Länderberichte

Florida | Fort Myers

Florian Kinast
Geschrieben von Florian Kinast

Fort Myers punktet mit Charme sowie mit den Inseln Sanibel
und Captiva Island. Diese begeistern mit langen Sandstränden
und Mangroven-Wäldern. Ein Bericht von Floridas Westküste

Im Wohnzimmer hängt eine Lampe mit elektrischen Glühbirnen. Und in der Garage steht ein Auto. Ganz selbstverständlich. Wie sollte es anders sein, im gemeinsamen Anwesen von Thomas Edison und Henry Ford. Sie waren beide große Erfinder, kluge Köpfe und zwei der erfolgreichsten Unternehmer, die Amerika jemals hervorgebracht hat. Sie waren aber vor allem auch dicke Freunde, weshalb sie mit ihren jeweiligen Familien jedes Jahr Tür an Tür wohnten. In ihrer Winterresidenz in Fort Myers.

Wie sie damals lebten, wenn sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den bitter kalten Monaten aus New Jersey und Michigan entflohen und sich im milden Südwesten Floridas niederließen, lässt sich heute gut nachempfinden. In den „Edison & Ford Winter Estates“, einem bemerkenswerten Freilichtmuseum. Die stattlichen Häuser, die sich Edison und Ford auf dem gemeinsamen Grundstück hinstellten und deren schmuckes Interieur man zumindest durch die Fenster von außen betrachten kann.

Gründer und Großkopferte

Der Botanische Garten mit seinen riesigen und völlig schrägen Banyan-Bäumen, die sie hier wachsen ließen, um aus ihnen den Rohstoff Gummi zu gewinnen. Oder auch der „Friendship Walk“, auf dessen Pflastersteinen all die Namen jener Gäste eingraviert sind, die hier auf Kurzurlaub waren, viele davon ebenso berühmte Firmengründer und Großindustrielle. Man liest Namen wie Colgate und Kellog und fragt sich, ob die hier schon vor dem Zähneputzen die Corn Flakes aßen oder erst danach.

Abgesehen davon, dass sie für den damaligen Kaufpreis des 52.000 Quadratmeter großen Areals für 2.750 Dollar heute noch ganze zwei Quadratmeter an Immobilie bekämen: Wären Edison und Ford noch am Leben, sie würden sich wohl wieder hier niederlassen. So beschaulich wie Fort Myers immer noch ist.

Pelikan-Begegnung im Pine Island Sound, Captiva Island

Pelikan-Begegnung im Pine Island Sound, Captiva Island

Insel-Idyll

Sanibel und Captiva Island heißen die beiden vorgelagerten Inseln, in deren Richtung Edison und Ford von ihrem Pier über den Caloosahatschee River mit ihrem Boot „Reliance“ gerne schipperten. Sie sind längst über die lange Brücke des Sanibel Causeway zu erreichen. Diese beiden Eilande liegen  wunderbar idyllisch vor der Küste, gelassen und harmonisch.

Pferdestärken kapitulieren vor Reiherstolz

Pferdestärken kapitulieren vor Reiherstolz

Im Kajak durch Mangroven-Wälder

Auf Captiva mit dem Kajak stundenlang durch von Mangroven überwucherte Seitenarme der Meeresbuchten zu paddeln, oder mit dem Ausflugsboot rüber nach Cayo Costa zu tuckern, eine paradiesische Insel, ohne Bewohner, dafür mit kilometerlangen Sandstränden und Millionen Muscheln. Manchmal fühlt man sich entrückt der Zivilisation, als sei die nächste Stadt nicht Fort Myers, 10 Kilometer östlich. Sondern Brownsville in Texas. Fast 1.000 Meilen westlich, am anderen Ende des Golfs von Mexiko. Man könnte Wurzeln schlagen hier. So wie die Bäume in Edisons Garten.

In der Marina des "South Seas Island Resort"

In der Marina des „South Seas Island Resort“


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Info

Hotel-Tipp

South Seas Island Resort

5400 Plantation Road, Captiva Island
45 bis 60 Autominuten von Fort Myers entfernt

Kilometerlange Hotelanlage im Norden von Captiva Island, zwischen Sandstrand und Yachthafen. Exklusiv und elegant. Entsprechend edel die Boutiquen und teuer die Restaurants wie das „Harbourside Bar & Grill“. Geheimtipp: Das „Scoops & Slices“, ein 50er-Jahre-Diner mit günstiger Pizza und einer Wand voller Süßigkeiten. Sweet dreams are made of this. DZ/F ab 175 Euro

Lesen

Alles Wichtige zum Sunny State in Kürze bietet der 155 Seite starke Band „Florida“ von Marco Polo (2016, 13 Euro) mit 14 Seiten Reiseatlas und Faltkarte zum Herausnehmen. 500 Seiten zählt „Florida mit Atlanta, Charleston, New Orleans“ aus dem Reise Know-How Verlag, ebenfalls mit separater Karte zum Herausnehmen.

 


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Über diesen Autor

Florian Kinast

Florian Kinast

Gebürtiger Münchner mit festen Wurzeln in der Heimat und zeitgleich permanenten Ausbruchsgelüsten in die weite Welt. Schrieb in seinem Buch „111 Gründe, Bayern zu lieben“ eine Eloge an seine Heimat, veröffentlichte aber in der Münchner „Abendzeitung“ auch zahlreiche Reiseberichte aus Amerika, Asien und Afrika. War zwischen 2002 und 2014 als Korrespondent bei allen sieben Olympischen Spielen vor Ort, interessierte sich in seinen Reportagen aber weniger für den Sport als mehr für das Land, die Leute, das Leben. Begeisterter Skifahrer, Bergsteiger und Mountainbiker, erlebte sein größtes Fiasko am 26. Mai 1999, als er beim Anstieg auf einen Fünftausender im Himalaja 50 Meter unterhalb vom Gipfel mit Höhenkoller umkehren musste. Am gleichen Abend verlor der FC Bayern das Champions-League-Finale gegen Manchester United in der Nachspielzeit. Kinast und die Bayern haben sich von dem traumatischen Tag aber bis heute gut erholt.