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Last Exit Beijing | Oberbayern–Albanien

Erklärtes Ziel der Weltreise: den Blick für das Unbekannte schärfen! In den Alpen geht es noch recht vertraut zu …
Keno Stocks
Geschrieben von Keno Stocks

Keno Stocks ist 20 und damit  jünger als sein Peugeot 106.
Mit dem will der unerschrockene Oberbayer nach China.
Allein. Ohne Masterplan. Aber mit viel Abenteuerlust.
Wir begleiten ihn auf seinem Road Trip nach Peking.
Hier kommt Etappe 1

Verehrte Leserschaft! Bevor ich mich vorstelle, ein dringender Appell: Ich brauche Eure Hilfe. Spart euch die Lektüre dieses Blogs. Schreibt bitte stattdessen mit Freundlichkeit und Nachdruck einen Brief an die Redaktion von „abenteuer und reisen“ und fordert darin bitte die sofortige Einstellung dieses Formats, weil es Euch zum Beispiel zu Tode langweilt. Dann kann ich schleunigst wieder nach Hause. Als Dankeschön bekommt Ihr von mir eine guten Ratschlag: Wenn Ihr vorhaben solltet, mit einem kleinen, in die Jahre gekommenen Auto, Freunde und Familie zurücklassend, ins absolute Ungewisse aufzubrechen und gleichzeitig das Laster des Tabakkonsums aufzugeben, lasst es bleiben. Es macht erstaunlicherweise überhaupt gar keinen Spaß.

Tag 1–12: Die Balkanroute, andersrum

Die erste Woche war schon mal ein interessanter Auftakt meines Road Trip nach Peking. Aber mit Bayern, Österreich, Slowenien mehr oder weniger bekanntes Terrain. Schluss damit! Heute habe ich die alberne Sehnsucht nach naturnahem Minimaltourismus abgelegt und beschlossen, nicht im Auto am Strand zu schlafen, sondern in einem Hotel in einer Stadt. Das geht freilich nur, weil ich in Bosnien-Herzegowina bin und dort mit meinem Bar-Vermögen von 40,13 Euro als Superreicher gelten muss.

„Gefällt Ihnen diese Familiensuite mit Küche, Bad, Ledersofas und Balkon in Mostars Stadtzentrum? Sie nehmen Sie? Das wären dann 5 Milligramm Kupferspäne, bittesehr. Sicher, die dürfen auch von einer Euromünze stammen. Devisen sind gerne gesehen.“ Oder „Möchten Sie vielleicht in unserem traumhaften Restaurant in der Altstadt ein reichhaltiges, traditionelles und köstliches Abendessen zu sich nehmen? Ja? Das macht dann einmal fast überhaupt gar nichts, bitteschön.“

Tag 12–15: Albanien, schon alles anders hier

Albanien zeichnet sich für den Autofahrer dadurch aus, dass jeder Ort mit jedem anderen durch ein Netz von ausgetrockneten Flussbetten verbunden ist, die von der Bevölkerung als Verkehrswege benutzt werden. Manche Personen gehen soweit, diese Wege als „Straßen“ zu bezeichnen, aber das sind genau diejenigen, die auch Ketchup als souveränes Salatdressing für „gar nicht übel“ halten.

Abgesehen davon ist Albanien ein Feuerwerk aus ungeheuer gastfreundlichen Menschen, entspannter Laissez-faire-Atmosphäre, alten Mercedes-Limousinen und vor allen Dingen spektakulärer Landschaften: Die Berge schießen direkt an der Küste in 2.000 Meter Höhe, die wilden Sandstrände können über die Eitelkeit italienischer Badebuchten nur lachen und das glasklare Wasser wird wahlweise in türkis- oder azurblau geliefert. Liebe Leute, fahrt – nein, fliegt besser – nach Albanien!

Tag 16: Road Trip to the next Kfz-Werkstätte

Ein Peugeot, das wissen die wenigsten, ist vollkommen unzerstörbar. Er ist allerdings, wie das dezente Piktogramm auf seiner Schnauze verrät, ein Löwe. Und als solcher wird er bisweilen etwas übermütig, wenn er, nach Jahren der Gefangenschaft, zu viel Freiheit erfährt. Meiner hat heute beispielsweise beschlossen, seine Motordrehzahl frei zu wählen. Ein Blick unter die Motorhaube: Kabelbruch.

Gottseidank gibt es in Albanien pro Schlagloch zwei freundliche Autowerkstätten mit freundlichen Lötkolben. Nachdem dieselbigen eine halbe Stunde beruhigend auf meinen Wagen einredete, schnurrte er wieder wein Kätzchen statt wie ein Raubtier zu röhren. Als ich dem Mechaniker einen Geldschein im Wert von ungefähr sechs Euro hinhielt, lehnte der empört ab und erklärte mir auf Albanisch, ich würde ja die Preise verderben. Drei Euro nahm er dann an. Widerwillig. Man hat schließlich auch seinen Stolz.

Endlich am Meer!

Endlich am Meer!

So, genug erstmal. Falls Ihr bis hierhin gelesen haben, ist euch mit Sicherheit klar geworden, dass mein vorangestellter Hilferuf völlige Nichtbeachtung verlangt.
Wir hören wieder voneinander. Bis dahin, viele Grüße.

Ergebenst, Keno

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Über diesen Autor

Keno Stocks

Keno Stocks

Keno Stocks hat sich schon lange dafür interessiert, was eigentlich passiert, wenn man sich in sein Auto setzt, losfährt und nicht mehr aufhört. Die ersten Experimente in diese Richtungen fanden in der Umgebung von München statt und endeten abrupt, als nach Tagen die Erkenntnis ins Bewusstsein sickerte, dass die A99 eine Ringstraße ist. Zwei wichtige Lektionen stammen aus dieser Zeit: Den besten Kaffee gibt es auf Münchens Nordhalbscheibe und jedes Schiff braucht einen Kurs! Also wurde eine vierseitige Münze geworfen und die Entscheidung getroffen, Segel zu setzen und den Bug gen Osten zu halten! Auf nach China!

(Wenn von Segel die Rede ist, ist damit freilich der 20 Jahre alte Einlitermotor des Peugeot 106 gemeint. Wenn von Schiff die Rede ist, ist darunter freilich das dazugehörige Fahrzeug zu verstehen.)

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