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Hotel-Check | Bachmair Weissach

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Das Hotel Bachmair Weissach in Rottach-Egern lockt mit seinem neuen „Mizu Onsen“ Japan-Fans an den Tegernsee. Wir sind testweise im heißen und eiskalten Wasser untergetaucht und haben die Sushi und Sashimi von Kudo Chiori verkostet

Japanische Badekultur, die bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht, als auf der Insel Shikoku das Dogo-Bad eröffnete, wird in aller Regel mit dem Begriff Onsen verbunden. Japaner wählen diesen Begriff nur, wenn es sich um heißes Thermalwasser aus natürlicher Quelle handelt. Das aber trifft im Tegernseer „Mizu Onsen“ des Bachmair Weissach nicht zu. Hier handelt es sich – um die Haarspalterei weiterzutreiben – vielmehr um ein „Sento“ mit beheiztem Wasser.

Heiß ist es in dem kleinen, dunklen Tauchbecken allemal. Wer einen robusten Kreislauf hat, hält es dort 15 Minuten aus. Mich zog es schon nach zehn Minuten ins zwei Grad kalte Becken vis-à-vis.

Rein ins heiße Wasser

Das Design des „Mizu Onsen“ ist reduziert, von klösterlicher Kargheit und durchaus Zen-mäßig. Sind in Japan die Becken mit heißem Wasser groß, aber nur knietief, setzen die Macher des „Mizu“ auf Tiefe und minimale Breite. So wirkt das Becken ein wenig wie eine Wellnesszelle. Japan-Kenner vermissen sicher die Waschplätze mit den kleinen Hockern, auf denen man sich in Japan coram publico akribisch abseift, um erst dann porentief sauber ins Nass zu steigen.

Der Praxisalltag am Tegernsee gestaltet sich bei meinem Besuch so, wie der Onsen-Albtraum eines jeden Japaners beginnt: Ein Gast kommt rothäutig und schweißnass aus der Sauna und sinkt ungeduscht ins heiße Wasser. Ein anderer mag partout nicht die Badehose ablegen. Beides sind in den Augen von Japanern veritable Todsünden …

Rein in die Sauna

Die Flucht vor dem duschscheuen Zeitgenossen führt mich in die große, helle und blitzsaubere Finnische Sauna. Das Kaltbad im Anschluss daran bringt den Kreislauf in Schwung und hoffentlich auch das Immunsystem auf Touren. Nach drei Saunagängen und einer wunderbaren Detox-Massage meldet sich knurrend mein Magen.

Die delikaten Häppchen, die in der „Mizu Onsen Bar“ mit Blick auf den großen, vom Mühlbach durchflossenen Garten des „Bachmair Weissach“ angeboten werden, helfen da nicht weiter. Zum Glück wartet schon ein Tisch in der „Mizu Bar“. Dort wirkt der Japaner Kudo Chiori als Küchenchef. Korbinian Kohler, der Besitzer des Bachmair Weissach hat Chiori mit Hilfe eines in Japan lebenden deutschen Brauers ausfindig gemacht, der am Tegernsee sein Handwerk gelernt hat und seit Jahren zu Füßen des heiligen Bergs Fujisan Bier nach dem deutschem Reinheitsgebot herstellt.

Erst nach gründlichster Prüfung seines Projekts durch die japanischen Behörden, so Kohler, bekam Chiori, der ein Hals-Tattoo trägt, das in Japan sicher noch immer für reichlich Aufsehen sorgt, die Ausreise- und Arbeitsgenehmigung …

Rein in den Sushi- und Sashimi-Himmel

In Deutschland schert sich kaum mehr jemand um Tattoos, auch nicht die feinen Herrschaften, die an den Tischen um mich herum sichtbar Freude an den exzellenten Sushi-Kreationen des „Mizu“ haben. Die Herrschaften erwecken auch nicht den Eindruck, als ob sie Preise von 6,50 Euro für ein Stück Unagi Nigiri Sushi (Aal) oder fünf Euro für ein Stück Hamachi Nigiri (Gelbschwanzmakrele) in irgendeiner Weise tangieren. Klar ist, dass die Qualität des Fischs erstklassig ist und dass die 22 Euro für ein fünfteiliges Omakase-„Menü“ mit klassischen Nigiri (mir kommen grundsätzlich keine California Rolls und Frischkäse-Machwerke auf den Teller) oder die 15-teilige Sashimi-Variation für 43,90 Euro gut angelegt sind.

Wer nicht so sehr auf Sushi steht, wird  mit Gerichten wie Schwarzem Seehecht aus Patagonien auf Avocado-Püree mit Chorizo-Puder (29,90 Euro) oder einem Wagyu-Steak mit Wasabi-Soße und Shiitakepilzen glücklich.

„Mizu Bar“

Rein in die Bar

Nach heißem Wasser, Sauna und viel delikaten Sushi sorgen zwei Booker’s Bourbon als Absacker in der „Mizu Bar“ nebenan für die nötige Bettschwere. Danach geht es schnurstracks aufs Zimmer.


Buchen

„Sunday to Monday“-Paket für 175 Euro pro Person inklusive 3/4-Verwöhnpension in der „Stub’n“ sowie Nutzung des „Mizu Onsen Spa“. Weitere Hotelinfos gibt es auf bachmair-weissach.com

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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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