Länderberichte

Palma de Mallorca | Platz da!

Anja Keul
Geschrieben von Anja Keul

Früher war Mallorcas Hauptstadt den Urlaubern nur einen Abstecher vom Strandhotel wert. Jetzt hat sich Palma zum coolen City-Ziel gemausert. Seinen Charme erlebt man besondes an den vielen kleinen Plätzen, die sich meist schön herausgeputzt haben. Bis auf einen …

Voll, eng und laut ist es auf der Plaça Major, und dann rammt mir jemand einen Kinderwagen in die Fersen und schwäbelt: „Ja wo isch denn nur der McDonald’s?“

Kein Wunder, dass die Einwohner von Palma ihren Hauptplatz möglichst schnell überqueren. Dabei stehen ihnen nicht nur schwäbische Kleinfamilien im Weg, sondern auch lebende Statuen, jonglierende Punks und südamerikanische Flötenspieler.

Nein, an der Plaça Major sollte man Palma nicht messen. Hier etwas zu essen, ist auch keine gute Idee. Doch im nahen Umfeld öffnen sich  kleinere Plätze für ein Freiluftspektakel der genussreichen Art. „Palma hat sich zu einem Ziel für Foodies entwickelt“, sagt Sternekoch Marc Fosh. Mit seinem Restaurant „Marc Fosh“ im „Hotel Convent de la Missió“ hat er die Messlatte ziemlich hoch gelegt.

Plaça Olivar: Der Bauch von Palma

Foshs Hauptquelle ist der Mercat de l’Olivar im Herzen der Oberstadt, direkt an der Shopping-Rennstrecke Sant Miquel gelegen. Den größten Teil nehmen die Fischstände ein. Bei „Peixos Carmen“ etwa gibt’s alles, was in den Restaurants serviert wird: Dorade, Petersfisch, Thunfisch, Wolfsbarsch, Hummer und natürlich Garnelen und Muscheln.

Verkäuferin Fina hat immer ein nettes Wort für jeden Kunden. Als ihr ein paar Muscheln beim Eintüten runterfallen, kommentiert sie: „Aquí todo es vivo“, hier ist alles noch lebendig! Am anderen Ende der Halle haben sich neben der „Bar del Peix“ mit ihren Fischtapas auch zwei, drei Sushi- und Austernstände etabliert. Und wenn es draußen drückend heiß ist, erweist sich die kühle Markthalle als Frischmacher für eine Pause.

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Plaça Mercat: Alt, neu und anders

Auf der einen Seite begrenzen die honigfarbenen Mauern der Església Sant Nicolau den dreieckigen Platz, auf der anderen zwei Modernisme-Gebäude mit den eleganten Schaufenstern der spanischen Nobelmarke Purificación García.

Wenn José Antonio jeden Morgen gegen neun herkommt, liegt der Platz ganz ruhig im Schatten der schönen, alten Palmen, einer Platane und eines gewaltigen Gummibaums. „Der ist 230 Jahre alt“, sagt José mit Besitzerstolz. Manchmal kommt eine Businessfrau im knappen Kostüm, überquert das rissige Pflaster des Platzes eilig in Highheels, wie nur Spanierinnen das können, und steckt dem Obdachlosen ein in Alufolie gewickeltes belegtes Brot zu. José Antonio lässt es zwischen den Wurzeln des Gummibaums verschwinden und holt es zur Mittagszeit wieder hervor.

Voll, laut und günstig: die beliebte Tapas-Bar „España“

Meist hilft er auch dem Besitzer des „Kiosko Alaska“ beim Aufstellen der Stühle und Tische. Den Kiosk gibt es seit 80 Jahren, seit mehr als vier Jahrzehnten schenkt Paco hier Bier aus. Eine Institution, eigentlich. „Jedes Jahr muss ich um die Lizenz von der Stadt bangen“, sagt Paco. Über die Straße liegt die „Vermutería La Rosa“. Eine alte Kneipe, die im neuen Palma überlebt hat? Im Gegenteil: Von der leicht angeranzten Theke bis zu den Deko-Konserven im 50er-Jahre-Design hat hier ein Innenarchitekt ganze Retro-Arbeit geleistet. Der Laden brummt.

Es müssen nicht immer Tapas sein. Eine süße Alternative: Eis!

Plaça Rei Joan Carles I.: Der Dauerbrenner

Ein richtiger Platz ist es ja nicht, eher eine verkehrsgeplagte Straßenkreuzung. Und kaum einer kennt seinen Namen, jeder dagegen den der berühmtesten Bar am Platz: „Bar Bosch“, die schon 1936 eröffnete. Sie hat sich gewaltig vergrößert in den letzten Jah­ren, zieht deutsche Residenten und dauertelefonierende Immobilienmakler ebenso an wie spanische Rentner, die vorzugsweise an den gut geschützten Tischen zur Haus­wand hin sitzen.

Manchmal schütteln sie sachte ihre Köpfe, wenn eine zu sehr nach Strand gekleidete Blondine vorbeiwogt. Aber seit Badekleidung auf den Straßen von Palma als Ordnungswidrigkeit geahndet wird (ja, das musste sein!), halten sich auch diese geschmacklichen Entgleisungen in Grenzen.

Traditionelle Tapas zum günstigen Preis gibt’s auch. Mitte 2015 eröffnete im ersten Stock ein Fischrestau­rant und gleich um die Ecke ein zugehöriges stylishes Hotel. Damit geht die traditionsreiche „Bar Bosch“ mit der Zeit und überlebt – im Gegenteil zum noch älteren „Café Lírico“ am Ende des Passeig des Born, das Ende des Jahres nach 85 Jahren schließen muss. Die Miete ist nicht mehr zu bezahlen.

Open-Air-Frühstück vor dem Boutique-Hotel „Cort“

Plaça Cort: Palmas Neuer Hot Spot

Enge Gassen und von Souvenirständen gesäumte Treppenwege führen  in die Oberstadt von Palma, wo sich der Rathausplatz Plaça Cort zur Anlaufstelle für den Kaffee zwischendurch oder einen leichten Lunch mit dem angesagten Meeresfrüchtesalat „Ceviche“ entwickelt hat.

Seit das Boutiquehotel „Cort“ vor wenigen Jahren eröffnete, bietet das angeschlossene Café-Restaurant von morgens bis abends jede Menge Sitzplätze im Herzen der Altstadt – die Einwohner entdeckten ihre Plaça Cort wieder neu.

Hotelmanagerin Tone Adserø stammt aus Skandinavien. Mit ihrem Kollegen Sven Rudow, der mit dem „Hotel Tres“ eines der belieb­testen Boutiquehotels von Palma führt, geht Tone gern mal in die bodenständige Tapas-Bar „España“, nahe der Plaça Major und doch Welten davon ent­fernt. Oder in die „Sifonería Cas Calatravins“, nur ein paar Schritte von der Plaça Cort.

Das „L’Antiquari“, ein feines, kleines Café mit besonders gemütlichem Ambiente

In dem düsteren, schlauchartigen Raum stapeln sich die Fässer, auf alten Getränkekisten liegen Sitzkissen. Eigentlich wird hier Wein zum Mitnehmen verkauft, nebenbei hat sich das enge Gewölbe aber zur halblegalen Bar entwickelt.

„Wir haben ständig mit den Nachbarn oder dem Vermieter zu kämpfen“, sagt die Deutsche Ulla, die ihre Kunden auf Mallor­quí berät und den Szene-Geheimtipp jetzt ein bisschen heruntergefahren hat. Früher führte hier der etwas versponnene Juan Carlos das Regiment. Weil sich immer mehr Anwohner in den schick renovier­ten Altstadthäusern beschwerten, eröffnete er eine neue „Sifonería“ nahe der Plaça Gomila. Die liegt weitab vom Zentrum im Viertel El Terreno, in dem in den 1980er-Jahren skandinavischer Billigtourismus herrschte. Manch einer glaubt, dass sich rund um die Plaça Gomila die nächsten Szene-Hotspots entwickeln, weil die Innenstadt längst zu teuer ist.

„Molta Barra“, angesagte Adresse mit baskisch angehauchter Küche und buntem Szenepublikum

Info

Hotel Costa Azul

Am Passeig Marítim, dank Lärm­schutzfenstern aber ruhig. Frisch renoviert in klarem, modernem Design, sehr gute Betten, kleiner Indoor-Pool. Das Szeneviertel Santa Catalina liegt gleich um die Ecke, ins Zentrum läuft man in einer Viertelstunde am Meer ent­lang. DZ/Wlan ab 90 Euro (Hochsaison ab 140 Euro)

Hotel Cort

Gegenüber dem Rathaus. Hervor­ragende Betten einer skandinavischen Edelmarke, schöne große Bäder mit Nostalgie-Touch. Überwiegend Suiten. Gehobenes Restaurant im Haus, vor der Tür Tische für einen Kaffee. DZ/F/Wlan ab 240 Euro (Hochsaison ab 300 Euro)

Vor Ort unterwegs

Mietwagen frühzeitig buchen! Pkw der kleinsten Kategorie ab 130 Euro/Woche, Cabrio ab 270 Euro/Woche bei Auto Europe. Radverleih „Palma on Bike“ in der Avinguda Antoni Maura, Filialen Avinguda de Gabriel Roca 12 und 15

Web

Weitere Informationen zu Palma de Mallorca bei Visit Palma


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Über diesen Autor

Anja Keul

Anja Keul

Volontariat kurz nach dem Abitur, danach Redakteurin, dann freie Journalistin, um parallel Philosophie zu studieren – uff. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag zog Anja aber die Bremse, um erst einmal ein halbes Jahr um die Welt zu reisen und in Mexiko hängen zu bleiben. Als Kulturressortleiterin bei „Cosmopolitan“ und Journalismus-Dozentin ging es danach zwar weiter, aber irgendwie schlichen sich immer mehr Reisegeschichten in ihre Arbeit. Deshalb machte sie sich als freie Reise-Autorin und Entwicklerin von (Reise)-Magazinen selbstständig. Besonders gern fährt sie in spanischsprachige Länder, weil sie die Sprache und ihre Variationen mag – von der iberischen Halbinsel über Kuba bis Argentinien.

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