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Blue Palace Resort & Spa | Blau-Pause für relaxte Tage

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Das „Blue Palace“ gegenüber der geschichtsträchtigen Insel Spinalonga macht seinem Namen alle Ehre: Der Kiesstrand am Golf von Elounda besticht durch kristallklares Wasser, die am Steilhang gelegenen Zimmer mit einer Vielzahl von Pools. In der feinen Hoteltaverne „Blue Door“ dominiert ebenfalls die Farbe Blau

Blue Door: Tolle Dinner-Location im Blue Palace Resort & Spa

Das Auge isst mit: Aussicht vom Restaurant „Blue Door“ auf die nahe Insel Spinalonga

Auf den ersten Blick

Zeus, Ikarus, Ariadne: Göttersagen und Heldentaten begegnet man auf Kreta, der Wiege der europäischen Hochkultur, auf Schritt und Tritt. Das 2005 eröffnete, im Nordosten der Insel gelegene Fünf-Sterne-Resort „Blue Palace Resort & Spa“ aber ist ganz real. Wobei man sich angesichts der sagenhaften Lage durchaus die Augen reiben muss. Umrahmt von aufsteigenden Bergen liegt es wie in einer Sackgasse (kein Durchgangsverkehr!) und zudem direkt an einem grobkiesigen, aber sehr feinen Strand. Das Beste: Die nahe Insel Spinalonga ist stets im Blick.

Und das von fast jedem Punkt des weitläufigen Resorts und der in dezenten Erdfarben gehaltenen, in den sanften Hang „hineingewürfelten“ und maximal zweistöckigen Gebäudekomplexe. Diese verfügen über insgesamt 247 Zimmer und Suiten (und vier Villen). Mehr als die Hälfte wartet gar mit eigenem Pool auf. Das führt dazu, dass sich viele Gäste nur allzu gern in ihrem Privatbereich aufhalten. So kommt selbst wenn das Resort komplett ausgebucht ist – so wie bei unserem Testbesuch Ende Juni –, zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Enge auf. Platz gibt es hier wirklich mehr als genug …

Sonnenaufgang am Pool des "Blue Palace"

Von der Lobby respektive Hotelbar sind es nur ein paar Schritte zum respektive in den Pool

Was ist das Besondere?

Blingbling, Kristallleuchter und Schnörkelluxus sucht man vergebens. Hier ist alles auf angenehmste Weise hochwertig und komfortabel, ohne überkandidelt zu wirken. Das scheint gut anzukommen bei der griechischen Prominenz, die hier ebenso gerne (mitunter gar mit dem Helikopter) vorbeischaut wie Popgrößen in der Liga einer Lady Gaga und Rihanna. Ohnehin dominieren amerikanische und internationale Gäste (so waren wir Zeuge einer mehrtägigen und großen indischen Hochzeitszeremonie!), Deutsch vernimmt man nur selten. Unabhängig von der Nationalität: Wer hierherkommt, schätzt Stil. Guter Geschmack ist hier Standard – in den Zimmern ebenso wie im schicken Thalasso-Spa und am top gepflegten 200-Meter-Hotelstrand, an dem sich zahlreiche Zwei-Liegestuhl-Holzplattformen verteilen. Nobel: Per Knopfdruck am Sonnenschirm lassen sich Drinks und leichte Speisen ordern.

Sonderservice am Strand

Keine drei Minuten später kommt jemand aus der Beach Bar und nimmt die Bestellung auf. Wobei es sich lohnt, dort auch persönlich vorbeizuschauen, ist diese doch ganz neu gestaltet und dank sanfter DJ-Klänge, lässiger Möblierung und abendlicher Feuerschale eine echte Wohlfühloase. Noch mehr Komfort genießen Premiumgäste im Exklusivstrandbereich „The Haven“. Hier spannt einem das freundliche Personal auch noch die Badetücher auf die Liegen (was bei einer regelmäßigen leichten Brise tatsächlich vorteilhaft ist) und bringt ein Basttäschchen samt Sonnencreme, Aromaspray, Wasser und Lektüre vorbei.

Blue Palace, Spinalonga, Traumblick, Traumbucht

Von jedem Zimmer und jedem Winkel bietet sich ein Blick auf das historische Eiland Spinalonga

Über Spinalonga muss man sich aber anderweitig informieren. Das der Unesco sogar als Welterbe vorgeschlagene Eiland gilt als eines der Top-Highlights von Kreta. Nicht zuletzt, weil es Geschichte im Brennglas bietet. Bereits in der Antike diente Spinalonga als Schutzwall, später wurde es von Venezianern und Türken besetzt, alle hinterließen Spuren.

Bekanntheit erlangte die Insel allerdings durch ihre Zeit als Herberge für Leprakranke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Infotafeln in den verfallenen Häusern geben Einblicke in diese Periode. Heutzutage gibt es großes touristisches Interesse daran, vor allem in den Vormittagsstunden herrscht einiger Besuchs-, ergo Bootsverkehr. Wer die rund 1.200 Meter zur Insel schwimmend zurücklegen will, muss also gut Ausschau halten! Es gibt freilich auch einfachere Möglichkeiten, vom Hotelstrand dorthin zu gelangen: per Shuttleboot, SUP-Board und ausgeliehenem Motor- oder Tretboot.

Patemos Suite im Blue Palace Resort & Spa

Die Farben Weiß und Blau dominieren die Schlafzimmer

So wohnt und schläft man

Alle Zimmer, mit mediterranen Designelementen dezent und niemals überladen ausgestattet, messen mindestens 40 Quadratmeter – da kommt auch hier das Gefühl unerhört großen Raumgefühls auf. In den Suiten wird das naturgemäß noch getoppt, erst recht da hier neben dem Balkon noch eine Terrasse samt Sitzecke und eben ein Pool hinzukommen. Wenig überraschend, dass sich vom Dine-In-Service bis zu hochwertigen Kosmetikprodukten alle Annehmlichkeiten finden, die in einem Hotel dieser Kategorie zu erwarten sind.

Nicht umsonst ist das zur familiengeführten, kretischen Hotelgruppe Phaea gehörende Hotel auch Mitglied von „The Luxury Collection by Marriott“. Dazu passt auch die 2019 neu eröffnete Boutique „Apoella“, inklusive der Designs aufstrebender, griechischer Modemarken. Gut zu wissen: Deren Schöpfer sind sogar abwechselnd im Resort zu Gast …

Blue Palace Resort & Spa, Gastronomie, Ambiente

Regionalität spielt in der Küche des „Blue Palace“ eine große Rolle. Das betrifft insbesondere die kretischen Weine, die längst kein Nischendasein mehr fristen

Geschmackssachen

Der Name „Blue Door“ ist ein wenig irreführend. Eine Tür gibt es in diesem teilweise überdachten, großteils aber unbedachten Open-Air-Restaurant keine. Man spaziert vom Strandbereich einfach so hinein – und freut sich allein an der etwas erhabenen Lage mit Blick auf die Bucht und, na klar, Spinalonga. Die Aufmachung des restaurierten Fischerhäuschens mit der verwinkelten Terrasse gleicht einer besseren griechische Taverne, inklusive Korbstühlen und Blau-Weiß-Optik vom Stuhl bis zur Tischdecke.

Aber, bei allen Göttern: Das Essen ist sagenhaft! Das geht beim selbstgebackenen Pitabrot los, zu dem acht Aufstriche serviert werden, und gipfelt in köstlichen Muschel-, Salat- und Lobsterspeisen. Tipp: das Rinderkebap vom Holzofengrill! Und noch ein Tipp: Wenn es geht, freitags kommen (rechtzeitig reservieren!), denn dann steigt das wöchentliche Cretan feast, bei dem die auch sonst stark spürbare Gastfreundschaft nochmal potenziert wird. Stichwort Live-Musik, Tanz, Kochen am offenen Feuer.

Wenn nur die Weingläser nicht so winzig wären! Das hält die stets aufmerksame Bedienung auf Trab und sorgt für gelegentliche leichte Unruhe am Tisch! Allerdings kommt man so immer wieder ins Gespräch, sei es über die hohe Bedeutung des nicht nur im „Blue Door“, sondern in ganz Kreta stets großzügig spendierten Raki (das Grappa-artige Getränk bloß nicht mit dem türkischen Raki verwechseln!) oder über den hohen Anteil regionaler Produkte. Diese kommen, wenn nicht aus dem hoteleigenen Garten, von lokalen Unternehmen aus der Umgebung. Und natürlich auch in den anderen Hotelrestaurants zum Einsatz: in dem italienischen Restaurant am XXL-Hauptpool sowie im neuen, superedlen „Anthòs“, das zumindest beim Frühstück wiederum den Premiumgästen vorenthalten ist.

Edeltaverne "Blue Door" im "Blue Palace"

Noch ist es leer im „Blue Door“, doch ohne Reservierung dürfte es schwer werden, abends einen Platz zu bekommen

Was uns besonders gut gefällt

Jede Menge! Da wären zum einen die beiden, hoch über dem Resort gelegenen Tennisplätze. Selten gesellt sich zum Ballspiel ein solch grandioser Ausblick über die gesamte Gegend. Weiteres Plus: Wer nicht gerade die Flutlichtanlage in Anspruch nimmt, zahlt für die Benutzung sowie die Ausleihe von Schlägern und Bällen keinen Cent extra.

Das gilt für die vielen Schischas in der großen Lobby schon (Einstiegspreis: 55 Euro pro Rauch-Session), aber dafür berauscht die Sammlung selbst ohne Tabak: Manche Wasserpfeifen sind klein, andere groß, kunstvoll verziert sind die meisten, manche sogar aus Holz. Stark auch die Open-Air-Kino-Idee: Jeden Sommermittwoch kommen bei der Beach Bar Kinoklassiker mit Griechenlandbezug auf die Outdoorleinwand, darunter „Mamma Mia“ oder „My Big Fat Greek Wedding“. Passen würde auch das kykladenaffine Apnoe-Tauchspektakel „The Big Blue“.

Unterwasserfreuden

Wobei wir dringend empfehlen, in puncto Unterwassererlebnis lieber sein eigenes Drehbuch anzugehen. Möglich macht das die auf dem Hotelgelände stationierte Tauchschule „Creta’s Happy Divers“. Egal, ob Schnupperkurs am Strand oder Tages- respektive Nachttrip per Boot: Eigentümer Ron und seine sympathischen Kollegen widerlegen das Vorurteil, dass es in griechischen Gewässern nichts zu sehen gibt, ergo Tauchen keinen Spaß macht. Bei unserem Einsteigertauchgang am Ponton staunen wir über kleine Oktopusse, überraschend viele Fische und wie sich Seesterne und Seeigel auf der Hand anfühlen. Erst recht aber staunen wir über die Erzählungen Rons, dass ihm neulich sogar Mantas begegneten! Die majestätischen „Seabirds“ sind nur äußerst selten im Mittelmeer anzutreffen …

Scuba Diving in der Bucht von Elounda, Start am "Blue Palace"

Bubble Time: Die Tauchschule am Hotel organisiert kleine und größere Tauchfahrten, Oktopus- und Mantaspotting inklusive

Das „Blue Palace“ ist ideal für …

… Familien mit Kindern (Kinderbetreuung! Tischtennis, Schwimmequipment im Pool etc.), Pärchen (Spa! Candlelightdinner!) und alle anderen, die sich den Luxus eines Fünf-Sterne-Deluxe-Resorts leisten können und/oder wollen. Das „Blue Palace“ bietet auf jeden Fall eine attraktive Basis für Kreta-Ausflüge (die Lasithi-Hochebene mit der Höhle des Zeus ist ein ebenso nahes Ausflugsziel wie das nette Städtchen Agios Nikolaos oder der Papageien- und Affenpark „Amazonas“, dessen unscheue und unglaublich kuscheligen Lemuren einem sogar auf die Schultern hüpfen).

Nicht zuletzt aufgrund der einmaligen Lage und der immensen Angebotsvielfalt im Hotel kann man auch tagelang im Resort verbringen, ohne Langeweile oder Platzangst zu fürchten. Ein Miniausflug ins nur wenige Gehminuten entfernte Dörfchen Plaka mit seinen netten Lädchen und Restaurants sollte aber schon mal drin sein …

Spinalonga, Blue Palace, Insel

Perspektivenwechsel: So sehen Besucher der Insel Spinalonga das „Blue Palace“

Sauna, Pool, Spa?

Wasser marsch! Das „Blue Palace“ ist ein Dorado für Schwimmer. Die vielen Zimmer- und Suitenpools, dazu der Lobbypool und das riesige Salzwasserbecken unweit des Strandes. Dort befindet sich auch „The Elounda Spa & Thalassotherapy“, das über drei Thalasso-Pools, zwei türkische Hammams und Saunen sowie einen Fitnessbereich verfügt. Aber ganz ehrlich: Wer will bei 30 bis 40 Grad Außentemperatur schon in die Sauna?

Kleine Haken

Solche Sorgen möchte man haben: Insbesondere in den heißen Mittagsstunden kann es etwas anstrengend sein, vom Strand ins ins oberste Gemach zu gelangen, zudem haben wir die verwinkelte Platzierung von Treppenhäusern und Liften selbst nach drei Tagen noch nicht 100 Prozent intus. Der Preis der Weitläufigkeit sind eben gewisse Distanzen. Kein Wunder also, dass der gläserne Schräglift, der Strand und Lobby verbindet, und zumindest einen Teil der Laufstrecke abnimmt, sehr gut ankommt – auch wenn man manchmal vier, fünf Minuten darauf warten muss.

Freie Sicht auf die Insel!

Und wenn man denn unbedingt noch einen weiteren Meckergrund finden will: Warum bitte ist der Querbalken am Balkon so platziert, dass er beim Sitzen exakt die Sicht auf Spinalonga durchkreuzt? An diesem Blick können wir uns nämlich einfach nicht satt sehen …

Pool im Blue Palace, im Hintergrund Spinalonga

50 Shades of Blue: Pool, Meer, Handtücher sind schon mal drei, weitere Farbnuancen warten an vielen Ecken des Resorts

Die Preisfrage

Das günstigste Doppelzimmer mit Frühstück kostet für zwei Personen ab 252 Euro die Nacht. Ein absolut tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings wird es in der Hochsaison so preiswert kaum zugehen. Teurer durchaus. Wer die Luxury Suite inklusive Privatpool haben will, muss mit mindestens 733 Euro die Nacht kalkulieren

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Info Blue Palace

Blue Palace P.O. Box 38, Elounda 72053, bluepalace.gr

 

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.