Cruises

Besserer! | Style-up Europa 2

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Die Europa 2 war 52 Monate nach ihrer Taufe bereits zum ­zweiten Mal in der Werft. Wer davor an Bord war, mag sich fragen: Wozu? Antwort: Für die Routine-Wartung und ein umfangreiches Style-up. Was dabei herauskam, haben wir uns bei einer Kreuzfahrt nach Oslo und durch den Nord-Ostsee-Kanal angesehen

14 Tage herrschte im Trockendock 10 von Blohm & Voss und auf der dort aufgebockten Europa 2 Malocherstimmung mit Staub, herausgerissenen Teppichbö­den im XXL-Format und Lö­sungs­mittel­geruch statt champagnerlauniger Cruise-Atmosphäre.

Im Verlauf dieser zwei Wochen wurde auch das Herrenzimmer auf Deck 4 umgestaltet: Die beliebte Bar, berühmt für die mit 45 Sorten weltweit größte Gin-Samm­lung zur See, bekam eine andere Optik, einen Vinylplattenspieler nebst Plattensammlung und einen neuen, nun gen­derkorrekten Namen: Collins.

Gin oder Whisky?

Auffallend in dieser Gin- und Zigarrenbar der Europa 2 ist das Albert-Ballin-Mural vom Hamburger Künstler-Duo sutosuto. Der besoffene Gorilla, der eine Whiskylache vom Boden leckt, gefällt mir besonders, auch wenn wir uns im Anschluss an das Gin-Tasting lieber an die formidable, an Bord der Europa 2 gereifte Gin-Sonderabfüllung Cruzeiro do Sul halten.

Der bisherige „Jazz Club“ präsentiert sich nun als „Club 2“, um auch nicht an Jazz­ Interessierte anzusprechen, blieb allerdings unverändert im Night­­club-kompatiblen Fuchsia.

5.000 Liter Farbe

Zudem wurden in der Werft alle Oberflächen, an denen Gebrauchsspuren zu sehen waren und die in einem um die 50 Seiten dicken „Look Book“ vermerkt und durch Aufkleber markiert waren, auf­gearbeitet. 550 externe Arbeiter aus insgesamt 50 verschiedenen Unternehmen sowie 370 Crewmitglieder schufteten fast ohne Unterlass.

Dabei wurden unter anderem 4.000 Quadratmeter neuer Teppich verlegt und 5.000 Liter Farbe aufgetragen. Und da war das vier auf vier Meter große Loch in der Bordwand – es war nötig, weil anders die neue, energieeffizien­te Wasch­maschine nicht an Ort und Stelle hätte gebracht werden können.

Passend zum schicken Schiff, das am zweiten Tag unserer Reise direkt unterhalb der Akershus-Festung in Oslo festmacht, nur gut 500 Meter vom Rathaus entfernt, setze ich das schnieke Tjuvholmen auf mein Landgang-Programm, wo sich neben dem avantgardistischen Astrup Fearnley Museum nach den Ent­wür­fen von Renzo Piano und dessen Skulpturenpark auch das Designhotel „The Thief“, teure Galerien, Liegeplätze für Jachten sowie eine verloc­ke­nde Holzbadeplattform im Fjord findet.

Von Tjuvholmens Südspitze aus kann man die kilometerlange Hafenpro­me­na­de unter die Sneakersohlen nehmen, wo orangefarbene Blechtürme immer wie­der mit spannenden Infos aufwarten. Vor­bei an der immer noch spektakulären Neuen Oper geht es vier Kilometer weit zu den trendigen Vierteln Sørenga und Barcode mit ihren markanten Hochhäusern im Extra-Slim-Format.

Zum besten Sushi-Chef der Welt

Wer die 30 Minuten Busfahrt ins Shoppingcenter Fornebu nicht scheut, genießt im „Jonathan“ Sushi, das unter der Ägide von Vladimir Pak, dem Sushi World Champion 2017, geschnippelt und gerollt wird. Der 30-teilige Okamase-Teller mit Sushi und Sashimi ist mit 55 Euro für norwegische Gastro-Preis-Verhältnisse beinahe ein Schnäppchen.

Nach einem langen, windigen Tag in Oslo und viel kühler Kunst steht mir der Sinn nach ein paar Saunagängen. Schnell an Bord und ins Ocean Spa auf Deck 5. Dort ist während des Werftaufenthalts keine Fliese auf der anderen geblieben – die Männer mit dem Presslufthammer haben gane Arbeit geleistet. Alles neu, alles anders! Das Kneippbecken links vom Eingang? Weg! Die Eiswand daneben? Auch weg! Stattdessen gibt es eine Ruheecke.

Alle Saunen wurden komplett umgebaut: Neben der Finnischen Sauna – nun in dunklem Holz und mit etwas weniger Sitzplatz als zuvor, aber unverändert tollem Fernblick übers Heck – warten eine Deep Ocean Sauna (bis zu 55 Grad), ein Dampfbad mit drei Liegen sowie eine Kräutersauna (65 Grad).

High-touch für die Hüfte

Nach der Sauna locken Kaffee und Kuchen auf dem neunten Deck im „Belvedere“, das ebenfalls neu gestaltet wurde. Die Lounge am Bug wurde zur Bibliothek mit großer Kaffeebar, musste doch die frühere, sehr großzügige Bibliothek dem neuen Konferenzraum „Meetings2Sea“ weichen.

Auf notorische Kaloriensünder mit schlechtem Gewissen wartet ein gut ausgerüsteter Fitnessraum. Ich mache um ihn auf dieser Reise einen weiten Bogen – und bezahle die Völlerei an Bord mit fast zwei Kilo Gewichtszunahme in fünf Tagen.

Aber hey, was soll’s. Das Beef Tartare und das Chateaubriand im „Tarragon“ sind es wert! Jawoll! Und das Rinderfilet auf Ochsenschwanzragout im Weltmeere auch! Und das Sushi im „Sakura“. Und das Vitello Tonato im (neu bestuhl­ten) „Serenissima“. Und die Gin Tonics und Dark ’n’ Stormys jeden Abend im Freibereich der „Sansibar“. High-touch statt High-tech, auch auf den Hüften.

Zum Abschluss der NOK

Für vielgereiste Kreuzfahrer sicher kein großes Ding: Aber mich hat die abschließende Fahrt durch den 98 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal, weltweit als Kiel Canal bekannt, fasziniert. Gerade noch so dimensioniert, dass sie die Maximalhöhe von 40 Metern und die Maximalbreite von 32,5 Metern nicht reißt, schiebt sich an einem sonnigen Tag die Europa 2 in geradezu meditativer Langsamkeit (Speed Limit im Kanal: 8,1 Knoten) durch ein Schleswig-Holsteiner Landschaftsiydll. Leise nur gurgelt das Wasser am Rumpf. Am Ufer Ship-Spotter, Kühe und Schafe.

Ein paar Mal heißt es in einer der zwölf Schiffsweichen, die nicht mehr als eine breitere Wartebucht sind, „Maschinen stopp!“. Dann dürfen  entgegenkommende Schiffsverbände passieren, bevor es weitergeht. Während der ganzen Fahrt ist nicht nur ein Lotse an Bord, sondern für die Crew auf der Brücke heißt es auch: Hände weg vom Steuerknüppel. Denn, so sieht es die Vorschrift vor, im Kanal hat ein externer Steuermann die Kontrolle über das Schiff.

Steckbrief Europa 2

251 Suiten für maximal 500 Gäste – bei 370 Mann Crew
2 Owner Suiten inklusive Veranda à 114 m²
2 Grand Penthouse Suiten inklusive Veranda à 88 m²
16 Grand Ocean Suiten inklusive Veranda à 52 m²
24 Penthouse Suiten inklusive Veranda à 52 m² (2 davon behindertengerecht)
59 Ocean Suiten inklusive Veranda à 35 m²
141 Veranda Suiten inklusive Veranda à 35 m²
7 Familien Suiten inklusive Veranda à 2 x 27 m²

Baujahr: 2013
Kategorie: 5-Sterne-plus*
BRZ: 42.830
Werft: STX Europe, St.-Nazaire, Frankreich
Länge: 225,38 m
Breite: 26,70 m
Tiefgang: 6,30 m
Gesamtleistung: 24.000 kW
Geschwindigkeit: 21 Knoten

 

 


INFO  EUROPA 2

Reisen in der Veranda Suite kosten im Schnitt um die 500 bis 600 Euro/Tag und Person. 14 Tage Hongkong–Singapur etwa kosten ab 6.990 Euro pro Person, weitere Reisen und Infos sowie virtuelle Rundgänge und Bordblogs finden Sie hier

Hier geht es zum Reisebericht über einen Familienkreuzfahrt mit der Europa 2 und hier zum Reisebericht über eine Expedition nach Island und Grönland

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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