Food

Bizarre Delikatessen | Würg! Oder doch lechz?

Markus Stein
Geschrieben von Markus Stein

Andere Länder, andere Essgewohnheiten – klingt
ganz harmlos. Doch was im Extremfall auf dem
Teller landen kann, wird selbst für hartgesottene
Globetrotter zur Mutprobe.

Einige der wildesten Snacks aus unserem Schwerpunkt-Thema „Kulinarische Mutproben“ in Heft 1-2/2016 stellen wir hier vor. Im Magazinbeitrag geht es nicht nur um asiatische Leckereien, sonder auch um das schwedische Surströmming, britischen Blood Pudding,  isländischen Gammel-Hai und mehr Feinkost.

Bizarre Delikatessen: Meerschwein knusprig

Ein bei unseren Kindern beliebtes Haustier steht in Südamerika ganz oben auf der Liste der BBQ-Hits: Das Meerschwein. Die Verwandten unserer Nager erreichen dort eine Länge von einem halben Meter und ein Gewicht von vier Kilogramm – weshalb sie dort seit Menschengedenken – und Jahr für Jahr zu Zigmillionenfach auf den Tellern landen.

Das Fleisch von Meerschweinchen (siehe großes Foto oben) schmecke gut, berichteten uns mehrfach Reporter, die es vorgesetzt bekommen haben. „Cuy chactado“ schmecke eher neutral, ein wenig wie Kaninchen. Am besten sei die Haut, wenn sie knusprig und gut gewürzt ist.

Schlange gegrillt findet man auf Chinas Märkten fast an jeder Ecke – wie Kakerlaken und Tausendfüßler gegrillt

Schlange gegrillt findet man auf Chinas Märkten fast an jeder Ecke – wie Kakerlaken und Tausendfüßler gegrillt

Hinter Balut versteckt sich ein im Ei gekochtes Hühnerküken

Hinter Balut versteckt sich ein im Ei gekochtes Hühnerküken

Ekel-Ei: halb ausgebrütet zu löffeln

Balut ist ein angebrütetes gekochtes Enten- oder Hühnerei, das auf den Philippinen und in Vietnam konsumiert wird. Die Eier werden zwei Wochen lang in Körben warm gehalten und dann 20 bis 30 Minuten gekocht. Gegessen werden die noch warmen Eier, indem zunächst ein Stück der Schale entfernt, etwas Salz hineingestreut und dann die Flüssigkeit ausgeschlürft wird.

Dann wird das Ei gepellt und mit Salz gewürzt,  mit Essig oder Sojasauce. Schnabel und Federn der Küken sind deutlich zu erkennen. Das ungewürzte bräunlichschwarze Fleisch schmeckt angeblich salzig und scharf. Balut gilt als Aphrodisiakum und potenzsteigernd.

Frittierte Vogelspinnen genießt man in Kambodscha mit Gewürzen, Zucker und feinen Knoblauchscheiben

Frittierte Vogelspinnen genießt man in Kambodscha mit Gewürzen, Zucker und feinen Knoblauchscheiben

Spinne frittiert oder gezuckert

Die Kambodschaner stehen auf Krabbeltiere. Vor allem Vogelspinnen waren während der Herrschaft der Roten Khmer (1975 bis 1978) eine Nahrungsquelle für die darbende  Bevölkerung. Hier eines der zahlreichen Rezepte: Nach Waschen und kurzem Kochen legt man die Spinnen in Zucker, Salz und eine Gewürzmischung ein und lässt sie 30 Minuten ziehen.

Anschließend werden die Vielbeinigen 15 Minuten in heißem Öl frittiert. Zum Schluss noch mit hauchdünnen Knoblauchscheiben garnieren und fertig. Soll gar nicht so schlecht schmecken.

Frisch aus dem Reisfeld kommt diese Ratte auf den Grill – beliebtes Fleischgericht in Thailand und Kambodscha

Frisch aus dem Reisfeld kommt diese Ratte auf den Grill – beliebtes Fleischgericht in Thailand und Kambodscha

Falsches Huhn

Ratten gelten in Kambodscha als Leckerbissen. Üblicherweise werden sie gegrillt, können aber auch gut als Suppenfleisch zubereitet werden. Das Fleisch hat angeblich die Konsistenz und den Geschmack von gebratenem Huhn.

Übrigens: Bizarre Delikatessen trifft es hier nicht ganz. Rattenfleisch, und zwar das der Biberratte (Nutria, nicht mit der Ratte verwandt) war auch in Deutschland verbreitet. Zu DDR-Zeiten konnte man das Fleisch beim Metzger oder im Supermarkt erhalten.

Genitalien für Lendenlahme

Kulinarisch weit unter der Gürtellinie bewegt sich das Pekinger Restaurant „Guolizhuang“ (übersetzt „Kraft im Topf“), werden doch dort Tierpenisse serviert. Die Spezialität des Hauses sind die Geschlechtsorgane männlicher Esel, Hirsche oder sogar Schlangen, je nach Geschmack angereichert mit pikanten Soßen oder in nahrhaften Suppen eingerührt.

Der Genuss steigert angeblich wieder einmal die Potenz, glauben jedenfalls die Chinesen. Auch für Frauen lohne sich der Verzehr: Besonders Hirschpenis glätte die Haut und mache Frauen schöner.

Fermentierte Bohnen, die herzhaften Schleim entwickeln, schätzt man als Natto in Japan

Fermentierte Bohnen, die herzhaften Schleim entwickeln, schätzt man als Natto in Japan

Schleimt doch soooo schön

Das traditionelle japanische Lebensmittel Natto wird aus Sojabohnen hergestellt. Dazu werden die Bohnen gekocht und durch Einwirkung eines Bakteriums fermentiert. Dadurch bildet sich eine schleimige, Fäden ziehende Substanz um die Bohnen und die Speise bekommt einen starken Geruch.

Bei traditioneller Zubereitungsart stammen die Bakterien aus Reisstroh, in das die Bohnen gewickelt werden. Nattō wird als Beilage gereicht oder als eigenständige Speise verzehrt. Gesundheitsfördernde Wirkung wurde für einige der durch die Fermentierung entstehenden Stoffe nachgewiesen.


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Über diesen Autor

Markus Stein

Markus Stein

Wenn Markus mal nicht vor dem Computer sitzt – das ist leider immer öfter immer weniger der Fall ... –, macht er mit Vorliebe die Bergwelt vor der oberbayerischen Redaktions-Haustür unsicher. Sei es mit dem Mountainbike oder Wanderschuh in der schneefreien Zeit, mit Touren- oder Alpinski im Winter. Bleibt dann noch Puste übrig, stürzt er sich auch gern mal in Münchens Kulturleben, mit Vorliebe in die Jodel-Hochburg Bayerische Staatoper. Die absoluten Reise-Highlights im Dienste der Redaktion: eine Rundreise durch Neuseeland („Der Hammer“) und Tiefschnee-Tauchgänge in Kanada („Auch nicht schlecht“).

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