Länderberichte

Hua Hin | Nix wie hin!

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Wenn Thais aus Bangkok relaxen wollen, fahren sie nach Hua Hin. Das älteste Seebad von Thailand ist auch der Urlaubsort der Königsfamilie. Wir haben uns dort und im Umland umgesehen.

An Inseln mangelt es Thailand nun wirklich nicht, viele Urlauber wissen ein hohes Lied darauf zu singen. Doch welche der vielen Schönen ist denn bei den Einheimischen angesagt, will ich bei einem Bangkok-Besuch von einem Bekannten wissen. Er runzelt die Stirn: „Keine. Wer in Bangkok lebt, fährt am liebsten nach Hua Hin”. Fragezeichen. „Das ist der Urlaubsort der Königsfamilie.“

Von Geschichten der royalen Ferienausflüge inspiriert, brechen wir nach Hua Hin auf. Wenn Königs dort Urlaub machen, muss das Örtchen südlich von Bangkok ja was zu bieten haben, denken wir und sind auf den ersten Blick ziemlich enttäuscht.

Seebad königlichen Kalibers

Wer (wie wir) Palast oder Paradestraße erwartet, für die Royals blank polierte Gassen und lange Promenaden, der muss einen Gang runterschalten. Der Charme des rund 85. 000 Bewohner großen Strandortes – er ist das älteste Seebad von Thailand – entfaltet sich langsam und ist nicht unbedingt in den Straßen oder auf dem Markt zu finden, dort geht es ähnlich wuselig und laut zu wie in Bangkok.

Hua Hins schöne Seite breitet sich erst aus, wen man der Phetchakasem Road und der mit italienischen, griechischen und deutschen Restaurants touristisch „aufgepeppten“, aber seelenlosen Naretdamri Road den Rücken zukehrt. Auf der einen Seite breitet sich dann der lange Sandstrand aus: mit sanften Wellen und einer Bucht unter dem hochgelegenen Khao-Takiap-Tempel.

Die Hamptons von Bangkok

Auf der anderen Seite, landeinwärts, hat die Königsfamilie mit dem historisch-schmucken Bahnhof ihr wichtigstes Geschenk an Hua Hin gemacht. In den 1920er Jahren wurde die kleine Gemeinde durch die Thai-Malaysische-Zugverbindung zu einem wichtigen Punkt auf der Landkarte und zum Beach-Resort des Königreiches Thailand.

Heute tummeln sich am Strand entlang kleine Boutique-Resorts mit viel Holz und Grün. „Es kommen immer noch hauptsächlich Einheimische hierher. Entweder man hat ein Wochenendhäuschen oder mietet sich in einem der Hotels ein“, sagt Chusak Pichittanarak, Chef des Designhotels „Let’s Sea“, der selbst in der Hauptstadt aufwuchs. „Ein bisschen wie die Hamptons von Bangkok“, lacht der frischgebackene Familienvater mit der lässigen Hornbrille.

Cha Am Dorf Hua Hin

Für köstliches Thai-Food braucht man keine High-Tech-Küche – Mutti genügt!

Hua Hin bietet Design statt Party

Und weil vor allem Thais mit Geld in die ruhige Stand-Enklave kommen, ist die Atmosphäre in Hua Hin anders als an vielen Inselbuchten: Kaum Backpacker, keine Full-Moon-Partys. Dafür viel Design: Der Cicada Market ist ein schicker Outdoor-Treffpunkt von Modeleuten, Künstlern und Musikern, die Essenstände gleichen Mini-Bio-Gourmet-Tempeln.

Überhaupt: Öko ist ein Trendwort in Hua Hin. Die Mehrzahl der Hotels hat eigene Gärten, Wasser wird wiederverwertet, Klimaanlagen laufen sparsam, Strom kommt aus Solaranlagen und Kochöl wird zur Bio-Diesel-Produktion weitergegeben. Und Hua Hin wird neben den älteren, seit Jahrzehnten hier urlaubenden Besuchern, auch für die junge Elite des Landes spannender. „Die“, sagt Duenpen Pengkasem, Manager des Centara-Resorts, „sucht nach einem ruhigen Fleckchen mit grünem Bewusstsein.”

Erfrischung im Weinberg

Beliebt seien derzeit vor allem Wifi-freie-Hotels, lacht der Manager. Und abgelegene Bio-Weinberge, stellen wir am nächsten Tag beim Ausflug ins Inland auf den Hua Hin Hills Vineyard fest. Die Schwüle der Küste verschwindet in den Weinbergen wie auf Knopfdruck. Es weht sogar ein leichter Wind, vermischt mit aufgeregtem Geplapper und Live-Musik.

Wir sind ausgerechnet am Erntefest aufgeschlagen und somit schnell Teil einer fröhlich feiernden Gruppe heimischer und nach Thailand ausgewanderter Weinliebhaber. Mittendrin wedelt Kathrin Puff wild mit den Armen: In diesem Tempo werde man die Tour über das Gut nie pünktlich zum Sieben-Gänge-Menü bewältigen.

Experimente auf gutem Boden

Und schon legt die Winzerin mit den gestählten Oberarmen und einer Marathonläufer-Figur drei Zähne zu. Für die 36-Jährige ist es die neunte Ernte. Ihre Monsoon Valley Wine werden regelmäßig ausgezeichnet. „Der gute Boden”, sagt Kathrin Puff, „aber auch unsere Experimentierfreude!“. Die brauche man hier, erklärt die Weinfachfrau aus Krefeld. Die Bedingungen seien völlig anders als in Europa.

„Wir sind nahe am Äquator, das bedeutet einen wesentlich längeren und intensiveren Lichteinfluss, tropisches Klima ist schwierig für guten Wein.“ Dabei glaube sie nicht an Magie. „Manche Winzer denken, dass sie alles genau so machen müssen wie ihre Vorfahren. Aber ich mache es anders. Ich habe meine eigene Denkweise.“

Hua Hin Hills Vineyard Kathrin Puff

Die Monsoon-Valley-Weine der deutschen Winzerin Kathrin Puff werden regelmäßig ausgezeichnet

Gänge und Gesänge

Und ihr eigenes Tempo. Im Schnellschritt geht es den Berg zwischen den Reben wieder hinauf. Während wir anderen prusten, ist die Winzerin keine Sekunde außer Atem – was nicht verwundert, hört man sie über ihren Trainingsplan sprechen. Ein Triathlon hier, ein Marathon da und gerade ist ihre Schwimmlehrerin Sheila zu Besuch. Gemeinsam sitzen wir später am Tisch, die Band spielt Rocksongs – wir grölen mit.

Die sieben Gänge mit passender Weinverköstigung hinterlassen ihre Spuren und machen „What’s going on” von den „4 Non Blondes“ zum schrecklich schrägen Höhepunkt des Abends.


Info

Hotel-Tipps

Let’s Sea Schon mal davon geträumt, vom eigenen Balkon direkt in den Pool zu springen? Ist hier möglich. Das 120 Meter lange  Becken verbindet die Designer-Häuschen mit insgesamt 40 Zimmern, auf einer Plattform in der Mitte ragen Bäume aus dem Nass, am Ende wartet eine Bar. Meer und Sandstrand gleich vor der Haustür des umweltbewussten Hotels. DZ ab 150 Euro.

Anantara Hua Hin Angelegt im Stil eines altertümlichen Thai-Dorfes. Riesig ist das Gelände des Luxus-Resorts mit vielen grünen Nischen und lauschigen Sitzmöglichkeiten. Mit sieben Behandlungszimmern ist das Spa eine kleine Welt für sich. Shuttle-Service für die Gäste. DZ ab 130 Euro.

An- und Einreise

Direkt mit Thai und Lufthansa. Zwischenstopp-Flüge mit Singapore Airlines und Condor. Ticket ab 480 Euro.

Für Touristen ist kein Visum erforderlich (für Aufenthalt von längstens 30 Tagen), Reisepass muss mindestens noch sechs Monate gültig sein. Infos beim Immigration Bureau oder Auswärtigen Amt.

Allein unterwegs?

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Noch viel mehr Thailand-Tipps und -Ideen gibt es in der Ausgabe 1-2/2016

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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.