Länderberichte

Fiji | Das erste Mal im Insel-Paradies

Fiji: Wenig los am Strand von Malolo
Martin Müller
Geschrieben von Martin Müller

Der traumhafte Archipel im Südpazifik lädt zum Inselhüpfen vom Feinsten am Ende der Welt. Unser Tipp für die Reise nach Fiji: Zuerst ein paar Tage auf den Mamanucas, dann mit dem Schnellboot „Yasawa Flyer“ und der „Reef Endeavour“ durch die Yasawa Islands kreuzen

Das Beinpaar, das sich über den langen Laufsteg ins Blaue tastet, ist sichtbar reif für die Insel. Der Farbton der Haut bleich, der Schritt zögerlich. Die Füße kommen zwangsläufig aus dem Tritt, weil jedes Sandkorn piekst. Beine und Füße gehören mir. Das erkenne ich trotz des virtuellen Kopfstands, der mit meiner Versetzung auf die andere Seite der Erde einhergeht. Wer stellt bloß meine Welt vom Kopf wieder auf die Füße?

Mala Mala Island: Auftakt unserer Reise nach Fiji

Beachclub Mala Mala Island auf Fiji

Das erste Mal in Fiji beginnt für mich mit einem kleinen Jetlag. Doch dafür gibt es eine Art Erste-Hilfe-Station. Am Ende des Piers angelangt betrete ich Mala Mala, ein zum ersten Island Beach Club der Welt mutiertes Inselchen westlich vom Fährhafen Denarau. Wie ein idealer Traum vom Paradies liegt die Insel da, als sanfter runder Busen aller Südsee-Fantasien. Mein Wellnessrezept: 20 Minuten barfuß herumschlendern und dann in den Infinity-Pool, dessen Blau mit dem von Meer und Himmel verschmilzt. Danach sollte es mir besser gehen. Ab 17 Uhr macht die Lounge-Insel mit dem Beach Club  dicht und alle müssen runter.

Entspannter Start der Fiji Cruise

Lance Seeto, illustrer Insel-Chefkoch, der indisch gewürzte Somozas mit Jackfruit füllt, hat uns einen Salat aus in Limette kalt gegartem Fisch mit Kokosmilch-Marinade gezaubert. Kokoda ist köstliche Fiji-Hausmannskost, deren Zubereitung ohne Herd funktioniert. Wer will schon Frittiertes oder Gebratenes, wenn ihm Spanische Makrele und Thunfisch gefühlt aus dem Meer in den Mund springen?

Unser Inselhüpfen im Westen von Fiji mündet zunächst im Luxus. Auf Malolo Island dürfen wir über Nacht bleiben. Sogar zwei Nächte. Das reicht, um vollständig anzukommen. Die Insel mit einem halben Dutzend erlesener Resorts ist die Wellnesskrönung der Mamanuca Islands, nicht weit vom „Malamala Beach Club“.

Six Senses: So Ommmmmm!

Wir sind Gäste in den Strandvillen des „Six Senses“-Resorts, deren geräumige und edle Einrichtung einen verschwenderisch ratlos macht, wenn die Seele eigentlich nur eine Hängematte braucht.

Der erste Morgen beginnt mit Yoga. Dafür begebe ich mich in die Hände von Nanjinga, einem Nachfahr jener 60.000 Inder, die die britischen Kolonialherren vor 100 Jahren für den Anbau von Zuckerrohr angeheuert hatten. Ein Fijianer würde zur Lockerung anstelle des meditativen Stretching wohl eher eine Lektion im knuffenden Rugbyspiel vorschlagen.

Nanjingas Yogastunde im Morgenlicht geht so wunderbar unter die Haut, dass ich mich gleich für seine zweite Disziplin anmelde. Nach 15 Minuten Wellness Screening spuckt Nanjingas Laptop meine biometrischen Eckdaten aus – etwas spukig.

Von Reisestress keine Spur, sagt er, meine Glückshormone funktionierten prächtig. Das muss am „Bula“ liegen, diesem unfassbar herzlichen fijianischen Gruß, der mir offenbar das Glückshormon Dopamin aus jeder Pore quillen lässt. Noch eine einstündige Massage und ich bin in der Südsee angekommen. Mehr Hedonismus geht nicht.

Next stop: Vomo Island

Wir stechen in See. Zuerst geht’s mit dem Schnellboot von Malolos kleiner Marina zum vollkommen einsam gelegenen Inselchen Vomo 50 Minuten weiter nördlich – eine Stippvisite auf einem grünen, strandgesäumten Vulkanfelsen im blauen Nirgendwo, kaum einen Quadratkilometer groß.

Vomo Island, Fiji: Perfekt für Beachoholics

Vomo Island: Die Strände sind ein guter Grund für eine Reise nach Fiji

Fiji, Naviti Island: Gehört zu den Mamanucas

Blick über Naviti Island, das zu den Mamanucas gehört

Der größ­te Luxus auf einer Reise nach Fiji ist, dass man keine Schuhe mitbringen muss. Total-Urlaub im Paradies, denke ich, da ruft’s uns statt „Bula“ entgegen: „Endlich mal deutsche Stimmen!“ Und es sprudelt nur so aus dem Pärchen heraus. Hier sei nichts los, ständig gebe es nur die gleichen Meeresfrüchte auf die Gabel, die Kids der australischen und neuseeländischen Familien seien zu lebhaft. Insgeheim erwarte ich, dass sich ein paar Kokospalmen schütteln und diese Meckerei mit ihrer Fracht zum Verstummen brin­gen würden. Süßes Nichtstun muss man können.

Fiji: Per Schnellboot zur Nachbarinsel von Malolo

Malolo Island erreicht man per Speedboot

Fiji Cruising mit der „Yasawa Flyer“

Von Vomo aus steuern wir einen Treffpunkt mit der „Yasawa Flyer“ an. Der flotte Katamaran klappert täglich den lang gestreckten Archipel der Yasawa Islands ab, bringt kleine Fracht und funktioniert prächtig als Sonnendeck für Backpacker, die sich in die Resorts katapultieren lassen.

Skandinavische Bikini-Schönheiten brutzeln zu pazifischem Rap unter dem blanken Himmel und träumen mit jugendlicher Laszivität ihrer gebuchten Trauminsel entgegen. Von den knapp zwei Dutzend Resorts auf halb so vielen Inseln ist die Hälfte in fijianischem Besitz.

Mit dem „Tageskreuzer“ kommen Backpacker, die Flashpacker und All-Inclusive-Familien finden andere Wege ins Paradies. Ohne den schnellen Mini-Cruiser allerdings gäbe es den Tourismus auf den Yasawas wohl kaum. Wenn man mal dort ist, muss man auf Supermärkte oder Banken verzichten. Auf die Bula-Herzlichkeit allerdings nie.

Reise nach Fiji: Cruisen vor Malolo Island

Fiji: Cruisen vor Malolo Island

Bula, Fiji! We have got the Groove

Waya, die große Insel im Süden des Archipels, ist mit Höhen über 500 Meter ein Hingucker aus strandgestützten Steilwänden. Auf einem Solitärfelsen in türkisfarbener Bucht steht einsam ein junger Kerl im Grasrock mit Keule wie eine Freiheitsstatue. Man kann nur hoffen, dass er sich genügend Trinkwasser mit auf den Ausguck genommen hat.
Naviti ist nach einer Weile Fahrt die nächste größere Insel.

Am „Korovou Eco Tour Resort“ an der Westküste wechseln wir erneut das Schiff. Vom schnittigen „Flyer“ geht’s auf die „Reef Endeavour“ von Captain Cook Cruises. Eigentlich, so schwatze ich mit dem herrlich überkandidelten Hospitality-Manager Ilisoni Vibosi, sei das recht unverdienter Lohn für den großen Entdecker ihrer Majestät. Der unglückliche Bounty-Kapitän William Bligh sei es gewesen, der die Yasawas entdeckt und kartografiert habe – wohlgemerkt: en passant, nachdem er von den Meuterern ausgesetzt worden war!

Die Stimmung unter den 80 Gästen an Bord der „Reef Endeavour“ könnte entspannter nicht sein. Für Ost-Australier und Neuseeländer ist Fiji nur einen Katzensprung entfernt, weshalb einige von ihnen Wiederholungstäter sind. Man kennt sich aus auf Fiji, hat langjährige Freundschaften mit Angestellten von Resorts geschlossen.

Blubb! Schnorcheln muss sein

Kapitän Ken Ballantine hat die sieben Weltmeere befahren und den Bogen raus, wie man die Stimmung in der 45-köpfigen Mannschaft entspannt hält: „Unser Yasawa-Fahrplan muss Rugby-Übertragungen im Fernsehen einkalkulieren.“ Wir sind also in sicherem Fahrwasser, wenn auch die wie eine Polonaise vorbeigleitenden Inseln von allerlei Untiefen gesäumt sind, die nicht alle in den Seekarten verzeichnet sind.

Diesen Korallenriffen verdanken wir täglich bezaubernde Einblicke ins Reich von Clownfischen, Riffbarschen, Füsilier- und Lippfischen. Durch die Schnorchelmaske starren wir in ein buntes, lautloses Treiben direkt unter der Meeresoberfläche, das fast noch mehr paradiesische Zustände anzubieten scheint als die Welt über Wasser.

Aber selbst für unsere ungeübten Blicke stimmt unter Wasser etwas nicht: Die Farblosigkeit mancher Riffbereiche ist frappierend. Die Temperaturanzeige meiner Unterwasserkamera zeigt 30 Grad– zu warm für die Korallen.

„Fiji und Australien leiden weltweit am meisten unter der Korallenbleiche“, erzählt Amalia Bai, Meeresbiologin auf unserem Kreuzfahrtschiff. Vor den Mamanuca Islands und vor Yasawa sei diese Entwicklung zu beobachten, auch aufgrund der häufiger werdenden Unwetter, erklärt Amalia. Trotzdem lächelt die Fijiane­rin. Schließlich sind auf Fiji viele Riffe intakt und voll Leben, wie auch wir noch erleben sollten.

Landgang Fiji Style: Nicht ohne Kava

Wenn uns die Puste ausgeht, dann besuchen wir die Yasawaner in ihren Dörfern. Niemals ohne vorher als Gruppe förmlich begrüßt und eingeladen worden zu sein. In Gunu auf Naviti Island stellt unsere Cruise-Crew den Generator zur Verfügung, der unser üppiges abendliches Mahl aus im Erdofen gegartem Schweinefleisch mit Wurzelgemüse beleuchtet.

Kava-Zeremonie: Darf bei keinem Fiji-Besuch fehlen

Kava-Zeremonie: Darf bei keinem Fiji-Besuch fehlen

Das Mahl wird abgerundet mit einer formellen Kava-Zeremonie. Der köstliche Drink aus zerstoßener Pfefferstrauchwurzel und lauwarmem Was­ser verursacht keinen Rausch, er lähmt nur leicht die Lippen. Der leicht schlammig schmeckende, entspannende Drink verführt nicht mal dazu, dass sich auch nur einer der Dörfler zu den traumatischen Erfahrungen mit dem Zyklon von 2016 äußern will. Ich soll nicht nachfragen, werde ich inständig gebeten.

Manta, Manta! Fijis Hotspot Drawaqa Island

Auf Yasawa Island im Norden des Archipels ankern wir in der Buasali Bay. Erneut treiben wir bäuchlings an Riffen vorbei, lassen uns in der Ratu Namasi School wunderschön vorsingen und tauchen ab in der bizarren Kalksteinhöhle auf der Insel Sawa-i-Lau.

Auf dem Rückweg nach Süden springe ich nochmals mit ein paar Unentwegten ins Wasser. Bei Drawaqa Island kann man als Schnorchler mit etwas Glück Mantas begegnen. Das bleibt uns verwehrt, aber die Korallen sind von prächtiger Farbigkeit, was an der frischeren Wassertemperatur in der durchströmten Meerenge liegen dürfte. Abtauchen auf Fiji macht süchtig. Und zugleich besorgt um den Zustand des Planeten.

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Dieser Beitrag ist ein Auszug unseres Extrahefts Fiji, das der Ausgabe 12/2019 beigelegt ist. Du kannst es dir hier runterladen und auf dem Smartphone abspeichern: 👀 Fiji-Magazin ABENTEUER UND REISEN


INFO

Fiji Facts

Fiji mit seinen circa 850.000 Einwohnern liegt im Herzen des Südpazifik und umfasst 333 Inseln. Etwa ein Drittel davon ist bewohnt. Die Gesamtfläche beträgt über 18.000 Quadratkilometer. Die zwei Hauptinseln sind Viti Levu und Vanua Levu. Auf Viti Levu befinden sich die Hauptstadt Suva sowie der internationale Flughafen Nadi. Englisch ist Fijis Amtssprache, jedoch wird auch Fijianisch und Hindustanisch gesprochen

Anreise

Von Frankfurt dauert der Flug zum Nadi International Airport etwa mit Singapore Airlines in Kooperation mit Fiji Airways und einem Stopp in Singapur 27,5 Stunden, Ticket ab 1.199 Euro.

Fiji Airways verbindet Hongkong, Tokio, Los Angeles, San Francisco und eini­ge Städte in Australien und Neuseeland mit Fiji. Flüge nach Fiji gibt es auch mit Virgin Australia, Qantas und Air New Zealand von Auckland, Melbourne, Sydney und Brisbane aus, Flugdauer drei bis vier Stunden.
airportsfiji.com | fijiairways.com | singaporeair.com | virginaustralia.com | qantas.com | airnewzealand.de | finnair.com

Auskunft zu Fiji

Tourism Fiji unter fiji.travel
Kontakt in Deutschland: infoeu@tourismfiji.com.fj

 

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Über diesen Autor

Martin Müller

Martin Müller

Da, wo ich weg komme, nämlich aus‘m Ruhrgebiet, muss ich manchmal sagen, dass ich nichts Besseres gelernt habe. Ich kann eben nur Autor, Reporter, Schreiberling. Im Ruhrgebiet, wo ich zufällig hineingeboren wurde, leben immer noch so schön viele von diesen Anpackern, die eine abgespeckten Sprache pflegen. Es versetzt also schon in Erstaunen, dass ich in ganzen Sätzen reden und schreiben kann. Vielleicht hat das aber mit jenem Witz - manche sagen Aberwitz - zu tun, den wir hier mit der Muttermilch einsaugen, ein Humor von der Sorte, wie ihn nur eine Gemeinschaft von vermeintlichen Underdogs drauf hat, wie etwa die Briten. Aus so einer verschworenen Gemeinschaft auszubrechen und die Welt zu bereisen, erscheint kühn. Ich darf mich mal bei einem anderen schreibenden Bochumer bedienen, um diesen Mut zu durchleuchten. Frank Goosen hat ja knapp und treffend gesagt: „Woanders is auch scheiße.“ Gut, das kann man als Anleitung zum Dableiben verstehen. Oder man sagt einfach: „Dableiben is auch ...“ Also bin ich einfach los.