen der schönsten Bergseen der Alpen nicht ganz einfach mit der Seilbahn erreichen könnte. Vom hübschen Dörfchen Kandersteg geht es in zehn Minuten hinauf auf das Alp-Plateau. Dort wird die Szenerie vom gewaltigen, stark vergletscherten Blüemlisalphorn bestimmt. Die rasante Sommerrodelbahn an der Bergstation heben wir uns für später auf, denn der Oeschinensee ist nur noch einen Spazierweg weit entfernt.

Oeschinensee Panorama bei Adelboden

Traumblick auf den Oeschinensee und das Blümlisalphorn

Wie ein riesiges Auge, das die Sonne mal tief­blau, dann wieder türkis leuchten lässt, ist der See auf 1.578 Meter Höhe eingebettet in ein Halbrund von steilen Felswänden. Eine Tour im Ruderboot fühlt sich an wie Schweben, wenn die Paddel ins glasklare Wasser eintauchen. Um beim Picknick schön den Überblick zu behalten, steigen wir etwas den Panoramaweg in Richtung Blüemlisalphütte hinauf.

Hochgefühle im Berner Oberland

Auf den weiten Alpwiesen über dem Zaubersee ist man dem Himmel ganz nah – und in Gesellschaft feister Murmeltiere. Die mopsig-putzigen Bergbewohner freuen sich über die ersten warmen Tage des Frühlings. Sie genießen die ersten grünen Halme und beschweren sich zwischendurch mit lauten Pfiffen über Wanderer, die ihnen zu nah auf den Pelz rücken.

Oeschinensee_Kiosk

Eine Erfrischungsstation mit Traumblick: das „Alphüsi“ am Oeschinensee

Im wilden Gasterntal ist von den Nagern nichts zu hören, auch sonst dringt kaum ein Geräusch ans Ohr. Eine himmlische Ruhe ist das! Im Gegensatz zum Oeschinensee entpuppt sich das Hochtal als echter Geheimtipp. Sechs Kilometer lang windet sich die einspurige Schotterstraße durch die enge Schlucht hinauf, deren senkrechte Felswände an die Granitriesen im kalifornischen Yosemite Valley erinnern.

Die Straße wird reguliert von einer Ampelanlage. Doch die bräuchte es an diesem herrlichen Herbstmorgen gar nicht. Hier oben wandert man beinahe allein, wer Ausdauer hat, bis zur Quelle der Kander am gleichnamigen Gletscher.

Adelboden: Total berauschend

Auf dem Weg vom Talgrund bei Adelboden hoch zur Engstligenalp sind wir berauscht von der Aussicht und vom tobenden Wasser. Der Weg hinauf führt entlang der 370 Meter hohen Engstligenfälle, den zweithöchsten Wasserfällen der Schweiz. Oben angekommen auf 1.900 Metern, breitet sich die größte Hochebene der Schweizer Alpen aus.

Engstligenfaelle Pano

Die Engstligenfälle sind die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz

Die weite Graslandschaft erinnert etwas an Tibet. Doch statt Yaks stapfen hier oben in der warmen Jahreszeit stämmige Exemplare vom Simmentaler Fleckvieh umher und liefern jede Menge Milch für Berner Alpkäse. Ist der Sommer vorbei, müssen die 500 Kühe und andere Rinder wieder ins Tal, dann lässt sich an den Wasserfällen der spektakulärste Alpabtrieb der Schweiz beobachten.

Sillerenbühl: Schwungvoll zu Tale

Beste Fernsicht ist auch auf der Tschentenalp gleich über Adelboden garantiert. Von der Bergstation der Seilbahn aus starten zahlreiche Wanderwege. Wem das noch zu wenig Swing hat, sollte sich auf die Riesenschaukel auf dem Scharihubel setzen.

Giant Swing Tschentenalp bei Adelboden

Mit Schwung in den Himmel über der Tschentenalp: Die neue „Giant Swing“ macht’s möglich …

Für eine buchstäblich abgefahrene Attraktion dagegen ist der Sillerenbühl bekannt. Mit 45 Kilometern markierter Abfahrten ist der Berg bis in den Spätherbst hinein der Trottinett-Hotspot der Schweiz. Die Roller waren im Land schon in Mode, lange bevor es Hightech-Mountainbikes gab, auf denen man vollgefedert zum Murmeltierschreck werden konnte.

Und da Schweizer ihre Traditionen mindestens so lieben wie ihre Berge, ist das Zweirad heute fast schon ein Kulturgut. Und es geht so leicht: Einfach draufstellen und losfahren. Bei der längsten Abfahrt sind wir mehr als eine halbe Stunde unterwegs. Macht Lust auf mehr!

Infos:

Oeschinensee: Der Bergsee oberhalb von Kandersteg ist zu allen Jahreszeiten ein Erlebnis. Im Winter kann man gar auf ihm wandern, dann wird auch Eisfischen angeboten. Rückfahrticket Seilbahn 26 Euro, oeschinensee.ch

Engstligenalp: Neben einem ausgedehnten Wandernetz hat die größte Alp der westlichen Schweizer Alpen auch einen Golfplatz zu bieten. Man erlebt die Alp am besten beim Aufstieg zu Fuß. Rückfahrticket 30 Euro, engstligenalp.ch

Alte Taverne Adelboden

Die Schweiz wie aus dem Bilderbuch – inklusive „Alte Taverne“ in Adelboden

Trottinett-Touren: Adelboden wartet mit 45 Kilometern markierter Rollerabfahrten von der Bergstation Sillerenbühl aus. Blaue Routen führen über Asphalt, rote und schwarze über Schotterpisten. Tageskarte Trotti­nett 13 Euro, Tageskarte Bahn 32 Euro, adelboden.ch

Tschentenalp: Oberhalb von Adelboden bietet die aussichtsreiche Hochfläche viele Möglichkeiten für ausgedehnte Wander- und Mountainbiketouren, tschentenalp.ch

Die Website von Made in Bern bietet viele Informationen zu Adelboden-Lenk-Kandersteg, Gstaad, Interlaken, zur Region Bern und Jungfrau-Region sowie zum Jura & Drei-Seen-Land

Unterwegs im Berner Oberland: Der Swiss Travel Pass bietet freie Fahrt mit Zug, Bus und Schiffen und Eintritt in 500 Museen, dazu bis zu 50 Prozent Ermäßigung bei Bergbahnen. Ab 185 Euro (3 Tage), myswitzerland.com

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Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „abenteuer und reisen“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.