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Manos Campesinas | “Coffee for Life” in Guatemala

Kaffee Kleinbauer bei der Arbeit
© salt & pictures GmbH

Obwohl wir tagtäglich mit Kaffee in Berührung kommen, machen wir uns selten Gedanken über die Herkunft. Ein Besuch bei Kaffee-Kleinbauern den „Manos Campesinas“ am Atitlánsee.

Es ist dunkel, gefühlt noch mitten in der Nacht, als Josefina‘s Hände im Dämmerlicht des Holzofens gekonnt einen Tortilla nach dem anderen formen. Es ist ein Ritual, das die Familie schon lange begleitet. Sie bereitet sein Mittagessen vor, seine Stärkung während der körperlich anstrengenden Arbeit. Drei Tortillas, ein gekochtes Ei, eine Avocado.

Kaffee-Kleinbauern im Hochland

Pedro ganz früh am Morgen, wenn die Sonne gerade über den Atitlánsee aufgeht | © salt & pictures GmbH

Noch vor Sonnenaufgang macht Pedro sich auf den Weg. Zwei Stunden wird der Fußmarsch zu seiner kleinen Plantage auf fast 1.800 Metern Höhe dauern. Der Weg führt durch das Dickicht des Dschungels, über unbefestigte Pfade, den gleichnamigen Vulkan „San Pedro“ empor.

Dann erst erreicht Pedro seine winzige Plantage, um jede einzelne Kaffeekirsche mit der Hand zu pflücken und wieder nach unten zurückzunehmen. Eine Tortur für jeden Touristen, ein Spaziergang für Pedro, der den steilen Aufstieg und Abstieg gewohnt ist.

Auch die anderen Kleinbauern der Kooperative machen sich auf den Weg | © salt & pictures GmbH

Die Kooperative liegt unmittelbar am Vulkan San Pedro | © salt & pictures GmbH

Die Touristen kommen eh nur an den von drei Vulkankegeln umgebenen Atitlánsee, um schnell ein paar Schnappschüsse vor der zugegeben einzigartigen Kulisse der drei Vulkane Tolimán, Atitlán und San Pedro  zu machen oder kurz auf den Gipfel des San Pedro zu kraxeln.

Pedro, hat dafür keinen Blick. Er gehört zu den „Manos Campesinas“, den Kleinbauern hier im Hochland des südwestlichen Guatemala. Diese werden von MOCINO aus Düsseldorf im biologischen Anbau unterstützt und besonders beim Export des Kaffees zu fairen Konditionen ins Ausland.

Kaffee zu fairen Konditionen

Das Ziel von MOCINO ist es, das wirtschaftliche Gefälle zwischen uns kaffeegenießenden Europäern und den kaffeeerzeugenden ärmsten Landarbeitern der Welt auszugleichen. Durch fairen Handel mit den Manos Campesinas von den Maya-Kooperativen ADIBA Buenos Aires am Vulkan Tajumulco und ADENISA am Atitlánsee soll dazu beitragen, dass sie ein menschenwürdiges Leben führen können.

Mit deren Hilfe werden die gewonnenen Kaffeebohnen aus Lateinamerika direkt von Manos Campesinas importiert, geröstet und in Deutschland verkauft.

Die Familien der Kleinbauern profitieren direkt von der Direktvermarktung |© salt & pictures GmbH

Auf kleinen Terrassen haben die “Manos Comapesinas” ihre eigenen “Beneficios” (Aufbereitungsanlagen) | © salt & pictures GmbH

Ein Großteil der Erträge gelangt auf direktem Wege zurück nach Guatemala, um die  Lebensbedingungen der guatemaltekischen Kleinbauern zu verbessern. Die Kleinbauern leben mit ihren Familien unter extremen Bedingungen. Bloß ein schlammiger Pfad führt zur hoch gelegenen Finca, der bei Regen nicht befahrbar ist.

Kaffeeanbau ist aufwändige Handarbeit

Der Kaffee der hier von den Kleinstbauern wie Pedro an den Hängen des 3.018 Meter hohen Vulkan San Pedro angebaut wird, gehört zu den Besten der Welt. Die furchtbaren Lavaböden der Region sind ideal für die Arabica Pflanzen, welche die Höhe und das Klima lieben.

Die tropischen Kaffeepflanzen sind höchst anspruchsvoll und benötigen besondere Pflege und besondere Lagen, um eine entsprechend hochwertige Qualität und hohe Erträge liefern zu können.

Die Kombination von geographischen Bedingungen, von Temperatur, Sonnenschein, Niederschlägen, Boden und Wind ist hier entscheidend.  Die Arabica Bohnen sind die qualitativ hochwertigsten und zeichnen sich durch ihre feine Säure und ein volles Aroma aus. Sie gedeihen vor allem in tropischen Gebieten entlang des Äquators und da in Höhenlagen von 600 bis 2000 Metern über dem Meeresspiegel.

Nur die vollreifen Kaffeekirschen werden geerntet. Das macht die Ernte zeitaufwändig. | © salt & pictures GmbH

Pedro pflückt jeweils nur die vollreifen Kaffeekirschen und lässt die nicht ganz reifen Früchte hängen, um diese später abzuernten. Im Gegensatz zur maschinellen Ernte, bei der sämtliche Kirschen gleichzeitig abgeerntet werden, dauert die Ernte zwar wesentlich länger, die Kirschen sind jedoch auch reifer, was sich letztlich positiv auf die Qualität des Endprodukts auswirkt.

Da diese Pflanzen aber kein Freund der Sonne sind, gibt es hier keine Monokulturen in denen, nach Großplantagen-Vorbild, keine andere Pflanze existiert. Hier steht der Kaffee unter sogenannten Schattenbäumen.

Kaffee-Aufbereitung für höchste Ansprüche

Mit TukTuks werden Kaffesäcke in die Kooperative zur Weiterverarbeitung transportiert | © salt & pictures GmbH

Die kiloschweren Säcke reifer Früchte müssen ins Tal gebracht werden. Genauso schwer wie der Aufstieg ist der Abstieg, vor allem wenn es geregnet hat. Der Boden ist glitschig und der Weg zu Kooperative gleicht einem Balanceakt. Jetzt fängt die Arbeit aber erst richtig an. Die Qualität des Kaffees hängt stark von der Aufbereitung ab. Um den höchsten Ansprüchen zu genügen wird die Nassaufbereitung angewendet.

Die Männer bereiten die nasse Aufbereitung vor. | © salt & pictures GmbH

Bei der nassen Aufbereitung werden die Kaffeekirschen zunächst grob gesäubert und sortiert. Dann werden sie von den Kleinbauern ins Wasser gebracht, wobei die guten Kaffeekirschen absinken und die minderwertigen obenauf schwimmen. Diese werden abgeschöpft und die guten Kaffeekirschen anschließend unter fließendem Wasser durch Walzen und Scheiben zerquetscht damit die Bohnen vom Fruchtfleisch befreit werden.

Durch Fermentierung wird der letzte noch an der Bohne haftende Restschleim gelöst. Danach werden die Bohnen noch einmal gewaschen und in der Sonne oder in Trockenöfen getrocknet.

Nach der Trocknung werden die Säcke für den Abtransport gefüllt. | © salt & pictures GmbH

Die Kleinbauern am Atitlánsee haben auf schmalen Terrassen ihres Terrains ihre eigenen “Beneficios” (Aufbereitungsanlagen) gebaut. Nur so kann die Qualität des Erntegutes von den Kleinbauern selbst gesichert werden. Die nasse Aufbereitung ist wesentlich aufwendiger als die trockene, sie liefert jedoch eine bessere Qualität.

Deshalb wird auch auf der ADIBA Buenos Aires und der Maya-Kooperative am Atitlánsee, die Nassaufbereitung durchgeführt. Anschließend werden die Bohnen durch die Sonne getrocknet. Im Schälgang wird die Bohne von ihrer Pergamenthülle befreit und in Säcke abgefüllt.

Stetige Kontrolle der Qualität ist notwendig … | © salt & pictures GmbH

Wissenswert

Um eine Menge von 100 Kilo Kaffeefrüchten am Tag zu ernten, muss ein Pflücker wie Pedro etwa 30 bis 40 Sträucher abernten. Nach der Ernte und Aufbereitung bleiben von den 100 Kilo Kirschen zwischen 10 und 20 Kilo Rohkaffee und nur 13 Kilo Röstkaffee übrig.

… um den besten Geschmack zu erzielen. | © salt & pictures GmbH

Das Transfair-Siegel und das SPP-Siegel garantieren faire Erzeugerpreise und die Einrichtung eines Sozialfonds für Kleinproduzenten. Ausbeuterische Kinderarbeit und gesundheitsschädigende Arbeiten sind ausdrücklich ausgeschlossen. Außerdem verpflichten die Siegel alle Akteure zu Nachhaltigkeit, Solidarität, Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt.

MOCINO: https://www.mocino.com

Sehenswert

Ein Filmteam hat die Arbeit von Pedro und seinen Campesinas begleitet. „Coffee for Life“ taucht ein in das Leben von Kleinbauern, fernab von unserer Realität. Obwohl wir tagtäglich mit ihrem Kaffee in Berührung kommen, machen wir uns selten Gedanken über die Herkunft. Die Dokumentation schafft Bewusstsein für den aufwendigen Prozess der Produktion und gewährt einen persönlichen Einblick in das Leben der Menschen dahinter.

https://saltandpictures.de/project/coffee-for-life/

Erlebenswert

Spezial-Reiseveranstalter wie Eden Travel bieten spezielle Reisen in die Kaffeeanbaugebiete an um sich über die Situationen vor Ort zu informieren: Nur wer die spezifischen Anbaubedingungen, die Ernte, die Verarbeitung, die lokale Bevölkerung erlebt hat, versteht die Wichtigkeit des Handelsguts Kaffees, von dem weltweit mehrere Millionen Menschen leben.

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