Länderberichte

Kanada | Go West!

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Glas, Glitzer, Graffiti oder lieber Weite, Wasserfälle, Weinlandschaften? Kanada bietet Besuchern so ziemlich alles: prickelndes Nightlife oder absolute Ruhe, innovative Gastro-Szene oder berauschende Natur. Unser Roadtrip Guide mit 28 Insidertipps führt Sie zu zehn Highlights im Westen des Landes

Geheimtipp des Nordens: Edmonton

„Das Schönste an Edmonton?“, Garner Beggs’ Antwort überrascht: „Die Sonne“, sagt der stylishe Jung-Entrepreneur und schiebt ein Schoko-Törtchen in die Vitrine seines „Dutchess Bake Shop“. Die nördlichste Großstadt Kanadas war mir bisher nur als Garant langer, kalter Winter bekannt. „Auch wenn’s kalt ist, die Sonne scheint immer“, erklärt Beggs.

Tatsächlich ist Albertas Hauptstadt mit 2.300 Sonnenstunden im Jahr eine der sonnigsten – wenn auch nicht  wärmsten – Metropolen des Landes. An den langen Juni-Tagen ist es von 5.30 bis 22 Uhr hell. Ob die Edmontonians deshalb so nett und gut gelaunt sind? Und aktiv: An den Glenora Stairs über dem River Valley joggen Fitness-Fans die steilen Holztreppen auf und ab, 202 Stufen um genau zu sein. Man fährt Segway, Rad, Inline-Skates oder paddelt auf dem North Saskatchewan, dem Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt. Sobald die Strahlen warm genug sind, verwandelt sich Edmonton in „Canada’s Festival City“, ein Open-Air-Fest jagt das nächste.

Metterra Hotel 

Dunkles Holz, Granit und Backsteinwände: Das Hotel ist eine Mischung aus Business-Schick und Hipster-Cool auf der Whyte Street – man ist also mitten im Geschehen. DZ/F 210 Euro

Old Strathcona

Das historische Viertel ist ein  Mix aus Alt und Neu. Junge Designer, Künstler und Restauranteure haben die Nachbarschaft zur It-Gegend gemacht. Whyte Avenue wird abends zur Ausgehmeile.

Drumheller: Die Saurier sind los

Dino, T. Rex und Co.: Auf dem Weg von Edmonton nach Calgary trifft man Saurier quasi am Wegesrand. 1884 entdeckte Joseph Burr Tyrrell, Sohn irischer Einwanderer und passionierter Geologe, in der Gegend von Drumheller Kohlevorkommen – und darüber hinaus jede Menge von Fossilien der Dinosaurier, die in der Kreidezeit das Red Deer River Valley bevölkerten. Ein bisschen wie ein Dino fühlt man sich bei der Wanderung durch die umliegenden Badlands des Horse­-shoe Canyon mit skurril aufstrebenden Felsformationen. Um die Wild-West-Atmosphäre zu voll­enden, sollte man eine Fahrt zur Geisterstadt Wayne unternehmen.

Last Chance Salon

Könnte auch die Kulisse aus einem Western sein: Salon und Rosedeer Hotel sind Relikte längst vergangener Tage. Wayne ist zehn Autominuten von Drumheller entfernt. DZ ab 50 Euro, Burger ab acht Euro

Tyrannosaurus Rex

Das Dino-Monstrum überragt mit seinen 25 Metern Höhe alles in Drumheller, auf 106 Stufen geht es zur Plattform im Saurier-Maul.

Royal Tyrrell Museum

Das prähistorische Leben wird hier durch riesige Dino-Skelette und Ausgrabungsfunde lebendig.

Westkanada ist ein Paradies für Angler mit tausenden Seen, Küsten-Kilometern und Flussläufen

Calgary: Cowboys und Cowgirls

Der Line-Dance-Takt ist nicht mein Ding. Während ich über meine eigenen Füße stolpere, tappen die Damen neben mir in einer perfekten Reihe mit den spitzen Lederstiefeln in den Holzboden, ein Klatschen, eine Drehung – und ich gebe auf. Die Cowboy- und Cowgirl-Welt von Calgary hat ihren eigenen Flow. Natürlich mit Wild-West-Outfits: karierte Hemden, dicke Gürtelschnallen, Cowboy-Stiefel und -Hüte.

Wer denkt, Rodeo, Billard und Country-Musik in Dauerschleife als Zeitvertreib der Calgarians seien eine Filmerfindung, der wird sich wundern. In den großen und aufwendig dekorierten Brauereien der Metropole laufen Filme der letzten Stampede-Show, man trinkt würziges Bier aus riesigen Brautanks und schmeißt eine Münze für den nächsten Line-Dance-Song ein. Also vorher besser üben!

Aloft Calgary University

Fröhlich-buntes Design und am Morgen eine Snack-Bar mit Kaffee, Tee und allem, was man für den Start in den Calgary-Tag braucht. DZ/F ab 90 Euro

Ranchmans

Line-Dance-Tunes und überall Cowboy-Hüte: die volle Ladung Country-Calgary. Ranch Fries 3.50 Euro

Bären sind intelligent, neugierig und meist ungefährlich – wenn man sich richtig verhält!

Allein unter Grizzlys

Jede Reise durch Kanadas Westen bietet Momente, an dem es einem heiß und kalt den Rücken runterläuft. Auf dem Weg von Calgary nach Banff fahren wir vorbei an glitzernden Seen und Rocky-Mountain-Vorläufern und biegen dann auf eine Schotterstraße ab.

Plötzlich erlebt man dann genau das, was jeder irgendwie von diesem Land erwartet: die totale Abgeschiedenheit. Unendliche Natur mit einer wilden Schönheit, die man sonst nur in Filmen wie „The Revenant – der Rückkehrer“, der hier gedreht wurde, sieht. Andere erleben ihren Gänsehaut-Moment bei der ersten Begegnung mit einem Grizzly. Die passiert hoffentlich, wie in unserem Fall, nicht im Dickicht, sondern aus dem sicheren Auto heraus.

Eine junge Fahrradfahrerin winkt uns an der verlassenen Straße aufgeregt zu: In noch sicherer Entfernung wandert ein Grizzly gemütlich am Gebüsch entlang. So niedlich der Brummbär auch aussieht – an ihm vorbeiradeln möchte die junge Sportlern nicht. Also tuckern wir langsam am unbeeindruckten Prachtkerl vorbei, die Radfahrerin strampelt im sicheren Windschatten des Autos.

Kananaskis Country

Das weitläufige Parksystem Kananaskis Country ist durch drei Highways verbunden.

Western- und Cowboy-Kult werden mit Begeisterung zelebriert

Die schönsten Seen

Sonnenaufgänge am See sind immer atemberaubend, am Peyto Lake mit den wuchtigen Bergen im Hintergrund und dem Farbenspiel der Lichtstrahlen auf dem glänzenden Wasser ist die Atmosphäre fast mystisch. Banffs Gletscherseen wie der Bow Lake direkt an der „Num-Ti-Jah Lodge“ oder der Moraine Lake strahlen durch die raue Natur drum herum und das tiefe Blau des kalten Wassers eine überirdische Schönheit aus, umgeben von der Stille der Wälder. Dafür quäle ich mich freiwillig um 5.30 Uhr aus dem Bett. Neben dem Sonnenaufgang winkt später noch der frühe Sprung in den kühlen See.

Peyto Lake

Die besten Fotomotive hat man vom Lookout zwei Gehminuten vom oberen Parkplatz (Icefields Parkway) entfernt.

Wildlife genießen! An einem der abertausenden Seen findet jeder sein Plätzchen

Banff: Ab in die Natur

Im Städtchen Banff jemandem zu begegnen, der weder Wanderstiefel noch Outdoor-Klamotten trägt? Ziemlich unwahrscheinlich. Das Städtchen in Kanadas ältestem Nationalpark (1885 gegründet) ist umgeben von den monumentalen Rocky Mountains, pittoresken Seen und Tälern. Das Sportangebot von Ice-Climbing über Langlauf bis zu Wandern und Fischen ist der Traum jedes Sport-Fans. Kletter-Enthusiasten kommen wegen Via-Ferrata-Abenteuern – Geschichten über die grandiosen Ausblicke beim Klettern an sicheren Eisenseilen füllen am Abend die Bars. Mehr Outdoor als in Banff? Schwer möglich.

Buffallo Mountain Lodge

Man wohnt in gemütlichen Holzhütten mit eigenem Kamin und umgeben von edlem Country-Style. Zum Resort gehört ein gutes Restaurant. DZ/F ab 180 Euro.

Magpie & Stump Restaurant

Das herrlich bunte Restaurant ist eine Mischung aus Texmex und Rocky-Mountain-Flair mit wuchtigem Holz an der Wand und vollgepackten Tacos auf dem Teller. Schöne Terrasse. Tacos ab 3.50 Euro

Vancouver bewegt sich: beim Skifahren, Radfahren, Wandern, Kajaken oder Skaten

Berauschend: Wine-Country Okanagan Valley

Vom Strand des Okanagan Lake in die Weinberge sind es nur 15 Minuten. Über 40 Winzereien nutzen den reichhaltigen Boden und die milde Seelage. „Die Voraussetzungen mit rotem Granitsand und frostfreien Wintern sind perfekt“, sagt Weinfachmann Grant Stanley von der 50th Parallel Estate Winery. Pinot Noir, Riesling und ein auf der Zunge prickelnder Gewürztraminer sind die Bestseller der Gegend.

Für die Tasting-Tour sollte man genug Zeit einplanen, die Lage der oft stylish minimalistischen und modernen Anlagen wie Mission Hill Winery und Burrowing Owl Winery mit großen Terrassen und gutem Essen sind so berauschend gut wie die aromatischen Tropfen. Zu den besten Weingütern des Okanagan Valley zählen Cedar Creek Estate Winery, Nk’Mip Cellars und Gray Monk Estate Winery.

Sutherland Blueberry Bed & Breakfast

Strategisch gut in Naramata gelegen, ist das B&B ein prima Ausgangspunkt für die Erkundung der Winzereien. Herrlicher Seeblick. DZ ab 140 Euro

Mission Hill

Was zunächst wie ein etwas protziger Kunst-Kirchen-Bau aussieht, entpuppt sich schnell als Weinanlage mit extrem aromatischen Tropfen.

Mexikanisches Flair und reichlich Tequila in der Bar „El Cortez“ in Edmonton

Whistler: Adrenalin-Kick und Höhenflüge

Ein klein wenig ist mir schlecht. Meine Beine hängen im Nichts, tief unter mir Baumwipfel und Flusstäler. Dass das Zip-Lining für jemanden mit Höhenangst nicht die beste Idee ist, fällt mir erst auf, als ich bereits festgezurrt bin. Dann ist es natürlich zu spät. Gut so, der Trip durch die Lüfte von Whistler ist ein Adrenalin-Kick sondergleichen, dagegen ist die schwindelerregende Peak-to-Peak-Gondola geradezu ein Klacks.

Besonders Hartgesottene nehmen das Mountain­bike mit hinauf zur Bergstation am Blackcomb Peak auf 2.436 Meter Höhe – und rauschen mit Karacho auf einem der vielen Trails den Berg runter. Ich ziehe ein Bierchen auf der ins Nichts ragenden Panoramaterrasse vor, das beruhigt die Nerven. Immerhin wartet Whistler mit einem ganzen Sortiment waghalsiger oder einfach nur sportlicher Aktivitäten.

Hier wird auch im Sommer Ski gefahren, und zwar auf dem Blackcomb Mountain’s Horstman Glacier. Im Ort selbst bestimmt der lässige Vibe das Image: Keiner raucht, jeder trägt sportlich-schicke Klamotten, das Konzept der autofreien Innenstadt ist dann schon fast keine Überraschung mehr.

Aava Whistler Hotel

Der Ort ist in Laufnähe des Hotels, drum herum ragen die Berge auf – besonders schön zu betrachten vom Außenpool. DZ ab 95 Euro

Ziptrek Ecotours

Für Schwindelfrei oder jene, die es gern wären – am Seil durch die Lüfte sausen. Der Ausblick ist superb.

Ziplining – sorgt für erfirschenden Adrenalin-Kick und schöne Aussichten

Vancouver: Big City mit Strand und Berg

Wer sich nicht entscheiden kann zwischen Metropolen-Trubel und Natur-Ruhe, wird in Vancouver sein Paradies finden. Die Stadt ist gesäumt von Bergen auf der einen Seite, auf der anderen grenzt sie an die Strait of Georgia. Mit hügeligen und weitläufigen Anlagen wie dem Stanley Park oder romantischen Stränden wie dem Sunset Beach hat die Millionenstadt das Flair eines Urlaubsorts. Und dann wieder der Kontrast einer Boom-City: Am Hafen sprießen die Wolkenkratzer in dichten Reihen aus dem Boden, die Skyline ist von Brücken wie der Granville Bridge betrachtet besonders funkelnd.

Trotz der Beton- und Glasflut bewahrt man sich grüne – und wie im Fall des hübschen Gastown historisch-coole – Nischen. Auf vielen Dächern wird Gemüse angebaut, Farm-to-Table ist immer noch das magische Wort der Restaurant-Szene. Wer etwas über die Geschichte der First Nations und deren  ausdrucksstarke wie vergängliche Kunst lernen will, sollte sich einen halben Tag Zeit nehmen und das 20 Minuten außerhalb gelegene UBC Museum of Anthropology besuchen: wunderschöne Exponate, intelligente Didaktik sowie gelungene Architektur.

The Buchan Hotel

Schlichtes Hotel in ruhiger Lage am Fuß des Stanley Parks. In der West End Nachbarschaft gibt es viele Cafés, Bars und Restaurants. DZ ab 100 Euro

Burdock & Co

Andrea Carlson kreiert intensive Gerichte aus frischen Farm- und Metzgerzutaten direkt aus der Umgebung. Herrlich lässige Atmosphäre. Hauptgericht ab zwölf Euro

Auch auf Klettersteigen kann man die unberührte Natur Westkanadas erleben

Ucluelet: Magischer Pacific Rim National Park

Die Wellen brechen mit lautem Krachen gegen die Felsen, unter uns tobt das Meer. Die Natur um Ucluelet herum und vor allem auf den Wanderwegen des Pacific Rim Trail ist rau, aber auch malerisch: Auf dem Weg über dem kleinen Leuchtturm und den spitzen Felsen hüpft plötzlich ein Reh aus dem Dickicht.

Näher kann man kaum an die kluftige Landschaft des Westens von Victoria Island herankommen. Manchmal allerdings machen einem Wind und Wetter auch einen Strich durch die Rechnung: Unser Open-Water-Kajak-Trip muss leider wegen hohem Seegang gestrichen werden, also paddeln wir in der Flussmündung. Vielleicht nicht so abenteuerlich, aber trotzdem prickelnd schön.

 Majestic Ocean Kayaking

Ausflüge zum Barkley Sound, Clayoquot Sound und den Broken Group Islands.

 

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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.

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