Länderberichte

Tipps fürs erste Mal: So gelingt die Indien-Premiere!

Red Fort in Delhi
Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Geschmückte Elefanten, jahrhundertealte Tempel, Sinnesfeuerwerke in den Gassen: Indien weckt Fantasien. Und Sorgen. Manche sind berechtigt, die meisten nicht. Mit der richtigen Vorbereitung hat man ohnehin schon halb gewonnen

So begeistert viele Reisende von ihrem Trip nach Indien erzählen, so sorgenvoll sind andere, die noch nicht da waren und sich fragen: Kann ich sicher reisen? Wie bereite ich mich richtig vor? Gegen was muss ich mich impfen? Welche Stationen wähle ich für meine erste Reise? Mietwagen, ja oder nein? Hier kommen die Antworten auf acht dringliche Fragen.

Warum nach Indien?

Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Indien ist kein Land, Indien ist ein Universum.“ Eines mit einer enorm reichen Kultur, einer faszinierenden und allgegenwärtigen Spiritualität und einer unvergleichlichen Bandbreite an Farben, Gerüchen, Geschmacksrichtungen. Fast alles Leben spielt sich auf der Straße ab. Da suchen sich hupende Tuktuks, Karrenschieber, Radler, Fußgänger, alte Schrottautos und neue Oberklassewagen einen Weg durch die nicht selten von Kühen und Büffeln verstopften Straßen – dazwischen und daneben spielende Kinder, Teigwaren verkaufende Frauen, Bettler vor Tempeln.

Viel Rauch um viel: Opferstätte vor einem indischen Tempel

Zugleich ist auch die Zukunft überall spürbar: Smartphones, teure Kleidung, Nachtclubs, U-Bahn-Bau, Hightechfirmen – ebenfalls alles gegenwärtig. Dieser Mix ist schlicht faszinierend. Für Reisende bietet Indien auch einige handfeste organisatorische Vorteile: 1. Es gibt viele und erschwingliche Direktverbindungen von Deutschland nach Indien – in komfortablen sieben Stunden ist man da. 2. Dreieinhalb Stunden Zeitverschiebung sind leicht zu verkraften. 3. Unterkunft und Essen sind vergleichsweise günstig. 4. Mit Englisch kommt man, von sehr ländlichen Regionen abgesehen, prima durch. 5. Der Hinduismus ist Fremden recht aufgeschlossen gegenüber, etwa was das Fotografieren anbelangt.

Selfie mit Taj Mahal, einem der bekanntesten Fotomotive Indiens

Ist Indien ein sicheres Reiseland?

Mittlerweile hat sich die Nachrichtenlage wieder entspannt, aber die vor drei, vier Jahren verstärkten Berichte über Gruppenvergewaltigungen hallen noch nach. Mehrere verabscheuungswürdige Vorkommnisse sorgten in den vergangenen Jahren für Aufruhr. Doch objektiv muss man festhalten: In der Gesamtkriminalitätsstatistik weist Indien keine großen Abweichungen auf, die Diebstahlrate ist sogar niedriger als in manch europäischen Großstädten. Auch wenn es anzügliche Blicke und Sprüche geben kann: Es ist nichts bekannt, dass alleinreisende Frauen mehr Probleme als anderswo hätten. Unsere Autorin und langjährige Indien-Kennerin Dagmar Gehm ist überdies der Meinung, dass alleinreisende Frauen mittlerweile viel besser durch das Landreisen können als vor rund 15 Jahren.

Armut und Elend – lässt sich das verkraften?

Zugegeben, es gibt Dreck und Elend und das pralle Leben auf der Straße ist für Zartbesaitete nicht immer leicht zu verkraften, wenn verendende Hunde, bettelnde Jungmütter, penetrante Gerüche und Kloaken neben dem Spielplatz zu sehen sind. Doch gleich nebenan lachen Kinder, halten Jugendliche Händchen, gehen Friseure auf der Straße ihrem Beruf nach, schmücken die Leute liebevoll ihr Geschäft. Zwischen Elend und Pracht liegen eben oft nur wenige Gehminuten. Tatsache ist: Es strömen unendlich viele Reize auf einen ein – Musik, Farben, Düfte, Gerüche, Begegnungen. Da hilft es, wenn zumindest die Unterkunft Ruhe ermöglicht. Das „Oberoi Rajvilas“ in Jaipur etwa ist eine parkähnliche Anlage abseits der Stadt, in der man regelrecht flanieren kann – wohltuend.

 

Das „Rajvilas“ befindet sich in einer Parkanlage unweit von Jaipur

Was muss ich vor der Reise beachten?

Indien ist mit 3,3 Millionen Quadratkilometern ein riesiges Land. Riesig sind auch die Möglichkeiten, eine Reise zu gestalten. Die Bandbreite reicht von der organisierten Wochentour bis zum monatelangen, individuellen Backpacker-Trip. Urlauber sollten sich also im Klaren sein, was und wohin sie wollen. Für den Einstieg empfiehlt sich eine organisierte 10- bis 14-Tage-Reise, die bereits für etwas mehr als 1.000 Euro buchbar ist – inklusive Flug. Das geht etwa bei dem vom Deutschen Alexander Metzler mitgegründeten Spezialveranstalter Enchanting Travels, einem der führenden Indien-Anbieter auf dem Markt.

Der Vorteil einer organisierten Reise: Man wird auch bei ungewohnten Fragen an die Hand genommen, etwa was gesundheitliche und Einreisebestimmungen anbelangt. Letzteres ist seit der Einführung des elektronischen Visa on Arrival (https://indianvisaonline.gov.in/evisa/tvoa.html) zwar viel leichter geworden, doch zu 100 Prozent verlassen kann man sich noch nicht darauf. Wer auf Nummer sicher gehen will, bestellt, idealerweise persönlich in Frankfurt oder Hamburg, ein ca. 65 Euro teures Visum – und zwar mindestens drei Wochen vor Reisebeginn. Verpflichtende Impfungen bestehen indessen nicht, das Auswärtige Amt empfiehlt bei kürzeren Reisen lediglich Impfungen gegen Hepatitis A und Typhus. Eine gute Auslandskrankenversicherung und individuell benötigte Medikamente sind hingegen Pflicht.

Stadtpalast in Udaipur

„Palast der Winde“ am Ufer des Pichhola-Sees in Udaipur, Rajasthan

Guide und Fahrer – hilfreich oder entbehrlich?

Wer sich nur auf touristischen Pfaden bewegt, schafft das problemlos alleine. Auch die Gassen der Innenstädte sind tagsüber theoretisch nicht gefährlicher als anderswo. Nur: Es bedarf schon Mut, sich allein ins Gewirr zu stürzen. Mit einem einheimischen Guide fällt das leichter. Er macht nicht nur auf Verhaltensregeln aufmerksam und fungiert als Dolmetscher, Verhandler, Erklärer und Lotse, sondern auch als Schutz vor aufdringlichen Leuten, die einem etwas verkaufen wollen.

Wer mehrere Städte anpeilt, sollte sich dringend einen Chauffeur leisten – einem Mietwagen unbedingt vorzuziehen. Mit rund 40 Euro pro Tag ist das nicht einmal teuer. Fakt ist: Kühe und Menschen auf der Straße, Schlaglöcher, Linksverkehr, unzureichend beleuchtete Autos – all das kann einen unerfahrenen Indien-Fahrer rasch überfordern. Und im Falle eines Unfalls richtig stressen …

Heilige Kuh

Heilige Kuh auf einem Markt in Indien

Was kann man essen?

Delhi Belly ist das indische Pendant zu Montezumas Rache, sprich: Magen-Darm-Erkrankung durch unhygienisches Essen. Damit haben in der Tat viele Indien-Reisende zu tun. Muss einen aber auch nicht treffen, vor allem wenn man penibel auf ein paar Aspekte achtet. Generell gilt: Alles, was mit ungekochtem Wasser in Berührung kommt, sollte für Europäer tabu sein, insbesondere Salat und Eiswürfel. In besseren, gar Luxushotels, bestehen diesbezüglich nur bedingt Bedenken. Für Vegetarier ist Indien, das Land mit dem weltweit geringsten Fleischkonsum pro Kopf, übrigens ein Paradies.

 

Straßenstände gibt es auch in Shimla Hunderte

Wann ist die beste Reisezeit?

Nach Indien fährt man am besten im Winter, zwischen Oktober und März. In den Sommermonaten ist es nämlich drückend heiß, Im subtropischen Süden kommt es auch in normalen Jahren zu schwülen Sommern, außerdem sorgt der Monsun mit starken Regenfällen für Einschränkungen beim Reisen. Tipp: Einen idealen Einstieg für Indien-Beginner stellt die ehemalige Sommerhauptstadt Shimla dar. Sie punktet dank der Lage auf 1.500 Meter Höhe mit einem tollen Klima. Angenehme 25-30 Grad im Winter und trocken – für die meisten Deutschen sieht so die Komfortzone aus.

Blick auf Shimla und den Himalaya

Was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Indien beheimatet dermaßen viel Sehenswertes, dass selbst ein Dutzend Reisen kaum ausreichen, um alles zu besichtigen. Und: Das Land ist mit über 3.000 Kilometer Länge und Breite extrem groß und das Autobahn- und Schnellzugnetz erst im Entstehen. Sprich: Man muss viel Reisezeit (und/oder Flüge) für größere Distanzen einplanen. Für Einsteiger empfiehlt sich daher die Konzentration auf eine Region. Beliebt sind Rajastan-Rundreisen bzw. ein Trip im Goldenen Dreieck. Beginnend in Delhi verbindet dieses Agra samt Taj Mahal (wird jedoch noch bis Ende 2018 umfassend restauriert, was mit Einschränkungen verbunden ist) mit Jaipur, der Hauptstadt von Rajastan. Auch Udaipur und die Nationalparks im Norden des Landes sind beliebte Ziele. Das gilt auch für Kerala im Süden, wo Ayurvedaaufenthalte eine große Rolle spielen.

Taj Mahal

So schön soll das Taj Mahal nach den Renovierungsarbeiten auch wieder erstrahlen – mindestens

Noch mehr Berichte und Reportagen aus Indien

Wohnen wie ein Maharadscha

15 Alleinreise-Tipps für Frauen

Geheimtipps für das Land der Maharadschas

 


Weitere Informationen:

Flugverbindungen nach Indien (Delhi) gibt es mehrmals täglich ab Frankfurt, etwa im Direktflug mit Lufthansa. Interessante Angebote bietet auch Oman Air mit Stopp in Muscat.

Für Indien-Einsteiger jenseits Backpackerambitionen eignen sich pauschale Angebote mit deutschsprachigem Führer und Fahrer, etwa die achttägige Rundreise „Nordindien für Einsteiger: Goldenes Dreieck“ von Enchanting Travels. Sie führt durch Delhi, Agra und Jaipur und kostet ohne Flüge, aber mit 7 Übernachtungen, Verpflegung, allen Transfers, deutsch- bzw. englischsprachigen Reiseleitern uvm. ab 925 Euro pro Person.

Allgemeine Informationen: Indisches Fremdenverkehrsamt, Baseler Str. 48, 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069/242949-0

 

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus