Länderberichte

Karibik | So lieben wir Kuba

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Autorin Manuela Imre belegte mit ihrer Reportage „So lieben wir Kuba“ den 1. Platz beim „Karibik Journalistenpreis 2016“. Der Beitrag in Ausgabe 4/2016 war Teil des Titelthemas „Karibik“. Der zweite Teil handelt von der Dominikanischen Republik und wurde von Thomas Linkel geschrieben, von dem auch die Fotos für beide Reportagen stammen

Hier ein Auszug aus „So lieben wir Kuba“ …

Die 1950er lassen grüßen. Kubas Westen im Oldtimer – stilechter geht’s nicht. Schnell buchen, bevor Starbucks und japanische Importautos die Insel überschwemmen. Ob im Vintage-Chevy oder in Havanna – immer mit dabei ist der Rhythmus eines musikverrückten Landes.

Im Chevrolet Bel Air durch Kuba cruisen

„Wenn du willst, bau’ ich dir ein Flugzeug“, sagt Lazaro mit einem Augen zwinkern. „Das“, lacht Fotograf Thomas Linkel, „könnte sogar hinhauen“, während er auf den Blechberg zeigt, der hinter Lazaro hervorquillt: Schrott, Schrauben, Auspuffrohre, ganze Autotüren stapeln sich da zu einem Ersatzteillager auf.

Lazaro zieht ein quadratisches Blechteil aus dem Pulk und legt es über die Tür des nicht mehr ganz taufrischen grünen Pontiacs von 1954. Er nickt zufrieden: „Perfecto!“ Schon fällt ein kleiner Hammer auf die Beule, drei Minuten später ist das Blechstück Teil der Tür und die Stelle flach wie eine Flunder. „Der Mann weiß, was er tut, dem traue ich auch Flugzeuge zu“, bewundert Kollege Thomas die schnelle Maßarbeit.

Sattes Grün und sanfte Hügel im Valle Viñales

Es ist nicht der erste Oldtimer, dem Lazaro neues Leben einklopft, den er abschleift und lackiert – das erkennt sogar eine komplette Reparatur-Niete wie ich. Kari, unsere Gastgeberin im kubanischen Städtchen Güines, knapp 50 Kilometer entfernt von Havanna, hat den Nachbarn um Hilfe gebeten, um die wuchtige Karre ihres Vaters in Schuss zu bringen.

Handgedrehte Robaina-Zigarren besitzen Kultstatus

Spielende Kinder auf dem Dorfplatz

Wichtig im Bel Air 57: Bauch rein, Brust raus

Kuba und Oldtimer passen so harmonisch zusammen wie Rum, Minze und Limetten. Meerblauer Himmel, bunte Kolonialbauten, immer warme Sonne und eine Landschaft, die mal mediterran, mal tropisch ist – eine schönere Kulisse kann man sich für eine Tour im historischen Gefährt kaum wünschen. Bereits auf dem Weg von Santa Clara nach Güines, der ersten Etappe unserer einwöchigen Fahrt durch Kubas Westen, fühlten wir uns wie an einem 50er- Jahre-Filmset.

Eine Horde Kühe queren seelenruhig die Straße.

Durch das 1962 verhängte Embargo der USA wirkt die Insel wie in einer Zeitschleife: Chevys, Bentleys und Pontiacs, Käfer und Cadillacs, Relikte einer längst vergangenen Ära, drehen auf dieser Insel top renoviert ihre Runden. „Kubaner arbeiten an ihren Autos gewissenhafter als an ihren Ehen“, lacht Leonel Perez Correa, kurz Leo.

Der gut gelaunte Tour-Guide spricht fließend Deutsch mit charmant-spanischem Akzent. Die Sprache hat er sich selbst beigebracht und später studiert. „Am meisten habe ich natürlich in Deutschland gelernt“, schwärmt er von seinem ersten Auslandsaufenthalt vor sechs Jahren.

Die 1837 eröffnete, rund 50 Kilometer lange Strecke von Havanna nach Güines war die erste Eisenbahnverbindung in Lateinamerika

Dass unser Fahrer Ramon Perez Lopez zum Platzen stolz ist auf seinen grasgrünen Bel Air 57, ist auch ohne Übersetzung klar. Ramons kugelrunder Bauch sinkt etwas ein, während der Brustkorb mindestens drei Zentimeter anwächst – ein Schauspiel, das sich bei jedem Oldie-Fahrer wiederholen wird, den wir in Kuba nach seinem Auto ausfragen.

Vom Vater geerbt, sei der einst rote Wagen nicht mehr an allen Ecken und Enden ganz echt. Ein paar Einzelteile stammten vom Auto des Nachbars, aber der Motor „es original“. „Der schnurrt ja wie ein zufriedenes Kätzchen“, bemerkt Thomas bewundernd, als der Chevy anfährt und gleich wieder abbremst, da gerade eine Horde Kühe seelenruhig die Straße quert.

Egal ob im Mojito, Daiquiri oder einem anderen Longdrink – Havanna Club (Rum) darf niemals fehlen

Wir haben es uns auf den prall gepolsterten, hellen Ledersitzen bequem gemacht, die sind breit genug für eine Großfamilie. „Im schwülen Sommer könnte es eine klebrig-schwitzige Angelegenheit werden“, bemerkt der Fotograf mit Blick auf die durchsichtige Plastikschicht zwischen Sitz und Hintern.

Zum Glück ist das Wetter gerade gnädig mild und pustet eine frische Brise durch die leicht geöffneten Fenster. Im fruchtbaren Westen bestimmen nicht Kubas weitläufige Strände die Szenerie: Sattes Grün und sanfte Hügel breiten sich aus, soweit das Auge reicht. Eine leichte Zitrusnote mischt sich unter den betörend sü.en Duft der lilienartigen, weißen Mariposa, der Nationalpflanze Kubas.

Blick vom Bacardi-Tower auf die als Unesco-Weltkulturerbe geadelte Altstadt La Habana Vieja

Sonnenuntergang über den Plantagen auf Kuba

Adios Zuckerrohr, hola Privatwirtschaft!

Mit Tempo 50 tuckern wir gemütlich an Orangenplantagen und Avocado-Hainen vorbei zum ersten Stopp, einer stillgelegten Zuckerrohrfabrik. Früher war Kuba einer der führenden Zuckerrohrlieferanten der Welt, 2002 aber schloss die Regierung wegen sinkender Rentabilität über die Hälfte aller Anlagen. „Jede Provinz hat noch zwei bis drei aktive Fabriken“, erklärt Leo. Der Rest? Triste Ansammlungen von ausrangierten Lokomotiven, Wassertürmen und wuchtigen Maschinenrädern, die wie Mahnmale früherer Geschäftigkeit vor sich hin rosten.

Nächtliches Treiben vor einer „Casa Particula“ in Havanna

Dazwischen steht plötzlich ein kleiner, mohnroter Wellblechbau mit handgemaltem Schriftzug. Eine junge Dame im gestärkten, weißen Hemd bietet mit schüchternem Lächeln Pan con queso, Kaffee und Batido, Papaya-Saft mit Wasser, Zucker, Milch und Eis, an – vor gut einem Jahr noch ein Unding auf der Insel, auf der jahrzehntelang keine privaten Geschäfte neben den staatlichen geduldet wurden. […]

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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.

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