Länderberichte

Hawaii | Big is beautiful

Big Island, Waipi ó Bay
Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Big Island ist die größte Insel von Hawaii. Keine ist vielfältiger: grüne Täler und schwarze Sandstrände, dichter Regenwald, der höchste Berg des Archipels, riesige Lavafelder und fünf aktive Vulkane

„Hi, ihr sucht Hardcore-Aloha? Dann seid ihr hier richtig! Big Island geizt nicht mit Extremen“, sagt Ikena Nakoa, schnalzt mit der Zunge und reitet auf Gunner in Richtung Rinderherde. Wer hätte gedacht, dass auf Hawaii Cowgirls durch die Prärie preschen?

Die Dahana Ranch liegt etwa 20 Minuten außerhalb von Waimea inmitten tiefgrüner Hügel und weitläufiger Täler – eine Mischung aus Irland-Flair und Western-Panorama. 1951 hat die Familie ihres Vaters die 240 Hektar große Ranch übernommen. Neben der Rinder- und Pferdezucht leben die Nakoas von Reittouren für Touristen – Waimea war bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts das Cowboyzentrum Hawaiis. „Gut 50 Jahre bevor im Wilden Westen das erste Lasso geschwungen wurde“, erklärt die 19-Jährige.

Hawaii, Big Island: Vulkan Kilauea

Heiße Lava im Volcanoes-Nationalpark auf Big Island

Schneebedeckter Mauna Kea

George Vancouver hatte 1778 mit James Cook Hawaii entdeckt. Bei seinem zweiten Besuch brachte er fünf Langhörner als Geschenk für König Kamehameha mit. Heute grasen Hawaiis Rinder gutmütig auf den Farmen auf saftigem Grün, das hier dank der fruchtbaren Lavaerde besonders üppig wuchert – immerhin reiten wir am Fuß des Bilderbuchvulkans Mauna Kea durch die Prärie.

Big Island ist fast doppelt so groß wie alle Inseln Hawaiis zusammen und präsentiert elf von 13 Klimazonen. Von den tiefgrünen Waimea-Tälern über tropischen Regenwald im Waipio Valley bis zum tiefschwarzen Sand von Punaluu Beach und den schneebedeckten Höhen des Mauna Kea. Der mit 4.205 Metern höchste Berg Hawaiis ist, gemessen vom Meeresgrund, mit 10.203 Metern sogar der höchste Berg der Erde, überragt er doch den Mount Everest um stolze 1.355 Meter.

Hawaii, Big Island: Dahan Ranch

Aloha-Cowgirls: Ausritt auf der Dahana Ranch

Am Höhepunkt von Big Island

Hier oben breitet sich ein ganz neues Hawaii aus, schneekalt und überirdisch schön. Die Luft ist dünn. Vor uns stapeln sich fluffige Wolkengebilde, hie und da piekst die Spitze eines Berges durch die sich langsam pink verfärbende Zuckerwatte. In Sichtweite thronen die Teleskopkuppeln des Mauna-Kea-Observatoriums, das von Universitäten und Organisationen aus elf Nationen betrieben wird.

Die Atmosphäre wird mit jedem Zentimeter untergehender Sonne spaciger und schließlich spektakulär, als sich eine Millionenschaft von Sternen durch den Nachthimmel drückt. Die Höhenlage und das Fehlen künstlicher Lichtquellen sorgen für fantastische Bedingungen, um Sterne zu beobachten.

Hawaii, Big Island: Vulkan Mauna Kea

Höchster Punkt von Hawaii: vor dem Mauna-Kea-Observatorium

Am Fuße des Vulkans

Kilauea bedeutet auf Hawaiianisch „spucken“. Und der jüngste und aktivste Vulkan der Insel macht seinem Namen alle Ehre: Seit 1983 wird Big Island kontinuierlich „bespuckt“.

Die Zeichen von Kilaueas heißem Schluckauf sind überall zu sehen, auch im Örtchen Pahoa am Fuß des Vulkans. Beim ersten Ausbruch ergoss sich ein Strom heißer Lava bis über den Friedhof. Moder vermischt sich mit salzigem Meeresgeruch.

„Wer hier lebt, liebt den Kilauea, auch wenn er eine zerstörerische Kraft hat“, sagt Petra Wiesenbauer, die sich vor 20 Jahren in und auf Hawaii verliebt hatte. Die Deutsche sieht den Vulkan nicht als Gefahr, sondern als Naturereignis. „Spiritualität ist hier tief verankert in der Natur. Man hat unendlichen Respekt davor. Für Hawaiianer ist es undenkbar, in den natürlichen Lauf einzugreifen“, erklärt sie.

Big Island: Kalopa State Park

Grünt so grün: Riesenfarn im Kalopa State Park auf Big Island

Neues Lava-Land für Big Island

Bricht der Kilauea aus, werden keine Versuche gestartet, die Lava umzuleiten. Petra hat die Konsequenzen selbst zu spüren bekommen: Beim letzten spektakulären Gespucke im Mai 2018 wurden mehr als 700 Häuser in der Gegend zerstört, auch das Bed & Breakfast der Deutschen. „Das Leben geht weiter, eben etwas anders“, schreibt sie auf Facebook. Immerhin schaffe der Vulkan Neues und bereichere die Insel – eben auf seine Art. 2018 wuchs Big Island um 700 Hektar Lava-Land!

Die Vulkanwüste wirkt unendlich und unwirtlich. Um voranzukommen, mieten wir Mountainbikes, die wir nach einer Stunde an der Schotterstraße zurücklassen. In glühenden, üppigen Lappen liegt uns die neue Erde zu Füßen, manchmal in Zopf- oder Rippenmuster, dann wieder in den absonderlichsten Formen – surreal, finster, magisch. Die flirrende Hitze ist kaum auszuhalten. Dass es nieselt, merkt man kaum. Dabei ist der Regen praktisch: So fällt es weniger auf, dass einen bei so viel spektakulärer Naturgewalt und Hardcore-Aloha die Emotionen übermannen und ein paar Tränchen kugeln.

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Info Big Island

Anreise nach Hawaii

Via Seattle mit Condor/Alaska Air­lines in 19,5 Stunden zum Kona In­ternational Airport, mit Lufthansa in 19,5 Stunden über San Francisco; ab 1.000 Euro. condor.com | lh.com

Übernachten

Kama’aina Inn Simple, saubere Zimmer; zentrale Lage, gute Basis für Aus­flüge auf den Vulkan Mauna Kea. DZ ab 125 Euro. kamaainainn.com

Grand Naniloa – A Doubletree by Hilton Authentischer Aloha-Geist trifft auf modernen Komfort! Das frisch renovierte Hotel liegt direkt an einer von Lavagestein gerahmten Bucht. Vom Zimmer aus geht der Blick hinaus auf die Hilo Bay und zum Mauna Kea. DZ ab 235 Euro. grandnaniloahilo.com

Web

Tourismusbüro gohawaii.com/de


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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.