Länderberichte

Kalifornien | San Francisco and beyond

Golden Gate Bridge San Francisco Kalifornien Baker Beach bester Blick
Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Der Norden von Kalifornien lockt Besucher von San Francisco mit Redwood-Wäldern, Spaß auf Baumwipfelhöhe, wild-schöner Küste und feinen Weinen in die Verlängerung. Roadbook für eine entspannte Rundreise

San Francisco: „Be Sure To Wear Some Flowers in Your Hair“

Die „City by the Bay“ ist klasse, auch wenn man Scott McKen­zies Ratschlag nicht befolgt. San Francisco muss und kann man entspannt zu Fuß erkunden. Nur so entdeckt man die volle Ladung „pures Amerika“ mit Feuertreppen, alten Billboards, shabby Convenience Stores, jahrzehntealten Ladenschildern, patinierten Bars und Diners, Skyscrapern aller Art und bunten Townhouses. Da kommen – mit Abstechern rechts und links – am Tag locker 15 Kilometer kreuz und quer durch SF zusammen.

Auf, ab, auf, ab – der Stadtbummel durch SF wird schnell zum Workout.

Auf, ab, auf, ab – der Stadtbummel durch SF wird schnell zum Workout, wenn man auf Uber und Cable Car verzichtet

The Cannery in San Francisco SF, Kalifornien

San Francisco: The Cannery unweit der Fisherman’s Warf war die größte Konservenfabrik der Stadt

Die große Runde durch SF startet im Schatten der Bay Bridge vor dem Ferry Building am Embarcadero mit seinem markanten Uhrturm. Dort legen alle Austernfans am besten schon den ersten Pitstop ein, in der Hog Is­land Oyster Co.

Vom Ferry Building geht es knapp zwei Kilometer bis zur Fisherman’s Wharf mit ihren fetten, akustisch wie olfaktorisch eher undezenten See­löwen, was übrigens auch für den kirmeshaften und ziemlich überlaufenen Pier 39 gilt.

Weiter zum wunderbaren 1950er-Gebäude des Franciscan Crab Restaurant am Pier 43 und bis zu „The Cannery“. Dort bergauf und in großzügigem Bogen durch Russian Hill, Nob Hill, Telegraph Hill und Chinatown zum Union Square. Ein lohnenswerter Abstecher führt durch das recht rustikale Viertel Tenderloin. Dann auf der Market Street zurück zum Embarcadero.

Franciscan Crab Restaurant: Gutes Seafood und ein architektonischer Leckerbissen in SF. Kalifornien Rundreise-Tipps

Franciscan Crab Restaurant: Gutes Seafood und ein architektonischer Leckerbissen an SF’s Waterfront

SF Street Art in Tenderloin, San Francisco, SF in Kalifornien

San Francisco Style Streetart: Vor allem in Tenderloin an wirklich jeder Straßenecke zu bewundern

Filbert Street – fast wie Bergsteigen

Das steile Auf und Ab vieler Straßen (bis 31,5 Pro­zent Steigung in Straßen wie Filbert Street, 22nd Street und Jones Street) bringt den Kreislauf in Schwung und ist keinesfalls kinderwagentauglich, weder auf- noch abwärts. Das gilt auch für den von bunten viktorianischen Häusern gesäumten Kurvenstar Lombard Street: heillos überlaufen von Hunderten Men­schen, die hysterisch nach der besten Perspektive fürs Selfie suchen, auf dem die Hundert­schaften anderer Besucher nicht zu sehen sind. Der Wahnsinn! Aber auf jeden Fall „very instagrammable“.

Chinatown in SF: Nur wenige Schritte vom Financial District öffnet sich eine völlig andere Welt

Chinatown in SF: Nur wenige Schritte vom Financial District öffnet sich eine völlig andere Welt – Ni Hao!

Kaloriennachschub holen sich San-Francisco-Side­walk-Läufer in den Restaurants mit Küchen aus aller Welt – von frischen Austern und saftigen Dry-aged-Steaks im Original Joe’s in North Beach über gute Dim Sum etwa in der etwas düsteren Lai Hong Lounge in der Powell Street bis zu Burgern in einem klassischen Diner.

Golden Gate und Cable Car

Und da ist noch die heilige Dreifaltigkeit aus Stahl, Beton und Kabeln. Für den besten Blick auf die Gol­den Gate Bridge mit einem der unzähligen Uber-Fahrer zum Baker Beach fahren. Alcatraz, die von Clint Eastwood und Don Siegel in „Flucht aus Alcatraz“ verewigte Mutter aller Hardcore-Knäste, wird von Ausflugsbooten ab Pier 33 angefahren (Ticket reservieren!). Wer wenig Zeit hat, begnügt sich mit dem Blick durchs Fernrohr am Pier 39.

Alcatraz: Wer die frühere Knast-Insel besuchen will, sollte das Bootsticket frühzeitig reservieren Kalifornien Reise Tipps

Alcatraz: Wer die frühere Knast-Insel besuchen will, sollte das Bootsticket frühzeitig reservieren

Drittes Must-see: die nostalgischen Cable Cars. Wer wenig Zeit hat, spart sich besser die Wartezeit an den Stationen der berühmten Kabelstraßenbahn und das Geschupse und Gedränge der rucksackbe­wehr­ten Traveller aus aller Welt. Man sieht und erfährt mehr von der Stadt, wenn man einfach einer der Trassen der Standseilbahn folgt, etwa der Powell/Hyde Line, und deren Wägelchen mit exakt 15,3 Stundenkilometer Geschwindigkeit an sich vorbeizuckeln lässt. Was man dabei allerdings nicht sieht, ist der kör­perliche Einsatz des Gripman …

Was den Stadtbummel so unterhaltsam macht, ist die enorme Vielfalt an Fassaden und Baustilen. Die reichen von verspielt-viktorianischen Gebäuden über neogotische Bauten und Art-déco-Hochhäu­ser – wie 225 Bush Street (früher Standard Oil) oder das schö­ne Hunter-Dulin Building – bis zur 260 Meter hohen Betonnadel der Transamerica Pyramid.

San Francisco: Alte und neue Skyscraper säumen die Market Street

San Francisco: Alte und neue Skyscraper säumen die Market Street

Tenderloin: Toughes, aber sehenswertes Stadtviertel von San Francisco aka SF

Tenderloin: Toughes, aber sehenswertes Stadtviertel, das an Union Square und den Financial District angrenzt

Übernachtungstipp San Francisco

Das moderne G Hotel (DZ ab 180 Euro) in der Geary Street mit Zimmer im Shabby-Glamour-Style und einer coolen Bespoke-Bar. Gleich vis-à-vis wartet das urige Pinecrest Diner mit filmreifem Interieur und guten Burgern. Eines der besten Preis-Leistungsverhältnisse in S.F.

Pine Crest Diner in SF, Kalifornien

Pine Crest Diner: Einfach filmreifes Setting und mit echten Sattmachern auf der Speisekarte

Sonoma Coast: Highway 1, Wale und Wein an der Nordküste von Kalifornien

Das nächste Ziel unserer Rundreise durch den Norden von Kalifornien liegt 105 Meilen nordwestlich von S.F. Ab Valley Ford geht es über den legendären Highway 1 durch Sonoma County. Jenseits der Mündung des Russian River an der North Coast wird der Highway mit dem großen Namen zu einer schmalen, kurvigen und steilen Straße, die so gar nichts High­wayartiges mehr hat.

San Francisco: Harbour Bay Bridge in Kalifornien, ein echter Reisetipp

San Francisco: Über die Harbour Bay Bride kommt man nach Oakland und Berkeley

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Highway #1: Verbindet auf rund 650 km Los Angeles mit San Francisco, die nördliche Fortsetzung in Kalifornien ist noch recht unbekannt

Retreat an der Nordküste von Kalifornien: Timber Cove Resort

Auf einer oft windumtosten Klippe der Sonoma Coast wartet das architektonisch so interessante wie schön gelegene und vor zwei Jahren komplett renovierte Timber Cove Resort (Ocean View Room ab 350 Euro). Chef Dustin Valettes kredenzt seinen Gästen im „Coast Kitchen“ Seafood von lokalen Anbie­tern wie Heilbutt und Austern aus der Tomales Bay.

Timber Cove Resort: Kalifornien Rundreise an Sonoma Coast

Timber Cove Resort: Herzstück des gemütlichen Haupthauses ist der XL-Kamin

Timber Cove Resort: Kalifornien Rundreise-Tipp an der Sonoma Coast

Timber Cove Resort: Sensationell an der Sonoma Coast gelegenes Architektur-„Denkmal“

Die Sonnenuntergänge in Timber Cove sind spektakulär. „Zur Zeit der Walwanderungen könnt Ihr“, so General Manager Julian Payne, „die Tiere wunderbar von der Steilklippe hinter dem Resort oder aus dem Adirondeck Chair auf den Terrassen der Ocean View Rooms beobachten.“

Das Resort entstand 1963 nach Entwürfen des bekannten Architekten Richard Van Giesen Clements. Herzstück ist das hohe Hauptgebäude mit viel Holz, einem großen, offenen Kamin und einer gut sortierten Bar.

Sonoma Coast: Landschaftliches Highlights nördlich von SF (=San Francisco)

Sonoma Coast: Blick über Timber Cove in Richtung Salt Point National State Reserve

Kalifornien-Reisende, die mehr über die Pflanzenwelt, den Zug der Wale und die Tierwelt an der Sonoma Coast erleben will, buchen am besten eine Führung durch den Salt Point State Park mit der charmanten Margaret Lindgren von Unbea­ten Path Tours.

Walbeobachtung von Land aus? Kalifornien kann das

Wir hatten das Glück, im Salt Point State Park von Land aus eine Grauwalmutter mit Nachwuchs beobachten zu können. Jedes Jahr ziehen zwischen Januar und Mai bis zu 19.000 Grauwale an der Küste von Kalifornien entlang gen Norden.

Die bis zu 16 Meter langen und 35 Tonnen schweren Riesen paaren sich in den Gewässern vor Mexiko und bringen dort ihre Jungen zur Welt. Anschließend beginnt die lange Reise hoch in die sommerlichen Gewässer Alaskas und in die Beringsee, vorbei an der langen Küste von Kalifornien. Dort müssen sich die Wale mit Krill und Flohkrebsen so viel Speck anfressen, dass er für den Rest des Jahres reicht.

Zum Baden ist der Pazifik oft zu kalt: Sonoma Coast

Zum Baden ist der Pazifik im Norden von Kalifornien oft zu kalt und rau, Robben und Wale aber lieben dieses Biotop

Insgesamt verläuft der Highway 1 knapp 60 Meilen durch Sonoma. Zu den Höhepunkten entlang der Stre­cke zählen laut Margaret Lindgren der Surferstrand von Salmon Creek, die aus Hitchcocks „Die Vögel“ bekannte Kirche Saint Teresa of Avila, „Spud Point Crab Company“ in Bodega Bay mit ihrer viel gerühmten Clam Chowder und die sich spektakulär brechenden Wellen bei Duncan’s Landing.

Salt Point State Park an der Sonoma Coast

Salt Point State Park: Raue, schöne Küste am Pazifik – dahinter wachsen die ersten Coast Redwoods

Für Weinliebhaber empfiehlt sich ein Stop im Bodega Bay Tasting Room, wo man sich auf angenehme Weise mit der geschmacklichen Bandbreite der in Küstennähe angebauten Sonoma Coast Wines vertraut macht. Das kühle, raue Klima sorgt für ganz spezielle Tropfen wie etwa den Pinot Noir der Familie Balistreri.

Russian River: Redwood, Zipline-Spaß und Weine in Sonoma County

Die Riesen unter den Redwood-Bäumen in Kalifornien werden bis zu 3.000 Jahre alt und maximal 115 Meter hoch – viel weiter hinauf reicht der sogenannte Transpirationssog nicht, der das Wasser aus den Wurzeln gegen die Schwerkraft nach oben „saugt“. Der älteste Mammutbaum im Armstrong Redwoods State Natural Reserve unweit von Guerneville hat „nur“ 1.400 Jahre auf dem Buckel und ist knapp 95 Meter hoch.

Ziplining in den Redwoods: Sonoma County, nördlich von San Francisco SF

Spaß in den Redwoods beim Ziplining

Die immergrünen Coast Redwoods in Kalifornien sind wahre Wunderwerke der Natur: Das Holz ist resistent ge­gen Schädlinge, Pilze und Fäulnis und enthält wenig brennbare ätherische Öle und Harze. Die Wurzeln der Flachwurzler reichen nur zwei bis drei Meter tief, verteilen sich aber in einem Umkreis von gut 50 Metern.

So bilden sie mit ihren Nachbarn ein stabiles Geflecht, das auch stärksten Stürmen trotz. Tag für Tag zieht jeder Coast-Redwood bis zu 400 Liter Wasser aus den für die Sommer typischen Küstennebeln und kompensiert so die regenarmen Sommer.

Armstrong Redwood Reserve in Sonoma County

Armstrong Redwood Reserve, Kalifornien: Hier wachsen echte Baumriesen, die bis zu 1.000 Jahre alt und 115 Meter hoch werden

Flotter Spaß: Ziplining zwischen Redwood-Riesen

Ein Spaziergang unter diesen Baumriesen des Armstrong Redwoods State Nature Reserve ist beeindruckend, aber kein Vergleich mit einer Ziplining-Tour von Baum zu Baum – bis zu 60 Meter über dem Abgrund. Sieben Ziplines unterschiedlicher Länge (bis zu 450 Meter!), Höhe und Geschwindigkeit sor­gen bei der Forest Flight Tour von Sonoma Canopy Tours (99 Dollar) für Thrill und Spaß. Nach einer gründlichen Einführung und einem Trockentraining ist jeder Teilnehmer auto­nom unterwegs. Das Tempo bestimmt man selbst mittels „Handbremse“.

Kalifornien kann Glamping: Übernachten im original Airstreamer

Originell ist eine Nacht in einem der legendären Airstream-Wohnwagen, die im neuen Autocamp Rus­sian River am Rand des Örtchens Guerneville gebucht werden können. Sie sind schick, modern und komfortabel ausgestattet mit Kitchenette und eigener großer Dusche. Vom XL-Bett blickt man durch Dachfenster auf die hoch aufragenden, leicht im Morgenwind schwankenden Redwood-Bäume.

Dazu gibt es ein modernes Haupthaus mit kleinem Shop, Verkauf lokaler Weine und offenem Feuer. Sehr romantisch, sehr entspannt. Eine Nacht für zwei im Airstream kostet ab 180 Dollar.

Autocamp Russian River, Ausflugstipp ab San Francisco

Autocamp Russian River: Übernachten in luxuriösen Airstream-Trailern unter hohen Redwood-Bäumen bei Guerneville

Zum Dinner unbedingt Guernevilles überschauba­re Main Street ansteuern. Dort wartet das kleine, aber feine Boon Eat + Drink der burschikosen Power­frau Crista Luedtke. Ihr wurde der 2018 Cannes ausgezeichnete Dokumentarfilm „Empire on Main Street“ gewidmet.

Boon Eat + Drink in Guerneville: Tipp für Sonoma County

Boon Eat + Drink in Guerneville: Frische Küche und lokale Weine aus dem Russian River Valley

Crista hat mit einem Hotel, dem Lokal, einem Markt und einer Cocktail Lounge den recht verpennten Ort Guerneville wieder wachgerüttelt und ihm zu einer gewissen Hipness verholfen. Im „Boon“ trinkt man nur lokale Weine aus der Anbauregion Russian River und lässt sich Chili Braised Niman Pork Shoulder oder Bavette Steak von der 5 Dot Ranch in Napa mit Chimichurri und Trüffel-Fries schmecken.

Vieles auf der Karte stammt von Produzenten aus Sonoma, auch das ausgeschenkte Craft-Bier kommt von kleineren Brauereien in der Region. Das Fleisch stammt nur von Tieren, die ohne den Einsatz von Hormonen und Antibiotika gezüchtet werden.

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Info Kalifornien/San Francisco

Anreise nach San Francisco

Direktflüge in elf Stunden mit Swiss oder mit United Airlines ab 850 Euro

Einreise

Man benötigt einen gültigen Reisepass und ESTA (mindestens 72 Stunden vor dem Abflug einholen!)

Lesen

Der kompakte Reiseführer „Marco Polo Kalifornien“ vom Landeskenner Karl Teuschl bietet auf 148 Sei­ten alle wichtigen Infos, dazu Sprachführer und Reisekarten, 12,99 Euro.

Tipps und mehr Reiseideen

Finden Sie unter visitcalifornia.de | sftravel.com | sonomacounty.com


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.