Länderberichte

Lefkas | So lässig!

Klaus Bötig
Geschrieben von Klaus Bötig

Sie haben Flugangst, der Camper muss sich amortisieren? Auto oder Bike sollen mit in die Ferien? Alles kein Grund, auf die griechischen Inseln zu verzichten. Lefkas heißt das Zauberwort!

Nach Lefkas führt die wohl witzigste Autofähre der Welt. Sie dreht sich nur ein paar Mal am Tag um 90 Grad, damit Jachten und Fischerboote passieren können. Ansonsten passt sie der Länge nach genau in den schmalen Kanal, der die Insel vom Festland trennt. „Roll on“ heißt es am einen Ufer, „roll off“ am anderen. Ohne Ticket, ohne Maut.

Inselhauptstadt mit karibischem Flair

Schon drei Minuten später wird’s wieder kurios. Das Inselhauptstädtchen Lefkada scheint aus Zeit und Kontinent gefallen. Anders als auf den anderen, italienisch geprägten Ionischen Inseln ragt kein schlanker Campanile in den Himmel. Eisengestänge dienen den uralten Kirchlein an der langen Hauptgasse als Glockenträger – alle alten Türme sind 1953 bei einem Erdbeben eingestürzt. Die vielen dabei durchgerüttelten Hausmauern hat man mit Holzplanken und Wellblech verkleidet, oft in Pastelltönen gestrichen und mit grünen, blauen und knallroten Fensterläden garniert. Herausgekommen ist dabei ein Hauch von Karibik.

Die Westküste prägen felsige Steilküsten mit Badebuchten und kleinen natürlichen Häfen

Salsa und Fidel-Poster

Der prägt inzwischen auch immer mehr Kneipen. Kubanische Flaggen, Che- und Fidel-Poster zieren mehr Wände als irgendwo sonst in Hellas. Im „Octopus Garden“ serviert das griechisch-russische Inhaberpärchen den Mojito auch mit Ouzo oder Masticha. Im „Cubana“ ist jeden Abend Salsa live angesagt, die Rumflaschen reihen sich meterlang aneinander, die Havana liegt griffbereit im Humidor. Wer sich durch das Dutzend Mojito-Variationen probiert hat, schläft gleich nebenan unter Kronleuchtern in einer 200 Jahre alten griechischen Villa, die zum Boutiquehotel wurde.

„Havana Cuban Café“: Lässt die Karibik hochleben mit Salsa, Rum und Havanna-Zigarren

Drei Traumstrände

40 Kilometer weiter ziehen die Italien-Fähren jeden Tag an Christos vorbei. Sein zur „Kantina“ umgebauter Wohnwagen steht 213 Meter hoch auf der Steilküste bei Porto Katsiki. Da hat er gleich drei Traumstrände im Blick. Mit dem Strand von Porto Katsiki betrieb die Griechische Fremdenverkehrszentrale über Jahrzehnte hinweg Plakatwerbung und als Postkarte wird er auch gern auf Kreta und Rhodos verkauft.

Wind- und Kitesurfer tummeln sich bevorzugt in der Fleva Bay

Verlassener Egremni Beach

Viele Stufen führen zum weißen Sandstreifen hinunter, aber der (gebührenpflichtige) Parkplatz ist inzwischen größer als der Beach. Nicht ganz so spektakulär, doch dafür auch weniger voll ist der Gialos Beach unterhalb des Dörfchens Athani, wo man auch wohnen kann. Fast gar nichts mehr los ist am Egremni Beach zwischen den beiden erstgenannten Stränden. 2015 hat ein Erdbeben auf Lefkas die Zufahrtstraße unpassierbar gemacht. Nun kommt man nur noch im Ausflugsschiff hin.

Spektakulärer Badeplatz an der Steilküste bei Porto Katsiki

Säulenheiliger Onassis

Nidri heißt die Touristenmetropole von Lefkas. Dort steht Aristoteles Onassis, der wohl berühmteste aller griechischen Schifffahrts-Tycoons, an der Hafenpromenade so cool auf seinem Sockel, als wolle er die nächste Operndiva oder First Lady anbaggern. Mit Maria Callas und Jacqueline Kennedy hat er einst viele Stunden auf seiner Privatinsel Skorpios gleich vor Nidri verbracht.

Josh und Laura Eames bieten ganztägige geführte SUP-Touren zur Insel Meganisi an, deren südliches Drittel ein Rothschild gerade zu einem Luxus-Wohngehege für Superreiche umformen will.

Getactivelefkas.com ist mit geführten Wanderungen und MTB-Touren aktiv – und Fähren ermöglichen Tagestrips zu anderen bewohnten Inseln, etwa nach Kefalonia, Ithaka, Kastos und Kalamos. Trotzdem: Wohnen würde ich lieber in der Inselhauptstadt, die per Linienbus nur 20 Minuten von Nidri entfernt ist. Da ist man auch abends unter Griechen.

Auf Lefkas findet man einige der schönsten Strände im Ionischen Meer

Kneipen-Glück auf Lefkas

Die Geschäfte an der Hauptgasse des Städtchens sind lange geöffnet. Die üblichen Souvenirgeschäfte drängen sich in einer 30 Meter kurzen Nebengasse – die lange Hauptgasse ist völlig frei von solchem Tand. Auf dem heimeligen Hauptplatz spielen Kinder zwischen Ouzerien Ball, Popen teilen sich mit ihren Familien die Pizza. Ein paar Mal am Abend umkurvt der alte Drehorgelspieler mit seiner Madame Hortense den Platz und in den Kaffeehäusern an der Hauptstraße wird man urgriechisch satt, wenn man genug trinkt: Zu jedem halben Liter Bier gibt’s ungefragt drei Tellerchen mit bodenständigen Leckereien nach Wahl des Wirtes.

Fehlen nur noch die Nymphen: Erfrischendes Wasserfall-Idyll bei Nidri

Bei den Engeln

Wer im August dem großen Besucheransturm entgehen will, der zieht sich ins fast 1.200 Meter hohe Inselgebirge zurück. Dort hält Lefkas bei Vafkeri noch eine Überraschung bereit: das Kloster der heiligen Körperlosen, Moni Agion Asomaton. Damit sind die Engel gemeint. Eingehüllt in dichtes Grün träumen hier hohe Ruinen, Zisternen und ein Kirchlein vor sich hin. Zikaden musizieren, kein Mensch weit und breit. Glücklich, wer da eine lefkadische Salami fürs Picknick und eine kühle Flasche Weißwein dabeihat.

Info

Anreise

Nonstop-Flüge nach Preveza mit Condor ab Mün­chen, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf in der Nebensaison und im Handgepäcktarif ab 138 Euro, im Juli regulär ab 380 Euro. Mit dem Pkw erreicht man die Insel mittels der Fähre von Italien über Igoumenitsa

Schlafen

Pirofani

Mittendrin wohnen, direkt an der Hauptgasse von Lefkada. Zehn Zimmer, acht Apartments, 20 bis 80 Quadratmeter, modern mö­bliert. DZ im Juni ab 55 Euro

Speisen

Lighthouse

Auf einer lauschigen Terrasse mitten im Städt­chen Lefkada serviert Sotiris mit Familie täglich ab 18 Uhr viel Ungewöhnliches: zum Beispiel Salat aus geräucherten Auberginen, Moussaka ohne Kartoffeln, Jogurt mit Quitten. Als Digestiv kredenzt der Wirt hausgewürzten Rotwein im Schnapsglas. Filarmonikis Street 14, Tel. +30/26450/ 7 18 52


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Über diesen Autor

Klaus Bötig

Klaus Bötig

Klaus Bötig, zufällig in Bayreuth geboren und in Kassel aufgewachsen, arbeitet seit 1972 als Reisejournalist. Seine Themenschwerpunkte sind seit vielen Jahren Griechenland, Zypern, Malta und Deutschlands Norden von Ostfriesland bis zur Lüneburger Heide. Er ist Mitglied der Vereinigung deutscher Reisejournalisten (VdRJ). Angefangen hat alles während des Studiums der Germanistik und der Politischen Wissenschaften mit einem ersten Reiseführer über Island. Am 24.12.1972 ging es erstmals nach Hellas – daraus wurde eine Dauerbeziehung, aus der über 75 Griechenland-Reiseführer und zahlreiche andere Veröffentlichungen zu Griechenland entstanden sind.

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