Länderberichte

Helmcken Falls in Kanada | Ice, Ice, Baby!

Mammut-Aufgabe für Eiskletterer: die Helmcken Falls in Kanada
Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Matterhorn in 106, Eiger-Nordwand in 148, Grandes Jorasses in 124 Minuten: Dani Arnold hat sich in den Kletterolymp gespurtet. Aber der Schweizer ist nicht nur am Berg ein Ass, sondern auch im Eis. Sein Eiskletterprojekt in den 141 Meter hohen Helmcken Falls in West-Kanada beweist es …

Dani Arnold und Kollege unter den Helmcken Falls

Die 141 Meter hohen Helmcken Falls lassen die beiden Kletterer bei ihrer „Site Inspection“ wie Zwerge wirken

„Seit dem ersten Bild, das ich von den Helmcken Falls gesehen habe, war es mein Ziel, hier etwas Großes zu vollbringen“, sagt Dani Arnold. Und das Bergsprint- und Kletter-Ausnahmetalent aus der Schweiz hat schon einiges Großes vollbracht. Speedrekordbestei­gungen der Eiger-Nordwand und an vielen anderen Gipfeln. Was ihn diesmal reizte? „Für einen Eiskletterer sind die Helmcken Falls wie ein Wunder- oder Zauberland. Millionen von verschiedenen Eiszapfen hängen in diesem Loch an den Wänden. Und in der Mitte dann dieser riesige Wasserfall!“

West-Kanada auf die eisige Art: Helmcken Falls

Harte Arbeit vor der Klettertour: Route freihacken, eine provi­so­rische Sicherung anlegen, Löcher bohren und Haken einschlagen

Wenn Arnold über den rund 500 Kilometer nördlich von Vancouver gelegenen, 141 Meter hohen Wasserfall spricht, schwingt viel Ehrfurcht mit. Kein Wunder: Während andere Wasserfälle vollständig zufrieren, fließt hier das Wasser selbst noch im tiefsten Winter. Und so wachsen die Eiszapfen im Gegensatz zu normalen Eisfällen dank des Sprühregens vom Wasserfall und nicht durch das Gefrieren von fließendem Wasser.

Das Eis ist dadurch jedoch so fragil, dass per­manent Eiszapfen herunter­brechen und die Sicherungen im unter dem Eis liegenden Fels verankert werden müssen. Kurz: Kletterer haben es hier mit absoluten Extrembedingungen zu tun.

Viel Weiß, viel Eis: Helmcken Falls im Winter

Dani Arnold taufte die Route auf den extravaganten Namen „Power Shrimps“, da sie durch ein Eismeer aus stacheligen Zapfen führt, die wie krumme Shrimps herabhängen

Zwei Fehlversuche, ein Erfolg

Um hier eine Route zu meistern, musste der heute 35-Jährige zuerst den Weg durch das Eis frei hacken, um danach mit einer Bohrmaschine die Haken für die Sicherung in den Felsen bohren zu können. Im Anschluss galt es, die Route „nur“ noch ohne Sturz zu klettern, wobei sich dies als schwieriger erwies als gedacht. „Im Gegensatz zu sonst war ich beim Klettern immer leicht angespannt. Ich wusste nicht, ob mein Eisgerät im Zapfen hält und ihn nicht durchbricht.

Denn es war eher harter Schnee als Eis“, so der Mammut-Pro-Team-Athlet über seinen abenteu­erlichen Aufstieg an den Helmcken Falls. „Auch fühlte ich, dass meine Kraft nicht unerschöpflich war. Die Schlüsselstelle in der ersten Seillänge, ein horizontales Dach, erreichte ich erst nach etwa 40 Metern.“

Helmcken Falls? Helden-Falls!

Es war bereits die dritte Reise, die Arnold zu den Helmcken Falls unternommen hat. Waren beim ersten Mal die Eis- und Wetterverhältnisse so schlecht, dass er unverrichteter Dinge auf andere Gebiete ausweichen musste, scheiterte er im Jahr darauf an der Route von Will Gadd, die er wiederholen wollte. 2018 schließlich waren die Verhältnisse optimal. „Trotz der Rückschläge und schmerzlichen Erkenntnisse hat mich dieser Ort so fasziniert, dass ich immer wieder zurückgekommen bin.

Manchmal lohnt es sich, dranzubleiben“, erklärt Arnold seinen Erfolg. Und warum er die neue Route „Power Shrimps“ taufte, begründet er so: „Da die Eiszapfen in dieser Grotte verdreht sind, Stacheln haben und eben krumm sind wie Shrimps.“

Helmcken Falls im Winter: eisig, feucht, schwierig

Zwischendurch muss man sich mal hängen lassen!

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British Columbia Travel Information: hellobc.de


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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.