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Hanseatic Nature | Coole Antarktis-Cruise

Antarktis Falkland Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Cuverville Island Eselpinguin
Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Die neue „Hanseatic Nature“ von Hapag-Lloyd Cruises setzt Maßstäbe bei Komfort und Design. Unser Reporter war auf der spektakulärsten Kreuzfahrtroute überhaupt mit an Bord: von der Spitze Südamerikas zu den Falklands, nach Südgeorgien und zur Antarktischen Halbinsel

Frühlingsgefühle in Feuerland: Kunterbunte Magellanfinken gehen über einem Meer aus Löwenzahn auf Brautschau. Auf der kleinen Hafenpromenade von Ushuaia ziehen die Menschen sich im Sonnenschein sogar die Jacken aus. Wo der beständig kalte Wind die farbenfroh bemalten Holzhäuser in kürzester Zeit sandstrahlt, sind solche milden Tage kostbar. Am Ende des Beagle-Kanals nimmt schließlich bereits der nächste Sturm Anlauf: Ausläufer eines waschechten Orkans über dem Südatlantik.

 

Antarktis Falklands Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Kapitän Thilo Natke

Kapitän Thilo Natke: War schon fast hundert Mal in der Antarktis

„13 Meter hohe Wellen wären auch für ein modernes Schiff wie die Hanseatic Nature kein Spaß“, erklärt Kapitän Thilo Natke am ersten Abend an Bord. Darum wagen wir uns erst am nächsten Morgen hinaus auf den Ozean. Im Windschatten des Sturms ist die zweitägige Überfahrt eine entspannte Angelegenheit.

Antarktis Hanseatic Nature, ausfahrbarer Glasboden

Blick auf den Errera-Kanal vom ausfahrbaren Glasboden aus

Hanseatic Nature: Expedition mit Stil

Küstenseeschwalben, Riesensturmvögel und hübsche Rußalbatrosse surfen dicht über dem Meer. Sie nutzen die Leewalzen hinter dem Schiff, um sekundenschnell aufzusteigen und dann neugierig zu beobachten, was sich an Bord der Hanseatic Nature so tut. Dort gibt es vor allem für die Passagiere jede Menge zu entdecken.

Ein Innendesign etwa, das Cruise-Neulinge anspricht, den Klaustrophobikern die Sorgen vor Schiffsreisen nimmt und für die erfahrenen Kreuzfahrer ein Erweckungserlebnis ist. Jawohl, Schiffe können auch innen schön hell und weiß, aufgeräumt und cool sein! Obwohl mit 139 Metern nur 13 Meter länger als die alte „Hanseatic“ und mit maximal 230 Passagieren nur mit wenig mehr Menschen an Bord, hat man dem neuen Schiff annähernd das doppelte Volumen spendiert. Und Hightech in XL: Neben der Bibliothek stehen Touchscreens mit viel Multimedia-Inhalten zur Verfügung, sowohl über die Reise als auch zur Region.

Windige Falkland-Inseln

Land in Sicht! Und wie! An diesem Morgen ist es sonnig und nahezu windstill in Stanley. Dabei ist stürmischer Wind schon fast der USP der Falkland-Inseln. Stürme waren einst der Grund dafür, dass deren Hauptstadt überhaupt entstand. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Blüte des kalifornischen Goldrauschs, diente das englische Nest dazu, die ramponierten Schiffe zu reparieren, die es um Kap Hoorn herum geschafft hatten.

Antarktis Falkland Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Cuverville Island Eselpinguin

Ein Eselpinguin inspiziert vor Cuverville Island die Zodiacs der Hanseatic Nature

Multimedia und Expertenwissen an Bord der Hanseatic Nature hilft nach dem Landgang, das Erlebte zu verarbeiten. In seinem Vortrag über Seevögel verrät Ornithologe Martin Gottschling Wissenswertes zum Thema Vogelwelt in südlichen Breiten. Bekommen Pinguine kalte Füße? „Nein, Pinguine und andere Seevögel haben in den Beinen sehr eng verlaufende Venen, die wie Wärmetauscher arbeiten und eine effektive Fußheizung darstellen.“

Wie schlafen Seevögel, die teilweise Wochen auf dem Meer verbringen? „Sie können Gehirnhälften abschalten und in der Luft ausruhen. Ein Vogel schläft häufiger und nur fünf bis zehn Minuten am Stück. Pinguine hingegen legen sich hin.“ Die Zuhörer erfahren außerdem, dass Wanderalbatrosse bis zu 80 Jahre alt werden können und Pinguine sich manchmal trennen, wenn es keinen Nachwuchs gibt.

Mit der Hanseatic Nature ins Schlaraffenland Südgeorgien

Die Königspinguine an den Stränden Südgeorgiens dürften im Fall einer Trennung keine Schwierigkeiten haben, mit neuen Liebschaften über den Verlust hinwegzukommen. Die Insel liegt direkt an der Antarktischen Konvergenz, der nördlichen Grenze der antarktischen Gewässer. Das nährstoffreiche, kalte Wasser sorgt hier für jede Menge Fisch. Und der schmeckt allein den rund 400.000 Königspinguinen, 1,5 Millionen Goldschopfpinguinen und 1,6 Millionen Seebären in Südgeorgien hervorragend.

Antarktis Falklands Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt St. Andrews Bay Königspinguine

Königspinguine in der Andrew’s Bay

Von einem Moränenhügel aus bietet sich der Blick auf ein wahres Meer aus Pinguinen: Die Brutkolonie hier wird auf 160.000 Paare geschätzt, dazwischen haben sich die fast einjährigen Küken als braune Flauschbälle zu Kindergartengruppen versammelt und erleben im juvenilen Kollektiv die erste Mauser.

Der Nachwuchs ist kostbar, denn: „Ein Pärchen kann nur zwei Küken in drei Jahren großziehen“, erklärt Biologin Sylvia Stevens vor Ort, „Ende Januar schlüpft das Küken dann nach 54 Bruttagen. Anfang Mai wiegt es bereits elf Kilo, Ende November beginnt die vierwöchige Mauser.“

Antarktis Treibeis Eisberge Hanseatic Nature Kreuzfahrt Cuverville Island

Ship on the Rocks! Die Hanseatic Nature vor der Küste der Antarktischen Halbinsel

Stromness: Wo Shackleton Rettung fand

Ein dickes Daunenkleid hätte das Team von Ernest Shackleton gut gebrauchen können beim spektakulärsten Fehlschlag in der Geschichte der Polar-Expeditionen. Ziel der Imperial Trans-Antarctic Expedition 1914–1916 war die erste Durchquerung des antarktischen Kontinentes. Doch ihr Schiff, die „Endurance“, fror fest, musste nach neun Monaten aufgegeben werden, das 28-köpfige Team driftete an die Packeisgrenze, erreichte mit Rettungsbooten das karge Inselchen Elephant Island, wo die Abenteuer bis an das (nahe) Lebensende gekauert hätten.

Antarktis Falklands Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Shackleton Walk Fortuna Bay Stromness

Auf dem Shackleton-Walk von Fortuna Bay nach Stromness

Darum machte Shackleton sich mit fünf Männern weiter auf und erreichte nach 16 Tagen durchs Polarmeer in einem mickrigen Holzboot Südgeorgien. In einer letzten Anstrengung überquerten sie die schneebedeckten Berge und Gletscher und erreichten nach zweitägigem Fußmarsch die Walfangstation Stromness an der Ostseite der Insel. Von dort organisierte Shackleton die Rettung seiner auf Elephant Island zurückgelassenen Männer. (Auf den Spuren der Helden wandern wir am nächsten Morgen!)

Eisberge künden die Antarktis an

Der schneidend kalte Wind an Deck der Hanseatic Nature kündigt die Antarktis an, ebenso die Eisberge, die als blaue Inseln durchs Südpolarmeer driften. Gruppen von Adeliepinguinen fahren ein Stück mit auf den Giganten, als Erholungspause zwischen der Fischjagd. Bei Brown Bluff betreten wir antarktisches Festland, von hier könnten wir zum Südpol laufen – der allerdings noch fast 3.000 Kilometer entfernt ist. Wir befinden uns auf der Spitze der Antarktischen Halbinsel, die mit ihrem Labyrinth aus Fjorden und Inseln weit in Richtung Südamerika fingert.

Antarktis Falkland Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Gletscher Gletscherabbruch Neko Harbour

Südgeorgien: Gletscherabbruch in Neko Harbour

Nächste Station der Hanseatic Nature ist Deception Island. In die Caldera des aktiven Vulkans einfahren zu können ist nicht selbstverständlich, oft blockiert Eis oder verhindert Nebel das Vorhaben. Selbst ohne Wetterkapriolen ist das Nadelöhr von Zufahrt nicht ohne. Jetzt bloß keine Delle ins nagelneue Schiff machen! Aber Kapitän Natke meistert die enge Passage an den Felswänden von Neptune‘s Bellows vorbei locker, kurz darauf ankern wir vor den stählernen Gerippen der alten Walfangstation Whalers Bay.

Antarktis Falklands Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzahrt Seeelefanten

See-Elefanten vor Grytviken, Südgeorgien

Der schwarze Strand dampft geothermisch vor sich hin und treibt Wölkchen von Schwefelgeruch durch die gespenstisch wirkende Kulisse. Ein Stück weiter hat es sich ein älterer Seeleopard zwischen Walknochen gemütlich gemacht. Ab und zu schubbert er sich den Bauch im Vulkansand und gähnt ausgiebig.

Pinguin-Rushhour auf Cuverville

Zwischen den Eisbergen vor unserer nächsten Station Cuverville Island bläst ein Buckelwal am Morgen eine dicke Fontäne Dampf in die kristallklare Luft. Wie eine glitzernde Säule bleibt sie für Sekunden stehen, doch vom mopsigen Meeressäuger ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Dafür ist bei den Eselspinguinen der großen Kolonie gerade Rushhour. Wie pfeilschnelle Torpedos zischen sie unter den Zodiacs der Hanseatic Nature hindurch, nachdem sie sich ulkig nach vorn ins Wasser haben fallen lassen.

Antarktis alklands Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt St. Andrews Bay, Königspinguine

Brütende Königspinguine in der St. Andrew’s Bay

Es geht weiter nach Skontorp Cove, wo wir eine Zodiac-Cruise entlang turmhoher Gletscherabbrüche unternehmen. Antarktis-Expertin Sylvia Stevens vermutet, dass hier erst kürzlich ein massives Gletscherkalben stattfand, bis tief in den Gletscher sind die tiefblauen Abbruchflächen zu sehen, die noch nicht wieder verwittert sind. „Besonders sehr altes Eis mit wenigen Luftblasen erscheint uns blau. Wenn Licht in diese Risse eindringt, wird es viele Male zwischen den Eiswänden hin und her reflektiert, was den Eindruck verstärkt“, erfahren wir, während die Zodiacs zurück zur „Hanseatic Nature“ schippern.

Antarktis Falkland Südgeorgien Hanseatic Nature Kreuzfahrt Buckelwal Cuverville Island

Buckelwal vor Cuverville Island

Mit der Hanseatic Nature zu Neko Harbours XXL-Gletscher

Die nächste Station ist eine von Kapitän Natkes Lieblingsorten: Neko Harbour. Über Kilometer streckt sich dort der 50 Meter hohe Gletscherabbruch. Und über einen Schneehang marschieren wir vorbei an zwei Eselspinguinkolonien hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man die Welt aus Eis überblicken kann. Wow!

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Info Antarktis-Kreuzfahrten

Hapag-Lloyd Cruises bietet insgesamt 26 Antarktis-Touren auf drei Schiffen an. Wer landschaftlichen Höhepunkte und die südpolare Tierwelt erleben will, sollte sich für die in der Reportage beschriebe­ne 6.400-Kilometer-Runde entscheiden. Preis für 16-Tage-Seereise inklusive Sonderflüge Buenos Aires–Ushuaia ab 12.850 Euro. Hapag-Lloyd Cruises bietet ab 1.800 Euro An- und Abreisepakete bis/ab Buenos Aires an, die Übernachtungen und eine Stadtrundfahrt einschließen. hl-cruises.de

Die norwegische Reederei Hurtigruten ist auf vielen Rou­ten in der Antarktis aktiv. Bei der für Oktober 2020 aufgelegten Reise „Kurs Süd“ mit der neuen Roald Amundsen bildet eine Fjord-Cruise an der Küs­te Chiles den Auftakt. 18 Tage ab 9.599 Euro. hurtigruten.de

Der niederländische Veranstalter Oceanwide Expeditions spricht ein internationales, aktiveres Publikum an. Die Schiffe sind kleiner, die Ausflüge länger. Elf Tage ab/bis Ushuaia ab 6.550 Euro. oceanwide-expeditions.com

Bildquellen

  • Kapitän Thilo Natke: © Dietmar Denger/laif
  • Ausfahrbarer Glasboden: © Dietmar Denger/laif
  • Hanseatic Restaurant: © Dietmar Denger/laif
  • Bar in Observation Lounge: © Dietmar Denger/laif
  • Eselpinguin im Wasser: © Dietmar Denger/laif
  • Königspinguine: © Dietmar Denger/laif
  • Hanseatic vor Cuverville Island: © Dietmar Denger/laif
  • Shackleton Walk: © Dietmar Denger/laif
  • Gletscherabbruch Neko Harbout: © Dietmar Denger/laif
  • Seeelefanten: © Dietmar Denger/laif
  • St. Andrews Bay: © Dietmar Denger/laif
  • Buckelwal: © Dietmar Denger

Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „abenteuer und reisen“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.