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Seiser Alm | Adler Mountain Lodge

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Himmelnett! Der Blick aus Bett, Sauna und Pool: Wahnsinn!
Der Style: Holz, Holz und nochmals Holz. Keine verchromten
Geweihe, keine Filzkreationen, kein Alpinkitsch. Die Küche:
intelligent-qualitätsbesessen. Die Adler Mountain Lodge ist
das zur Zeit schönste Hideaway Südtirols.

1997 hat die Grödner Hoteliersfamilie Sanoner die Ruine des einst bekannten Hotels ,Mezdi‘ gekauft, das Ende der 1930er-Jahre eröffnet worden ist. Adenauer war damals unter den Gästen. Nach vielen  Eigentümerwechseln und 20 Jahren Leerstand legten die neuen Besitzer 1999 den ersten von zahlreichen Umbauplänen vor und stießen damit auf einen Haufen Widerstände, Einsprü­che, Bedenken und Bürokratie, gegen den sich der gegenüber auf­ragende, fast 3.200 Meter hohe Langkofel wie ein elendes Häuflein ausgenommen haben dürfte.

Überspringen wir die Details und beginnen wir mit dem Happy End: Anfang Juli 2014 wurde das Vollholzhotel mit 18 Suiten und zwölf Chalets eröffnet.  Die Chalets der Adler Mountain Lodge gruppieren sich um Hauptgebäude und Pool. 70 bis 75 Quadratmeter groß, mit kleiner Sauna. Massives Holz, moderne Möbel, Stahlplatten in der Dusche als Kontrast zur Holzbodenhaptik. Der große Fernseher trägt zu Recht ein Stoffkondom – ist doch das, was man durch die vollverglaste Front sieht, bes­ser als jeder Film in HD: ein Bergblick, der fast unfassbar ist. Auch nachts: Bei klarem Himmel funkeln die Sterne wie bei der Astro-Show im Planetarium.

Wie wär’s mit Ursteinmassage

Nach einem kleinen, aber feinen und vorwiegend aus regionalen Produkten zusammengestellten Frühstücksbuffet warten Mountainbikes und E-Bikes auf die Gäste, Wanderwege aller Steilheits- und Schwierigkeitsgrade, das entspannte Nichtstun auf der großen Holzterrasse vor der Lobby-Lounge. Oder eine Massage wie die mit Lärchen und Baobab spielende Adler-Lodge-Massage, deren Fokus eher auf Entspannung als auf Muskellockerung liegt.

Das Spa-Menü bemüht sich mit Alpenfan­go aus Latschenkiefer, Alpenkräuterstem­pel-Behandlung oder Ursteinmassage mit Silberquarzit um Gôut de terroir. Die Be­handlungsräume sind wie die Saunen und das Fitnesszimmer unter dem mächtigen Dachstuhl untergebracht – natürlich mit atemberaubendem Blick auf die Bergwelt.

Blick über die Dächer der Lodge – der Hammer, oder?

Blick über die Dächer der Lodge – der Hammer, oder?

Totempfahl und Heusauna

Dort oben, wo die wunderbare Heu­sauna Gäste schwer duftend zum Schwit­zen bringt, endet auch der drei Stockwerke ho­he Totem im Treppenhaus. Der stammt aber nicht etwa aus Kanada, sondern wur­de vom 90-jährigen Künstler Adolf Val­lazza aus dem Grödnertal geschnitzt, wie Hoteldirektorin Sara verrät. „Und die Architekten, die hinter die­sem Komplex stehen?“ Ist doch klar, auch die kommen aus dem Grödnertal.

Das Erdgeschoss des Haupthauses mit Restaurant, Lounge, Kamin und Bar dient als Dreh- und Angelpunkt für alle in allen Stadien der Entspannung – die einen mit hohen Schuhen und tiefen Dekolletés, die anderen in Bademantel oder Radsportkleidung. Die markanten Adler- und Drachenköpfe an den Dachbalken stammen von Bildhauer Markus Delago. Wo der lebt? Na raten Sie mal …

Ganz und gar unsüdtirolerisch ist der Slogan des Hotels: „Let your soul fly“. Aber auch da ist was dran. Die Stimmung ist leger, heiter und unaufdringlich, die Menschen nett, da ist der gestresste Flachlandindianer ruckzuck entspannt – schon bevor er im babybadewarmen Solewasser treibend dem prächtigen Sonnenuntergangsleuchten auf den Dolomitengipfeln folgt, während die Seele munter durchs Alpenblau des Himmels flattert.

Alles „made in Southern Tyrol“

Was sich der 32-jährige Küchenchef Han­nes Pignater ausdenkt, ist großartig, auf eine elegante Art bodenständig – und perfekt zubereitet. „So viele Produkte wie möglich kaufen wir im Grödner Tal, Salat und Gemüse in der näheren Umgebung wie Feldthurns.“ Sorry, kein Haar in der Suppe. Und der Rest der Zutaten? „Den beschaf­fen wir vorzugsweise in Südtirol“, erzählt Pignater.

Think global, drink local

Die Speisekarte blickt weit über den Schlutzkrapfenhorizont hinaus, ohne manieriert und gestelzt zu geraten. Bei den Weinen folge man der Devise „drink local“ und suche immer wieder nach kleinen Exoten, etwa vom Ätna oder aus der Steiermark – oder man hält sich an die schlauen Empfehlungen des Maître Daniel Verdorfer. Alle Mahlzeiten, die drei weißen und drei roten Tagesweine bester Qualität sowie alle Drinks und Snacks sind im prima vista fürstlichen, bei näherem Hinsehen aber mehr als gerechtfertigten Übernachtungs­preis für die Adler Mountain Lodge inkludiert.

So, werden Sie nun sagen, wo ist der Haken. Kommt jetzt noch was Negatives, Kritisches? Nein, so leid es mir tut. Da oben auf der Seiser Alm wartet mit der Adler Mountain Lodge ein ziemlich perfekter Platz auf Verliebte, Ruhebedürftige, Naturliebhaber, die sich für zwei, drei Nächte eine einzigartige Auszeit gönnen wollen.


Adler Mountain Lodge

Die Lodge liegt auf der Seiser Alm (Piz 11). Alle Suiten und Chalets bieten Bergblick, mit „Inklusiv-Arrangement“ für alle Mahlzeiten, Tischweine, Drinks und Snacks sowie Leih-MTBs ab 245 Euro pro Person. Chalet ab 265 Euro pro Person.


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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