Länderberichte

Bogotá | Wieder da!

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Seit Guerilla und Regierung Frieden geschlossen haben,
ist in Kolumbien überall Euphorie zu spüren. Manuela Imre
war für eine große Reportage in unserem September-Heft
in Bogotá. Hier verrät sie euch 15 Must-Sees in der Stadt
und der näheren Umgebung

ERLEBEN

La Percha

Ein überdimensionaler roter Stuhl weist den Weg zur Boutique. Nein, drinnen warten keine Möbel sondern auffallende und witzige Stücke junger kolumbianischer Designer wie Lina Marín, Industrial Glam oder BRUMA. Garantierte Hingucker. Calle 70 # 10A-25

La Percha: Produkte junger kolumbianischer Designer

Produkte junger kolumbianischer Designer in der Boutique La Percha

Monserrate

Mit seinen 3.152 Metern Höhe thront der Hausberg im Südosten der Stadt und bietet den perfekten Rundumblick über das Chaos der Metropole – die von hier oben natürlich schön zahm wirkt. Dass Bogota oft wolkenbehangen ist, wird beim Sonnenuntergang wiederum zum beeindruckenden Spektakel aus Licht und Schatten. Die Kirche mit dem Schrein des „Gefallenen Jesus“ (El Señor Caído) ist vor allem am Wochenende ein beliebtes Wallfahrtsziel. Die Christusstatue stammt aus dem 17. Jahrhundert. Wer sich die Wanderung nach oben ersparen will: Eine Seilbahn sowie eine Standseilbahn führen nach oben (einfache Fahrt: drei Euro)

Zu Fuß oder mit der Seilbahn hinauf auf den über 3.000 Meter hohen Hausberg Monserrat

Zu Fuß oder mit der Seilbahn hinauf auf den über 3.000 Meter hohen Hausberg Monserrat

Graffiti-Tour

Eine der besten Möglichkeiten, mehr über Kunst, Politik und die Einwohner Bogotas zu erfahren. Der Rundgang durch die Altstadt dauert gut zweieinhalb Stunden und ist kostenlos – die Graffiti-Experten freuen sich aber über ein Trinkgeld. Es werden auch Privat-Touren auf Deutsch angeboten. Treffpunkt täglich 10 und 14 Uhr an der Statue von Simon Bolivar im Parque de Los Periodistas, Ecke Calle 17 und Carrera 4

Museo del Oro

Das Goldmuseum ist eines der Highlights von Bogota: Mit über 40.000 Stücken ist es die größte Sammlung präkolumbischer Goldobjekte weltweit. Ein Gang durch den modernen grauen Granitkasten ist eine Reise durch die schimmernde Geschichte des Landes. Besonders beeindruckend: der Opfersaal und die Ausstellung filigraner Schmuckstücke. Dienstag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Montag geschlossen; Eintritt: ein Euro

Museo del Oro

Museo del Oro: größte Sammlung präkolumbischer Goldobjekte weltweit

Rundgang über den Uni-Campus

Einen Vormittag führte uns Biologie-Student Gabriel Luis Fernandez über den Campus der 1867 gegründeten Universidad Naciona Colombial. Ein Abstecher über das Areal südwestlich von Chapinero lohnt: Das weitläufige Gelände mit vielen Wiesen, Auditorien und Essenständen ist eine Welt in sich. Legende Gabriel Garcia Marquez studierte hier und ziert nun mit einem großen Schwarz-Weiß-Bild die nach ihm benannte Bibliothek. Auch Che Guevara prangt als Graffiti an mehreren Wänden. “Die Uni ist ein weißer Fleck auf der Landkarte Bogotas”, erklärt Gabriel Luis. “Vor langer Zeit hat die Uni beschlossen, sich vom System abzugrenzen – die Polizei darf nicht auf das Gelände kommen und einfach so eine Versammlung auflösen oder Reden unterbrechen.” Das gebe den Studenten Autonomie und Platz zum Denken. “Wir sind kritisch”, erklärt der 24-Jährige über seine Generation. “Die Studenten in Bogota wollen das Beste aus Kolumbien herausholen. Es ist eine spannende Zeit.”

SHOPPEN

Neebex Galeria

Kunstliebhaber Thierry Harribey hatte seinen Bürojob satt und begann vor gut vier Jahren sein Kolonialhaus in La Candelaria in eine Galerie umzubauen. Heute stellt der Franzose vor allem junge lokale Nachwuchskünstler aus – wer wissen will, was in der Kunstwelt von Bogotá gerade brodelt, sollte bei Neebex vorbei schauen. Carrera 3 # 12-42

La Peluqueria

Antik-Shop, Haarsalon, Café, Fashion-Boutique und Kunst-Galerie – Meli Paerez hat ihre Finger erfolgreich in vielen Bereichen. Der großflächige Laden lädt zum Stöbern und Entdecken ein, Mutige geben Meli die Macht über Kamm, Schere und Haarpracht (Schnitt 12 Euro, mittwochs kostenlos), Carrera 3 # 12d-83

Un Medio Creativo

Tische aus alten Fahrrädern, Stuhlbeine aus Rohren, Regale aus Vinyl-Platten – die künstlerische Kreativität von Camilo Fandino und Daniel Camboa kennt kaum Grenzen. Ihre Einrichtungsgegenstände sind so originell wie funktional – und garantiert einzigartig. Carrera 4A # 66-39

Un Medio Creativo

Un Medio Creativo: Hier findet man fantasievolle Einrichtungsgegenstände

Creaciones Miquelina

Hochwertige Outdoor-Kleidung als Sozialprojekt: Miquelina ist ein 1977 gegründetes Projekt des religösen Ordens ASC. Seit Jahrzehnten unterstützen die Nonnen Frauen und junge Mädchen und helfen ihnen, aus der Prostitution herauszukommen. “Sie lernen ein Handwerk und schaffen sich so eine Zukunft”, sagt Schwester Maria Rosaura Patino. Rund 120 Frauen schneidern und nähen im großen Produktionsraum Outdoor-Jacken und -Hosen für den britischen Outdoor-Hersteller Paramo, der das Projekt seit 1992 unterstützt. Über 80 Prozent der Paramo-Kleidung wird von Miquelina hergestellt – und hilft so den Frauen in Bogota ein neues Leben aufzubauen. Carrera 9 #27 B, Tel. 57/1/ 3 66 91 48

Creaciones Miguelina

Initiative Creaciones Miguelina: Outdoor-Kleidung als Sozialprojekt

Augen machen!

Museo Botero

Wuchtige Damen und Herren sind sein Markenzeichen: Fernando Botero ist einer der bekanntesten und wichtigsten Künstler Lateinamerikas. Im Jahr 2000 spendete der Kolumbianer über 200 Kunstwerke (darunter Stücke von Pissaro, Degas und Monet sowie 123 seiner eigenen Werke) der Bank of the Republic – die daraufhin das Museum in La Candelaria gründete. Und bereits der Rundgang durch die Säulengänge des imposanten Kolonialbaus sind ein Erlebnis. Das Café im hinteren Innenhof ist ein schöner Platz zum Entspannen. Calle 11 # 4-41, Eintritt frei

Museo Botero

Museo Botero: Werke eines der wichtigsten Malers Lateinamerikas

Mercado de Paloquemao

Der größte Markt der Stadt bietet so ziemlich alles: Gemüse, Früchte, Fleisch, Fisch und auch Küchenutensilien. Es gibt die ausgefallensten Dinge und die Marktverkäufer lassen Neugierige gern probieren. In der Fischhalle machen die Verkäufer aus dem Ausnehmen der riesigen Barsche oder Lachse oft eine gutgelaunte Show. Nicht verpassen: Am Eingang zur großen Markthalle warten die Blumenverkäufer mit ganzen Eimern voller seltener Gewächse und Blüten. Calle 19, zwischen Carrera 22 und 27

Mercado de Paloquemao

Mercado de Paloquemao: Am Eingang zur Markthalle warten Blumenhändler

AUSFLÜGE

Cathedral de Sal

Fast 200 Meter tief geht es in das Bergwerk hinab, in den Gängen sind die Stationen des Kreuzzuges in Salz und Stein gehauen.1801 war bereits Alexander Humboldt in den Salinen, damals gab es die heute so beeindruckende unterirdische Kathedrale aber noch nicht. Der angrenzende Ort Zipaquirá ist nicht nur für seinen Salzbergbau berühmt, sondern auch für einen der ältesten Funde von Felsmalereien in Kolumbien. Carrera 6 Calle 1, Zipaquirá, Cundinamarca, 50 Kilometer nördlich von Bogotá

Cathedral de Sal

Cathedral de Sal: Kreuzzugstationen in Salz und Stein gehauen

Andrés Carne de Res

Fragt man einen Einheimischen, wo man in Bogota unbedingt zum Dinner hingehen sollte, es kommt immer die gleiche Antwort: “Andrés”. Das 1982 gegründete Restaurant ist Kult, einen Ableger gibt es in der Zona Rosa, das ursprüngliche “Andrés Carne de Res” liegt aber außerhalb der Metropole nahe des Örtchens Chia und ist der perfekte Abstecher nach dem Besuch der Salzkapelle. Was mit sechs Tischen anfing, ist heute ein Mega-Restaurant, in das monatlich gut 15.000 Besucher pilgern. Für die Einheimischen repräsentiert der chaotische und bunt gemischte Einrichtungsstil (an jedem freien Flecken hängt etwas von der Decke, steht ein skurriles Accessoire), das traditionelle Essen, die Musik und die gute Laune der Leute, Kolumbien in all seinen Facetten. Hungrig und durstig kommen: Auf der Karte warten 500 Gerichte und Getränke. Calle 3 # 11A-56, Chia, 25 Kilometer nördlich von Bogotá

San Francisco de Sales

Über eine Serpentinenstraße geht es an Kaffee-Pflanzen und Bananen-Stauden vorbei in den kleinen Ort San Francisco de Sales. Auf einer Höhe von 1.600 Metern gelegen, herrscht hier eine ganz andere Vegetation. Auf dem Kirchenplatz scheint die Zeit etwas langsamer zu ticken, man trifft auf ein herrlich gemütliches Kolumbien: Teenager spielen Baseball, die Männer sitzen auf roten Plasikstühlen und trinken Bier. Tipp: In der kleinen Eisdiele “San Francisco” ein Salpicon con Helado probieren. Der Melonensaft mit klein geschnittenen Früchten und Eis ist herrlich erfrischend. 60 Kilometer nordwestlich von Bogotá

Jardin Encantado

Vor knapp 30 Jahren stellte Leonor Pardo zum ersten Mal eine Trinkstelle mit Zuckerwasser in ihrem Garten auf. Heute bedienen sich täglich Heerscharen an Kolibris an der süßen Kost. 2010 gründete Leonor eine Foundation zum Erhalt der Tiere, von denen es in Kolumbien 165 Arten gibt – knapp 30 flattern täglich im hübschen Garten der freundlichen Dame vorbei. Täglich geöffnet von 10 bis 17.30 Uhr, Eintritt drei Euro. San Francisco de Sales, Tel. + 57/1/8478 232


Info

Veranstalter

Bausteine und Rundreisen mit Karawane Reisen, etwa 15 Tage „Glanzlichter Kolumbiens“ ab/bis Bogotá ab 3.178 Euro. 14-tägige Rundreise „Kolumbiens Schätze“ von Windrose ab 5.490 Euro inklusive Fluganreise. Rundreisen, Bausteine oder Hotels auch bei Art of Travel, beispielsweise 19 Tage „Kolumbien authentisch und intensiv“, oder  Dreamtime, oder 15 Tage „Glanzlichter Kolumbiens“ ab 3.230 Euro.

Web

Weitere Informationen zum Land beim Fremdenverkehrsamt Kolumbien


Ihr wollt jeden Monat informative, reich bebilderte Reportagen aus aller Welt lesen und von vielen vor Ort recherchierten Tipps profitieren? Dann  jederzeit kündbares Zeitlos-Abo abschließen, eine ältere Ausgabe versandkostenfrei  nachbestellen  oder das ganze Heft als eMagazine auf dem Tablet-PC lesen

Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.