Länderberichte

Griechenland | Peloponnes Teil II

Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Raus aus Nauplia und zu einigen der schönsten Ecken des
Peloponnes. Das spektakulär vor der Küste gelegene
Monemvasia und über den archaischen „Mittelfinger“ Mani!

Weit im Südosten des Peloponnes, in der Nähe von Monemvasia, wartet inmitten von Weinbergen die Luxusherberge Kinsterna. Dort wurde für einige Millionen ein verfallenes Landgut zum Hideaway für internationale Gäste umgebaut, das sich mit seinem ockerfarbenen Anstrich und den begrünten Terrassen stillvoll in die Landschaft des östlichsten der drei Peloponnes-Finger einfügt.

Chillen im Infinitypool

Präsent ist die jahrhundertealte Geschichte des Hauses in den großen Kaminen, dem alten, an vielen Stellen die Fassade bildenden Mauerwerk und dem ewig plätscherndem Wasser in der großen Zisterne, um die heute die Terrasse gebaut ist. Auf das in byzantinischer Zeit genutzte Wort für Zisterne – „Kinsterna“ – geht der Name des Hotels zurück.

Ob man von der Terrasse auf die weiten Hügel des Umlandes bis hin zum Meer blickt, sich im Infinitypool abkühlt, in den Zimmern über Natursteinböden wandert oder auf bequemen Betten die kunstvoll mit getrocknetem Schilfrohr verkleideten Decken betrachtet, es braucht Tage, bis man alle Details des Anwesens entdeckt hat.

Mehr als lohnend ist ein Besuch der wenige Kilometer entfernten Stadt Monemvasia. Wo sich im Sommer Griechenland-Touristen durch die Gassen schieben, herrscht im Frühling und Frühsommer paradiesische Stille. Katzen räkeln sich auf bröckelnden Steinstufen, Ladenbesitzer halten einen Plausch miteinander. Ein amerikanisches Pärchen wandert in Flip-Flops den vor Jahrhunderten gepflasterten Weg hinauf zur Burg und filmt sich dabei selbst.

Das "Kinsterna Hotel" in romantischer Abendstimmung

Das Hotel Kinsterna in romantischer Abendstimmung

Ober- oder Unterstadt?

Monemvasia liegt auf einem gewaltigen monolithischen Fels, wenige Hundert Meter vor dem Festland, und ist erst seit den 70ern über eine Dammstraße zu erreichen. Im Mittelalter und während der byzantinischen Herrschaft gehörte sie zu den bedeutendsten Städten des Peloponnes. Mitte des 20. Jahrhunderts beinahe vollständig entvölkert, entwickelte sie sich mit zunehmendem Tourismus von Neuem.

Die Siedlung ist zweigeteilt: Wem der Aufstieg zu den Ruinen der Oberstadt zu steil ist, verbringt seine Zeit in den Geschäften, Cafés und Restaurants der restaurierten Unterstadt.

Auch wenn immer mehr Häuser byzantinischen Ursprungs renoviert werden, es finden sich immer noch Ecken, an denen man sich mit etwas Fantasie in die ruhmreiche Vergangenheit zurückversetzen kann. Verwitterte Mauerreste mit eingelassenen Wappen, Kapellen und Zisternen, Tonscherben und überwucherte Gewölbe, abgetretene Steinstufen, auf denen sich Eidechsen sonnen, und gepflasterte Gassen.

 

"Restaurant Marianthi" in Monemvasia serviert traditionelle Küche. Man sitzt an kleinen Tischen in der Gasse

Im „Restaurant Marianthi“ in Monemvasia sitzt man gemütlich an kleinen Tischen in der Gasse

In einer dieser Gassen ist Magda wie jeden Tag morgens von der Wohnung im ersten Stock heruntergestiegen, um den Ofen ihres Lokals „Marianthi“ anzuheizen. Jetzt sitzt sie mit einem Kaffee vor der Tür und blinzelt in die Sonne.

Eintopf mit Schweinebraten

Wie sie das schaffe, ohne Pause täglich Küche und Service gleichzeitig, frage ich. Die letzten 45 Jahre seien vergangen wie im Flug, meint sie, zum Überlegen blieb keine Zeit. In den ersten 20 Jahren ging es vor allem darum, zu überleben, weil nur wenige Touristen die Stadt besuchten. Seit vielen Jahren aber sei der Sommer wie ein wilder Fluss, die Tage vergingen wie von selbst und im Winter, wenn weniger Touristen kämen, hole sie den fehlenden Schlaf vom Sommer nach.

Sie möge das so. Es halte sie jung, sagt sie und lächelt verschmitzt. „Aber jetzt, mein Junge, ist es Zeit, meinen Eintopf mit Schweinebraten zu probieren, nicht dass du schreibst, bei mir müsse man hungern!“

Zu kurz kommt man auch bei Familie Panagiotis nicht. Ganz im Gegenteil, Vater Ilias kocht hervorragend. Gemeinsam mit seiner Frau und ihrem Sohn betreibt er das aus zwei Wehrtürmen und einem sonnigen Innenhof bestehende Boutique-Hotel „Citta dei Nicliani“ im Dorf Kita im Süden der Halbinsel Mani.

Die Turmzimmer sind gemütlich und mit Antiquitäten eingerichtet, sie haben kleine Fenster, Natursteinböden und Holzdecken. Vom Schreibtisch meines Zimmers sehe ich über die Dächer Kitas bis zum Meer. Dazwischen erstreckt sich eine Landschaft aus karger Vegetation, Kalksteinfelsen und maniotischen Wehrdörfern.

Mani: Mauern und Wehrtürme

Archaisch war das Leben hier über Jahrhunderte. Geprägt von rauem Klima und kümmerlicher Landwirtschaft. Zerrissen von Blutfehden zwischen Familienclans, die sich hinter hohen Mauern und in Wehrtürmen verschanzten. Immer wenn ein Familienclan verbannt oder es für ihn zu gefährlich wurde, zog er davon und baute sich ein neues Dorf, erzählt Ilias.

In Kita herrschte viele Jahre die Familie Niklos, von den Venezianern Nicliani genannt. Die Familie stand für Reichtum, Macht und Skrupellosigkeit. Woher der Reichtum kam, frage ich. Vielleicht waren sie gute Erpresser oder Piraten, sagt Ilias.

"Kinsterna Hotel": In der Umgebung wurden Wanderwege extra für die Gäste angelegt

Hotel Kinsterna: In der Umgebung wurden Wanderwege für die Gäste angelegt

Einsame, alte Männer. Aber frei!

Mountanistika ist nur über eine schmale, schwindelerregende Serpentinenstraße zu erreichen. Mehrere Hundert Höhenmeter über dem Meer liegen die Häuser aneinandergedrängt auf einem Bergkamm, der Wind pfeift durch die Gassen. In der Dorfmitte sitzt ein sehr dicker Mann mit offenem Hosenstall und fettigen Brillengläsern auf einem Stuhl. Er putzt sein Gewehr. „War Seemann“, sagt er, „wohnte mit meiner Frau in Athen, aber sie wollte nicht weg. Hier bin ich frei, sie fühlte sich eingesperrt. Egal, 30 Jahre Ehe sind mehr als genug!“ Sein Name spiele keine Rolle, denn außer ihm wohne hier niemand mehr und er lege auch keinen Wert auf Gesellschaft.

Einsame alte Männer würden seltsam werden, meint Papa Jorgos, der Pope von Marmari. Mit flatternder Robe steht er auf den Klippen und schaut aufs Meer. Etwas oberhalb liegt eine Kapelle, die er selbst gebaut hat. Sag selbst“, fragt er mich, „was will der Mensch mehr? Wunderbare Natur, ein weiter Blick, das Spiel des Windes mit den Wellen, der Himmel ein ewiges Schauspiel. Die herrliche Küche“, er klopft sich auf den Bauch, „ – und so viel Freiheit!“

Info

Kinsterna Hotel

Das  Fünf-Sterne-Resort wurde in einem ehemaligen Landgut aus byzantinischer Zeit eingerichtet. Sehr stilvolles Interieur, großer Infinitypool, Spa, freier Blick über Weinberge aufs Meer. Hervorragende Küche. DZ/F ab 140 Euro.

Taverne Marianthi

Monemvasia, Hauptgasse kurz vor der Kirche Elkomenos Christos

Traditionelle Küche. Man sitzt an kleinen Tischen in der Gasse, zwischen den Beinen schnurren Katzen. Täglich 12 bis 22 Uhr.

 

Café Malvasia

Am nordöstlichen Ende von Monemvasia

Von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick über die Altstadt auf das Meer. Ruhig. Täglich 8 bis 20 Uhr.

 


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Über diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.

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