Länderberichte

Finnland | Turku entdecken!

Rasso Knoller
Geschrieben von Rasso Knoller

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Finnlands älteste Stadt, Turku, lockt mit endlosen Sommernächten, originellen Kneipen und bester Stimmung am und auf dem Fluss Aurajoki. Wer mag, schippert mit dem nostalgischen Dampfer in die Inselwelt der Schären.

Warum Turku?

Eine Stadt, in der man eine Toilette zum Pub umbaut, kann so schlecht nicht sein. Ohnehin wartet Turku mit einer beachtlichen Kneipenszene auf … und mit einer langen Geschichte. Turku an der Südwestküste Finnlands ist die älteste Stadt des Landes, war bis 1812 sogar Hauptstadt. Ein wenig spürt man das noch heute. Denn die riesige Burg an der Hafeneinfahrt soll­te nicht nur die Stadt, sondern das ganze Reich verteidigen. Und auch der einzige mittelalterliche Dom des Landes legt noch immer Zeugnis ab von alten Zeiten.

Die Ostsee liegt vor der Haustür, Ausflüge in die Inselwelt des Schä­rengartens bieten den perfekten Kontrast zu einem Stadturlaub. Rund 50.000 Eilan­de „schwimmen“ im Meer vor der Küste. Viele Einheimische fahren mit dem eigenen Boot hinaus, aber auch mit Linienschiffen kommt man weit, sogar bis hinüber zu den Åland-Inseln. Besucher, die im Sommer nach Tur­ku kommen, empfängt die knapp 200.000 Einwohner zählende Stadt in Feierlaune. Dann scheint die Son­ne fast rund um die Uhr, das Abendrot geht nahezu übergangslos ins Morgenrot über und die Kneipen, Bars und Restaurantschiffe am Aurajoki sorgen für noch ein bisschen mehr Sommerglück.

Turku: Turku-Burg: temporäre Ausstellungen und Wachsfiguren­mu­seum

Turku-Burg: Temporäre Ausstellungen und Wachsfiguren­mu­seum

Das muss man sehen!

Zumindest ein Museum muss sein. Und zwar am besten das am Stadtfluss gelegene Aboa Vetus & Ars Nova. Im Untergeschoss spazieren die Besucher durch das Turku früherer Jahrhunderte, oben gibt es Bilder von Max Ernst, Pablo Picasso, Andy Warhol und David Hockney (Eintritt 11 Euro).

Und sonst? Burg und Dom sollte man keinenfalls versäumen, beide stammen aus dem 14. Jahrhundert. Neben temporären Ausstellungen ist in der Burg auch ein Wachsfiguren­mu­seum mit historischen Persönlichkeiten untergebracht (12 Euro). Wer die beiden Sehenswürdigkeiten besucht, der bekommt den Spa­ziergang am Stadtfluss Aurajoki entlang gratis dazu. Dort kann man je nach Façon in einem Restaurant mit Blick auf den Fluss einkehren oder im Forum Marinum in Turkus maritime Geschichte eintauchen – im Sommer sind hier auch meh­rere Museumsschiffe zu besichtigen (Zwei-Tages-Ticket 18 Euro).

Die kurioseste Sehenswürdigkeit Turkus ist ein Lenindenkmal. Die Büste wurde Turku 1977 von Sankt Petersburg geschenkt. Zunächst wusste man nicht, was mit der Statue geschehen sollte – denn natürlich durfte der mächtige Nachbar nicht verärgert werden. Lenin in einem Museumslager ver­schwin­den zu lassen, war keine Option. Andererseits wollte man den Revolutionsführer nicht allzu prominent prä­sen­­­­tie­­ren. Und so endete er auf einer kleinen, von hohen Büschen umgebenen Rasenfläche an der Aurakatu 15. Als Begründung der Wahl musste die Tatsache herhalten, dass sich Lenin in einem nahegelegenen Haus einst vor der Ge­heim­poli­zei versteckt hatte – wenn auch nur für ein paar Stunden. Heute ist die Sicht auf Lenin frei, schließlich ist er ein wichtiger Teil der finnischen Geschichte: Seine Sowjetunion entließ Finnland 1917 in die Unabhängigkeit.

Turku: Aboa Vetus & Ars Nova Museum

Aboa Vetus & Ars Nova Museum: Geschichte und moderne Kunst

Aussicht genießen

Hinter dem Aboa Vetus & Ars Nova Museum geht es zur Sternwarte am Vartiovuori hinauf. Der einst kahle Felsenhügel wurde Anfang des 19. Jahrhunderts bepflanzt und so in eine der ersten Parkanlagen im Land umgewandelt. Obwohl der „Gipfel“ nur 50 Meter über der Stadt liegt, reicht der Blick weit. Besonders die Aussicht auf den Dom mit seinem 1827 neu errichteten Turm ist imposant. Am 1. Mai und in der Nacht davor feiern die Studenten mit Sekt und guter Stimmung am Vartiovuori das Frühlingsfest Vappu.

Turku: Stilvoll genießen im "Café Art"

Stilvoll Kaffee genießen in Turku im „Café Art“

Bummeln und Schlemmen

Einen Whisky auf dem Klo im WaterLoo, ein Pils in der Schule im Panimoravintola Koulu, einen Gin in der Apotheke im Uusi Apte­ekki oder bayerisches Weißbier im Old Bank in der frühe­ren Bank – die Turkuer trinken gern in besonderen Locations. Extrem gemütlich, mit einer Freiterrasse am Aurajoki ist das Café Art (Läntinen Rantakatu 5). Dort kommt der Kaffee aus der eigenen Rösterei, der Turun Kahvipaahtimo, in die Tasse. Aber nicht nur das Rohmaterial ist ausgezeichnet, die Zubereitung ist es auch. Bereits sieben Mal verdienten sich die Barleute des Cafés den Titel „Barista of the Year“. Ausgezeichneten Kaffee gibt’s auch im Gaggui (Humalistonkatu 15a), einem kleinen Bistro in der Nähe des Bahnhofs. Hier unbedingt den Kuchen probieren! Topküche geht ja häufig mit steifem Auftreten und gekünstelter Freundlichkeit einher – im Kaskis (Kaskenkatu 6a) ist das anders. Das kleine Restaurant ist zwar im Guide Michelin erwähnt, trotzdem haben die drei jungen Besitzer, zwei Chefköche und ein Sommelier, nicht die Bodenhaftung verloren. Sie bieten skandinavische Küche in satt machenden Portionen, die für gehobene Küche normalerweise ehrenrührig sind. Besser vorab reservieren (Vier-Gänge-Menü ohne Weinbegleitung 59 Euro)!

Turku: Turku Market Hall: Regionale Spezialitäten an 40 Verkaufsständen

Turku Market Hall: Regionale Spezialitäten an 40 Verkaufsständen

Shopping-Tipps in Turku

Bereits seit 1896 ist die Markthalle in der Eerikinkatu 16 das erste Anlaufziel für alle, die in Turku einkaufen wollen. An den 40 Verkaufsständen gibt’s regionale Spezialitäten wie Schärenbrot, das leicht süße Roggenbrot Saaristolaisleipä oder heiße Rosinenwurst. Aber auch wer ein Finnland-T-Shirt oder Hand­arbeiten mit nach Hause bringen will, ist hier richtig. Nebenan im Hansakorttelli, dem größten Einkaufszentrum der Innenstadt, gibt es nichts, was es nicht gibt – 156 Geschäfte, 30 Restaurants und sogar ein Theater sind darin beheimatet. Die Auszeichnung als beliebtestes Einkaufszentrum des Landes erhält besonderes Gewicht, weil sie von „Helsingin Sanomat“ verliehen wurde. Und diese Zeitung erscheint schließlich in Helsinki, der Stadt, mit der Turku am meisten konkurriert. Nach origineller finnischer Designerkleidung und Accessoires kann man im PUF Design Market in der Linnankatu 6 stöbern.

Turku: Unterwegs auf Stadtrundfahrt mit Citybikes

Unterwegs auf Stadtrundfahrt mit Citybikes

Lieblingsplatz

Auf in die Vergangenheit! 1827 brannte Turku nieder – nur ein paar Holzhäuser am Rande der Stadt blieben von dem Großfeuer verschont. Die liegen auf dem Luostarinmäki, dem Klosterhügel, und sind heute Teil eines Freilichtmuseums, in dem man auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert gehen kann (Eintritt 8 Euro).

Turku: Nightlife-Tipp: Die Gastro-Schiffe am Fluss Aurajoki

Nightlife-Tipp: Die Gastro-Schiffe am Fluss Aurajoki

Nightlife

Wer am Ufer des Aurajoki entlangspaziert und dem Klang der Stimmen folgt, der fin­det schnell die besten Nightspots der Stadt. Auch das Tiirikkala (Linnankatu 3) liegt am Fluss und bietet von seiner Dachterras­se aus den schönsten Blick aufs Wasser und auf den Dom. Am Wochenende darf man sich aber nicht zu sehr vom Ausblick ablenken lassen, dann treten nämlich unten im Lokal regionale Jazz- und Bluesgrößen auf. Im Cosmic Comic Café (Kauppiaskatu, in der Forum Mall) ist der Name Programm: Die Wände sind mit alten Comics tapeziert und überall liegen die Heftchen zum Lesen und Durchblättern herum. Der Traum je­des Comic-Nerds ist aber auch ein Paradies für Biertrinker: 70 unterschiedliche Sorten bietet sonst niemand in Turku.

Turku: Restaurant "Kaskis": Ein Gourmet-Restaurant, das auch satt macht!

Restaurant „Kaskis“: Ein Gourmet-Restaurant, das auch satt macht!

Schön schlafen in Turku

Stilecht und preisgünstig übernachten die Gäste im Hostel Bore, einer ehemaligen Schwedenfähre aus den 1960er-Jahren. Viel Seefahrtsromantik und Schiffsatmosphäre machen fehlenden Luxus an Bord wett. Im Sommer genießt man an Deck bei einer Tasse Kaffee den Panoramablick auf Stadt und Fluss. Die alte „SS Bore“ liegt etwa auf Höhe des Forum Mari­num am Ufer des Aurajoki vertäut. Wer etwas mehr Luxus oder eine zentralere Lage möchte, der ist im kleinen Park Hotel in der Rau­hankatu 1 gut aufgehoben. In einer Art-Nouveau-Villa von 1902 können sich die Gäste eines von 20 kuscheligen Zimmern aussuchen. Ein bisschen Kitsch muss man mögen … (DZ/F ab 140 Euro).

Turku: Ruisrock: Festival für alle, die Musik gern laut hören

Ruisrock: Festival für alle, die Musik gern laut hören

Nicht verpassen

Zum Ruisrock Festival im Juli reisen üblicherweise Rockmusik-Fans aus ganz Finnland an und beim großen Stadtfestival Down by the Laituri, ebenfalls im Juli, wird normalerweise die ganze Bandbreite populärer Musik von Schlager bis Metal geboten (23. bis 25. Juli).

Turku: Raus aus Turku und rein in den riesigen Schärengarten

Turku: Raus aus Turku und rein in den riesigen Schärengarten

Raus aus der Stadt

Kleine Fluchten gelingen am besten mit dem mehr als 80 Jahre alten Dampfschiff „Ukkopekka“. Das nimmt Passagiere mit auf eine Mini-Kreuzfahrt hinaus zur Schä­reninsel Loistokari. Auf dem winzigen Felseneiland steht nur ein einsames altes Leuchtturmwärterhaus. Da eine See­fahrt hungrig macht, wird dort leckeres Essen serviert – wie es sich für eine Mahlzeit am Meer gehört, kommt reichlich Fisch auf den Tisch. Die Abendcruise kostet inklusi­ve Buffet ungefähr 50 Euro.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Der Artikel wurde durchschnittlich mit 0,00 von maximal 5 möglichen Sternen aus 0 Bewertungen bewertet.
Loading...

Das könnte dich auch interessieren:
Weitere Reportagen aus und über Skandinavien

Winterurlaub in Finnland

Norwegen: Zum Polarlicht brettern

Dänemark: City-Trip Aarhus


Info Turku

Hinkommen

Mit Air Baltic oder Finnair. Reine Flugzeit rund vier Stunden.

Mehr im Web über Turku

turku.fi/en | visitturku.fi/en | visitturku.fi/en

Bildquellen

  • Turku Castle: © Museum Centre of Turku
  • Aboa Vetus Ars Nova: © Jari Nieminen/Visit Turku
  • Cafe Art: © Visit Turku
  • Turku Market Hall: Regionale Spezialitäten an 40 Verkaufsständen: © Seilo Ristimaeki/Visit Turku
  • Citybikes: © Jemina Sormunen/Visit Turku
  • Gastro auf Schiffen: © Seilo Ristimaeki/Visit Turku
  • Kaskis Restaurant: © Kaskis
  • Ruisrock: © Tommi Selander/Visit Turku
  • Steamship Ukkopekka and Loistokari Island: © Steamship Ukkopekka
  • Fluss Aurajoki: © Tommi Selander/Visit Turku

Über diesen Autor

Rasso Knoller

Rasso Knoller

Rasso Knoller – der Bayer schwärmt für Mitternachtssonne und Polarlichter. Nachdem er als 15-jähriger in einem Bildband über Finnland geblättert hat, wurde er vom Nordlandvirus infiziert. Fortan verbrachte der gebürtige Augsburger alle Sommerferien in Nordeuropa, er studierte Skandinavistik (u.a. in Stockholm), arbeitete beim Finnischen Rundfunk in Helsinki und als freier Korrespondent für große deutsche Tageszeitungen und Radiostationen in Oslo. Während der Olympischen Spiele in Lillehammer schrieb er für die Zeitung des Olympischen Dorfes und war als Übersetzer tätig. Inzwischen hat Rasso Knoller als freier Reisejournalist die ganze Welt bereist, sein Arbeitsschwerpunkt liegt aber nach wie vor auf den Ländern des Nordens, in denen er mindestens zwei Monate pro Jahr unterwegs ist.