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Málaga | Sehenswertes für den City-Trip

Ausblick auf Málaga
Anja Keul
Geschrieben von Anja Keul

Málaga punktet mit hochkarätigen Museen, lässigen Bars, feinen Tapas, besten Shopping-Optionen und dem Temperament einer andalusischen Großstadt. Der lange Strand liegt gleich vor der Haustür

Warum Málaga?

Sicherlich gibt es schönere Städte in Spanien, mit berühmteren Palästen, bedeutenderen Museen und romantischeren Vierteln. Aber wo kann man schon morgens mit Meerblick frühstücken und dann aufs Feinste shoppen? Am Strand frisch gegrillte Sardinen essen und abends mit einem Drink in der Hand zusehen, wie die rötlichen Mauern einer mehr als 1.000 Jahre alten Festung im letzten Licht des Tages aufleuchten? In Málaga, mit 570.000 Einwohnern sechstgrößte Stadt Spaniens und in Andalusien auf Rang zwei nach Sevilla, macht’s der Mix.

Flanierzone Muelle Uno Málaga

An Málagas Muelle Uno kann man nah am Wasser sitzen

Stolz sind die Malagueños auf den Paseo del Parque, einen Anfang des 20. Jahrhunderts angelegten Palmenboulevard mit tropisch wucherndem Grün und schattigen Steinbänken. Richtig lebendig und mit viel andalusischem Temperament gesegnet war Málaga schon immer. In den letzten Jahren öffnete sich die Metropole der Costa del Sol auch endlich dem Meer. Wo früher rostende Container vor sich hin gammelten, zieht sich die Muelle Uno nun als eine schmucke, filigran überdachte Promenade am Meer entlang – von ihrem östlichen Ende aus sind es nur noch ein paar Schritte zum Stadtstrand La Malagueta.

Gleichsam nebenbei entwickelte sich das meernahe Viertel Soho im Eiltempo vom rotlichtigen Schmuddelbezirk in eine verkehrsberuhigte Flanierzone, in der viele, teils haushohe Graffiti von einem Intermezzo als Szenequartier künden. Auch die einst in Abgasen erstickende Verkehrsachse Alameda wird derzeit zurückgebaut. Seit der Eröffnung des Picasso-Museums 2003 und der ersten Dependance des Centre Pompidou außerhalb Frankreichs im Jahr 2015 hat sich Málaga als Kulturstadt etabliert.

Málaga Street-Art

Graffito des Street-Art-Künstlers ROA in Soho

Direkt vor dem knallbunten Glaskubus des Centre Pompidou können kleinere Kreuzfahrtschiffe anlegen, die größeren Pötte ankern weiter draußen. Am Centre Pompidou steigen viele Passagiere direkt in Busse, die sie zu Andalusien-Klassikern wie Granada oder Ronda bringen. Darum nehmen Landgänger, die hinter fähnchenschwenkenden Führern hinterhertrotten, in den Fußgängergassen in Málagas Altstadt (noch) nicht überhand.

Málaga: Centre Pompidou

Der bunte Glaskubus verweist auf das darunterliegende Centre Pompidou

Muss man sehen

Noch älter als die berühmte Alhambra von Granada sind die Ursprünge der Mauren-Festung Alcazaba, zu der man meerwärts der Plaza de la Merced aufsteigen kann, vorbei an den Resten eines römischen Amphitheaters. Noch eine Etage höher liegt das Castillo de Gibralfaro, eine wuchtige Wehranlage mit einem begehbaren Festungswall, von dem man einen wunderbaren Blick auf Málaga hat (Kombi-Ticket mit Alcazaba 5,50 Euro). Beliebtestes Selfie-Motiv hier oben ist die Aussicht mit der gelb leuchtenden Stierkampfarena vor der Hochhauskulisse.

Málaga, Spanien: Festung Alcazaba

Durchblick in der maurischen Festung Alcazaba über Málaga

In der 1874 errichteten Arena war der junge Pablo Picasso gelegentlich zu Gast. Nach seinem Tod 1973 gingen noch drei Jahrzehnte ins Land, bis in seiner Heimatstadt endlich ein Picasso-Museum eingerichtet wurde, das einen guten Überblick über seine Entwicklung und wichtigsten Stilrichtungen gibt (8 Euro).

Vor allem mit temporären Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst glänzt das Centre Pompidou auf der Muelle Uno (9 Euro). Oldtimerfans sollten den Weg zur ehemaligen Tabakfabrik „La Tabalacera“ südwestlich des Zentrums antreten, um im Museo Automovilístico Kostbarkeiten von Bugatti bis Hispano Suiza zu bestaunen (8,50 Euro, Av. Sor Teresa Prat 15).

Wer sich näher für die Street Art in Soho interessiert, der findet eine Übersichtskarte mit den sehenswertesten Werken auf der Website des Projekts MAUS (Málaga Arte Urbano Soho).

Málaga, Spanien: Ausblick vom Dach des AC Hotel Málaga Palacio

Vom Dach des „AC Hotel Málaga Palacio“ reicht der Blick über Stadt, Riesenrad und Hafen

Aussicht auf Málaga

Vor ein paar Jahren hätte man noch gesagt: Gibralfaro, logisch! Mittlerweile muss man sich aber gar nicht mehr so weit bemühen. Mehrere Hotels haben ihre Dachterrassen für alle geöffnet, besonders schön sitzt man dort zum Sonnenuntergang. Platzhirsch ist das AC Hotel Málaga Palacio nahe der Plaza de la Marina, das für die superben Ausblicke inklusive eines Drinks 8 Euro nimmt – auch die Tapas zum Sunset sind vom Feinsten. Auf den ebenfalls aussichtsreichen Terrassen der Hotels Sallés Málaga Centro (Calle Mármoles 6) und Soho Bahía Málaga (Calle Somera 8) ist man schon mit einem Softdrink oder Bier dabei (rund 2 Euro).

Bummeln und Schlemmen

Muschelschalen auf dem Boden und stapelweise Holzfässer – die beste Auswahl an Sherry und Málaga-Wein zum günstigen Preis gibt’s in der ältesten Bar der Stadt, der Antigua Casa de Guardia (Alameda/Ecke Calle Pastora). Mit raffinierteren Tapas und netter Atmosphäre hat sich die Bar La Relojería in einer ehemaligen Uhrmacherwerkstatt in kurzer Zeit viele Fans gemacht (Calle Méndez Núñez 3 bajo). „Internationale Tapas“ von Ceviche bis Dim Sum serviert das dschungelartig bemalte, hippe Restaurant Mamuchis in Soho (Calle Casas de Campos 27). Die ganz große Kunst der kleinen Portion pflegt Sternekoch José Carlos García im gleichnamigen Restaurant auf der Muelle Uno (Degustationsmenü mit 20 Mini-Gängen 140 Euro).

Málaga, Spanien: Fischrestaurant

Einfache Fischlokale reihen sich an der Promenade von Málaga. Achtung: Montags sind die meisten zu!

Wer sich von hier aus strandwärts hält, stößt in der Calle Reding 12 auf die Marisquería Los Delfines: Auf der großen Terrasse futtern die Malagueños beeindruckende Portionen von frittierten Meeresfrüchten. Danach könnte man sich um die Ecke noch ein hausgemachtes Eis am Stil im winzigen Straßenverkaufsladen Più Bella Paletas holen und über den schattigen Paseo del Parque zurück ins Zentrum bummeln.

Lieblingsplatz

Natürlich am Strand! Morgens um neun geht es im Chiringuito La Caleta im östlichen Strandbereich noch ruhig zu, und im Gegensatz zur zentralen Playa Malagueta blickt man hier nicht auf Hafenkräne, sondern nur über das Wasser. Nach dem Café con leche (1,80 Euro) lockt das Meer …

Málaga, Spanien: Strand La Caleta

Vor der Strandbar „La Caleta“: Nichts als Gras, Palmen und feiner Sand

Shopping

An der breiten, eleganten Fußgängerzone Marqués de Larios mit ihrem glänzend polierten Steinboden reihen sich die bekannten Modemarken. Kleinere Läden finden sich in den westlich gelegenen Gassen um die Plazas Flores und Félix Sáenz. Wer noch ein paar sommerlich-bunte Espandrilles sucht, ist bei der Schuhmanufaktur Calzados Hinojosa richtig (Calle San Juan 20).

Málaga, Spanien: Fußgängerzone

Fußgängerzone Marqués de Larios

Die passenden Flatterkleider, lässige Tuniken, Taschen und Schmuck des kleinen Labels Bohemy gibt’s im süßen, gleichnamigen Shop in der Calle Méndez Núñez 11. Für alle kulinarischen Mitbringsel wie hervorragenden Safran, feines Olivenöl oder Paprikapulver in Retro-Blechdöschen empfiehlt sich die immer volle neomaurische Markthalle Mercado Central de Atarazanas aus dem 19. Jahrhundert (nur bis 14 Uhr geöffnet).

Terrasse des Sailes Hotel Centro Málaga

Auf der anderen Seite des Río Guadalmedina gibt die nachts illuminierte Terrasse des „Sallés Málaga Centro“ im Sommer oft eine spektakuläre Bühne für Livemusik ab

Málaga, Spanien: El Pimpi

Das „El Pimpi“ mit seinen vielen kleinen Räumen und Gärtchen ist bis spät in der Nacht ein beliebter Treff im Zentrum

Nightlife in Málaga

Wie in allen andalusischen Städten geht es spät los. Dafür drängt man sich dann vor allem am Wochenende bis in die Morgenstunden mit dem Bier in der Hand auf der Gasse, wie etwa in der Calle Ramón Franquelo, in der Bar neben Bar liegt. Am meisten los ist im Drunk-O-Rama auf Hausnummer 7. Gegenüber kann man von Donnerstag bis Samstag ab 22 Uhr mit Flamenco in den Abend starten, wenn die Peña Juan Breva (die auch ein sehenswertes Flamencomuseum betreibt) Bühne und Bar für alle öffnet. Ein Klassiker mit vielen netten Gartenplätzen zum Sitzen ist El Pimpi in der Calle Granada (Hausnummer 62). Craft-Beer-Fans können sich in der kleinen Brauerei-Bar La Madriguera durch den Abend schlucken (Calle Carretería 73). Und natürlich sind die verschiedenen Hotel-Dachterrassen von Sonnenuntergang bis spät sehr angesagte Adressen für Cocktails und mehr.

Terrasse auf AC Hotel Málaga Palacio

Luftiger Start in den Abend auf der Terrasse des „AC Hotel Málaga Palacio“

Schön schlafen

Mit dem Gran Hotel Miramar, das erst vor Kurzem aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde, besitzt Málaga nun wieder ein pompöses Grand Hotel alter Schule mit modernem Twist. Pool, Dachterrasse und superbes Frühstück auf der Pool-Terrasse, 100 Meter zum Strand (DZ/F ab 240 Euro). In den anderen „Dachterrassen-Hotels“ liegen die Preise niedriger.

Nicht verpassen

Die Feria de Agosto (15. bis 24. August 2019) ist eine Nonstop-Party mit Flamenco, Feuerwerk, Prozessionen, Musik und Strömen von Málaga-Wein. Und wenn manch einer schon ans Schlafengehen denkt, dann verlagert sich das Geschehen aus der Innenstadt noch auf das Festgelände im Westen der Stadt. Ohne monatelange Vorausbuchung ist zu der Zeit natürlich kaum ein Zimmer zu bekommen.

Raus aus Málaga

Eine durchgehende Promenade führt zum rund dreieinhalb Kilometer östlich gelegenen Strandvorort Pedregalejo und weiter bis nach El Palo. Hier reihen sich günstige Fischlokale aneinander, die vor allem am Wochenende von den Malagueños viel besucht werden. Fast jedes hat einen Sardinengrill in einem ausrangierten Fischerboot am Strand in Betrieb, einen kleinen Spieß (Espeto) gibt es schon ab 2 Euro. Die Wasserqualität ist hier besser als in Stadtnähe, in den Bäumen lärmen die Sittiche und mit dem Fahrrad ist man schnell da. Fahrradverleiher, z. B. Vespa Malaga oder Bike Tours Malaga finden sich nahe des Riesenrads, von dort aus kann man gleich am Meer entlang radeln (12 Euro/Tag).


Info Málaga

Hinkommen

Ryanair fliegt von Frankfurt-Hahn aus ab 120 Euro hin und zurück, Norwegian von München ab 150 Euro, Eurowings und Lufthansa bedienen die Strecke nach Málaga von mehreren Städten aus ebenfalls nonstop.

Rumkommen

Málaga ist eine Stadt der angenehmen Entfernungen, für den Besuch des Castillo de Gibralfaro und des Oldtimermuseums lohnt sich aber der „Bus Turístico“ („Málaga Experience“ mit Bootstour und Gratis-Eintritt in viele Museen 30 Euro für 24 Stunden).

Mehr im Web

findest du unter malagaturismo.com  und malagaturismo.com

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Über diesen Autor

Anja Keul

Anja Keul

Volontariat kurz nach dem Abitur, danach Redakteurin, dann freie Journalistin, um parallel Philosophie zu studieren – uff. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag zog Anja aber die Bremse, um erst einmal ein halbes Jahr um die Welt zu reisen und in Mexiko hängen zu bleiben. Als Kulturressortleiterin bei „Cosmopolitan“ und Journalismus-Dozentin ging es danach zwar weiter, aber irgendwie schlichen sich immer mehr Reisegeschichten in ihre Arbeit. Deshalb machte sie sich als freie Reise-Autorin und Entwicklerin von (Reise)-Magazinen selbstständig. Besonders gern fährt sie in spanischsprachige Länder, weil sie die Sprache und ihre Variationen mag – von der iberischen Halbinsel über Kuba bis Argentinien.