Länderberichte

Ljubljana | Duft der Adria

Robert Haidinger
Geschrieben von Robert Haidinger

Die Hauptstadt Sloweniens ist ein Schmelztiegel aus Balkan, Bella Italia und Österreich. Die sehrentspannte Studentenstadt erweist sich als wunderbares  Ziel für eine Städtekurzreise.

Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Ton? Ich schon. Man muss die Schöne am Südostrand der Alpen nicht mal mit eigenen Augen gesehen haben, es genügt dieser melodische Klang: Ljubljana. Das sind zwei weiche, slawische Vokal-Pirouetten, mit einem offenen, kehligen Vokal zwischendrin und mit einem femininen Refrain. Nika kann all das besonders gut. „Lju-blja-na“, haucht sie und schiebt ein Petit Four hinterher, „wird manchmal Prags kleine Schwester genannt. Wegen der verträumten Gassen. Und wegen der romantischen Architektur.“

Wir sitzen in der Patisserie „Lolita“ unter dicken Keramikkirschen und neben Stehleuchten mit zierlichen Nachthäubchen. Beides Entwürfe, die Nika Zupanc seit einiger Zeit zur Lichtgestalt der lokalen Kreativszene machen. „Lolita“ ist exakt jene Café-Verführung, die mir die Designerin am Telefon versprochen hatte.

Rohes Ziegelwerk in Zyklame-Finish. Cooles Zickzackparkett, so wie es sich für einen  Neo-Renaissancebau aus dem Jahr 1898  gehört. Die Raumdecke sieht aus wie ein überdimensionales Spitzentaschentuch: Ein Frauenbildnis mit bauschigen Rosenblüten im Haar sieht auf die Gäste herab.

Ljubljana: Partyzone mit mediterranem Flair

Blickt man durch die hohen Fenster auf die Flusspromenade hinaus, charmiert Ljubljana noch mehr. Studenten mit modischen Räuber-Hotzenplotz-Bärten lehnen an den Balustraden der berühmten Dreierbrücke und starren Löcher in den  Junihimmel. Touristen rasten vor dem Denkmal des Dichters France Prešeren, dessen „Trinklied“ zur slowenischen Nationalhymne erklärt wurde, und zupfen mit spitzen Fingern  Speckränder vom Pršut, dem luftgetrockneten Schinken aus dem umliegenden Karst.

Zarte Versuchung: der köstliche, luftgetrocknete Prsut-Schinken

Zarte Versuchung: der köstliche, luftgetrocknete Prsut-Schinken

Bankhaus in Schweinchenrosa

Ehrwürdige Fassaden, wohin man blickt: Gleich hinter dem Prešernov trg, oft als Wohnzimmer der Stadt tituliert, leuchtet die barocke Franziskanerkirche wie ein überzuckerter Punschkrapfen. Daneben wuchert das schmiedeeiserne Schlingwerk astreiner Belle-Epoque-Portale. Schon wenige Schritte weiter taucht der nächste Eyecatcher auf: die schweinchenrosa Fassade einer Bank im Sezessionsstil, bei der sich die slowenische Architekten der damals formierenden Nation an einer folkloristisch geprägten Jugend stil-Version versuchten, die ein wenig an Hirtenteppich-Deko erinnert.

Alt schaut Ljubljana deswegen nicht aus. Im Gegenteil: Fast ein Viertel der 260.000 Einwohner sind Studenten, das Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren. Jedes Jahr finden mehr als 10.000 Kulturveranstaltungen statt. An der Uferpromenade des Flusses Ljubljanica reiht sich Bar an Bar. Hier wird die gemütliche Kleinstadt zur Partyzone mit mediterranem Flair. Lebendiges Ljubljana.

Die Dreierbrücke führt über die Ljubljanica und besteht aus einer Hauptbrücke für Autos und zwei Fußwegen

Partystimmung am Ljubljanica-Ufer, im Hintergrund die berühmte Dreierbrücke

Historie und Fine Dining auf der Burg

Nika ist eine viel beschäftigte Designerin, und so fällt unser Stadtbummel etwas kürzer aus als erhofft. Wir nehmen den gläsernen Würfel der kurzen Standseilbahn, die neben den dicken Platanen des Krekov trg zur  Festung hinaufschnurrt. Von den dicken Mauerzinnen kann man fast ein Drittel des kleinen Landes übersehen. Dunstig blau verschwimmen weiter im Westen die Ausläufer der Julischen Alpen

Ljubljana, die grüne Kapitale Sloweniens

In Gegenrichtung leuchtet das weiche Grün fruchtbarer Böden und Weinberge herauf. Man meint, die salzige Luft der Adria erschnuppern zu können. Ljubljana verströmt als Schmelztiegel der Kulturen eine besondere Note. Aber: Ljubljana ist auch grün – für dieses Jahr wurde sie  zur „Grünen Hauptstadt Europas“ erklärt. Vier Landschaftsschutzgebiete umgeben die Stadt wie ein grüner Gürtel, eines davon reicht mit dem Tivoli-Park praktisch bis in das Stadtzentrum hinein.

Konditorei Lolita: fantastische Torten, Obstkuchen, Crostatas, Mousses oder Pannacottas

Konditorei Lolita: fantastische Torten, Obstkuchen, Crostatas, Mousses oder Pannacottas

161 Vogelarten im Stadtgebiet

Die ehemalige Stacheldrahtsperre, die Sloweniens Hauptstadt während des Zweiten Weltkriegs umgab, wurde im Laufe der Zeit in einen Weg mit 7.000 gepflanzten Bäumen verwandelt. Waldwege durchziehen die nahen Hügel Rožnik und Šišenski hrib und Hobbyornithologen kommen auf ihre Kosten: 161 Vogelarten sind im Stadtgebiet registriert, mehr als die Hälfte davon gelten als gefährdete Arten.

Hinter dem grünen Laibach verbirgt sich ein recht ambitionierter Masterplan, der in atemberaubender Geschwindigkeit durchgezogen wurde. Binnen einer Dekade wurde dafür der Autoverkehr ausgedünnt und die Innenstadt in eine große Fußgängerzone verwandelt. Das ist kein Problem, denn so gut wie alle Sehenswürdigkeiten sind nur kurze Spaziergänge voneinander entfernt.

Elektrische Kavaliere

Das Museumsviertel um den Tivoli-Park und die alte Fahrradfabrik Rog, nun eine Art Epizentrum der trashigen Laibacher Alternativkultur, bereiten ebenfalls keine Blasen an den Füßen. Wer trotzdem müde wird, kann in ein froschgrünes Elektro-Vehikel namens Kavalier einsteigen, das zwischen dem Slowenischen Nationaltheater und dem Krekov trg hin und her schnurrt, quer durch Ljubljanas mit Kopfstein gepflasterte Fußgängerzonen.

Die berühmte Drachenbrücke, ein Jugendstil-Meistwerk, wurde 1901 fertiggestellt

Die berühmte Drachenbrücke, ein Jugendstil-Meistwerk, wurde 1901 fertiggestellt

Kinderfreundliches Monster

Auch das alte Wahrzeichen der Stadt trägt Grün auf der Haut. Kupferspangrün, um es genau zu nehmen. Es handelt sich um jene pittoresken Drachen, die der Drachenbrücke Zmajski most zu ihrem Namen verhalfen: zackige Monster, vor denen so gut wie jedes slowenische Kind mal posieren durfte.

Kurzum: Ljubljana präsentiert sich als Vorzeigemodell einer perfekt gemanagten Stadt mit Nachhaltigkeitsfaktor Zehn. Wäre es ein Unternehmen, würde es als Musterbetrieb jede Menge Ökopreise abräumen.


Hotel-Tipps

B&B Petra Varl

Vodnikov trg 5, Tel. +386/41/ 38 94 70
Wenige Meter vom Marktplatz bieten die schlichten Mansardenzimmer im Arkadenhof aus dem 16. Jahrhundert ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gratis-WLAN, Studios mit Mini küche. Schöne Aussicht auf den Burgberg. DZ ab 50 Euro.

Hotel Park

Das Drei-Sterne-Hotel setzt auf modernes Design und hat im Neubau Platz geschaffen für 185 Zimmer – allesamt Nichtraucher- Einheiten. Das Museumsquartier der Stadt liegt nur fünf Gehminuten entfernt. Es war das erste Öko- Hotel der Stadt und arbeitet eng mit lokalen Künstlern zusammen (Events mit Kunst, Tanz, Musik und Theater). Ein eher ungewöhnlicher Service: der Hotel-Zahnarzt. DZ ab 65 Euro.

Web

Tourismusbüro Ljubljana

Tourismuszentrale Slowenien


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Über diesen Autor

Robert Haidinger

Robert Haidinger

Seit drei Jahrzehnten Foto-Nomade mit Ankerplatz Wien mit extremer Reiseerfahrung. Er arbeitete in bislang über 80 Staaten und auf fünf Kontinenten. Der Schwerpunkt dieser Reisetätigkeit liegt neben Afrika und Zentralamerika vor allem im kulturell so komplexen Asien. Langzeitaufenthalte in Japan, China, Sri Lanka und Indien machen ihn zum Spezialisten dieser Region. Seine Arbeiten werden von der Kölner Agentur Laif vertreten. „Meine fotografische Arbeit wird von unterschiedlichen Welten geprägt, die im Idealfall miteinander kommunizieren. Zum einen wäre da die Sensibilisierung auf moderne Lifestyle-Codes, geschärft durch langjährige Arbeit in den Bereichen Design und Architektur. Das Eintauchen und Verstehen fremder Kulturen setzt wiederum eine ganz andere Form von Erfahrung voraus – erworben durch Jahrzehnte lange intensive Kontakte auf allen gesellschaftlichen Ebenen Asiens. Heute fühle ich mich dort wie ein Fisch im Wasser. Zugleich führen mich immer wieder Reportage-Reisen an die „Last Frontier“: Besondere und oft raue Orte am Rande der globalisierten Welt, die eine besondere Form der Annäherung bedürfen. In unverbrauchten Weltregionen wie Mosambiks Norden oder Australiens Arnhem Land relativieren sich unsere Vorstellungen von Normalität.

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