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Qatar | Anantara Banana Island

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Das Banana Island Resort Doha by Anantara bringt das Malediven-Konzept „One island, one hotel“ an den Golf: Mit den ersten Überwasser-Bungalows des arabischen Raums.

Dichter Qualm. Alex Hersent grinst verschmitzt, ein wenig dreckig fast. Der Normanne, der zuvor im La Petit Maison in Dubai und auf Bora Bora gemixt hat, hält die rauchende Pistole in der Hand. Kein Scherz: „Smoking gun“ steht da…

Auf dem Lauf steckt ein Schlauch, der in einer Teekanne endet. Vor mir steht Sekunden später ein liquides Etwas der vierten Dimension. Das Glas voll Rauchgeschmack. Ein Thymianzweig darüber, umhüllt mit Zitronenspänen. Eine orange Flüssigkeit, wie stark verdünnter Tomatensaft. Ist es aber nicht.

Prost? Molekularer Cocktail

Prost? Molekularer Cocktail

Durchdrehende Geschmacksknospen

Die Nasenschleimhaut vibriert, Konfusion im Hirn, im Thalamus ist die Hölle los. Was rieche ich? Warum schmecke ich nicht, was ich rieche? Was schmecke ich? Einen Hauch Weihrauch? Whiskyfass? Macchia in der Sommerhitze? Apfel ist dabei, ganz klar. Aber sonst? Ich bin ratlos. Und Alex, der „Mixologist“ des Resorts, amüsiert sich.

Klar ist nur eines: Ich schmecke null Prozent Alkohol. Die Insel ist furztrocken, das hat der Besitzer entschieden. Und der Besitzer ist der Staat. „Wenn du gute Drinks in schönem Ambiente willst, musst du rüber ans Festland in die Bar Sky View des Hotels ,Cigale‘ in Doha“, rät mir Alex. Allerdings kommt der Tipp ein wenig zu spät, jetzt, an meinem letzten Abend. Die meisten Gäste schert der Alkoholbann nicht, sie sind aus Qatar, Saudi-Arabien, den Emiraten.

Aber was sagen die Amis, Briten und Asiaten? Der General Manager sieht’s pragmatisch: „Spitzenküche und dazu nur Cola oder alkoholfreies Bier, das geht nicht.“ Also setze Banana Island auf kreative Drinks, auf Mocktails (bedeu­tet so viel wie: gefakte Cocktails) ohne Alkohol, aber von tückischer Raffinesse.

Mixology: molekulare Drinks ohne Alkohol wie Bubble Peppermint Tea

Mixology: molekulare Drinks ohne Alkohol

Caffè Macchiato als Raviolo

Da wird mit Calciumchlorid und Alginat sphärifiziert, emulgiert, vakuumisiert, komprimiert, die Textur verändert und entstellt, dass es eine Freude ist. So kommt der Caffè Macchiato als „Raviolo“ unter einer federleichten Milchschaumhaube daher, die im Mund explodiert. „Alex, ich war in der Schule in Chemie immer der Schlechteste. Was ist das, Sphärifikation, erklär’ es mir bitte.“„Ich war auch immer ganz schlecht in Chemie. Aber das Ganze ist einfach, es bedeutet, aus Flüssigkeiten solche Kaviarkügelchen herzustellen. Das kommt aus der Molekularküche, die Ferran Adrià erfunden hat. Flüssigkeiten werden in feste Körper wie Kaviar oder Ravioli umgewandelt.“

Was Alex kredenzt, verwirrt die Sinne. Da ist der Mocktail-Shot, der nach Trüffelöl riecht, aber nicht danach schmeckt. Ich schlürfe die wildesten Kreationen, schaue offenbar immer dümmer drein.

Heimlich unheimlich viel Whisky

Die morgendlichen 30 Minuten Schwimmen waren ein Vergnügen. Hatte das Meer doch knapp 20 Grad statt der üblichen 30 und mehr. 800 Meter lang ist der Inselstrand und meist ist man allein im Wasser. Schwimmen oder in der Sonne braten ist des Golfarabers Sache nicht, das überlässt er krebsroten Expats. Und genießt auf den Schreck in seiner Villa den heimlich auf die Insel mitgebrachten Whisky. Wie hatte mir einer vom Personal zugeraunt: „Wenn die weg sind, tragen wir oft säckeweise leere Flaschen aus den Bungalows …“

Spa, Villen, Suiten

Die Zimmer in den Hauptgebäuden sind groß, haben schöne Holzböden und sind top ausgestattet mit Espressomaschine, Pflegeprodukten vom Toten Meer, Bose-Soundsystem & Co.

Die Villen über dem Wasser und am Wasser folgen eifrig dem Vorbild Malediven. Außerdem gibt es ein Becken mit stehender Surfwelle und Ausbildern, eine Tauchschule mit durchsichtigem Übungsbecken und die chillige, teils schwimmende „Q-Lounge“. Im Balance Wellness Center kann man sich vom Ayurveda-Arzt Kannan typisieren lassen und die passende „Journey“ aussuchen.

Das Anantara Spa hält in den Bungalows über dem Meer alle Wohltaten vom Hamam-Treatment bis zur Thaimassage parat.

Urteil: Ein Hotel ideal …

… für Expats, die in Doha leben und mal reif für eine kleine Flucht, für die sprichwörtliche Insel sind. Gern auch mit Kind und Kegel, darauf ist man bestens eingerichtet.

… und für Reisende, die via Doha nach Indien, Nepal oder China unterwegs sind. Sie sollten hier einen Stopover einlegen.


INFO

Das Hotel liegt 25 Bootsminuten vor Doha. Zwei Nächte im DZ/VP über Dertour ab 900 Euro, über Qatar Airways DZ/F ab 200 Euro.

Direktflüge nach Doha mit Qatar Airways ab 600 Euro, ab 490 Euro mit Oman Air. Stopover Bis zu 96 Stunden Zwischenaufenthalt in Qatar ohne Aufpreis möglich bei Buchung des Qatar Airways Holidays Stopover Program für Flüge etwa nach Asien.


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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