Cruises

Europa 2 | Luxus on the rocks

Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Mit legerem Lifestyle für maximal 500 Gäste hat die „Europa 2“ eine neue Ära für Luxuskreuzfahrten eingeläutet. Neuerdings haben manche Reisen echten Expeditionscharakter. So wie die Seereise von Island nach Grönland, bei der Autor und Fotograf Thomas Linkel an Bord war

Der Klang der Trommel schwebt in der Luft. Kurze, trockene Schläge, ein Rhythmus wie das langsame Schwappen der Wellen auf felsiges Land. Es nieselt, der Himmel über Sisimiut, dem 5.000-Einwohner-Ort an Grönlands Westküste, ist grau verhangen. Der alte Mann mit der Trommel steht auf einem Parkplatz, um seinen Kopf trägt er ein schmales, mit Walrossknochenstücken verziertes Lederband. Seine Stimme ist leise und brüchig, sein Singsang kaum zu hören. „Er erzählt von einer Kajakfahrt im Sommer“, erklärt eine Frau, die neben dem Sänger gerade ihren Stand mit grönländischen Devotionalien in einen Kleinwagen packt. Immer wenn Kreuzfahrer an Land kämen, verdiene er sich ein paar Groschen dazu.

Konzerthalle Harpa in Reykjawik

Hinter der Krabbenverarbeitungsfabrik liegt die Tenderstation der „Europa 2“, die wenige Kilometer vor der Küste ankert. Ein Kreuzfahrtschiff, das luxuriöses Ambiente und legeres Savoir-vivre in alle Ecken der Welt bringt. Das Besondere an dieser Tour ist der leichte Expeditionscharakter mit Zodiac-Ausfahrten und begleitenden wissenschaftlichen Vorträgen. Und natürlich die Route, die von Islands Haupt­stadt Reykjavík über Grönland bis nach Montreal in Kanada führt und die das Schiff noch nie befahren hat. Einen landschaftlichen Höhepunkt stellt die Passage durch den Prins Christian Sund im Süden von Grönland dar.

Die Europa 2 nimmt Kurs auf Grönland

Landgang in Sisimiut

Die Häuser Sisimiuts liegen verstreut auf mehreren Hügeln, mit ihren bunten Fassaden ähneln sie den Häusern in Reykjavíks Altstadt. Schären säumen die Hafeneinfahrt, schroffe Berge begrenzen die Siedlung. An diesem kalten Septembertag segeln Möwen über dem Ort 100 Kilometer nördlich des Polarkreises, liegt erster Raureif auf den Bergspitzen. In den Wohngebieten warten die Schneemobile neben hölzernen Hundeschlitten auf den Winter, Kinderspielzeug liegt neben Rentiergeweihen. An mancher Hauswand hängen Felle und Robbenfleisch zum Trocknen.

Die Fassaden der Häuser in Sisimiut ähneln denen in Reykjaviks Altstadt

Nordatlantik, Hartes Seefahrtrevier

Der Gastraum ist gut geheizt, Kreuzfahrer sitzen unter Einheimischen. In einer Theke liegen Kuchen und andere süße Teilchen aus, der Kaffee ist stark. Blickt man durch die Fenster auf der Rückseite der Konditorei, fällt der Blick auf die vielen weißen Holzkreuze des Friedhofs und das dahinterliegende Krankenhaus.

Von den 95 Passagieren und Besatzungsmitgliedern des im Januar 1959 in einem Orkan gesunkenen grönländischen Schiffs „Hans Hedtoft“ liegt keiner auf dem Friedhof. Für sie kam im tosenden Atlantik nach einer Kollision mit einem Eisberg südlich des Kap Farvel jede Hilfe zu spät. Außer einer Monate später an Land gespülten Rettungsweste wurde niemals etwas gefunden.

Die Fahrt durch den Prins Christian Sund ist spektakulär

Tragisch war auch das Schicksal des deutschen Fischereischiffs „Johannes Krüss“. Es beteiligte sich damals an der dramatischen Suche nach Überlebenden, kam aber selbst durch Sturm und Eis in Bedrängnis und wurde nur mit Mühe gehalten. Acht Jahre später war für dieses Schiff samt Besatzung der Weg aber zu Ende: Ihm wurde ein Wintersturm südlich des Kaps zum Verhängnis. Es verschwand, ohne ein Notsignal abgegeben zu haben, spurlos in den gefährlichen Gewässern vor der Südspitze Grönlands. Drei Tage vor der Ankunft in Sisimiut hatte die „Europa 2“ diese Route über das offene Meer vermieden und stattdessen von Island kommend Kurs durch den Prins Christian Sund genommen, eine ungefähr 100 Kilometer lange Meerenge.

Himmlisches Farbfeuerwerk

Halb sechs, der Morgen ist friedlich, auf der Reling von Deck 10 glitzern die übrig gebliebenen Regentropfen der Nacht. Sturmvögel kreisen hinter dem Schiff, die Sonnenstrahlen formen einen gleißenden Kegel. Der Seetag zuvor war alkoholisch angefüllt mit einem Gin-Tasting im extrem gemütlichen „Herrenzimmer“, in Ledersesseln, die zum langen Sitzen einladen, und mit einem Himbeergeist-Brennkurs, bei dem die Teilnehmer um die Wette brannten, probierten und zunehmend lustiger wurden. Am Ende waren alle per du und glücklich, eine kleine Flasche des Selbstgebrannten mit auf die Kabine nehmen zu dürfen. Der hatte sich bei den meisten schon nach kurzer Zeit in Luft aufgelöst – ganz entgegen den Beteuerungen, er wäre selbstverständlich für die Lieben daheim. Da wundert es nicht, dass sich niemand so früh an Deck blicken lässt, wenngleich das Farbspektakel mehr Zuschauer verdient hätte.

Manchmal sind die Eisberge zum Greifen nah

Robben am Strand, Roben am Abend

Trotzdem gibt es noch genügend Gäste, die sich in den sechs Stunden der Sund-Passage permanent draußen aufhalten, gucken, staunen, fotografieren und nicht frieren. Die Fahrt gestaltet sich in der Tat spektakulär und wird noch besser dadurch, dass sich über der „Europa 2“ ein strahlend blauer Himmel spannt.

Hohe Berge, Wasserfälle, unzählige Gletscherzungen, rötliche Abhänge, die sich mit sanft geschwungenen, bemoosten Hügeln abwechseln. Helle Sandstrände, auf denen sich faule Robben sonnen, Gipfel, die (vermutlich) noch kein Mensch bestiegen hat. Und als ob das nicht schon ein Übermaß an natürlicher Schönheit wäre, treiben auf dem spiegelnden Wasser des Sunds blau schimmernde Eisberge vorbei. Grönland dreht auf und zeigt, dass es mehr zu bieten hat als 1,7 Millionen Quadratkilometer Inlandeis.

Tagsüber wird das Theater zur Fechtarena

Aufgedreht wird auch im Theater im Bug des Schiffes. Dort, wo abends in stilvollem Rahmen Cello-Konzerte und Zauber-Shows stattfinden, treffen sich tagsüber regelmäßig einige Gäste, um zusammen mit Nationalteamfechterin Monika Sozanska und WM-Medaillen-Gewinner Oliver Lücke unter dem Motto „Fechten hautnah“ die Degenklingen zu kreuzen.

Im Restaurant „Sakura“ gibt es Sushi vom Feinsten

Kulinarische Weltreise an Bord

Auf der „Europa 2“ stehen sieben Restaurants zu Verfügung. Opulente französische Küche wird in wunderbar leichtem Art-déco-Ambiente im „Tarragon“ serviert, das Chateaubriand läuft förmlich den Gaumen hinunter. Wem nach italienischem Dolce far niente ist, der reserviert im „Serenissima“. Japanische Gerichte werden an der offenen Theke des Restaurants „Sakura“ zubereitet. Die letzte Ladung frischer Fisch wurde in Island genommen, die Küchenchefs im „Sakura“ zaubern daraus California Rolls, Makrele im Tomaten-Soja-Chutney und asiatisch gebeizten Lachs.

Das „Serenissima“ ist eines von sieben Bord-Restaurants

Der Sound der Diskobuch: Ice Ice Baby

Aber die Kreuzfahrt hält noch einen weiteren Höhepunkt bereit: Er beginnt mit der Einfahrt in die Diskobucht, dann wird vor der Mini-Stadt Ilulissat geankert. Frühstück gibt es auf der Terrasse des Jachtclubs bei fünf Grad Celsius und starkem Wind. Während der größte Teil der Gäste allerdings ihr Bircher-Müsli hinter Glas verspeist, sitze ich mit um die Beine geschlungener Decke draußen im Freien. Denn was kann es Schöneres geben, als am heißen Tee zu nippen und vorbeitreibenden Eisbergen dabei zuzusehen, wie sie langsam Richtung Horizont verschwinden? Die Diskobucht ist dafür der perfekte Ort, denn der Gletscher Sermeq Kujalleq ist einer der am schnellsten fließenden weltweit. Für kontinuierlichen Eisberg-Nachschub ist also gesorgt!

Eisberge und der Ilulissat-Eisfjord in der Diskobucht vor Grönland

Auf andere Art spektakulär ist später am Tag die von Graupelschauern begleitete Zodiac-Fahrt in der Diskobucht. Rund um die „Europa 2“ schwimmen unzählige Eisberge, die wir mit den Schlauchbooten langsam umkreisen. Manche von ihnen sind 20, 30 Meter hoch, ihre Oberfläche schimmert hellblau und wirkt wie von den Wellen blankpoliert. Dann wieder driften zerklüftete Eisgebilde mit Löchern und Gipfeln vorbei, andere sind flach und lang gestreckt und Ruheplätze für Möwen, die unter ärgerlichem Kreischen davonfliegen, als wir näherkommen.

Info „Europa 2“

Eine erneute Fahrt nach Grönland ist 2017/18 im Programm der „Europa 2“ nicht geplant. Die arktischen Gewässer befahren aber regelmäßig die Hapag-Lloyd-Schiffe „MS Bremen“ und „MS Hanseatic“. Dafür sind für die „Europa 2“ neben den gängigen Karibik-, Mittelmeer- und Südostasien-Routen auch einige Strecken mit „leichtem Expeditionscharakter“ geplant, etwa entlang der norwegischen Küste oder rund um Kap Hoorn und zu den Falkland-Inseln.

Seit Ende Februar buchbar ist zudem die für die Zeit vom 29. Juli bis 17. August 2018 terminierte Kreuzfahrt von/ bis Hamburg mit verschiedenen Stopps in Großbritannien, Island und Norwegen inklusive Spitzbergen. Preis: 20 Seereisetage kosten ohne Flug ab 10.390 Euro pro Person in der Suite.

Suite auf der Europa 2

Weitere Infos

bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten.


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Über diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.

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