Länderberichte

Dubai | Keine Felafel! Keine Burger!

Lutz Jäkel
Geschrieben von Lutz Jäkel

Alle wichtigen und großen Küchen der Welt sind im Schmelztiegel Dubai vertreten. Aber gibt es auch eine originäre „Emirati Cuisine“? Das wollte unser Reporter genauer wissen.

So zierlich sie ist, so flink wuselt sie durch die Gassen. „Gib Bescheid, wenn’s zu schnell ist. Aber es gibt viel zu sehen“, ruft Arva und biegt in die nächste Gasse ab. Die 32-Jährige ist in Dubai geboren, ihre Eltern stammen aus Indien. Arva organisiert seit 2013 kulinarische Fototouren durch das alte Dubai.

Ihr Mann, Fotograf, liefert auch gleich Tipps und Tricks, wie man diese Köstlichkeiten gekonnt in Szene setzt. #UnseenTrails nennen die beiden diese Routen. „In Dubai trifft sich die Welt, es ist wirklich ein Melting Pot. Aber am besten erlebt man das nicht in den großen Hotels, sondern hier am Creek.“ Dort also, wo das Leben in Dubai einst begann, an einem rund 14 Kilometer langen Meeresarm, der die Stadtteile Deira und Bur Dubai trennt.

Streetfood am Creek

Arva führt mich an den arabischen Händlern vorbei, durch den Gewürzsuq und lockt mich an ihren indischen Lieblingsimbiss. Hier gibt es Karak Chai, mit ganzen Blättern aufgekochten starken Schwarzen Tee mit Kondensmilch und Zucker. Ein paar Gassen weiter serviert ein Iraner Pashmak, süße Teigfäden aus Zucker und Sesam, und Halva, die bekannte Süßspeise aus Sesam-Mus, Honig und Nüssen.

„Manchmal“, sagt Arva, „ziehe ich einfach los, ganz ohne Plan, und hoffe, dass ich mich verlaufe. Denn dann entdecke ich Neues.“ Am Ende führt die flinke Inderin mich in ihr Lieblingsrestaurant, ins „Delhi“. „Das beste Gericht ist zwar indisch, gekocht wird es aber von Pakistani nach einem Geheimrezept“, weiß Arva.

Mehr als Datteln, Ziege und Fisch?

„Nihari heißt die Speise, Rinderfleisch über Stunden in einer Soße (geheim, geheim!) in einem Ofen im Boden geschmort. Dazu wird Daal Maash (Linsen) gereicht, Behari Kebab (Rinder-Kebab in einer Papaya-Marinade) und giftgrüne Pakola, die mit Rosenwasser aromatisierte pakistanische Kola (daher der Name).

Seit wenigen Jahren entdecken einige Restaurants ihre eigene, die emiratische Küche. Es klingt paradox, aber es ist noch nicht lange her, da suchte man in den VAE vergeblich nach typisch emiratischen Restaurants. Gut, die emiratische Küche ist einfach, die Wüste der Arabischen Halbinsel gab außer Datteln und ein bisschen Viehzucht mit Ziegen, Schafen und Kamelen nicht viel her, allenfalls am Golf kam Fisch dazu. Gewürze waren nahezu unbekannt. Aber dann entdeckte man, dass sich dieser karge Speiseplan durchaus veredeln lässt – und ein neuer Trend war geboren.

Das ist sie, die Emirati Cuisine!

Um diesen neuen Trend zu erleben, muss man raus aus der Altstadt und ins moderne, hippe Dubai fahren, ganz im Westen der Stadt. Die beste, weil feinste Adresse ist das „Seven Sands“ in Dubai Marina, dem Stadtteil mit der größten Dichte an Wolkenkratzern. Am Ende der langen Promenade empfängt uns Küchenchef Rabah Samra im zweistöckigen Restaurant mit hübschem Blick von der Terrasse auf das Meer. Dezente arabische Chill-out-Musik, Wasserpfeifen gurgeln. Er kennt sich aus, auch mit Emirati Cuisine. Aber was ist das denn genau?

„Vor allem der Handel mit Indien und dem Iran hatte Einfluss auf die emiratische Küche. Bahrain, Kuweit, Saudi-Arabien, die Emirate, alle haben ihren eigenen Touch“, erklärt Samra. Haris zum Beispiel, eine einfache Speise aus püriertem Fleisch mit Mehl und Ghee, geklärter Butter, kommt ursprünglich aus Abu Dhabi.

Maleh Naaschif, Fisch, der unter der heißen Sonne getrocknet und mit Salz aus dem Meer konserviert wurde. Ist das emiratisch? „Es hat zwar alles indische und iranische Einflüsse, aber wo genau was herkommt, lässt sich kaum noch sagen. Alles hat sich mit der Zeit vermischt, das macht die emiratische Küche aus.“

Emiratis und kochen? Gott bewahre

Und in der Küche nur Einheimische? „Nein, Allah bewahre,“ lacht Rabah, „Kochen ist nichts für Emiratis, man lässt kochen!“ Seine 17 Köche kommen aus Sri-Lanka, den Philippinen und Pakistan. Und dann tischt er auf: Haris, Barschilla, Hummus mit Dattelsoße und Granatapfelessig, Bisaar, Hai-Samosa mit Mango-Chutney, Aisch Laham mit Nüssen, Pistazien, Kardamom, Thereef Lahm, Lammfleisch mit Gemüse und Kartoffeln, dazu frisch gebackenes Brot, es nimmt kein Ende. Egal, wo immer all das seinen Ursprung hat: Es ist köstlich!

Man purzelt mit dickem Bauch zu später Stunde in die Koje und erwacht mit der Gewissheit, das Frühstück ausfallen zu lassen. Doch weit gefehlt. Genau darum geht es beim nächsten Termin. Mitten im schicken Stadtteil Jumeirah, direkt an der Jumeirah Beach Road, liegt das „Bikers Café“.

Harleys und his Highness

Initiator des Cafés ist Khalid Bin Hadher, CEO der Bin Hadher Group und passionierter Harleyfahrer. Bin Hadher befand eines Tages, es gebe in Dubai keinen repräsentativen Treff für Biker und hat kurzerhand einen eröffnet, längst gibt es Zweigstellen des Bikers Café in Abu Dhabi und Fujairah. Seit der Scheich von Dubai zum Frühstücken vorbeikam, brummt der Laden. Es gibt Pfannkuchen und Waffeln, emiratisches Brot, Dattelsirup und Honig, eingeweichte Kichererbsen mit Tahina und vielen Nüssen, dazu indischen Karak Chai – der gilt längst auch als typisch emiratisch.

Schräg gegenüber vom „Bikers Café“ empfängt die einheimische Maitha Al Schamsi in ihrem 2013 eröffneten Frühstückcafé „Mama Tani“. „Mama Tani“ bedeutet „zweite Mama“. Spezialität des Hauses ist das traditionelle emiratische Brot Khameer, das man entweder pur oder mit ein bisschen Honig oder Schmelzkäse isst, mit frischen Kräutern gefüllt oder mit Rosencrème, Pistazien und Datteln. Khameer wird frisch und mit Dattelsirup statt Zucker gebacken, mit etwas Safran und Kardamom aromatisiert.

Safran, Rosenwasser und Jasmin

Dabei gibt es noch allerlei andere Leckereien im Angebot, vor allem Safran kommt üppig zum Einsatz, der Rosenwassertrunk wird mit Jasmin verfeinert, dazu werden Dattel-Schoko-Kuchen und Pancakes Omani-Style (mit Chips und Schmelzkäse!) gereicht. Für die kalorienbewussteren gibt es knackigen Salat mit Datteln, Nüssen, Haloumi-Käse, Couscous und Granatapfelkernen – und auf Wunsch Cappuccino mit Kamelmilchschaum, einen Camelcino.

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Info Dubai

Hotel-Tipp

XVA Gallery Art Hotel & Café
Charmantes Boutique-Hotel in Bastakiya, dem ältesten Stadtteil Dubais, der in den letzten Jahren aufwändig restauriert wurde und unter Denkmalschutz steht. Er hat sich zu einem Kunst- und Kulturviertel entwickelt mit Galerien, kleinen Museen, Kunstausstellungen und Cafés. Das „XVA“ ist ein typisches altarabisches Haus: Um einen arkadengesäumten Hof schmiegen sich Zimmer, schmale Treppengänge führen auf eine Terrasse mit Blick auf die Altstadt. Auch das „XVA“ ist ein Ort für wechselnde Kunstausstellungen, in den in arabischem Stil eingerichteten Zimmern hängen Malereien zeitgenössischer, vor allem arabischer Maler aus der Region. Gutes arabisches Frühstück, ruhige Lage. DZ/F ab 90 Euro


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Über diesen Autor

Lutz Jäkel

Lutz Jäkel

Jahrgang 1970, Fotojournalist und Autor, Islamwissenschaftler und Historiker, hat in Hamburg, Sanaa (Jemen) und Damaskus (Syrien) studiert. Einige Jahre leitete er Studienreisen in Syrien, Jordanien und Libanon. Lutz Jäkel lebte als Kind mit seinen Eltern in Istanbul/Türkei und ging dort auf die Deutsche Botschaftsschule. Reisen in viele Länder u.a. nach Syrien, Libanon, Jordanien, Israel/Palästina, Iran, Vereinigte Arabische Emirae, Oman, Jemen, Ägypten, Libyen, Tunesien, Marokko, Pakistan, Indien, Indonesien, Australien, Neuseeland, Französisch Polynesien, Chile, Argentinien, Brasilien, grönländische und kanadische Arktis, Antarktis.
Neben seiner Tätigkeit als Fotograf und Autor referiert er über arabische Länder für Unternehmen und auf Kreuzfahrtschiffen und Kreuzflügen von Hapag-Lloyd Cruises