Länderberichte

Kenia | Safari in der Serengeti

Kenia: Afrika, Masai Mara, &Beyond Bateleur Camp, Giraffen, Masai Mara National Reserve, Landschaft, Tiere,
Martin Müller
Geschrieben von Martin Müller

Kenia Urlaub tierisch schön! In einem kleinen Stück der großen Serengeti. Das Mara Triangle umfasst ein Drittel der Masai Mara. Hier lassen die Rinderzüchter der Masai den Wildtieren den Vortritt. Das haben wir uns genau angesehen – mit dem „&Beyond Bateleur Camp“ als Basislager

Dieser Käfer! Der Skarabäus surrt in Richtung Bar und prallt klingelnd gegen die Ginflaschen. Mit trockenem Ploppen schlägt der Nachtschwärmer, der in der Savanne die Scheiße von Dickhäutern und den Big Five aufrollt und als Babynahrung vergräbt, neben meinem Cocktail-Tumbler auf. Er sieht aus wie ein matt schimmernder Lederknopf. Dann krabbelt er in die afrikanische Nacht, ins ihm vertraute Terrain hinter meinem Sessel.

In Kenias nächtlicher Savanne wäre ich Freiwild, mir drohten tausend Tode. Weshalb ich mich einem Nachtwächter anvertraue, der mich Richtung Bett eskortiert. Wir laufen durch ein Wäldchen am Fluss Sabaringa, in dem die Lodge liegt, von den Jagdgründen lediglich durch einen nied­rigen Elektrozaun abgetrennt. Wir sind im Mara Triangle Conservancy, einem besonders behüteten, artenreichen und wenig von Besuchern frequen­tierten Teil des Masai Mara National Reserve.

Kenia Urlaub im Busch: Heiser lacht die Hyäne

Mein Bodyguard ist mit Taschenlampe und Flinte bewaffnet. Wem wir begegnen könnten, will ich von dem Masai wissen. „Only sometimes“, raunt er. Wohl wissend um die Rückzugsmöglichkeit in mein edles Ge­mach – halb Zelt, halb Bungalow – trete ich auf die Terrasse. Über mir explodiert der Himmel in kaltem Feu­er­werk. Unweit lacht eine Hyäne. Irgendetwas atmet schwer.

Wer in Kenia Urlaub macht, will Wildlife erleben – dafür bietet sich das Naturschutzgebiet Masai Mara im Südwes­ten Kenias an, eine gute Turboprop-Flugstunde von Nairobi. Die Masai Mara bildet den nördlichen Ausläufer der viel größeren tansanischen Serengeti. Bemerkenswert an dieser grenzübergreifenden Savanne ist neben der enormen Zahl an Wildtieren die Verwurzelung eines Volks von Viehzüchtern, wo man eher Jäger erwarten würde.

Die Masai stellen keineswegs den Antilopen nach, son­dern widmen sich ihren Rinderherden. Lässig gewandete, feingliedrige Krie­ger mit Rinderherden auf dem Terrain von muskulösem Groß­wild – das birgt Konfliktpotenzial. Kommen noch der Naturschutz und verknappte Weidegründe hinzu, droht das Ende einer Lebensweise. Sogar für die Big Five kann es eng werden.

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Komfortables Basislager in der Serengeti: Das „& Beyond Bateleur“-Camp, Top-Adresse in der Masai Mara

Masai als Naturschützer

Im Mara Triangle, das ein Drittel der Masai Mara zwischen der Oloololo-Wand des großen Rift Valley und dem Mara River umfasst, wird eine Alternative gelebt: Die meisten Hirten ha­ben ihre Kühe zuguns­ten der Wildtiere und für einen nachhaltigen Tourismus aus der Schutzzone entfernt. Seit 2001 verwalten Naturschutzexperten und Masai-Gemeinden gemein­sam als öffentlich-private Partnerschaft das Dreieck als Mara Conservancy.

Das „Bateleur Camp“ im exquisiten und legeren Safarilook à la Hemingway liegt mit dem weniger luxuriösen „Kichwa Tembo Tented Camp“ am Rand des Mara Triangle. Hier lernen die Hirten mit Gästen umzugehen, und wir haben das Gefühl, nicht bloß Zaungäste in der Wildnis zu sein.

Erster Game Drive. Wir überqueren ein Flüsschen beim Camp. Acht Löwinnen vor elf! Zwei Mütter und sechs Junge tollen durch das Gras, als sei die Masai Mara eine Raubtier-Kita. Die wollen nur spielen, aber nicht mit uns. In unserem Safarimobil scheinen wir für das Löwenrudel nicht existent.

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Masai-Begleiter aus dem „&Beyond Bateleuer Camp“

Das große Fressen in der Serengeti

Akatch, unser Fahrer, erzählt leise: „Von Juli bis Oktober ist’s vorbei mit der Friedfertigkeit. Dann schiebt sich der große Treck mit Millionen Gnus aus der Serengeti hier durch. Weil das Gras grüner ist“, grinst er. Löwen jagen dann Gnus. Krokodile müs­sen an den Flussfurten einfach nur das Maul öffnen. Schakale, Hyänen und Geier kümmern sich um die Reste. Zweieinhalb Millionen Leiber wäl­zen sich durch die Masai Mara und zahlen Wegezoll satt.

Mit jedem Streifzug wird die Szenerie vertrauter. Massige Büffel suhlen sich im dicken Rest­schlamm, mit den hautpflegenden Kuhreihern huckepack. Giraffen recken sich über die Horizontlinie wie Scheinriesen. Nimmersatt-Störche stecken geheimbündlerisch ihre gelben Schnäbel zusammen, wäh­rend Pavian-Rudel sich als marodierende, halbstarke Landplage gerieren.

Rund zwei Dutzend Greif­vogelarten patrouillieren im Luftraum, darunter der schwarzgefiederte Gaukler – mit seinem landläufigen Namen „Bateleur“ übrigens Namenspate unseres Camps. Elefanten in drei Gewichtsklassen – jede doppelt so schwer wie die nächstniedere Klasse – queren die Staubstraßen immer an derselben Stelle. Nilpferde haben kurze Beine und lassen ihr Gewicht gern vom Flusswasser tragen. Von den extrem bedrohten Spitzmaulnashörnern sehen wir gleich zwei Exemplare.

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Egal in welcher Größe: Elefanten sind immer imposant!

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Serengeti Game Drive: Guide Sammy Akatch Ochieng in Aktion

Gottesgabe Rinder

Existenziell bedrohlich ist für die Masai der grassierende Verlust von Weidegründen an Naturparks und Reservate. Warum sollten die Hirten plötzlich Besucher hüten wollen statt Kühe?

Schließlich gab der Gott Engai den Masai die Rinder. Und nur den Masai, weshalb alle anderen Rinder­züchter Viehdie­be sind und beklaut werden dürfen – so noch immer die Überzeugung vieler Masai. Doch ihre Lebensweise steht schon länger vor dem Aus, weil Serengeti und Masai Mara nicht mehr ihnen allein gehören. Wie also sieht ihre Zukunft aus?

Eine Antwort bekommen wir, als wir in Saporingo auf Simon Saitoti treffen. Das Dorf liegt auf mehr als 1.800 Meter Höhe auf dem Escarpment. Es gibt eine Grundschule für 200 Kinder aus einem Umkreis von 50 Kilometern, mit Schlafräumen für etwa ein Drittel der Mädchen und Jungen. Die Mehrheit läuft täglich stundenlang zur Schule.

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Serengeti bedeutet in der Masai-Sprache soviel wie „endloses Land“

Bildung als neue Freiheit

Der 33-jährige Masai Simon betreut die Schule für den kenianischen Ableger der südafrikanische Stiftung Africa Foundation, die sich seit 1996 um ausgewählte Siedlungen kümmert, in denen Naturschutz, Bildung und Chancengleichheit für Mädchen Fuß fassen können.

Die Africa Foundation finanzierte Simons sekundäre Schulbildung, die ihn bis auf die Universität brachte. „Ich bin erst am Anfang der Veränderung“, ist sich Simon bewusst. „Ich betreue die Schu­le, muss mich aber gleichzeitig darum kümmern, dass unser kulturelles Erbe von den Entwicklungen nicht ganz hinweggespült wird. Viel­leicht schreibe ich mal ein Buch.“

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Lässig-nostalgischer Safari-Chic in der Lounge der Lodge

Kenia Urlaub mit Thrill: Zu Fuß durch die Savanne

Eines Morgens nehmen uns die Ranger James Kintai Kataka und Charles Kamai mit auf eine Mara-Wanderung. Wir tasten uns aus dem Galeriewald am Flüsschen in die offene Savanne. Freie Flächen überwinden wir im Gänsemarsch, mit einem bewaffneten Führer vorn, einem hinten. Die Savanne ist spärlich von Bäumen durchsetzt und bietet weder Beutetieren noch Jägern eine Deckung.

Charles Kamai führt uns im Zickzack durchs Gelände. Nilpferde, Elefanten und ein Nashorn hat er – nicht wir! – erspäht. Er berät sich kurz mit seinem Kollegen, wie wir am besten genügend Distanz halten. „Die Tiere beobachten uns. Sie müssen einschätzen können, in welche Richtung wir unterwegs sind. Oder ob wir ihren Pfad irgendwo zu kreuzen drohen“, wispert Charles. Immer wieder ändern wir sachte unsere Marschrichtung, halten Abstand zu den großen Tieren.

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Romantik à la Hemingway beim Abendessen

Giraffe als Frühwarnsystem

Trotz unserer Anwesenheit pausiert das Savannenleben nicht. In unmittelbarer Nähe wirft eine Thomson-Gazelle einen neuen Springinsfeld. Eine Gruppe Zebras scheint die Geburt wie Hebammen zu über­wachen. „Manche Tierarten formen instinktiv Allianzen, weil die einen schärfere Augen, die anderen eine feinere Nase haben“, erklärt unser Pirschführer. „Die Giraffe ist der Ausguck für alle. Sie sieht die Löwen. Mein Vater hat immer gesagt. Töte nie eine Giraffe!“

Wir haben Glück. Akatch findet die Löwenrasselbande wieder. Kurz darauf hört er über Funk von einem Löwenriss. Bald stoßen wir auf einen Mähnenträger mit Blutspritzern in seiner Wuschelfrisur. Aber der Jäger ist ohne Beute und schlendert die staubige Piste entlang.

Akatch entdeckt einen Geier, der uns zum Tatort führt. Es hat einen Büffel erwischt. Eine Hyäne ist aufgetaucht und tastet sich vorsichtig an den aufgerissenen Leib der Beute. Wo ist der Löwe? Die einsame Hyäne traut dem Braten nicht, aber die Versuchung siegt, und der Kopf des Streuners verschwindet immer wieder  im Leib des Büffels. „Irgendwo muss noch ein Löwe sein. Sie haben zu zweit gejagt“, flüstert Akatch.

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Swimmingpool mit Aussicht auf die Savanne: Kenia Urlaub vom Feinsten

Wo ist der Löwe?

Plötzlich eine Bewegung auf der anderen Seite unseres Fahrzeugs. Ein weiterer Löwe pirscht durchs Gras, nutzt schlau unseren Wagen als Deckung und beobachtet die nervöse Hyäne. Wir könnten ihn berühren. Atemlose Momente des Wartens. Dann spannen sich prächtige Muskeln unter der fahlgelben Haut.

In zwei, drei Sprüngen hat die 250-Kilogramm-Katze die Distanz zur Hyäne überbrückt, die ihren Kopf im letzten Moment aus den Büffeleingeweiden zieht und versucht zu fliehen – der Löwe belässt es bei einer markerschütternden Ermahnung und streckt sich neben seiner Mahlzeit aus, als sei nichts gewesen.

Ein Toast auf die Savanne! Gewürzt mit ein, zwei Gin Tonic wirkt sie von so epischer Breite, wie die dänische Erzählerin Tania Blixen alias Isak Dinesen sie 1937 beschrieb: „Die Farben sind trocken und gla­siert wie Farben irdener Geschirre.“ Meinen letzten Toast widme ich dem Skarabäus, der unbeeindruckt von krauser Romantik und nachhaltigem Safari-Tourismus verlässlich die Savanne ausmistet. Schon im Alten Ägypten, am Nordende des Rift Valley, galt der Skarabäus als Symbol für die Auferstehung. So schnell wird in der Masai Mara das Licht nicht ausgehen.

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Info Kenia Urlaub/Masai Mara

Anreise nach Kenia

Mit Lufthansa in acht Stunden nonstop nach Nairobi Jomo Kenyatta ab circa 700 Euro. Täglich zwei Flüge von Nairobis zwei­tem Flughafen (Wilson) zum Kichwa Tembo Airstrip mit Airkenya  oder Safarilink, Dauer: circa eine Stunde, Ticket: 170 Euro. Vom Kichwa Tem­bo Airstrip circa 30 Minuten Autotransfer zum „&Beyond Bateleur Camp“. lh.com | airkenya.com | flysafarilink.com

&Beyond Bateleur Camp

Der südafrikanische Veranstalter und Lodgebesitzer &Beyond bietet individuelle Reisen mit gut ausgebildeten Guides im kenianischen Masai-Mara-Nationalpark an. &Beyond betreibt 29 eigene Luxuslodges und -camps in Afrika und Südamerika. Bei allen Projekten sei man sich, so &Beyond, der sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst laut dem Motto „Care of the Land, Care of the Wildlife, Care of the People“. In Deutschland ist &Beyond un­ter anderem buchbar bei Karibu Safaris. andbeyond.com | karibu-safaris.de


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Über diesen Autor

Martin Müller

Martin Müller

Da, wo ich weg komme, nämlich aus‘m Ruhrgebiet, muss ich manchmal sagen, dass ich nichts Besseres gelernt habe. Ich kann eben nur Autor, Reporter, Schreiberling. Im Ruhrgebiet, wo ich zufällig hineingeboren wurde, leben immer noch so schön viele von diesen Anpackern, die eine abgespeckten Sprache pflegen. Es versetzt also schon in Erstaunen, dass ich in ganzen Sätzen reden und schreiben kann. Vielleicht hat das aber mit jenem Witz - manche sagen Aberwitz - zu tun, den wir hier mit der Muttermilch einsaugen, ein Humor von der Sorte, wie ihn nur eine Gemeinschaft von vermeintlichen Underdogs drauf hat, wie etwa die Briten. Aus so einer verschworenen Gemeinschaft auszubrechen und die Welt zu bereisen, erscheint kühn. Ich darf mich mal bei einem anderen schreibenden Bochumer bedienen, um diesen Mut zu durchleuchten. Frank Goosen hat ja knapp und treffend gesagt: „Woanders is auch scheiße.“ Gut, das kann man als Anleitung zum Dableiben verstehen. Oder man sagt einfach: „Dableiben is auch ...“ Also bin ich einfach los.