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Dubai | Facelift einer Hotel-Ikone

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Das „Burj Al Arab“ steht  für größtmöglichen Luxus – und für den Aufstieg Dubais. Einziger potenzieller Makel: Es hat mittlerweile 16 Jahre auf dem Buckel – eine Ewigkeit in einer Stadt, die so rasant wächst wie kaum eine andere. Doch von wegen veraltet! Das „Burj“ erlebt gerade seinen zweiten Frühling

Das höchste Gebäude der Welt, die größte Shoppingmall, eine eigene Internet-City – Dubai ist und bleibt die Stadt der Superlative. Und die Expo 2020 wird dem Übermorgenland weiter Flügel verleihen. Bis dahin werden etwa 100 neue Hotels, vornehmlich im Vier- und Fünf-Sterne-Sektor, den Bestand um rund ein Fünftel erhöhen. Sieht man auch, wenn man durch die ausufernde Stadt fährt: Überall wird gebaut. Im Rekordtempo. Und mit verschraubten, verspielten, verspiegelten Architekturelementen han­tiert. 08/15 hat am Golf keine Chance. Kann da ein Hotel, das seit 16 Jahren und für Dubai-Verhältnisse damit für eine kleine Ewigkeit existiert, überhaupt noch mithalten?

Normalerweise landen in der 28. Etage Helikopter mit Gästen – Formel-1-Crack David Coulthard hat mit seinem Boliden aber auch schon ein paar Runden auf dem Heli-Pad gedreht …

Es kann. Wenn es „Burj Al Arab“ heißt und eines der berühmtesten und teuersten Hotels der Welt ist, das bekannteste Dubais auf jeden Fall. Denn der 321 Meter hohe, auf einer künstlichen Mini-Insel gelegene Turm mit der segelförmigen Silhouette schaffte es nicht nur ins „Guinness-Buch der Rekorde“ (höchstes Hotel­atrium, größtes But­ler­team, höchstes All-Suite-Hotel), sondern auch auf unzählige Reiseführer-Cover und somit tief ins kollektive Bewusstsein der Tourismuswelt.

Gold-Cocktails in Etage 27

Das „Burj Al Arab“ ist ein Symbol, ein Synonym für Dubai. Und eines, das sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht. (360 Auszeichnungen kamen über die Jahre allein für die acht Restaurants zusammen!) 2016 war das Jahr der großen Neuerungen, das Jahr des zweiten Hotel-Frühlings im Emirat des ewigen Sommers! Aufwendigster Teil der Schönheits-Operation: Mit der „Burj Al Arab Terrace“ gönnte man sich einen stattlichen Vorbau, ein schwimmendes Sonnendeck mit zwei Pools, 32 klimatisierten Miet-Cabanas samt TV-Sitzecke, Restaurant und Bar. Charlie Taylor, Group Director of Brand Communications & Sponsorship, meint: „Die 10.000 Qua­d­ratmeter große Konstruktion aus Stahl und Holz, in Finnland gebaut und per Schiff hertransportiert, ist bisher einzigartig in Dubai.“

Von der „Burj Al Arab Terrace“ genießen Pool-Gäste einen einmaligen Blick auf die „Jumeirah“-Palme und das offene Meer

Einzigartig in seiner Opulenz ist auch die neue Bar „Gold on 27“ im obersten Stock­werk, direkt unterhalb des Helikopter-Landeplatzes. Nomen est omen: Jede Menge Gold an den Wänden, Deko und Sessel sorgen ebenso wie ausgefeilte Lichtinstalla­ti­o­nen für eine elegant-sphärische Stimmung, in der sich auch die lokale Oberschicht sehr wohlfühlt. Oberstes Niveau hat auch der Preis. Das günstigste Getränk, ein Espresso, kommt schon auf 30 Dirham, rund acht Euro. Teurer geht freilich auch. Viel teurer. Mit Cocktails aus Gänseleber und Trüffelöl sowie mit Whiskys, die bis zu 600 Euro kosten, pro 3-cl-Stamperl. Gratis dazu gibt es coole Beats des Resident DJ Darko De Jan. Und die Aussicht aufs nächtliche Dubai. Wenngleich das Zentrum rund 15 Kilometer entfernt liegt, ist der Blick von den „Gold on 27“-Sesseln viel erhellender als der vom Restaurant „Al Muntaha“ nebenan.

Zumindest bei Dunkelheit hat man von den meis­ten Tischen aus nichts vom Meerblick, ferner spiegeln sich in den Fenstern nur die blau-grünen Deckenlampen – und die Smartphone-Screens mancher Gäste, die selbst ein 200-Euro-Menü kaum von der Digitalberieselung abhalten kann. Die Empfangs­dame des Restaurants fragt Einzelgäste ja auch: „Zeitschrift oder WiFi-Code?“

Nathan Outlaw himself – in seinem Restaurant „Al Mahara“ und vor dem XXL-Restaurantaquarium

Weder lesen noch daddeln sollten Besucher des „Al Mahara“, das ebenfalls im Herbst neu eröffnet wurde, unter der Leitung des VIP-Kochs Nathan Outlaw. Hier gibt es so viel Besseres zu tun, als in Geräte zu glotzen. Mehr zu sehen ist im 280.000 Liter fassenden Aqua­ri­um (unbedingt nach einem Tisch an selbigem fragen!). Bei der fantas­ti­schen Seafood-Küche bestim­men lokale, saiso­na­le und nachhaltig produzierte Zu­taten die eigens kreierten Menüs. Outlaws Favorit, das Lobster-Risotto, vermochte auch den Autor um­zu­­hauen. Dass der Sticky Toffee Pudding noch eine Steigerung schaffte, lag nur daran, dass er auf der separaten Terrasse serviert wurde, unter beleuch­teten Palmen, bei Lounge-Musik und mit Blick auf das im Dezember eröffnete „Jumeirah Al Naseem“ am Festland.

Hoteleinblicke in 360-Grad-Optik

Das zeitgenössische, moderne Hotel schließt die Lü­cke im „Jumeirah-Dreieck“, zu dem auch das familien­orientierte „Jumeirah Beach Hotel“ samt Wasserpark zählt. Wem also ein Aufenthalt im „Burj“ zu teuer oder schlicht zu pompös ist – Butler, goldene iPads und Hermes-Badekollektion sind ebenso Standard wie eine eigene Kissenauswahl – oder wer angesichts der überdurchschnittlich guten Auslastung schlicht keine der Doppelstock-Suiten bekommt, steigt lieber dort ab. Praktisch: Dank des jüngst noch mal gepushten digitalen Großprojekts „Ju­meirah Inside“ lassen sich via Virtual-Reality-Brille und Web-Rundum-Panos und Videos dennoch Einblicke vom „Burj“ gewinnen.

Wow – tolle Einblicke im größten Hotel-Atrium der Welt. Und zwar in alle (!) Richtungen! Einfach mit dem Cursor im Bild navigieren!

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Zu Gast im „Burj Al Arab Jumeirah“

Tagsüber: Die „Burj Al Arab Terrace“-Cabanas sind auch für externe Gäste des buchbar (ab 640 Euro pro Tag), Hotelgäste zah­len die Hälfte
Abends: Auch die Restaurants wie das „Al Mahara“ und das „Al Muntaha“ (Menü ab etwa 200 Euro) und Bars stehen externen Besuchern offen; jedoch ist eine Reservierung, von der Bar „Gold on 27“ abgesehen, obligatorisch
Über Nacht: Suite mit Frühstück ab 1.115 Euro, DZ/F im benachbarten „Al Naseem“ ab 400 Euro (beim Angebot „Jumei­rah Flavours“ ab 527 Euro ist neben DZ/F noch ein Lunch oder Dinner etwa im „Burj“ inkludiert); alle Infos und Buchung über Jumeirah

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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.

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