Cruises

Inside Passage | Schau-Spiel vor Alaska

Inside Passage, Alaska: Glacier Bay Nationalpark
Brigitte von Imhof
Geschrieben von Brigitte von Imhof

Die Inside Passage vor British Columbia und Alaska offenbart die Wucht und Schönheit von Amerikas hohem Norden. Reisebericht aus einem der spannendsten Kreuzfahrt-Reviere der Welt.

Was für ein Schauspiel am frühen Morgen: Der Himmel glüht in allen Farben und spiegelt sich im Wasser. Die Wälder am Ufer sehen aus, als gingen sie jeden Moment in Flammen auf. Nur wenige Passagiere haben sich auf dem Sonnendeck eingefunden. Am Abend davor ist unser Kreuzfahrtschiff in Seattle zu seiner Fahrt durch die Inside Passage aufgebrochen, in eine spektakuläre Gletscher-, Fjord- und Inselwelt vor der Küste von Südostalaska und British Columbia.

Inside Passage, Alaska: Glacier Bay

Die Glacier Bay im Glacier Bay Nationalpark nahe Juneau

Inside Passage: 800 km Natur-Schauspiel

Der 800 Kilometer lange, zerklüftete Abschnitt vor Alaska zählt zu den schönsten Kreuzfahrtrevieren der Welt. Von den 20 Orten entlang der Inside Passage sind nur drei auf dem Landweg zu erreichen. Die anderen, auch Alaskas Hauptstadt Juneau, sind nur über den Wasser- und Luftweg zugänglich.

Inside Passage, Alaska: Mann an Reeling

Der 800 Kilometer lange, zerklüftete Abschnitt vor Alaska zählt zu den schönsten Kreuzfahrtrevieren der Welt

Die Sonne geht im Juni erst gegen halb zehn unter. Selbst wenn das Fahrgebiet ziemlich weit südlich des Polarkreises liegt, ist also auch das Erlebnis Mitternachtssonne spürbar. Erster Anlegehafen ist Ketchikan, das sich nicht ohne Selbstironie damit brüstet, der regenreichste Ort der Welt zu sein. 4.100 Millimeter Regen kübeln pro Jahr nieder, sechsmal so viel wie in Hamburg. Souvenirshops säumen die Front Street, wo sich die Kreuzfahrtgäste vor ihren Ausflügen mit Motto-T-Shirts und Ureinwohner-Nippes eindecken.

Inside Passage, Alaska: Walewatching

Der Anblick eines Wales lässt sogar das Abendessen kalt werden.

Misty Fjords und Buckelwale

Sehr zu empfehlen ist eine Flugexkursion über das Naturschutzgebiet Misty Fjords. Aus der Vogelperspektive bestaunt man ein atemberaubend schönes Stück Natureinsamkeit mit von Regenwald dicht bedeckten Küstenbergen, Gletscherfeldern, kristallklaren Seen, tief eingeschnittenen Fjorden und Buchten. Beeindruckende Wasserfälle donnern Hunderte Meter hohe Felswände hinab.

Beim Abendessen leert sich der Speisesaal noch vor dem Hauptgang merklich. Einige Passagiere mit Fensterplatz auf der Backbordseite haben einen Wal entdeckt. Die anderen machen sich auf den Weg aufs Deck und werden bald belohnt. Ein riesiger Buckelwal schraubt sich aus dem Wasser und platscht wieder auf die Wasseroberfläche. Drinnen werden derweil die Steaks und Meeresfrüchte kalt. Egal.

Nächster Kreuzfahrt-Stopp: Juneau

Alaskas Hauptstadt schmiegt sich in die Bucht unterhalb des 1.161 Meter hohen Mount Robinson. Die meisten Einwohner sind in Regierungsgeschäfte oder in den (Kreuzfahrt-) Tourismus verwickelt. Ein Teil des Hafens ist für Wasserflugzeuge reserviert, die Touristen in die Gletscherwelt des riesigen Juneau Icefield bringen.

Inside Passage, Alaska: Gletscher

Den Kreuzfahrern eröffnet sich eine spektakuläre Gletscher-, Fjord- und Inselwelt vor der Küste von Südostalaska und British Columbia

Mit jeder Seemeile Richtung Norden wird die Anmutung arktischer. Riesige Gletscherzungen bahnen sich aus dem Nirgendwo ihren Weg ins Meer. Eisbrocken, groß wie Zweifamilienhäuser, brechen ab und stürzen mit Getöse ins Wasser. Auf manchen der vor sich hin dümpelnden Eisberge haben es sich Seelöwen gemütlich gemacht. Selbst Ozeanriesen wirken vor diesen gewaltigen Eiswänden wie Barkassen.

Inside Passage, Alaska: Dawes Gletscher

Große Brocken des Dawes Gletscher brechen ab und stürzen mit Getöse ins Meer

Inside Passage: Glücksritter und Kreuzfahrer

Lange vor den Seereisenden erschlossen Goldsucher die Inside Passage für ihre Zwecke. Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Geschichten über märchenhafte Goldfunde am Klondike River die Runde machten, nahmen Abertausende „Stampeders“ (unter ihnen Schriftsteller Jack London) auf Schiffen Kurs auf den Ort Skagway und machten sich auf den beschwerlichen Weg ins Landesinnere: über den White Pass und den Chilkoot Pass zu den Goldfeldern am Klondike River. Innerhalb weniger Wochen schwoll Skagways Einwohnerzahl von ein paar Hundert auf 20.000 an. Als der Goldrausch nach der Jahrhundertwende vorüber war, fiel der Ort in den Tiefschlaf – bis er von Touristen wachgeküsst wurde.

Inside Passage, Alaska: Skagway

Der Goldrausch ließ Ende des 19. Jahrhunderts Skagway von ein paar Hundert Einwohnern auf 20.000 anschwellen

1.600 Braunbären und 4.000 Weißkopfseeadler

Rund um das Städtchen Haines am Ende des gleichnamigen Highway halten sich bis zu 4.000 Weißkopfseeadler auf. Sie versammeln sich zum großen Fressen – Lachs gibt es in rauen Mengen. Ausflüge führen nach Icy Strait Point in der Nähe des Dorfs Hoonah. Dort sind die Nachfahren der Tlingit-Indianer zu Hause, die für ihr Kunsthandwerk bekannt sind. Eine Attraktion ist die angeblich längste Zipline der Welt. Vom Mount Hoonah saust man über Regenwald abwärts.

Der wahre Star der Inside Passage ist die Natur. Auf den unzähligen Inseln und Inselchen türmen sich dicht bewachsene Felsgebilde. In der Dämmerung wirken die Gebirgszüge wie Schattenrisse. Admiralty Island verzeichnet die angeblich höchste Dichte an Braunbären weltweit. Rund 1.600 Exemplare sollen in diesem Schutzgebiet leben. Viele streifen, zum Entzücken der Kreuzfahrer, an den Stränden entlang.

Inside Passage, Alaska: Seelöwen

Seelöwen genießen ein Sonnenbad

Sitka: Amerikas best deal ever!

Auf Baronof Island liegt Sitka, das 1804 zur Hauptstadt der russischen Besitzungen ernannt wurde. Alaska war nämlich zunächst russisch, bevor die USA im Jahr 1867 dieses vermeintlich wertlose Riesenland für 7,2 Millionen Dollar erwarben. Pech für die Russen, dass sich die Eisbox keine 30 Jahre später als – im wahren Sinne des Wortes – Goldgrube entpuppte, von den später entdeckten enormen Ölvorkommen ganz zu schweigen.

Sitka war auch erster Verwaltungssitz des neuen US-Territoriums, bevor er nach Juneau verlegt wurde. Der russisch-orthodoxe Geist ist noch an jeder Ecke spür- und sichtbar. Gerüchte, wonach US-Präsident Trump eine Rückgabe Alaskas erwägt, beziehungsweise die Russen Alaska zurückfordern, haben sich bisher als Fake News erwiesen …

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Der Artikel wurde durchschnittlich mit 4,89 von maximal 5 möglichen Sternen aus 19 Bewertungen bewertet.
4.89 5 19
Loading...

Info Inside Passage

Mit Akkus und umweltfreundlichen Marine Gas Oil wird das neue Hybrid-Schiff „MS Roald Amundsen“ von Hurtigruten in der Inside Passage unterwegs sein. Passagiere können dank Unterwasserdrohnen zudem das Meer von unten erleben und auf einem 17 Meter hohen LED-Screen im Atrium gestreamte Szenen der 360-Grad-Kamera am Mast erleben. 16 Tage „Höhepunkte der Inside Passage“ ab Vancouver ab 4.890 Euro. Mehr Infos gibt es hier

Spannend sind Expeditionsreisen auf kleinen Schiffen wie der „MS Wilderness Discoverer“ mit maximal 76 Gästen, buchbar etwa über Lernidee Reisen. lernidee.de. 13 Tage ab 7.550 Euro.


Das könnte dich auch interessieren:
Noch mehr Kreuzfahrt-Reportagen

MS Roald Amundsen | Das niet- und nagelneue Hybrid-Expeditionsschiff von Hurtigruten
Mein Schiff 2 | Unterwegs getestet
Mein Schiff | Sportsfreund Nr. 1
Europa 2 | Luxus on the rocks
Aida Prima | Drei Wetter Raft

Über diesen Autor

Brigitte von Imhof

Brigitte von Imhof

Die gebürtige Münchnerin hat schon in jungen Jahren ihren Lebenstraum verwirklicht und Reisen zu ihrem Beruf gemacht. Viele Jahre war sie Mitglied der ABENTEUER UND REISEN-Redaktion, ihre Recherchen führte in alle Kontinente. Doch vor rund 15 Jahren schlug das Schicksal auf wunderbare Weise zu: Bei der Produktion eines Alaska-Specials lernte sie am anderen Ende der Welt ihren Mann kennen – einen Hotelier. Der größte US-Bundesstaat, fast fünfmal so groß wie Deutschland, aber mit nur 700.000 Einwohnern, ist seither ihre geliebte Zweitheimat – und dort entdeckt sie immer neue spannende Reportage-Themen. Die Schwarzbären, die regelmäßig in ihrem Vorgarten vorbeischauen, sind für sie dagegen ganz normaler Alltag.